Ebbs

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Ebbs
Wappen von Ebbs
Ebbs (Österreich)
Ebbs
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Kufstein
Kfz-Kennzeichen: KU
Fläche: 40,07 km²
Koordinaten: 47° 38′ N, 12° 13′ O47.6312.214722222222475Koordinaten: 47° 37′ 48″ N, 12° 12′ 53″ O
Höhe: 475 m ü. A.
Einwohner: 5.340 (1. Jän. 2014)
Postleitzahlen: 6341 und
6330 für Eichelwang und Kaisertal
Vorwahl: 05373 und
05372 für Eichelwang
Gemeindekennziffer: 7 05 08
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kaiserbergstraße 7
6341 Ebbs
Website: www.ebbs.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Josef Ritzer (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(17 Mitglieder)
12 ÖVP, 3 SPÖ,
1 FPÖ, 1 BZÖ
Lage der Gemeinde Ebbs im Bezirk Kufstein
Alpbach Angath Angerberg Bad Häring Brandenberg Breitenbach am Inn Brixlegg Ebbs Ellmau Erl Kirchbichl Kramsach Kufstein Kundl Langkampfen Mariastein Münster Niederndorf Niederndorferberg Radfeld Rattenberg Reith im Alpbachtal Rettenschöss Scheffau am Wilden Kaiser Schwoich Söll Thiersee Walchsee Wildschönau Wörgl Tirol (Bundesland)Lage der Gemeinde Ebbs im Bezirk Kufstein (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Ebbs von St.Nikolaus aus gesehen gegen den Inn
Ebbs von St.Nikolaus aus gesehen gegen den Inn
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Ebbs ist eine Gemeinde mit 5340 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Kufstein, Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Kufstein.

Geografie[Bearbeiten]

Ebbs liegt im Unterinntal bei Kufstein, östlich des Inn und am Fuß des Zahmen Kaisers und zählt zu den größten Gemeinden des Bezirks Kufstein. Überdies ist Ebbs mit ca. 5000 Einwohnern eines der größten Dörfer des Bundeslandes Tirol und mit einer Seehöhe von 475 m das tiefstgelegene Dorf Tirols. Der Inn bildet hier auch die Grenze zu Bayern.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Asching (96)
  • Brand (18)
  • Ebbs (2854)
  • Eichelwang (880)
  • Kaisertal (33)
  • Nußham (117)
  • Oberbuchberg (90)
  • Oberndorf (777)
  • Wagrain-Mühltal (356)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Buchberg und Ebbs. Das Gebiet wird als Untere Schranne bezeichnet (Schranne war ein Gerichtssprengel).

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Oberaudorf (Lkr. Rosenheim, By., DE)

Niederndorf



Rettenschöss

Nachbargemeinden
Kiefersfelden (Lkr. Rosenheim, By., DE)
Kirchdorf in Tirol (Bez. Kitzbühel)

Geschichte[Bearbeiten]

Am Ende der Würm-Eiszeit befand sich ungefähr im Ortsteil Oberndorf die südliche Grenze, (mit Kiefersfelden auf der anderen Talseite) des Rosenheimer Sees, der in etwa die Größe des Bodensees hatte und durch die Schmelzwässer des Inn-Gletschers entstanden war.

Der Name Ebbs geht zurück auf die Nennung im Verzeichnis des Salzburger Kirchenkatasters Notitia Arnonis vom Jahr 788, in welchem mit dem Eintrag ad EPISAS due ecclesiae bereits zu dieser Zeit die Existenz von zwei Kirchen belegt ist. Andererseits weisen Funde darauf hin, dass in Ebbs bereits zur Römerzeit eine Siedlung gewesen sein muss und daher vermutet man, dass der Name aus früherer Zeit abzuleiten ist. Ad Episas hat sowohl lateinische als auch keltische Wurzeln, denn Episas wird von der keltischen Pferdegöttin Epona hergeleitet und bedeutet dann ‚Rossbach‘, folglich wäre ad Episas mit ‚am Rossbach‘ zu übersetzen. Es gibt in Ebbs sowohl einen Bach, der Ebsen heißt, als auch einen Bach, der Roßbach heißt. Welche Kirche hier als zweite gemeint ist, ist nicht bekannt, denn zur Zeit der Nennung im Eintrag war an der Stelle der heutigen Zweit-Kirche (St. Nikolaus) noch die Ritterburg der Herren von Ebbs gestanden, die im 15. Jahrhundert an Bedeutung verlor und in der Folge verfiel.[2]

Eines Tages zogen die Herren zu Ebbs in das Schloss Wagrain und die Burg, die laut einer Urkunde im Jahre 1174 gegründet wurde, wurde dem Zahn der Zeit überlassen. Heute ist von der Burg nur mehr die Burgkirche zu St. Nikolaus übrig geblieben. Zum Verfall der Burg trug sicherlich der Ausbau der Festung Kufstein bei. Es soll eine Tunnelverbindung zwischen der Ritterburg und dem Schloss Wagrain geben. Man glaubt, dass sie heute verschüttet ist. Das Schloss Wagrain ist heute in Privatbesitz und daher nicht zu besichtigen.

Die Höfe im Kaisertal waren bis zum Jahr 2007 nur über einen Fußweg erreichbar. Nun führt ein ca. 800 m langer Tunnel ins Kaisertal, der den Bewohnern den Weg erleichtert und ausschließlich von Anrainern genutzt werden darf. 2008 wurde der Tunnel fertiggestellt.

Geschichtlich bedeutende Daten[Bearbeiten]

  • Ebbs zur Römerzeit: Es wird stark vermutet, dass die bekannte Römerstraße, welche über den Brenner und durch das Inntal verlief, auch durch Ebbs ging und bei Eichelwang über den Inn verlief. Eichelwang wurde zu jenen Zeiten  Albiancon genannt und ist auf alten Römerkarten zu sehen. Ab 480 suchten die Römer in diesem Gebiet Zuflucht, weil die Germanen oft angriffen. Die zurückgebliebenen Römer nannte man „Walchen“ (vgl. Walchsee)
  • 6. Jahrhundert: Einwanderung der Bayern (Bajuwaren)
  • offizielle Gründung von Ebbs: 788 wurde Ebbs in der Notitia Arnonis (Sammlung der Eigenkirchen) erstmals offiziell genannt. Der keltische Name weist aber auf ein viel höheres Alter hin
  • 1174 Gründung der Ritterburg des Adelsgeschlechts Ebbser
  • circa 1400 Gründung des Schloss Wagrain und Verfall der Ritterburg
  • 13. und 14. Jahrhundert die bekannten Ebbser Ritter treten öfters bei Turnieren auf, bis zu den 1930er Jahren gab es in Ebbs die Ritterspiele mit einem „sagenhaft dicken Ritter“
  • 1552 Gründung der Ebbser Schanz (Verteidigungslinie mit einem Wassergraben, Türmen, Wehranlage und Zugbrücke)
  • 1611 Ausbauung der Schanz, das heutige Gasthaus war einst eine Art Kantine für die Wachmannschaft der Schanz
  • 1703 Rückeroberung Kufsteins durch die Bayern beim Bayerischen Rummel, bei dem Versuch der Tiroler die Festung zurückzuerobern spielte die Ebbser Schanz eine große Rolle
  • 1704 Brandschatzung durch die Bayern, aber danach mussten sie Kufstein wieder zurückgeben
  • 1780 Verkauf der Schanz in Privatbesitz, weil die Schanz für militärische Zwecke keinen Nutzen mehr hatte
  • 1786 Nochmaliger Verkauf an die Familie Rieder, die Schanz ist bis heute noch in ihrem Besitz. 1945 wurde der sinnlose Befehl ausgerufen, die Ebbser Schanz auszubauen, um die Amerikaner aufzuhalten
  • 1809 Eroberung Kufsteins durch die von Napoleon angestifteten Bayern, mehrmalige Versuche der Tiroler, die Festung zu erobern
  • bis 1814 Ebbs in bayerischer Hand
  • 1988 wurde anlässlich der 1200-Jahr-Feier ein umfangreiches Buch über Ebbs von dem damaligen Hauptschuldirektor Georg Anker herausgebracht

Wappen[Bearbeiten]

Wappen at ebbs.png

Offizielle Beschreibung des Gemeindewappens:

Auf silbernem Grund ein roter Sparren, darunter ein schwarzer rechtsgewendeter Pferdekopf mit weißer Mähne.


Der Sparren erinnert an das Wappen des bedeutenden mittelalterlichen Geschlechtes der Herren von Ebbs. Der Pferdekopf weist auf den vorrömischen Namen der Gemeinde hin. Er bedeutet ‚Roßbach‘ und zeugt somit von der uralten Tradition der Pferdezucht in Ebbs. (Amtliche Wapppendeutung)

Das Wappen wurde am 3. März 1974 verliehen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Heute ist die Gemeinde durch Auspendler geprägt, auch Gewerbebetriebe und vor allem der Tourismus spielen eine bedeutende Rolle. Durch den Zahmen Kaiser und wegen der geografisch günstigen Lage (nahe bei Deutschland gelegen) gab es in Ebbs auch schon verhältnismäßig früh großen Tourismus. Viele noch erhaltene Postkarten, die übrigens auch auf die Entwicklung dieses mittlerweile für ein Unterinntaler Straßendorf großen Gemeinde hinweisen, zeugen davon und sind in jedem Ebbser Kalender zu betrachten, der von Georg Anker gestaltet wird. Dem Tourismus ist es wohl auch zuzuschreiben, dass aus dem einst gewöhnlichen Unterinntaler Dorf Ebbs eine so gut entwickelte Gemeinde entstanden ist.

In Ebbs steht mit dem Fohlenhof EbbsFohlenhof, dem Verbandsgestüt des Haflinger Pferdezuchtverband Tirol, die größte Zucht von Haflingerpferden in Europa.[3] Ebbs ist auch immer wieder Schauplatz der vielbesuchten Haflinger-Weltausstellungen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die heutige Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist eine reich ausgestattete Barockkirche (genannt „Dom zu Ebbs“). Sie wurde an der Stelle der früheren gotischen Pfarrkirche neu erbaut von 1748-1756 nach Plänen des Barockbaumeisters Abraham Millauer. Von der alten Kirche wurde der Turm an derselben Stelle übernommen und aufgemauert. Früher - vor dem Bau der anderen Kirchen in der „Unteren Schranne“ (die Untere Schranne umfasst die Gemeinden Ebbs, Walchsee, Niederndorf, Niederndorferberg, Rettenschöss und Erl) in Niederndorf und Walchsee (die Kirche in Erl gab es damals schon) - war der Ebbser Dom, wie er von den Einheimischen auch liebevoll genannt wird, für alle Gemeinden der Unteren Schranne zuständig. Heute teilt sich die Pfarrei Ebbs wegen der Größe nur noch den Pfarrer mit Walchsee. In der alten gotischen Ebbser Kirche wurden alle Statuen vernichtet, nur die Statuen Jesu und Mariens wagte man nicht zu verbrennen. Die anderen Statuen wurden verbrannt, weil man die Schlichtheit der Gotik auf keinen Fall wieder aufleben lassen wollte. Die Malerarbeiten stammen von Joseph Adam Mölk, dem auch eine Straße in Ebbs gewidmet worden ist. Die Kirche beherbergt ein Gnadenbild einer sitzenden Madonna von 1450.

Sehenswert ist zudem die „Antoniuskapelle“ im Kaisertal, die bei der jährlichen Messe von bis zu 2000 Besuchern aufgesucht wird.

Der Zahme Kaiser bildet zusammen mit dem Wilden Kaiser das Kaisertalnaturschutzgebiet. Eine besondere Attraktion von Ebbs ist der „Fohlenhof“, das weltgrößte Gestüt für Haflinger-Pferde - mit dazugehörigem Museum. In einem nahegelegenen Wald liegt der Raritätenzoo Ebbs mit mehr als 70 verschiedenen Tierarten.

Im Kaisertal, das wie der Zahme Kaiser zum Großteil Ebbser Gebiet ist, gab es auch zahlreiche Funde von Höhlenbärenknochen, die von Bären stammen, die in der Tischofer Höhle lebten. Diese Funde sind heute in der Kufsteiner Festung zu betrachten.

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Ebbs

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde:

Literatur[Bearbeiten]

  •  Georg Anker, Gemeinde Ebbs (Hrsg.): Ebbs - Tirol. herausgegeben anläßlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Ebbs. Kufstein 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ebbs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2.  Georg Anker, Gemeinde Ebbs (Hrsg.): Ebbs - Tirol. anläßlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Ebbs. Kufstein 1988, S. 33.
  3. Zuchterfolge, haflinger-tirol.com