Ebergötzen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ebergötzen
Ebergötzen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ebergötzen hervorgehoben
51.57083333333310.104722222222190Koordinaten: 51° 34′ N, 10° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Göttingen
Samtgemeinde: Radolfshausen
Höhe: 190 m ü. NHN
Fläche: 19,7 km²
Einwohner: 1911 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 97 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37136
Vorwahl: 05507
Kfz-Kennzeichen: GÖ, DUD, HMÜ
Gemeindeschlüssel: 03 1 52 008
Adresse der Verbandsverwaltung: Vöhreweg 10
37136 Ebergötzen
Webpräsenz: www.ebergoetzen.de
Bürgermeister: Arne Behre (SPD)
Lage der Gemeinde Ebergötzen im Landkreis Göttingen
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Über dieses Bild

Ebergötzen ist eine Gemeinde und der Verwaltungssitz der Samtgemeinde Radolfshausen im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen (Deutschland).

Bekannt ist der Ort vor allem deshalb, weil der Zeichner und Dichter Wilhelm Busch (1832–1908) hier von 1841 bis 1846[2] den größten Teil seiner Schulzeit verbracht hat. Die Mühle, die bei Max und Moritz eine zentrale Rolle spielt, gehörte dem Vater seines Freundes Erich Bachmann.

Außerdem befindet sich das Europäische Brotmuseum in Ebergötzen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ebergötzen liegt etwa 15 km östlich von Göttingen an der B 27 über Gieboldehausen nach Herzberg. Zu Ebergötzen, durch das ein Abschnitt der Aue (westlicher Zufluss der Suhle) fließt, gehört das etwa 5 km entfernt liegende Holzerode.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes findet sich in einer gefälschten Urkunde Heinrichs II. aus dem Jahr 1013 bzw. 1022 als Euergoteshem.[3] Während der Ortsname in den ältesten Urkunden auf „-heim“ endet, wechselt die Endung später auf „-hausen“, oft verkürzt zu „-sen“.[4] Auf Karten des 18. Jahrhunderts ist gegenüber dem Siedlungsschwerpunkt entlang der Herzberger Straße bereits ein zweiter Siedlungsbereich südlich der Aue zu erkennen; das Amt Radolfshausen mit der ehemaligen Wasserburg war durch Grünflächen vom östlich gelegenen Ort getrennt.[5] Spätere Ortserweiterungen wurden insbesondere im 20. Jahrhundert vorgenommen, vor allem im Westen des Amtshofes, zwischen dem Amt und dem Dorf sowie nordöstlich des Ortskerns am Papenberg, aber auch am Rand des Siedlungsbereichs südlich der Aue.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurde die Nachbargemeinde Holzerode eingegliedert.[6]

Politik[Bearbeiten]

Die letzten drei Gemeinderatswahlen am 11. September 2011,[7] am 10. September 2006 und am 9. September 2001[8] führten zu folgenden Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
Gemeinderatswahl 2011
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
67,71 %
21,51 %
7,56 %
3,22 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+0,87 %p
-1,95 %p
+7,56 %p
-6,48 %p
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 67,71 8 66,84 7 69,32 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 21,51 2 23,46 3 26,07 3
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 7,56 1
FDP Freie Demokratische Partei 3,22 0 9,70 1 4,62 0
gesamt 100,0 11 100,0 11 100,0 11
Wahlbeteiligung in % 66,01 66,51

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ehemaliger Amtshof Radolfshausen[Bearbeiten]

Westlich von Ebergötzen bestand der Ort Radolfshausen, der wahrscheinlich um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert zur Wüstung wurde.[9] Ende des 14. Jahrhunderts wird in einer Urkunde ein Vorwerk Radolfshausen erwähnt, das seit 1437 im Besitz der Herren von Plesse war. Diese bauten das Vorwerk 1508 zu einer Wasserburg aus, deren Hauptgebäude im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Als Verwaltungssitz des Amtes Radolfshausen, das bis 1859 bestand, diente ein Amtshaus, das im 18. Jahrhundert errichtet und mehrfach umgestaltet wurde; das ehemalige Amt diente später als Forstamt. Zahlreiche ehemalige Nebengebäude wie das Gefängnis, die Brauerei und größere landwirtschaftliche Gebäude wurden nach Aufhebung des Amtes abgerissen. Erhalten ist ein massiver wehrhafter Wohnturm aus der Zeit um 1500 mit rechteckigem Grundriss und einem Anbau des 17. Jahrhunderts. Der im Kern hochmittelalterliche Wohnturm ist aus Bruchsteinmauerwerk errichtet, hat drei überwölbte Geschosse und schließt mit einem Satteldach ab, bei dem Anbau ist nur das untere Geschoss massiv ausgeführt, die beiden oberen Geschosse in Fachwerkbauweise mit Vorkragung.[5]

Das Geländes des ehemaligen Amtes Radolfshausen beherbergt heute das Europäische Brotmuseum.

Wilhelm-Busch-Mühle[Bearbeiten]

Wilhelm-Busch-Mühle

Die Wilhelm-Busch-Mühle ist eine museal eingerichtete Wassermühle mit oberschlächtigem Wasserrad. Neben der Mittelmühle und der Obermühle ist dieses denkmalgeschützte Bauwerk als Niedermühle bzw. Herrenmühle die dritte Mühle in Ebergötzen. Das zweigeschossige Fachwerkgebäude mit Satteldach wurde vermutlich im 18. Jahrhundert errichtet und Ende des 20. Jahrhunderts wiederhergestellt. Der Zeichner Wilhelm Busch verbrachte in der Mühle große Teile seiner Jugend,[5] nachdem er im Alter von neun Jahren nach Ebergötzen gezogen war und in Erich Bachmann (1832−1907), dem Sohn des Müllers, einen Freund gefunden hatte. Die Mühle wurde 1977 als Gedenkstätte für Wilhelm Busch eingerichtet und einschließlich der Mahltechnik instand gesetzt.[10]

Ev. Kirche St. Cosmas und Damian[Bearbeiten]

Die evangelisch-lutherische Kirche St. Cosmas und Damian steht an der Herzberger Straße. Durch die Lage auf einem kleinen Ausläufer des Hanges hat sie für den von Süden kommenden Betrachter eine deutlich exponierte Lage. Der kleine verputzte Saalbau mit Eckquadern, Fenster- und Türeinfassungen aus rotem Sandstein wurde 1772 errichtet. Über der Westfront mit dem Haupteingang ist der breite, mit Ziegeln behängte Turm angeordnet. Der Kirchhof ist von einer niedrigen Sandsteinmauer umgeben.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Günther Meinhardt: Chronik der Gemeinden Ebergötzen und Holzerode. 1 Auflage. Gemeinde Ebergötzen, Ebergötzen 1991.
  •  Günther Meinhardt, Christoph Büchner (Hrsg.): Geschichte der Kirchengemeinde Ebergötzen. Büchner, Ebergötzen 2006.
  •  Rolf Zundel, Europäischen Brotmuseum (Hrsg.): Europäisches Brotmuseum Ebergötzen. Außenanlagen, Informationen zu historischen Gebäuden, Parkanlagen, Apotheker- und Getreidegarten, Wasser- und Windmühlen. Europäischen Brotmuseum, Ebergötzen 2004.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ebergötzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Ebergötzen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Literaturrat Niedersachsen (Hrsg.): Literatur in Niedersachsen. Wallstein, Göttingen 2000, S. 167, ISBN 3-89244-443-9
  3. H. Bresslau u.a.: Die Urkunden Heinrichs II. und Arduins. In: Monumenta Germaniae Historica, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, Band 3. Hannover 1900-1903. Nr. 260, S. 303ff. In der Einleitung der Urkunde wird die Datumszuordnung diskutiert.
  4.  Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamensbuch (NOB). Teil IV, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-494-X, S. 113f.
  5. a b c d  Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 2. Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. 5.3, CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 207ff.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 208.
  7. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152403_000039/index.html
  8. http://wahlen.kds.de/2006kw/Daten/RAD/6_MAIN_E_GRW_EBERGOETZEN_2006.html
  9.  Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph (Hrsg.): Niedersächsisches Ortsnamensbuch (NOB). Teil IV, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISBN 3-89534-494-X, S. 321f.
  10. Wilhelm-Busch-Mühle auf den Internetseiten der Gemeinde Ebergötzen, abgerufen am 1. November 2011