Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart

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Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart
Logo des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums
Schulform Gymnasium
Gründung 1686
Adresse

Herdweg 72

Ort Stuttgart
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 47′ 14″ N, 9° 9′ 41″ O48.7872222222229.1613888888889Koordinaten: 48° 47′ 14″ N, 9° 9′ 41″ O
Träger Landeshauptstadt Stuttgart
Schüler etwa 596 (Stand: Oktober 2011)
Lehrkräfte 49
Leitung Karin Winkler
Website www.ebelu.de
Seit 1957 ist das „Ebelu“ im Herdweg untergebracht.

Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium (kurz: „Ebelu“) ist eine traditionsreiche Bildungseinrichtung in Stuttgart.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium hat seine Wurzeln in der im 14. Jahrhundert bezeugten Lateinschule Stuttgarts, deren Standort beim kleinen Törlein (Schulgasse 14) gelegen war. Seit 1452 übte die Stadt Stuttgart die Patronatsrechte über die Schule aus, der Schulmeister musste seinen Amtseid aber bereits auf den Herzog schwören. Unter dem Rektor Alexander Märklin hielt ab 1525 der humanistische Geist Einzug in die Schule und es wurde nun neben dem klassischen Latein auch Griechisch und Hebräisch unterrichtet.

1535 wurde das Schulgebäude von Herzog Ulrich in das Beginenhaus in der Turnierackervorstadt (heute Gymnasiumstraße) verlegt und der Schulbetrieb ausgebaut. Der Pädagogarch war von nun an für die Schulaufsicht der übrigen Lateinschulen in Württemberg unter der Weinsteige verantwortlich. Bereits 1558 wurde die vierklassige Schule um eine fünfte Klasse erweitert, für die der Name Pädagogium verwendet wurde. Dieses Pädagogium wurde dann 1559 in der Großen Kirchenordnung als Musteranstalt des Herzogtums bestätigt, der Pädagogarch behielt die Visitationspflicht und die Schulaufsicht der Lateinschulen unter der Steig, außerdem fand von nun an dort das Landexamen für den Übertritt in die Klosterschulen des Landes statt. Nach dem Niedergang des Pädagogiums im und kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es ab 1660 Reformbestrebungen, die darniederliegende Schule wieder aufzurichten und als universitätsvorbereitende Anstalt nicht nur für Theologen, sondern auch Juristen, Mediziner und Philologen umzuwandeln. Diese mündeten 1686 in die Einrichtung eines Gymnasium illustre als siebenklassige höhere Lehranstalt mit einem neuen Gebäude neben dem des alten Pädagogiums. Die unteren fünf Klassen behielten den Namen Pädagogium, lediglich die beiden oberen, zweijährigen Klassen, in denen im Wesentlichen nur Vorlesungen von Professoren gehalten wurden, galten als gymnasial. Der Fächerkanon wurde um die Naturwissenschaften und Mathematik, Geschichte und Französisch erweitert.

Im 18. Jahrhundert setzte sich allmählich der Gebrauch der Muttersprache im Anfangsunterricht durch und nach der Schließung der Hohen Karlsschule 1794 sind die stark rationalistisch gefärbten Grundströmungen mit den Lehrern auch an das Gymnasium illustre übergegangen. 1818 wurde dieser „reale“ Zug mit der Friedrich-Eugens-Realschule abgespalten, gleichzeitig die Organisation des Gymnasiums gründlich reformiert: Das Eintrittsalter wurde auf 8 Jahre angehoben, die Klassen auf zehn (3 untere, 3 mittlere, 4 obere) aufgestockt. Nach dem Abriss des Gebäudes des Pädagogiums 1838 entstand ein Neubau an gleicher Stelle. 1867 wurde eine reformierte realistische Abteilung unter Dillmann angegliedert, die 1871 selbständig wurde. Wegen der enormen Schülerzahl (allein 1879 waren es 1050 Schüler) wurde unter König Karl 1881 ein zweites humanistisches Gymnasium in Stuttgart gegründet, das Karls-Gymnasium. Zur Unterscheidung wurde das Gymnasium illustre nach dem bei der Grundsteinlegung 1685/6 offiziell regierenden, aber noch unmündigen Herzog Eberhard Ludwig benannt. Da das Gebäude im Grunde immer noch das alte von 1686 war, entsprach es weder architektonisch, noch räumlich noch technisch den Anforderungen der modernen Welt, so dass 1903 ein repräsentativer Neubau in der Holzgartenstraße entstand, der aber in der Nacht vom 12. auf den 13. September 1944 durch einen nächtlichen Bombenangriff zerstört wurde. Teile der Schule wurden bis Kriegsende nach Biberach ausgelagert. Der Unterricht begann im Oktober 1945 zunächst im Gebäude des Schickardt-Gymnasiums, später des Zeppelin-Gymnasiums wieder, bis dann am 6. April 1957 der Neubau am Herdweg auf dem Gelände der ehemaligen Villa des Grafen von Zeppelin eingeweiht werden konnte.

Durch die Einführung eines zusätzlichen Zugs für Hochbegabte im Jahr 2013 ist eine Erweiterung des Schulgebäudes notwendig. Dazu ist ein Vorhaben vorgesehen, bei dem die Turnhalle unter den heutigen Sportplatz verlegt werden soll, um Platz für neue Unterrichts- und Proberäume zu machen. Das Projekt wurde vom Stuttgarter Gemeinderat abgesegnet, auch eine Machbarkeitsstudie wurde bereits erstellt. Insgesamt wird für das Vorhaben 34 Millionen Euro in die Hand genommen.[1] Während der Bauzeit soll der Oberstufenbau des Gymnasiums in Containern untergebracht werden. Das Abendgymnasium Stuttgart, welches seit 1957 das Schulgebäude am Nachmittag und an Wochenenden belegt, zieht ab 2014 räumlich in die 2013 gegründete Alexander-Fleming-Berufsschule am Nordbahnhof um.

Profilierung[Bearbeiten]

Das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium wurde als humanistisches Gymnasium gegründet, daher ist Latein von der 5. bis zur 10. Klasse Pflicht. 1969 wurde Musik als Profilfach eingeführt, das heißt, dass alle Schüler in der 5. Klasse 3 Stunden, in der 6. Klasse 2 Stunden und in der 7. Klasse 4 Stunden Musikunterricht in der Woche haben. Dann wird zwischen Musik, Altgriechisch und Französisch als 5. Hauptfach gewählt. Der Hochbegabtenzug hat zusätzliche Musikstunden, auch außerhalb der Schule.

Musikgymnasium[Bearbeiten]

Seit dem Schuljahr 2013/14 gibt es am Ebelu, zusätzlich zum Sprachzug und dem regulären Musikzug, einen Musikhochbegabtenzug. Damit ist es das in seiner Art erste Musikgymnasium in Baden-Württemberg. Durch den Hochbegabtenmusikzug wird den Schülern, die musikalische Hochleistungen erbringen, zusätzlicher Unterricht in besonderen musikbezogenen Fächern angeboten, damit diese die Allgemeine Hochschulreife erwerben können. Bis 2019 soll jede Klassenstufe eine Hochbegabtenklasse haben. Das Projekt ist eine Kooperation mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und der Stuttgarter Musikschule (im Kulturzentrum Treffpunkt Rotebühlplatz) und gilt als Pilotprojekt für das Land Baden-Württemberg. Für das Musikgymnasium muss eine individuelle Aufnahmeprüfung bestanden werden.[2]

Schulleiter seit 1900[Bearbeiten]

  • Lorenz Wilhelm Straub (1900-1912)
  • Herrmann Binder (1920-1944)
  • Rudolf Griesinger (1947-1950)
  • Walther Sontheimer (1950-1957)
  • Walter Haussmann (1958-1973)
  • Frank Weidauer (1973-1989)
  • Peter Mommsen (1990-2002)
  • Ulrich Kernen (2002-2010)
  • Karin Winkler (seit 2010)

Bekannte ehemalige Schüler[Bearbeiten]

Name geb. ges. Tätigkeit
Berthold Auerbach 1812 1882 Schriftsteller
Rudolf Graf von Bassewitz 1881 1951 Diplomat
Fritz Bauer 1903 1968 Jurist
Christoph Blumhardt 1842 1919 Politiker und Theologe
Johann Christoph Blumhardt 1805 1880 Theologe
Karl Dietrich Bracher 1922 Politikwissenschaftler und Historiker
Vicco von Bülow alias Loriot 1923 2011 Humorist
Johann Friedrich Cotta 1764 1832 Verleger und Politiker
Fritz Donner 1896 1979 Mediziner
Alfred Druckenmüller 1882 1967 Verleger
Theodor Ebert 1937 Politikwissenschaftler
Christian Gottfried Elben 1754 1829 Journalist, Schriftleiter
Julius Euting 1839 1913 Orientalist
Berndt Feuerbacher 1940 Physiker
Karl von Gerok 1815 1890 Theologe und Lyriker
Eugen Gerstenmaier 1906 1986 Theologe und Bundestagspräsident sowie Mitglied des Kreisauer Kreises
Hans Göz 1884 1961 Politiker und Jurist
Hermann L. Gremliza 1940 Journalist
Theophil Friedrich von Hack 1834 1911 Stadtschultheiß von Stuttgart
Johann Friedrich Gottlob Haug 1769 1850 Professor für Mathematik und Mechanik am Polytechnikum Stuttgart
Karl Friedrich Haug 1795 1869 Theologe und Historiker
Georg Herwegh 1817 1875 Dichter
Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1770 1831 Philosoph
Otto Hirsch 1885 1941 Jurist und Politiker
Kurt Huber 1893 1943 Musikwissenschaftler, Psychologe und Mitglied der Weißen Rose
Frank Otfried July 1954 evangelischer Landesbischof
Werner Krauss 1900 1976 Romanist
Herbert Liedecke 1912 1998 Musiker
Karl Theodor Friedrich Freiherr von Linden 1801 1870 Verwaltungsbeamter
Joseph Franz Peter Freiherr von Linden 1804 1895 Jurist und Politiker
Peter Lohmeyer 1962 Schauspieler
Wulf D. von Lucius 1938 Verleger, Publizist und Bibliophiler
Klaus Mahler 1940 2011 Architekt
Eduard Mörike 1804 1875 Dichter und Pfarrer
Robert Mohl 1799 1875 Staatswissenschaftler
Konstantin Freiherr von Neurath 1873 1956 Außenminister des Deutschen Reiches
Anton Pfeifer 1937 Politiker
Bodo Pieroth 1945 Rechtswissenschaftler
Jakob Friedrich Reiff 1810 1879 Philosoph
Josef Rieck 1911 1970 Buchhändler und im Widerstand gegen die Nationalsozialisten
Theodor Rümelin 1877 1920 Ingenieur
Karl Schefold 1909 1999 Archäologe
Paul Schempp 1900 1959 Theologe
Paul Schlack 1897 1987 Chemiker
Rüdiger Schleicher 1895 1945 Widerstandskämpfer
Albrecht Schmidt 1938 Jurist und Banker
Gustav Schwab 1792 1850 Theologe und Schriftsteller
Claus Schenk Graf von Stauffenberg 1907 1944 Offizier und Widerstandskämpfer
Rolf Schlierer 1955 Politiker
Ernst von Sieglin 1848 1927 Unternehmer
Julius Speer 1905 1984 Forstwissenschaftler
Hans Spemann 1896 1941 Biologe und Nobelpreisträger
Manfred Stohrer 1918 1976 Pfarrer
Karl Friedrich Stroheker 1914 1988 Althistoriker
Hermann Tafel 1833 1909 Jurist und Politiker
Fred Uhlman 1901 1985 Jurist und Künstler
Burkhart Veigel 1938 Fluchthelfer
Wilhelm Waiblinger 1804 1830 Dichter
Gustav Werner 1809 1887 Pfarrer
Richard Wilhelm 1873 1930 Sinologe
Bernhard Zeller 1919 2008 Literaturhistoriker
Wilhelm Zimmermann 1807 1878 Theologe und Politiker

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks und Referenzen[Bearbeiten]

Weblinks
Referenzen
  1. Rebecca Anna Fritzsche: Eberhard-Ludwigs-Gymnasium: 34 Millionen für Umbau zu Musikgymnasium. Stuttgarter Zeitung, 17. Juli 2013, abgerufen am 11. September 2013.
  2. Infos zum "Musikgymnasium Baden-Württemberg" auf schulmusik-online.de (Website des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg)