Eberhard Lämmert

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Eberhard Lämmert (* 20. September 1924 in Bonn) ist ein deutscher Germanist und Komparatist. Er war Professor in Heidelberg und Berlin, von 1977 bis zu seiner Emeritierung 1992 war er Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Peter-Szondi-Institut der Freien Universität Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Eberhard Lämmert hat sich insbesondere durch seine von Günther Müller betreute Doktorarbeit Bauformen des Erzählens (1955) einen Rang unter den Erneuerern der deutschen Germanistik der 1950er Jahre erarbeitet, indem er als einer der ersten Literaturwissenschaftler versuchte, eine systematische Beschreibung der epischen Erzählung zu liefern. Gemeinsam mit Franz Karl Stanzel und Käte Hamburger trug Lämmert dazu bei, der sogenannten werkimmanenten Interpretation eine analytisch-funktionale Methodik in der deutschen Literaturwissenschaft entgegenzustellen. Sein analytisches Kernstück ist dabei die differenzierende und systematisierende Darlegung der „Beziehung von Erzählzeit und erzählter Zeit“, wobei er zwischen zeitraffendem, zeitdehnendem und zeitdeckendem Erzählen unterscheidet und weiterhin verschiedene, vielfach kombinierbare Raffungsformen und -intensitäten zusammenträgt, die das „Erzähltempo“ eines Textes bestimmen.[1]

Lämmerts analytische Begrifflichkeit galt seit den 1960er Jahren als literaturwissenschaftliches Elementarwissen und wurde erst in neuerer Zeit durch die systematischere und trennschärfere Terminologie des französischen Literaturtheoretiker Gérard Genette verdrängt (der ebenfalls den Zeitstrukturen besonderes Gewicht einräumt).[2]

Lämmert hat sich in den folgenden Jahrzehnten vielfach institutionell engagiert, unter anderem war er Präsident der Freien Universität Berlin (1976–1983), Gründungsdirektor des Zentrums für Literaturforschung Berlin (1996–1999) und Präsident der Deutschen Schillergesellschaft (1988–2002). Seit 1994 ist er korrespondierendes Mitglied des Institute of Germanic & Romance Studies, London; seit 1997 gehört er dem PEN-Zentrum Deutschland an.

Seine Arbeitsschwerpunkte sind Literaturtheorie, Geschichte der literarischen Gattungen, Erzählkunst, Literatur des späten Mittelalters, Geschichte des freien Schriftstellers vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Wissenschaftsgeschichte, Bildungspolitik.[3]

Ehrungen [Bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl) [Bearbeiten]

  • Respekt vor den Poeten. Studien zum Status des freien Schriftstellers. 2009
  • „Für Viele stehen, indem man für sich steht.“ Formen literarischer Selbstbehauptung in der Moderne. 2004 (Mhg.)
  • Die erzählerische Dimension. Über eine Gemeinsamkeit der Künste. 1999.
  • Vorreden. 1999.
  • Coping with the ever growing body of human knowledge. São Paulo 1994.
  • Das überdachte Labyrinth. Ortsbestimmungen der Literaturwissenschaft 1960 - 1990. 1991.
  • Die Geisteswissenschaften im Industriezeitalter. 1986
  • Die Entfesselung des Prometheus. Selbstbehauptung und Kritik der Künstlerautonomie von Goethe bis Gide. 1985
  • „Das war ein Vorspiel nur ...“ Berliner Colloquium zur Literaturpolitik im 'Dritten Reich'. 1985 (Mhg.)
  • Erzählforschung. Ein Symposion. 1982
  • Reimsprecherkunst im Spätmittelalter. 1970
  • Bauformen des Erzählens. 1955, Nachdruck der 8. Aufl. 1997

Daneben hat Lämmert von 1954 bis 2003 etwa 190 Aufsätze zur Literaturtheorie und Literaturgeschichte, zur Wissenschaftsgeschichte und zur Bildungspolitik verfasst.

Literatur [Bearbeiten]

  • Friedmar Apel: Frischluft für eine deutsche Wissenschaft, F.A.Z. 20. September 2004
  • Literaturwissenschaft und politische Kultur: Festschrift für Eberhard Lämmert zum 75. Geburtstag. Hg. von W. Menninghaus and K. R. Scherpe. Stuttgart, Metzler 1999

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Helga Bleckwenn: Morphologische Poetik und Bauformen des Erzählens, in: Wolfgang Haubrichs (Hg.): Erzählforschung, Bd.1, Göttingen 1976, S.184-223.
  2. Universität Duisburg-Essen, Gattungen und Textstrukturen I
  3. Zentrum für Literatur-und Kulturforschung

Weblinks [Bearbeiten]