Echelon

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Dieser Artikel behandelt das Spionagenetzwerk; zum US-amerikanischen Technologieunternehmen siehe unter Echelon Corporation.
Radarkuppeln der geheimdienstlich genutzten Echelon Field Station 81

Echelon ist der Name eines Spionagenetzes. Die Staaten USA, Vereinigtes Königreich (UK), Kanada, Australien und Neuseeland sind daran beteiligt.

Echelon war zunächst nur dazu gedacht, die militärische und diplomatische Kommunikation der Sowjetunion und ihrer Verbündeten abzuhören. Heute wird das System zur Suche nach terroristischen Verschwörungen, Aufdeckungen im Bereich Drogenhandel und als politischer und diplomatischer Nachrichtendienst benutzt. Seit Ende des Kalten Krieges soll dieses System auch der Wirtschaftsspionage dienen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Echelonsystem

Das Echelon-System ist im Aufbau einfach. Alle Mitglieder des Systems sind Teil der nachrichtendienstlichen Allianz UKUSA, deren Wurzeln bis zum Zweiten Weltkrieg zurückreichen. Die Mitgliedsstaaten der Allianz stellen Abhörstationen und Weltraumsatelliten auf, um Satelliten-, Mikrowellen- und teilweise aich Mobilfunk-Kommunikation abzuhören. Es gibt lt. Untersuchungsbericht des EU-Parlament[1]keine Hinweise darauf, dass die Technologie auch das großflächige Abhören drahtgestützter Kommunikation (d.h. d.h. Telefon, Internet-Backbones innerhalb Europas, Fax usw.) ermöglicht.

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Es wird vermutet, dass die eingefangenen Signale, hauptsächlich aus der Satellitenkommunikation, durch eine Reihe Supercomputer verarbeitet werden, die darauf programmiert wurden, Zieladressen, Wörter, Sätze oder sogar individuelle Stimmen zu erkennen. Die Auswertung und Verarbeitung der Daten geschieht in Rechenzentren der National Security Agency (NSA). Die NSA hat alleine in Maryland über 28.000 Mitarbeiter und ist damit die wohl größte Spionageabteilung weltweit. Die einzelnen Staaten der UKUSA-Allianz haben die zugewiesene Verantwortung für die Überwachung der verschiedenen Teile des Globus zu übernehmen. [2] Abgefangen werden die Nachrichten wahllos, die Auswertung erfolgt nachträglich über Stimm-, Schlüsselwort- oder sonstige Filter. Diese Vorgehensweise wird als „strategische Fernmeldekontrolle“ bezeichnet.[3][4]

Die Gebäudeform (Radarkuppel) ist eine meist kugelförmige Hülle, die die Inneneinrichtung in erster Linie vor äußeren mechanischen Einflüssen wie Wind oder Regen schützt. Ebenso verhindert dieses sog. Radom, die in der Kugel befindliche Satellitenschüssel bzw. deren Ausrichtung zu erkennen; ansonsten bestünde z.B. die Möglichkeit herauszufinden, welche Satelliten abgehört werden.[5]

Der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurde das Spionagesystem erstmals 1976 durch Winslow Peck.

[Bearbeiten] Entwicklung ab 1990

Nach Beendigung des Kalten Krieges im Jahr 1990 fiel der Hauptfeind, der Ostblock, als potentieller Gegner weg. Die US-Geheimdienste sollen 1991 ein neues Konzept vorgelegt haben, das der veränderten geopolitischen Lage angepasst wurde.

Die neue geheimdienstliche Priorität, die Wirtschaftsspionage, wurde von George Bush sen. durch die Nationale Sicherheitsdirektive 67 – herausgegeben vom Weißen Haus am 20. März 1992 – festgelegt. Die freigewordenen Kapazitäten sollen die Echelon-Beteiligten genutzt haben, um die eigenen Verbündeten auf dem Gebiet der Wirtschaft auszuspionieren. Dies bestätigt auch die Aussage des ehemaligen CIA-Chefs James Woolsey im Wall Street Journal vom 17. März 2000, in dem er offen eine Spionage in Europa zugab.[6] Woolsey bemühte sich allerdings darzulegen, die USA hätten lediglich Informationen über Bestechungsversuche europäischer Unternehmen im Ausland gesucht, denn „die meiste europäische Technologie lohnt den Diebstahl einfach nicht“. Airbus soll einen milliardenschweren Vertrag mit Saudi-Arabien verloren haben, da die NSA vermutlich durch Echelon herausgefunden hatte, dass Airbus die saudischen Geschäftsleute bei der Auftragsvergabe bestochen hatte.[7]

[Bearbeiten] Entwicklung ab 2000

Ein Radom auf der Royal-Air-Force-Basis Menwith Hill.

Die sich in Bad Aibling (Bayern) befindliche Echelonbasis Bad Aibling Station konnte bis 2004 große Bereiche Deutschlands oder sogar Europas abhören. Hier wurde in einem Bericht der EU[1] vom 11. Juli 2001 festgestellt, dass diese Anlage nach dem Ende des Kalten Krieges mehrheitlich der Wirtschaftsspionage diente, und es wurde beschlossen, diese zu schließen. Bedingt durch die Terroranschläge des 11. September 2001 wurde dieser Beschluss erst verspätet im Jahre 2004 umgesetzt.

In seinem Bericht an das EU-Parlament am 5. September 2001 stellte der „Berichterstatter des nicht ständigen EU-Untersuchungsausschusses zu Echelon“ Gerhard Schmid fest, dass innereuropäische Kommunikation kaum betroffen ist, sondern hauptsächlich transatlantische Verbindungen über Satellit oder Unterseekabel.[8]

Als Ersatz für die Anlage in Bad Aibling stand von 2004 bis 2008 am Rand des ehemaligen August-Euler-Flugplatzes (von den USA auch “Dagger Complex” genannt) in Darmstadt ein Horchposten mit fünf Radomen. Die Anlage wurde im Frühjahr 2004 fertiggestellt[9][10]; im Sommer 2008 wurden die Radome wieder demontiert.[11]

[Bearbeiten] Herkunft des Begriffes

Vermutlich war die antike Echelon-Schlachtordnung der Namensgeber für dieses Spionagenetz.

In der Antike entstand die Echelonformation, siehe Schiefe Schlachtordnung. Echelonformation ist heute im englischen Sprachraum eine gestaffelte Kampfanordnung. Auch die Flugformation von Zugvögeln wird mitunter so bezeichnet.

Echelon kommt möglicherweise auch von französisch „échelle“ (Leiter, Tonleiter, Skala, Maßstab u.w.) bzw. „échellon“ (Leitersprosse, Stufe, aber auch die militärische Staffel). Ein Échellon ist auch ein optisches Gitter (Beugungsgitter).

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Echelon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Bericht über die Existenz eines globalen Abhörsystems für private und wirtschaftliche Kommunikation (Abhörsystem ECHELON) auf europarl.europa.eu
  2. Homepage von Kai Raven
  3. Interception Capabilities 2000 (englisch)
  4. Die Nebel von Echelon, orf.at, 5. Juli 2010;@fuzo-archiv.at, abgerufen am 24. November 2011
  5. Reinhard Wobst: Über technische Möglichkeiten und Grenzen großer Geheimdienste. In: Internet Archive, archiviert von squat.net
  6. James Woolsey: Ja, liebe Freunde, wir haben Euch ausgehorcht, Die Zeit, 14/2000; Die Ursprünge des ECHELON-Systems orf.at, 28. Juni 2010; @fuzo-archiv.at, abgerufen am 24. November 2011
  7. Claudia Eckert: IT-Sicherheit: Konzepte - Verfahren - Protokolle, S.21 auf Google Books
  8. Schmid und Unterseekabel sind zwar in dieser Quelle genannt, aber nicht im Zusammenhang zueinander: Oliver Schröm: Verrat unter Freunden. In: Die Zeit 40/1999. Abgerufen am 6. Dezember 2010.
  9. ECHELON-Station Griesheim bei Darmstadt
  10. Florian Rötzer: Bleibt das Echelon-Lauschsystem Deutschland erhalten?, 22. März 2004, Telepolis
  11. Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 30. Juni 2007 sollte die Anlage in Darmstadt bis Ende 2008 wieder abgebaut werden.
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