Echternach (Luxemburg)

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Echternach
Wappen Karte
Wappen von Echternach Lage von Echternach im Großherzogtum Luxemburg
Basisdaten
Echternach
Echternach
Staat: Luxemburg
Koordinaten: 49° 49′ N, 6° 25′ O49.8144444444446.4213888888889Koordinaten: 49° 48′ 52″ N, 6° 25′ 17″ O
Distrikt: Grevenmacher
Kanton: Echternach
Einwohner: 5382 (1. Januar 2014)[1]
Fläche: 20,5 km²
Bevölkerungsdichte: 262,7 Einw./km²
Gemeindenummer: 00006005
Website: www.echternach.lu
Politik
Bürgermeister: Théo Thiry (CSV)
Wahlsystem: Proporzwahl

Echternach (luxemburgisch Iechternach, Eechternoach) ist eine Stadt und eine Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg und Verwaltungssitz des gleichnamigen Kantons Echternach.

Echternach liegt an der Sauer, die hier gleichzeitig die Grenze zu Deutschland bildet. Nachbargemeinden sind im Norden Berdorf, im Westen Consdorf, im Süden Bech und Rosport sowie im Nordosten die deutsche Gemeinde Echternacherbrück.

Echternach ist Hauptort der touristisch attraktiven Kleinen Luxemburger Schweiz (fr.: Petite Suisse luxembourgeoise). Unter den profanen Bauten ist besonders der gotische Dingstuhl (1444), im Volksmund „Dënzelt“ genannt, hervorzuheben. Das Wort entspricht dem althochdeutschen „Thing“ (Beratung) und bedeutet den Sitz des ehemaligen Schöffengerichts; er ist jetzt Sitzungssaal der Stadt (am Markt).

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Echternach ist identisch mit dem Wappen der Reichsabtei Echternach und zeigt wie fast alle reichsunmittelbaren Territorien im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation den Reichsadler des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Geschichte[Bearbeiten]

Ansicht aus der Ferne

In römischer Zeit bestand in Echternach eine große, repräsentative Villa rustica, wohl Mittelpunkt eines großen Landgutes. Inwieweit dieser große römische Komplex Grundlage der frühmittelalterlichen Entwicklung ist, wird in der Forschung zunehmend diskutiert. Gegründet vom heiligen Willibrord im Jahre 698 auf geschenktem Grund der Irmina von Oeren, ist Echternach mit seiner Abtei und der Basilika die älteste Stadt in Luxemburg. Die ehemalige Reichsabtei Echternach ist berühmt für die im Mittelalter florierende Buchmalerei. Zu den bekanntesten Werken zählen das Goldene Evangeliar von Echternach (lat. Codex Aureus Epternacensis, 11. Jahrhundert; heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg) und das Goldene Evangelienbuch Heinrichs III. (lat. Codex Aureus Spirensis oder Codex Aureus Escorialiensis, Speyerer Evangeliar; heute El Escorial, Madrid).

Im Jahre 1236 erhielt Echternach das Stadtrecht. Die Befestigung, die in einer primitiven Form ins 10. Jahrhundert zurückgehen soll und im 13. Jahrhundert ausgebaut wurde, war mit 20 Schalentürmen, 4 Stadttoren und einer 2000 m langen Mauer versehen. Ein Großteil der Anlage wurde erst im 19. Jahrhundert zerstört. Die noch erhaltenen Türme wurden 1813 versteigert und zu Wohnzwecken ausgebaut.

In der Sichtachse zur Basilika erhebt sich eines der ältesten Wahrzeichen der Stadt, das markante Gebäude eines ehemaligen Gerichtshauses („Dingstuhl“ oder „Dënzelt“). 1236 wurde es erbaut, 1374 von dem seinerzeitigen Abt aufgekauft und 1444 durch Feuer zerstört. Danach erfuhr das Gebäude etliche Umbauten: 1520 im Renaissancestil, im 18. Jahrhundert Barock, 1895 im neogotischen Stil. Die Statuen an der Fassade sind Arbeiten des Aachener Bildhauers Lambert Piedboeuf aus dem Jahr 1896. Sie stellen die Kardinaltugenden, die Jungfrau Maria, König Salomon und Abt Robert von Monreal († 1539) dar.

Der Prälatengarten (auch Orangerie genannt) wurde nach 1731 von Abt Gregorius Schouppe nach französischen Vorbildern auf dem Gelände der ehemaligen Stadtmauer angelegt. Die Orangerie, für die Überwinterung exotischer Pflanzen errichtet, konnte 1736, wahrscheinlich nach den Plänen von Leopold Durand fertiggestellt werden. Die Statuen an der Fassade stellen die vier Jahreszeiten dar. Die Skulpturen sollen aus dem Umkreis des Würzburger Bildhauers Ferdinand Tietz stammen. Die Abtei und die Orangerie dienen heute als Gymnasium.

Im Oktober 1886 erhielt Echternach als erste Stadt Luxemburgs und als eine der ersten Städte Europas eine öffentliche und private elektrische Beleuchtung. Initiator und Betreiber der Anlage war der Erfinder Henri Tudor, dessen Bleiakkumulatoren den Strom (Gleichstrom) lieferten.[2] Außerdem fand in Echternach im Jahre 1896 die erste Filmprojektion in Luxemburg statt. Gegenüber dem ehemaligen Hôtel du Cerf befindet sich heute noch ein von Freiwilligen geführtes Kino, das Ciné Sura. [3]

St.-Willibrord-Basilika[Bearbeiten]

Abtei und Innenstadt[Bearbeiten]

Echternacher Springprozession[Bearbeiten]

Echternacher Springprozession 2009

Am Dienstag nach Pfingsten findet die Echternacher Springprozession statt, eine jährlich zelebrierte Tanzprozession, die in ähnlicher Form auch im Trierer Stadtteil Biewer beim so genannten Schärensprung ausgeführt wird. Bei der Springprozession „springen“ die Teilnehmer zu Marschmusik ausgehend vom Innenhof der früheren Abtei durch die Stadt zur Echternacher Basilika, der Begräbnisstätte des heiligen Willibrord. Mit der Prozession wird der Heilige geehrt, der von hier aus zu seiner Missionarstätigkeit nach Friesland aufbrach. An der Veranstaltung nehmen auch regelmäßig zahlreiche Gläubige aus den missionierten Gebieten teil.

Die Sprünge gehen vermutlich auf die Bewegungen von Epileptikern zurück, die sich von einer Pilgerfahrt Heilung ihrer Krankheit erhofften. Die neuere Forschung bevorzugt jedoch die These, dass die Springprozession viel älter als die Verehrung Willibrords ist und aus germanischen und frühchristlichen Kulttänzen hervorging. Seit 2010 gehört die Echternacher Springprozession zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.[4]

Echternacher Musikfestivals[Bearbeiten]

Festival International Echternach[Bearbeiten]

Den beiden Luxemburger Musikliebhabern Georges Calteux und Jean Kraft kam bei einem Konzert in einer Abteikirche in Spanien der Gedanke, die Echternacher Basilika für Konzerte zu nutzen. Wieder zu Hause fiel die Idee im Jahre 1975 auf fruchtbaren Boden und fand schnell viele Freunde und Förderer. Unter ihnen auch der weltweit bekannte Pianist Cyprien Katsaris, der das Festival als musikalischer Leiter mit hohem persönlichen Einsatz mehr als 30 Jahre lang prägte.

Adrien Meisch, ehemaliger Botschafter Luxemburgs und begeisterter Musiker, schrieb als dessen Präsident von 1985 bis 2007 die Geschichte des Festival International Echternach maßgeblich mit.

Am 20. November 2007 übernahm Georges Santer, derzeit luxemburgischer Botschafter in Paris, das Präsidentenamt. Adrien Meisch bleibt dem Festival als Ehrenpräsident weiter eng verbunden.

Musikalische Größen wie Benny Goodman, Yehudi Menuhin, Mstislaw Rostropowitsch, Montserrat Caballé, Anne-Sophie Mutter, Gidon Kremer, Alfred Brendel oder, 2009 z. B., Arcadi Volodos, Christian Zacharias oder George Benson (um nur einige wenige zu nennen), sind in Echternach ebenso aufgetreten wie hoffnungsvoller Nachwuchs oder Preisträger aus dem In- und Ausland. Zahlreiche Werke gelangten in Echternach zur Uraufführung. Sie sind im Auftrage des Festival International Echternach entstanden und fördern junge Komponistentalente.

Musikalisch spannt das Festival einen Bogen von mittelalterlichen Klängen bis zur Klassik und von Jazz bis zur Weltmusik. Seit dem Jahre 2008 findet im Rahmen des Echternacher Festivals im September auch ein Jazzfestival statt.

Als Aufführungsorte stehen zur Verfügung:

und gelegentlich noch andere Veranstaltungsorte

e-Lake Festival[Bearbeiten]

Das e-Lake festival ist ein kostenloses dreitägiges Musikfestival, das seit 1983 im August von Jugendlichen für Jugendliche organisiert wird. Die Musikstile umfassen Rock und Pop, Electro und House bis Reggae.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Camille Wampach: Urkunden und Quellenbuch zur Geschichte der altluxemburgischen Territorien bis zur Burgundischen Zeit, 10 Bände; Luxemburg 1935-1955.
  • Henri Trauffler: Die Abteistadt Echternach im Mittelalter; phil. Diss., Trier 1996. [1]
  • Camille Wampach: Geschichte der Grundherrschaft Echternach im Frühmittelalter, Untersuchungen über die Person des Gründers, über die Kloster- und Wirtschaftsgeschichte aufgrund des liber aureus Epternacensis (698-1222); Luxemburg 1929-1930.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. STATEC Luxembourg – Population par canton et commune 1821–2014 (franz.)
  2. Jos. A. Massard: 1886–1996: Hundertzehn Jahre elektrisches Licht in Echternach. Ein Beitrag zur Geschichte der öffentlichen und privaten Beleuchtung im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Luxemburg mit Blick ins deutsche Grenzgebiet (PDF-Datei; 12,99 MB); Annuaire de la Ville d’Echternach 1996; S. 101–144.
  3. Ciné Sura Echternach: "Ciné Sura: Geschichte"
  4. UNESCO: The hopping procession of Echternach.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echternach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien