Echtes Federgras

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Echtes Federgras
Echtes Federgras (Stipa pennata)

Echtes Federgras (Stipa pennata)

Systematik
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Tribus: Stipeae
Gattung: Federgräser (Stipa)
Art: Echtes Federgras
Wissenschaftlicher Name
Stipa pennata
L.

Das Echte Federgras[1] (Stipa pennata) oder Grauscheiden-Federgras[2] ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Es bildet 40 bis 70 Zentimeter hohe Halme und bis zu 33 Zentimeter lange, dicht mit langen Haaren besetzte Grannen. Das Verbreitungsgebiet liegt in großen Teilen Europas, im Norden von Afrika und reicht nach Osten bis in die Mongolei und nach China. Die Art ist in Deutschland geschützt. Sie wurde gewerbsmäßig zur Herstellung von Trockensträußen gesammelt, sodass sie in manchen Gebieten ausgestorben ist.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration des Echten Federgrases (Stipa pennata) (links) und Stipa capillata (rechts)[3]

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]

Das Echte Federgras ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die dichte Horste bildet. Die Halme stehen aufrecht, haben zwei bis vier Knoten, werden 40 bis 70 Zentimeter hoch und sind unter der Rispe rau. Die Blattscheiden sind kahl oder mehr oder weniger dicht etwa 0,1 Millimeter lang behaart. Die Ränder im oberen Teil der Blattscheide sind manchmal kurz bewimpert. Die Blatthäutchen der Erneuerungssprosse bilden einen 1 bis 2 Millimeter langen, häutigen Saum, die Blatthäutchen der Halmblätter sind 3 bis 5 Millimeter lang. Die fadenförmigen Blattspreiten sind blaugrün und erreichen Längen von bis zu 50 Zentimeter und Durchmesser von 0,5 bis 1 Millimeter. Zumindest an der Spitze junger Blätter befindet sich ein Büschel von bis zu 3 Millimeter langen, abstehenden Haaren. Die Spreitenunterseite ist meist kahl und glatt, im unteren Teil jedoch manchmal rau oder kurz behaart.[4][5]

Blütenstand, Blüten und Früchte[Bearbeiten]

Die Blütenstände sind aus fünf bis neun Ährchen zusammengesetzte, zusammengezogene, etwa 10 Zentimeter lange, elliptische Rispen, die an der Basis in der obersten Blattscheide stecken. Die Ährchen sind einblütig, lanzettlich und ohne Granne meist 30 bis 50 und selten bis 70 Millimeter lang. Die Hüllspelzen sind untereinander gleich, bleibend, gelb, fünf- bis siebennervig und so lang wie die Ährchen. Die Blütchen sind zusammen mit dem 3 Millimeter langen und dicht behaarten Kallus 15 bis 18 Millimeter lang und etwa 1,4 Millimeter breit. Die Spitze des Kallus ist krallenförmig gebogen, stechend und kahl. Die Deckspelze ist fünfnervig, 15 bis 20 Millimeter lang, beinahe stielrund und zeigt sieben Reihen von kurzen Haaren. Die am Rand liegenden Haarreihen enden (3 bis) 4 bis 5 Millimeter unter der Ansatzstelle der Granne. Die mittlere Reihe überragt die benachbarten um etwa 2 Millimeter. Die Granne ist 25 bis 33 Zentimeter lang, der obere Teil ist dicht mit 5 bis 6 Millimeter langen Haaren besetzt. Die Vorspelze ist linealisch, zweinervig und so lang wie die Deckspelze. Die Staubbeutel sind 5 bis 6,5 Millimeter lang. Als Früchte werden 12 bis 15 Millimeter lange, spindelförmige Karyopse gebildet. Die Blütezeit ist im Mai und Juni.[4][5]

Verbreitung und Ökologie[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Echten Federgrases reicht von Mittel-, Nord-, Süd- und Osteuropa bis nach Nordafrika, und in Asien bis nach Sibirien, in den Kaukasus, in die Mongolei und nach China.[5]

Es kommt in lückigen Steppenrasen, an felsigen Hängen und in lichten Wäldern auf sommertrockenen, warmen, basenreichen, häufig kalkhaltigen, flachgründigen, nährstoffarmen steinigen oder seltener sandigen Böden vor. Es handelt sich um eine Lichtpflanze und einen Wärmezeiger.[4]

Das Echte Federgras ist ein Hemikryptophyt. Die Früchte werden durch den Wind verbreitet und bohren sich bei Aufnahme von Wasser durch eine Drehbewegung der Granne selbst in den Boden.[6]

Die Art steht in Deutschland unter Naturschutz.[6]

Systematik und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Das Echte Federgras (Stipa pennata) ist eine Art aus der Gattung der Federgräser (Stipa) in der Familie der Süßgräser (Poaceae), in der es der Unterfamilie Pooideae, Tribus Stipeae zugeordnet ist.[7] Die Art wurde von Carl von Linné 1753 in Species Plantarum erstmals wissenschaftlich beschrieben.[8] Der Gattungsname Stipa wurde von Linné eingeführt, ohne das Vertreter der Gattung zuvor mit diesem Namen bezeichnet wurden. Mit dem spätlateinischen Wort stipa wurde ein Stab zum Abstützen von Amphoren bezeichnet.[9] Das Artepitheton pennata stammt ebenfalls aus dem Lateinischen und bedeutet „gefiedert“. Es verweist damit auf die langhaarigen Grannen der Art.[10]

Synonyme der Art sind unter anderen Stipa anomala P.A. Smirn., Stipa appendiculata Celak., Stipa austriaca (Beck) Klokov, Stipa borysthenica Prokudin, Stipa disjuncta Klokov, Stipa gallica (Steven) Celak., Stipa joannis Čelak., Stipa lejophylla P.A.Smirn., Stipa oligotricha Moraldo, Stipa sabulosa (Pacz.) Sljuss., Stipa tauricola Celak. und Stipa veneta Moraldo.[11]

Verwendung[Bearbeiten]

Echte Federgräser im Wind

Die Haargrannen werden manchmal als Bettfüllung verwendet. Gefärbte Grannen werden im Alpenland[12] und in Ungarn, wo das Echte Federgras häufig ist, als Hutschmuck verwendet. In Deutschland wurden die Pflanzen gewerbsmäßig zu Trockensträußen verarbeitet, was stellenweise zur Ausrottung der Art geführt hat.[6]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Blackwell, Berlin/Wien 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 542–543. <!—Pareys Gräserbuch -->
  •  Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler, Mark Bachofer: Unsere Gräser. Über 400 Farbzeichnungen. Aktualisierte 12. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12573-1, S. 104.
  •  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 1150.
  •  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 467, 611 (Nachdruck von 1996).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutscher Name nach Conert: Pareys Gräserbuch, S. 542
  2. Deutscher Name nach Fischer, Oswald, Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, S. 1150
  3. Illustration nach Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1885, Gera
  4. a b c Conert: Pareys Gräserbuch, S. 542
  5. a b c W. D. Clayton, M. Vorontsova, K. T. Harman, H. Williamson: Stipa pennata. In: GrassBase - The Online World Grass Flora. Kew, Royal Botanical Gardens, abgerufen am 12. August 2013 (englisch).
  6. a b c Aichele, Schwegler: Unsere Gräser, S. 104
  7. Stipa pennata im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  8. Stipa pennata. In: The International Plant Name Index. Abgerufen am 12. August 2013 (englisch).
  9. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 611
  10. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 467
  11. Stipa pennata. In: The Plant List. Abgerufen am 12. August 2013 (englisch).
  12. Ernst Klapp: Taschenbuch der Gräser. Erkennung und Bestimmung, Standort und Vergesellschaftung, Bewertung und Verwendung 10. Auflage. Paul Parey, Berlin u. a. 1974, ISBN 3-489-53110-8, S. 173

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echtes Federgras (Stipa pennata) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien