Echtes Herzgespann

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Echtes Herzgespann
Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca)

Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Leonurus
Art: Echtes Herzgespann
Wissenschaftlicher Name
Leonurus cardiaca
L.

Das Echte Herzgespann (Leonurus cardiaca), auch Löwenschwanz oder Herzspannkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der botanische Gattungsname Leonurus kommt aus dem Griechischen, bedeutet Löwenschwanz und weist auf die Form der Blätter hin. Die Bezeichnung Cardiaca bezieht sich auf die Verwendung bei Herz-Krankheiten.

Merkmale[Bearbeiten]

Blütenstand
Zottiges Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca subsp. villosus)
Bestand Echtes Herzgespann

Das Echte Herzgespann ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30-120 cm erreicht. Sie besitzt einen vierkantigen Stängel, der hohl und außen behaart ist. Die gegenständigen, gestielten Laubblätter sind von mittelgrüner Farbe und an der Unterseite flaumig behaart; sie sind am Grund herzförmig und im Umriss handförmig 3-7-spaltig. Die oberen Blätter sind nur 3-lappig und am Grunde keilförmig.

Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Die Blüten entspringen den oberen Blattachseln und stehen dort in Scheinquirlen. Die rosa bis cremeweiße Einzelblüte zeichnet sich durch eine helmförmig gebogene, außen behaarte Oberlippe und eine dreiteilige Unterlippe mit bräunlicher Zeichnung aus. Die Blüte ist 8-12 mm lang und damit viel länger als der fünfnervige Kelch.

Die Chromosomenzahl ist 2n = 18.

Es werden zwei Unterarten unterschieden:

  • Gewöhnliches Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca subsp. cardiaca); bei dieser Unterart sind die Stängel nur an den Kanten angedrückt kurzhaarig und die Blätter oberseits fast kahl oder nur zerstreut behaart.
  • Zottiges Echtes Herzgespann (Leonurus cardiaca subsp. villosus (Desf. ex d'Urv.) Hyl.; Syn.: Leonurus villosus Desf. ex d’Urv.); bei dieser Unterart sind die Stängel dicht abstehend zottig und mit 1-2 mm langen Haaren besetzt. Die Blätter sind dicht und weich behaart. Die Unterart wird auch als Zierpflanze verwendet und von Imkern als Bienenfutterpflanze genutzt.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Echte Herzgespann gedeiht auf stickstoffreichen Böden und staudenreichen Unkrautfluren vor allem in Dörfern, an Mauern und Zäunen. Es ist eine Charakterart des Leonuro-Ballotetum nigrae (Verband Arction). Die Art kommt in Europa und in Vorder- und Mittel-Asien (bis nach Sibirien und zum Himalaja) vor, in Nordamerika ist sie nur eingeschleppt. Sie war früher eine Zierpflanze und Nutzpflanze des Bauerngartens.

In Deutschland ist die Pflanze gebietsweise im Rückgang begriffen. In Baden-Württemberg gilt sie sogar als stark gefährdet.[1]

Inhaltsstoffe[Bearbeiten]

Inhaltsstoffe des Echten Herzgespanns sind im Wesentlichen Iridoidglykoside (wie Ajugol, Ajugosid, Galiridosid) und Flavonoide (Rutosid, Quercitrin, Hyperosid). Ferner enthält Herzgespann Bitterstoffe vom Diterpentyp (Labdanditerpene und Diterpenlactone (Leocardin)), Betaine (Stachydrin) und Kaffeesäureverbindungen (Kaffesäurerutinosid), außerdem geringe Mengen ätherisches Öl.[2][3] Auch Leonurin, Cholin und Ursolsäure wurden nachgewiesen.[4]:89

Verwendung in der Küche[Bearbeiten]

Herzgespann ist kein typisches Gewürzkraut. Man soll jedoch mit frischen oder getrockneten Blättern Linsen- und Erbsensuppe würzen können. Früher wurde es auch zum Würzen des Bieres verwendet.

Verwendung in der Heilkunde[Bearbeiten]

Drogenauszüge aus den oberirdischen Pflanzenteilen (Kraut) werden bei nervösen Herzbeschwerden eingesetzt sowie zur unterstützenden Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion. In der Volksmedizin wird das Herzgespannkraut aufgrund der ihm nachgesagten spasmolytischen, sedierenden, blutdrucksenkenden und uteruskontrahierenden Wirkungen bei Verdauungsbeschwerden, Wechseljahresbeschwerden und auch als Beruhigungsmittel verwendet,[5][6] ferner bei Asthma bronchiale und ausbleibender Menstruation.[4]:89–91 Herzgespannextrakt gilt als Tonikum in den Wechseljahren und bei Herzschwäche.[2][3]

Die Grundlagenforschung am isolierten Tierherz durch Rauwald und Dhein belegt, dass die Wirkstoffe des Herzgespanns die Menge des Blutes steigern, das den Herzmuskel versorgt (den Koronarfluss), wodurch das Herz besser versorgt wird. Zugrunde liegt ein calciumantagonistischer Wirkmechanismus, welcher zu einer Blutdrucksenkung sowie zur Verlangsamung der Herzfrequenz und so zur Entlastung des Herzens führt. Welche Stoffe genau diese Wirkungen hervorrufen und ob diese einzeln oder nur in ihrem Zusammenspiel helfen, war zum Zeitpunkt dieser Studie noch offen und bedarf der weiteren Forschung.[7]

Es ist umstritten, ob die Pflanze bereits in der Antike verwendet wurde. Sicher ist man sich dagegen, dass sie in Mitteleuropa im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit Verwendung fand. Schon in einem der ersten gedruckten, dem in deutscher Sprache verfassten Kräuterbuch Gart der gesuntheit (1485), wird es unter dem Namen Cordiaca genannt und bei Magendrücken und Herzbeschwerden empfohlen.[4]:76 Paracelsus und Leonhart Fuchs meinen, in Wein eingelegtes Herzgespann helfe gegen zu starkes Herzklopfen sowie gegen Krämpfe und Lähmung der Gliedmaßen, in letzterem Fall auch als warme Kompresse. Ein wässriger Dekokt aus Herzgespann sei hilfreich bei Epilepsie. Herzgespann wirke auch diuretisch und führe die ausbleibende Menstruation herbei. Das 1554 erschienene Cruyede boeck von Rembert Dodoens empfiehlt eine in Wein gesottene Zubereitung des Herzgespanns gegen Schwermut und zur Herzstärkung, ein destilliertes Mazerat aus Wein bei Herz- und Menstruationsbeschwerden.[4]:82-83 Nicholas Culpeper schreibt in Herbal (1652), dass Herzgespann ein fröhliches Gemüt verleihe, indem es melancholische Dämpfe vertreibe und das Herz stärke. Er empfiehlt Herzgespannpulver in Wein bei Schwangerschaftsbeschwerden.[4]:86

Im 20. Jahrhundert wurde zum Herzgespann geforscht. Dabei wurden die wesentlichen Inhaltsstoffe quantitativ identifiziert und die hypotensive und uteruskontraktive Wirkung nachgewiesen.

In der Homöopathie wird Herzgespann gemäß den homöopathischen Arzneimittelbild angewendet.

Herzgespann im Aberglauben[Bearbeiten]

Nach Bocksch gab es in Mecklenburg einen volkstümlichen Heilzauber, bei dem Herzgespann in einer Kanne Bier zum Sieden gebracht wurde und gegen Geschwülste eingesetzt wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Schantz: Weißdorn und Herzgespann – Medizinhistorische Untersuchungen zur europäischen Tradition dieser Arzneipflanzen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Kassel 2009
  • Manfred Bocksch: Das praktische Buch der Heilpflanzen, München 1996
  • Penelope Ody: Praxishandbuch Heilpflanzen, München 2001
  • Otto Wilhelm Thomé; Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gera, 1885 (Bildquelle)
  • Werner Rothmaler (Begr.), Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Band 4. Gefäßpflanzen: Kritischer Band. 10., bearb. Auflage. Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München, Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  • Helmut Gams in Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band V. Teil 4: Labiatae – Solanaceae. 2. (unveränderter Nachdruck von 1927 mit Nachtrag) Auflage. Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin und Hamburg 1964, ISBN 3-489-78021-3. Seite 2392–2393.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  A. Kleinsteuber: Leonurus L. 1753. In: Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-3342-3. Seiten 175–177: >
  2. a b T. Dingermann, K. Hiller, G. Schneider, I. Zündorf: Schneider Arzneidrogen. 5. Auflage, Elsevier 2004, ISBN 3-8274-1481-4. S. 217.
  3. a b K. Hardtke et. al. (Hrsg.): Kommentar zum Europäischen Arzneibuch Ph. Eur. 4.03, Herzgespannkraut. Loseblattsammlung, 19. Lieferung 2005, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.
  4. a b c d e Peter Schantz: Weißdorn und Herzgespann – Medizinhistorische Untersuchungen zur europäischen Tradition dieser Arzneipflanzen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Kassel University Press, Kassel 2009. Abgerufen am 22. April 2013
  5.  I. Barnickel, F. Häfele Textbearbeitung: I. Barnickel, P. Lemberger, H. Maiolino, Botanischer Garten Erlangen der Universität Erlangen – Nürnberg (Hrsg.): Arzneipflanzen. 2. Auflage überarbeitet und ergänzt von W.Weis Auflage. S. 59.
  6. Europäische Arzneimittelagentur, Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: Assessment report on Leonurus cardiaca L., herba (PDF; 430 kB) vom 16. September 2010.
  7. Dr. Bärbel Adams: Geheimnisse des Herzgespannkrautes gelüftet. Pressemitteilung der Universität Leipzig vom 3. August 2007, abgerufen am 22. April 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echtes Herzgespann – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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