Echtes Leinkraut

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Echtes Leinkraut
Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris)

Echtes Leinkraut (Linaria vulgaris)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Gattung: Leinkräuter (Linaria)
Art: Echtes Leinkraut
Wissenschaftlicher Name
Linaria vulgaris
Mill.

Das Echte Leinkraut (Linaria vulgaris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Leinkräuter (Linaria). Andere deutsche Namen für die Pflanze sind Gemeines Leinkraut, Gewöhnliches Leinkraut, Kleines Löwenmaul sowie Frauenflachs.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die ausdauernde, krautige Pflanze kann Wuchshöhen von 20 bis 75 Zentimetern erreichen. Die Stängel stehen aufrecht. Die Laubblätter sind lineal-lanzettlich.

Die Blüten stehen in einem traubigen, zuweilen einseitswendigen Blütenstand zusammen. Die Blüten besitzen einen langen Sporn. Die Blütenfarbe ist gelb mit einem orangegelben Fleck auf der Unterlippe. Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober.

Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die Fruchtreife erfolgt zwischen Juli und September.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Echte Leinkraut ist häufig an warmen Böschungen zu finden. Es handelt sich bei dieser Art um eine typische Schuttpflanze, sie liebt lockeren, steinigen und sandigen Boden.

Das Echte Leinkraut ist in Mitteleuropa ein sogenannter Apophyt, da die ursprünglich in der Küstenvegetation heimische Art auf anthropogene Standorte wechselte, als in Mitteleuropa vor etwa 7.000 Jahren Wälder durch Menschen gerodet wurden, um Platz für Äcker zu schaffen. Diese Standorte waren offener als die meisten natürlichen und sie wurden regelmäßig gestört und boten damit dem Echten Leinkraut optimale Lebensbedingungen.

Ökologie[Bearbeiten]

Das Echte Leinkraut ist ein ist ein bis 1 m tief wurzelnder Wurzelknospen-Geophyt oder ein Hemikryptophyt.

Die Blüten sind „Echte Maskenblumen“ und reich an Flavonen; sie sind hellgelb und haben orangefarbene Saftmale auf der Unterlippe. Die Unterlippe ist durch ein federndes Gelenk an die Oberlippe gepresst und so nur von Hummeln und größeren Wildbienen zu öffnen. Man nennt die Blüte deshalb eine „Kraftblume“. Die Haarwülste der Unterlippe sind eine Abdichtung und Führungslinie zum Nektar, der sich in dem 10-13 mm langen Kronblattsporn befindet. Die Blüten sind homogam aber selbststeril. Bestäuber sind besonders Hummeln und andere langrüsselige Bienen, auch Falter gelangen mit Hilfe ihres schmalen Rüssels an den Nektar. Erdhummeln begehen „Blüteneinbruch“ durch Aufbeissen des Sporns.

Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober.

Eindrucksvoll ist die Mutante „Peloria“, die eine radiärsymmetrische, statt einer dorsiventralen Blüte hat, 5 statt 4 Staubblätter besitzt, und bei der alle 5 Kronblätter gespornt sind. Wegen der starken äußerlichen Abweichung stellte Linné die Pflanze in eine eigene Gattung Peloria. Genetisch besteht der Unterschied allerdings nur darin, dass bei der Mutante ein Gen durch Methylierung eines einzigen DNA-Bausteins blockiert ist.

Die Früchte sind als Porenkapseln Wind- und Tierstreuer. Die flachen, hautrandigen Samen breiten sich als Segelflieger und Wasserhafter aus, aber auch Ameisenausbreitung findet statt. Es erfolgt eine reiche Samenproduktion von bis zu 32000 Samen pro Pflanze. Fruchtreife ist von Juli bis September.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch Ausläufer und Wurzelsprosse.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für das Echte Leinkraut sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen Dorant, Druut (Mecklenburg), Feigblätterkraut, Feigwarzenkraut, Wilder Flachs, Flachskraut, Wille Flachs (Göttingen), Frauenflachs (Schlesien, Mark, Ostpreußen), Harnkraut, Heidenflachs, Hundskopf, Hunthaubito (althochdeutsch), Katharinenblumen (Schlesien), Katharinenflachs (Sachsen), Katharinenkraut (Sachsen), Krottenflachs, Lammkraut, Leinkraut, Linkraut (Mecklenburg), Wäld Liwemeltcher (Siebenbürgen), Marienflachs (Schlesien), Mauerflachs, Nabelkraut, Schänndegräber (Eifel bei Altenahr), Scheisskraut, Stallkraut (im Sinne von Harnkraut), Stockkraut, Tackenkrut (Mecklenburg), Takenkraut (Schlesien), Uckerleinkraut, Unser Frauen Flachs und Unser Frau Har gebräuchlich.[1]

Weitere Fotos[Bearbeiten]

Blütenstand des Echtes Leinkrautes (Linaria vulgaris):

Quellen[Bearbeiten]

  •  Dietmar Aichele, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Wildwachsende Blütenpflanzen Mitteleuropas. 54. Auflage. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1991, ISBN 3-440-05615-5.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 280–281.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echtes Leinkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 34 f., online.