Edaphon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Bodenlebewesen oder Edaphon (von griechisch edaphos „Erdboden“) bezeichnet man die Gesamtheit der im Boden lebenden Organismen (Bodenorganismen und Bodenmikroorganismen). Im Gegensatz dazu bedeutet das zugehörige Adjektiv edaphisch „den Boden betreffend“ oder „die ökologische Wirkung des Bodens betreffend“. Der Begriff wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Botaniker und Mikrobiologen Raoul Heinrich Francé geprägt.

Einteilung[Bearbeiten]

In den Bodenporen lebende (euedaphische) Springschwänze, hier Protaphorura armata, sind wenig pigmentiert oder völlig weiß.

Die Bodenlebewesen unterscheidet man herkömmlich in pflanzliche (Bodenflora) und tierische (Bodenfauna). Im Boden leben zahlreiche ein- oder wenigzellige eukaryotische Mikroorganismen, die Protisten. Zu ihnen gehören neben pflanzlichen und tierischen Arten unter anderem auch Pilze.

Je nach Lebensraum wird zusätzlich unterteilt in:

  • hyperedaphisch – in Krautschicht lebend
  • epedaphisch/epigäisch – in Streuschicht lebend
  • hemiedaphisch/hypogäisch – in Humusschicht lebend
  • euedaphisch/endogäisch – im (Ober)boden lebend

Bodenflora[Bearbeiten]

Die Bodenflora besteht unter anderem aus Pilzen, Algen, Bakterien und Flechten. Gerade Bakterien ernähren sich überwiegend von abgestorbener, organischer Substanz. Der Bodenflora kommt durch diese Humifizierung und Mineralisierung des organischen Materials eine wichtige Aufgabe innerhalb des Ökosystems zu. Pflanzenwurzeln gehören nicht zur Bodenflora.

In Anlehnung an den Begriff Nanoplankton bezeichnete Francé die autochthone Mikroflora als Nanedaphon. Dieses enthält unterschiedliche Stäbchen-, Keulen- und Kokkenformen, die vielleicht zyklisch wechseln, aber in allen irdischen Klimata übereinstimmend vorhanden sind. Es handelt sich um eine „Tiefenform“ des Edaphons, da diese Mikrofauna am wenigsten licht- und luftbedürftig ist und oft noch in Metertiefen gefunden wird.

Bodenfauna[Bearbeiten]

Genauso wie der Bodenflora kommt auch der Bodenfauna durch die Zerkleinerung und Zersetzung von abgestorbenen Pflanzenresten und Tierleichen eine wichtige Rolle zu. Insbesondere Bodenkriecher und -wühler sorgen für Durchmischung, Durchlüftung und Lockerung des Bodens.

Unterteilung nach Größe:

Die Mikrofauna übernimmt die Funktion der Mineralisierung. Die Mesofauna sorgt für kleinräumige Bioturbation, Streufragmentierung und Bioakkumulation. Makro- und Megafauna sorgen für großräumige Bioturbation, Streufragmentierung und Aggregatsbildung. Alle Bestandteile der Bodenfauna fördern darüber hinaus die mikrobielle Aktivität.

Unterteilung nach dem typischen Bewegungsverhalten:

Edaphon Verteilung.png

Zusammensetzung Edaphon[Bearbeiten]

Folgende Werte sind nur Näherungen:

  • 40 % Bakterien, insbesondere Actinomyceten
  • 40 % Algen und Pilze
  • 12 % Regenwürmer
  • 5 % übrige Makrofauna: Polychaeten, Gastropoda, Arachnida ...
  • 3 % übrige Mikrofauna: Nematoden, Milben, Collembolen ...

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]