Edelpelze Berger

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Edelpelze Berger
Edelpelze Berger Berlin, Logo 1941.png
Rechtsform Einzelunternehmen
Gründung 1938
Sitz Berlin und Hamburg
Leitung erloschen
Branche Kürschnerei; Pelze
Otto Berger (Mitte) bei einer Preisverleihung 1973

Edelpelze Berger war ein renommiertes Pelzfachgeschäft des höheren Genres in Hamburg mit eigener Kürschnerei. Ende der 1960er Jahre wurde der 1938 gegründete Betrieb durch eine Erweiterung in Wedel zum größten Pelzverarbeitungsbetrieb Norddeutschlands. Mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet, stattete Berger auch Spielfilme aus und war Gegenstand einer einstündigen Radiosendung des deutsch-amerikanischen Rundfunks, die auf Schallplatten erhalten ist.

Der Firmengründer war der ursprünglich aus Kiel stammende Kürschner und Modemacher Otto Berger (* 9. April 1911 in Kiel; † ), der seine Ausbildung in Flensburg erhielt. Seine Gehilfenprüfung bestand er mit Auszeichnung. Er besuchte die Kürschnerschule in Leipzig und legte mit nur 23 Jahren seine Meisterprüfung, ebenfalls mit Auszeichnung, ab. Von der Handwerkskammer bekam er die Ausnahmegenehmigung, in dem Alter bereits Lehrlinge auszubilden und die Kürschnerinnung beauftragte ihn, Fachkurse für Gesellen und Meisterprüflinge abzuhalten. Zu der Zeit arbeitete er bereits in dem seinerzeit sehr angesehenen Berliner Pelzsalons Martha Bräutigam als Zuschneider. Zusammen mit seiner Prinzipalin besuchte er die Haute-Couture-Schauen in Paris und entwarf anschließend die Kollektionen für das Berliner Haus.[1] Der Erfolg der Firma wurde nicht zuletzt auf ihren „sehr tüchtigen Werkmeister Berger“ zurückgeführt.[2]

Im Januar 1939 machte Otto Berger sich selbständig. In den 1950er Jahren unterhielt er ein exklusives Pelzgeschäft mit Kürschnerei in Hamburg Neuer Wall 31-33 und in Berlin auf der Nürnberger Straße 13. Von Beginn an betrieb er neben dem Detail- auch das Engrosgeschäft, in Berlin sowie in Leipzig auf der Nikolaistraße 33-37 unterhielt er einen Rauchwarengroßhandel unter der Firmenbezeichnung Berger & Co.[3][4]

1945, direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führte Berger nicht nur sein Berliner Geschäft weiter, sondern eröffnete die Niederlassung am Neuen Wall in Hamburg, die nachher der Hauptsitz der Firma wurde. Der spätere Leiter dort war Theodor Boucher, das Berliner Haus wurde ab 1956 von Adolf Doll geleitet, vormals Leiter des ehemals großen Berliner Unternehmens Adolf Doll & Söhne.[5] 1963, im Jahr seines 25-jährigen Firmenjubiläums, gab Otto Berger seinen Bestand allein an hochwertigen Nerzfellen mit 25.000 Stück an. Der eine Zeitlang hochaktuelle, sehr kurzhaarige Alaska-Seal-Pelz wurde von ihm als erstem auf den deutschen Markt gebracht.[1] 1969 eröffnete er das „Pelzzentrum Wedel“.[6]

Edelpelze Berger war das erste europäische Unternehmen, das den SAGA Design Preis erhielt. Zahlreiche Berger-Modelle sind auf Fotografien, beispielsweise von F.C. Gundlach, festgehalten, die heute in Museen zu besichtigen sind. Hamburg war in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz der angesehensten deutschen Meisterschule für das Kürschnerhandwerk (danach Frankfurt am Main). Die Firma war das Sprungbrett für viele, später sehr erfolgreiche Kürschner. Es galt als ganz besondere Qualifikation, bei Otto Berger und der Hamburger Meisterschule für Mode seine Meisterprüfung abgelegt zu haben.[1]

Am 14. Juni 1973 wurde das Konkursverfahren über das Vermögen der Otto Berger KG, Wedel/Holstein, mit Zweigniederlassungen in Berlin, Hamburg und Timmendorfer Strand, eröffnet, mangels Masse wurde es eingestellt.[7][8] Am 10. Juli 1973 wurde in das Handelsregister neu eingetragen: Edelpelze Berger GmbH, Hamburg, Neuer Wall 11,[9] , am 12. November 1974 geändert in Verwaltungsgesellschaft Edelpelze Berger mbH.[10] Im Dezember 1975 wurde Peter Friedrich Geschäftsführer, der vorher bei Karstadt und anderen Konzernen sich bereits vorwiegend mit Pelz beschäftigt hatte. Er ließ das seit 1955 kaum veränderte Ladenlokal umbauen und nahm erstmals neben Arbeiten der eigenen Werkstatt Modelle ausländischer Pelzdesigner auf, sowie Accessoires führender Modedesigner, wie Guy Laroche oder Pierre Balmain.[11] 1977 wurde der Firmenname in Edelpelze „Arven“ GmbH & Co. geändert.[12]

Weblink[Bearbeiten]

 Commons: Edelpelze Berger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ohne Autorenangabe: Versessen auf Qualität seit 25 Jahren. In Rund um den Pelz, Nr. 12, Dezember 1963, Fulde Verlag Köln, S. 42-43.
  2. Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 1. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 151. (Kollektion G. & C. Franke).
  3. Ralf Winckelmann (Hsgr.): Winckelmann – Fachadressbuch der Rauchwaren- und Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks für Deutschland, 61. Ausgabe. London 1953, S. 2, 108, 145
  4. Anzeige in der Zeitschrift Hermelin 1957 Nr. 7-8, Hermelinverlag Dr. Paul Schöps, Berlin – Leipzig – Wien, S. 42 (Feine Pelzmoden & Konfektion en gros).
  5. Ohne Autorenangabe: Adolf Doll wird 65 Jahre. In: Die Pelzwirtschaft, Berlin und Frankfurt am Main, Juli 1963, S. 28.
  6. Otto Berger eröffnete sein „Pelzzentrum Wedel“. In: Die Pelzwirtschaft Heft 1, Januar 1970, S. 64 Inhaltsverzeichnis des Jahrganges 1969.
  7. Konkursverfahren. Über das Vermögen der Fa. Otto Berger KG, Wedel/Holstein, ABC-Straße 16, ... In: Die Pelzwirtschaft Nr. 8, CB-Verlag Carl Boldt, Berlin 20. August 1973, S. 57.
  8. Konkursverfahren (gemäß § 204 KO). In: Die Pelzwirtschaft Nr. 11, 17. Dezember 1973, S. 48.
  9. Aus dem Handelsregister. Neueintragungen. In: Die Pelzwirtschaft Heft 12, 28. Dezember 1973, S. 44.
  10. Aus dem Handelsregister. In: Die Pelzwirtschaft Heft 6, CB-Verlag Carl Boldt, Berlin, 30. Juni 1975, S. 29.
  11. „HE“: Großzügige Modernisierung bei Edelpelze Berger. In: Die Pelzwirtschaft Nr. 9, CB-Verlag Carl Boldt, Berlin, 25. September 1976, S. 108.
  12. Aus dem Handelsregister. Neueintragungen. Edelpelze Berger GmbH & Co., Neuer Wall 41, 2000 Hamburg. In: Die Pelzwirtschaft Heft 12, 21. Dezember 1977, CB-Verlag Carl Boldt, Berlin, S. 60.