Edgar Froese

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Edgar Froese 2007 in Eberswalde

Edgar Willmar Froese (* 6. Juni 1944 in Tilsit; † 20. Januar 2015 in Wien) war ein deutscher Komponist, Musiker und Künstler. Er gilt als Pionier der Elektronischen Musik und war Gründer der Gruppe Tangerine Dream.

Kindheit und Studium[Bearbeiten]

Froese wurde im letzten Jahr des 2. Weltkriegs im ostpreußischen Tilsit geboren. Sein Vater und einige Verwandte wurden von Nationalsozialisten ermordet. Seine Mutter musste schon vor Ende des Krieges nach Berlin fliehen, wohin auch der Rest seiner Familie nach dem Krieg folgte. Froese kam aus einer Kaufmannsfamilie, und der Einzige, dem künstlerische Talente nachgesagt werden konnten, war sein Vater, der gerne Arien aus bekannten Opern sang. Da seine Familie während des Krieges allen Besitz verloren hatte, musste Froese mit 15 Jahren anfangen, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten. Mit 18 Jahren bekam er ein Hochbegabtenstipendium und studierte 4 Jahre lang an der Berliner Akademie der Künste Malerei, Skulptur und Grafik. Um seine Ausbildung zu finanzieren, nahm er vielerlei Gelegenheitsarbeiten in einem Schauspielhaus an, wie zum Beispiel Sloganschreiber, Entwurfzeichner, Radiosprecher, Schriftdesigner und Redenschreiber. Er wirkte somit früh bei Werbespots für IBM, Coca-Cola, Ford und viele andere Firmen mit. Einer seiner lukrativsten Aufträge war es, Werbeplakate für die Berliner Busse zu entwerfen. Er begann ein Abendstudium der Psychologie und Philosophie und promovierte über Kants kategorischen Imperativ. Da seine Interpretation nicht mit der akademischen Denkweise konform war, verließ er das Kolleg mit dem Spruch: "Der Staub der Universitäten liegt wie ein Leichentuch über der Wahrheit."[1]

Musikalischer Werdegang[Bearbeiten]

Froese wollte ursprünglich klassischer Pianist werden. Er wandte sich schließlich der Gitarre zu und erlernte das Spielen autodidaktisch.[1]

Biografie[Bearbeiten]

Bereits als Kind erlernte Froese das Klavierspielen, später studierte er an der Berliner Akademie der Künste Malerei und Grafik. Dort gründete er 1962 seine erste Gruppe, in der er Gitarre spielte. Allerdings hatte Froese damals noch nicht vor, Musiker zu werden. Später half ihm seine künstlerische Ausbildung bei der Gestaltung der Plattenhüllen, wobei seine Frau Monika ihm zur Seite stand. Sie gestaltete viele Cover für Tangerine Dream und kann auch als die erste offizielle Band-Fotografin bezeichnet werden. Edgar und Monika Froese heirateten 1970, im selben Jahr kam Sohn Jerome zur Welt.

Froese lernte Salvador Dalí kennen und folgte 1967 einer Einladung, in Dalis Villa in Spanien mehrere Privatkonzerte zu geben. Hier trafen sich Künstler zu happening afternoons. Die Darbietungen waren eine Mischung aus Musik, Literatur und Malerei und können als frühe Form einer Multimediapräsentation bezeichnet werden. Zur Einweihung von Dalis Christus-Statue im Juli 1967 koordinierten sie die Musik.

Zurück in Berlin versuchte Froese Gleichgesinnte zu finden, die ebenfalls daran interessiert waren, nicht nur die Top 40 der amerikanischen Charts nachzuspielen. Die meisten Musiker fanden jedoch seine Vorstellung, Musik und visuelle Künste in Einklang zu bringen, uninteressant. Mit ständig wechselnder Besetzung spielte Froese oft im Cafe Zodiac bei so genannten „Nachtkonzerten“.

Aufgrund seines nordischen Aussehens bekam Froese den Spitznamen „Viking“. Mit der Band The Ones, die er bereits 1965 gegründet hatte, veröffentlichte er 1967 eine Single mit den Beat-Stücken Lady Greengrass/Love of Mine. Die Band spielte Rhythm and Blues und Rock ’n’ Roll.

Im September 1967 gründete Edgar Froese Tangerine Dream, deren Stil er maßgeblich beeinflusste. Mit ständig wechselnden Formationen brachte er mehr als achtzig Alben und Soundtracks heraus. Seine wichtigsten musikalischen Weggefährten waren dabei Klaus Schulze, Christopher Franke, Peter Baumann, Johannes Schmoelling, Paul Haslinger, Linda Spa und sein Sohn Jerome Froese.

Neben seiner Arbeit mit Tangerine Dream fand Froese immer noch Zeit, Solo-Projekte umzusetzen und zu veröffentlichen.

So erschien Mitte des Jahres 1974 Edgar Froeses erste Solo-LP Aqua auf dem Deutschrocklabel Brain. Die Aufnahmen entstanden mit dem von Günther Brunschen (TU Berlin) entwickelten Kunstkopf.

Froeses zweites Solowerk Epsilon In Malaysian Pale entstand unter dem Einfluss einer Asienreise in 1975. „Das ist, als wenn man aus der ewigen Dunkelheit des Dschungels in das pralle Sonnenlicht eines Strandes tritt – aus den Träumen der Nacht in die Realität des Tages“, wird die Platte vom Melody Maker beschrieben.

1976 brachte Edgar Froese seine dritte Solo-LP unter dem Titel Macula Transfer auf den Markt. Die Titel der einzelnen Stücke muten sehr eigenwillig an, da sie nach Flugnummern wie Qantas 611 oder OS 452 benannt sind.

1978 erschien Froeses viertes Soloalbum Ages. Als Inspirationen gab er den spanischen Architekten Antonio Gaudí an, sowie den amerikanischen Schriftsteller Henry Miller und Fritz Langs Metropolis.

Auf dem 1979er Album Stuntman verwendete Froese erstmals digitale Klänge. Unterstützt wurde er dabei von dem Hamburger Ingenieur Wolfgang Palm. Aus diesem Album stammt auch Froeses bisherige einzige Single Stuntman/Scarlet Score for Mescalero.

Edgar Froese schrieb 1982 den Soundtrack zu dem Wolf-Gremm-Film Kamikaze 1989 und veröffentlichte ihn unter seinem Namen bei Virgin. Der deutsche Film, in dem erstmals der deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder in einer Hauptrolle zu sehen ist, entstand nach dem Roman Mord im 31. Stock des schwedischen Schriftstellers Per Wahlöö. Im Juni 1982 starb Fassbinder plötzlich, so dass dieser Film auch zugleich sein letztes cineastisches Werk darstellt.

Eine weitere Soloarbeit von Froese wurde 1983 veröffentlicht. Die Platte Pinnacles wurde von der Musikszene als Produktion beschrieben, „die sich nicht durch Voluminösität, sondern durch die Intensität der Stimmungen und Atmosphären auszeichnet“. Der Titel bezieht sich auf jahrtausendealte Felsformationen im australischen Nambung-Nationalpark.

Erst 1995 brachte Edgar Froese mit der Doppel-CD Beyond The Storm ein weiteres, teilweise umstrittenes Soloprojekt heraus. Darauf befinden sich dreizehn remasterte ältere Titel sowie fünfzehn neue Stücke. Vor allem die überarbeiteten Stücke stießen bei einigen Fans auf Ablehnung. Bereits bei Tangerine Dream hatte Froese große Teile des Repertoires zeitgemäß überarbeitet und neu herausgegeben, was nicht immer auf Zustimmung traf.

Im Jahr 2000 starb Edgar Froeses Frau Monika nach langer Krankheit.

Mit seiner zweiten Frau Bianca Acquaye teilte Froese die Liebe zur Kunst, sie selbst malt Acryl-Bilder. Im Jahr 2004 hatten sie eine gemeinsame Ausstellung in Berlin. Bianca schuf auch die Bilder, die auf den Tangerine Dream-Alben Inferno und Purgatorio als Cover-Artwork zu sehen sind.

Unter dem Titel The Ambient Highway erschien 2004 eine fünfteilige CD-Kollektion, in der Froese älteres Material remastert und musikalisch weitergeführt hat. Auch hier finden sich im Cover Arbeiten seiner Frau.

2005 erschien Edgar Froeses letztes Soloalbum Dalinetopia. Im selben Jahr veröffentlichte er auch seine ersten sechs Soloalben auf seinem eigenen Label Eastgate Music. Aus rechtlichen Gründen wurden die Wiederveröffentlichungen neu abgemischt und zum Teil auch neu aufgenommen, was an veränderter Covergestaltung und der Künstlerangabe „Edgar W. Froese“ (anstelle von „by Edgar Froese“) erkennbar ist.

2013 hatte er einen schweren Unfall, als er bei Eis- oder Schneeglätte ausrutschte und eine Kopfverletzung erlitt, in deren Folge er ein halbes Jahr im Koma lag. Durch den erlittenen Kieferbruch konnte er zunächst weder essen noch sprechen.[2] Noch Monate später hatte er erhebliche Probleme, sich zu artikulieren.[3]

Edgar Froese starb am 20. Januar 2015 im Alter von 70 Jahren in Wien an einer Lungenembolie.[4][5]

Diskografie[Bearbeiten]

  • Aqua (1974)
  • Epsilon in Malaysian Pale (1975)
  • Macula Transfer (1976)
  • Ages (1978)
  • Stuntman (1979)
  • Electronic Dreams (Compilation 1979)
  • Kamikaze 1989 Filmmusik für den gleichnamigen Film mit Rainer Werner Fassbinder (1982)
  • Pinnacles (1983)
  • Beyond the Storm (1995)
  • Introduction to the Ambient Highway (2003)
  • Ambient Highway Vol.1 (2003)
  • Ambient Highway Vol.2 (2003)
  • Ambient Highway Vol.3 (2003)
  • Ambient Highway Vol.4 (2003)
  • Dalinetopia (2005)
  • Orange Light Years (2005)
  • Armageddon In The Rose Garden Part 1 Split-CD mit Ron Boots (2008)

Filmografie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEdgar Froese: Biography. In: Edgar Froese website. n.d., abgerufen am 24. Januar 2015 (englisch).
  2. Margarete Kreuzer: Tangerine Dream auf Abschiedstournee. In: Informationsseiten für „Stilbruch“, das Kulturmagazin des RBB. 22. Mai 2014, abgerufen am 24. Januar 2015.
  3. Gut zu hören in einem Interview-Zusammenschnitt von Olaf Zimmermann für die Sendung Elektro Beats vom 4. Juni 2014 auf Radio Eins: Zum 70. Geburtstag von Edgar Froese (Tangerine Dream) (ab 24:51 min). Vgl. auch Live- Welturaufführung des Tangerine Dream- Soundtracks "Sorcerer" in Kopenhagen, die Seite für die entsprechende Sendung vom 16. April 2014. (Beide Seiten abgerufen am 24. Januar 2015)
  4. Shane Mack: RIP: Edgar Froese, founder of Tangerine Dream. In: Tiny Mix Tapes. 23. Januar 2015, abgerufen am 23. Januar 2015 (englisch).
  5. Tangerine Dream Team: This is a message to you we are very sorry for… In: TANGERINE DREAM on Facebook. 23. Januar 2015, abgerufen am 24. Januar 2015 (englisch).