Edgar Morin

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Edgar Morin, 2008

Edgar Morin (ursprünglicher Name Edgar Nahoum; * 8. Juli 1921 in Paris, Frankreich) ist ein französischer Philosoph. Er ist emeritierter Forschungsdirektor am Centre national de la recherche scientifique (CNRS).

Leben[Bearbeiten]

Morin entstammt einer sephardisch-jüdischen Familie aus Thessaloniki, bezeichnete sich jedoch immer als Atheisten. Er studierte an der Sorbonne Geschichte und Geographie. Ein weiterer Abschluss erfolgte später in Jura.

Während der Besetzung Frankreichs durch deutsche und italienische Truppen im Zweiten Weltkrieg übernahm Nahoum angesichts der Nazi-Kollaboration der Pétain-Regierung eine aktive Rolle in der französischen Résistance. Der damit verbundenen Lebensgefahr wegen legte er seinen jüdischen Familiennamen ab und wirkte unter dem Decknamen Morin. Dieses Pseudonym behielt er später bei und wurde unter diesem Namen bekannt. Nach der Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung arbeitete er in der Verwaltung des französischen Sektors im besetzten Deutschland und verfasste aus der ethnographisch nüchternen Haltung teilnehmender Beobachtung L'an zéro de l'Allemagne ("Die Stunde Null Deutschlands"), ein Buch eines Augenzeugen über die Lage der teilweise hungernden deutschen Bevölkerung in der Nachkriegszeit.

Morins zeitweiligen Sympathien für die Kommunistische Partei Frankreichs (PCF), der er in der Résistance beigetreten war, kühlten sich nach 1949 ab. Er wurde schließlich aus der Partei ausgeschlossen. Er war Anfang der 50er Jahre Mitglied von Socialisme ou barbarie, einer Gruppe von linken, antikommunistischen Aufklärern.[1]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • L’an zéro de l’Allemagne. Cité universelle, Paris 1946.
    • Übersetzung: Das Jahr Null. Ein Franzose sieht Deutschland. Volk und Welt, Berlin 1948.
  • Le paradigme perdu. La nature humaine. Seuil, Paris 1973, ISBN 2-02-005343-8.
    • Übersetzung: Das Rätsel des Humanen. Grundfragen einer neuen Anthropologie. Piper, München/Zürich 1974, ISBN 3-492-02093-3.
  • Les sept savoirs nécessaires à l’éducation du futur. Seuil, Paris 2000, ISBN 2-02-041964-5.
    • Übersetzung: Die sieben Fundamente des Wissens für eine Erziehung der Zukunft. Krämer, Hamburg 2001, ISBN 3-89622-043-8.
  • (mit Stéphane Hessel) Le chemin de l’espérance. Fayard, Paris 2011, ISBN 978-2-213-66621-1.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aurel Schmidt: Edgar Morin oder Die Komplexität des Denkens. In: Jürg Altwegg, Aurel Schmidt: Französische Denker der Gegenwart: Zwanzig Porträts. Beck, München 1987, S. 151–156, ISBN 3-406-31992-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wissen braucht Gewissen und Bewusstsein in: FAZ vom 4. Juli 2011, Seite 30