Edgar Snow

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Edgar Snow (links im Bild) mit Zhou Enlai und Deng Yingchao 1938 in Wuhan
Edgar Snows Grab auf dem Campus der Peking-Universität

Edgar Snow (* 17. Juli 1905 in Kansas City, Missouri; † 15. Februar 1972) war ein amerikanischer Journalist, der 1937 in seinem Buch Red Star over China (deutsch 1970 unter dem Titel Roter Stern über China) aus der Basis der KPCh in Yan'an und von seinen Begegnungen mit Mao Zedong berichtete. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt und trug erheblich dazu bei, Mao international populär zu machen und einen Stimmungsumschwung zugunstens Maos in der westlichen Welt herbeizuführen. Die KPCh organisierte die Veröffentlichung in chinesischer Sprache, die unter dem Titel „Geschichte einer Reise in den Westen“ erschien, um ihr einen unparteiischen Anspruch zu geben. Auf der Grundlage des Snow Materials wurde noch eine Autobiografie und ein Buch „Impressions of Mao-Tsetung“ veröffentlicht. Snows Berichte zeigten durchweg eine deutliche Sympathie für die Politik der Volksrepublik China.

1971 wurde er auf Anraten des CIA zu einem Interview mit Mao nach Peking eingeladen, um den Besuch Richard Nixons in Peking vorzubereiten.

Historische Bewertung[Bearbeiten]

Seine Biographie über Mao Zedong wurde von Mao selbst aktiv betrieben[1]. Mao hatte die Untergrundbewegung in Shanghai gebeten, einen ausländischen Journalisten ausfindig zu machen, der seine Geschichte aufzeichnen und veröffentlichen könnte und der mit seiner Person und dem Kommunismus, über den er berichtete, sympathisieren sollte. Er wählte schließlich den US-Journalisten Edgar Snow aus, der für die einflussreichen amerikanischen Zeitungen Saturday Evening Post und New York Herald Tribune schrieb. Die Biografie "Red Star over China" entstand zu großen Teilen aus Interviews, die Mao Zedong und andere Kommunisten Snow während 3 Monate im Sommer 1936 gaben. Mao überließ dabei nichts dem Zufall. Er koordinierte sorgfältig die Antworten auf einem Fragenkatalog, die Snow vorab einreichen musste. Hierdurch entstand eine Mixtur aus wertvollen Informationen und inhaltlichen Fälschungen.So entwickelte Mao Edgar Snow z. B.in dem zentralen Heldenmythos der Kommunistischen Partei Chinas, dem langen Marsch, er habe bis auf seine Krankheitsphasen den größten Teil der durchquerten 10.000 km wie die einfachen Soldaten zu Fuß zurückgelegt. Über die entscheidenden, jahrzehntelangen Verbindungen zu Moskau und Stalin ließ er kein Wort verlauten, er erfand Schlachten und Heldentaten und negierte das Ausmaß an Terror, Folter und Morden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gast am anderen Ufer. Rotchina heute, München: Kindler, 1964.
  • Roter Stern über China. Frankfurt am Main: März, 1969. (Nachdrucke bei vers. Verlagen, z. B., 1983, ISBN 3-87512-215-1
  • So fing es an. Erfahrungen mit neuen Zeiten, Stuttgart: DVA, 1977. ISBN 3-426-03573-1 Auch mit anderem Untertitel
  • Die lange Revolution. China zwischen Tradition und Zukunft, Stuttgart: DVA, 1983. ISBN 3-423-01077-0
  • Rote Horizonte (Auszug aus Roter Stern über China), in MÄRZ-Texte 1. Frankfurt am Main: März, 1969. Wieder in: MÄRZ-Texte 1 & Trivialmythen. Erftstadt: Area, S. 236 - 249, 2004 ISBN 3-89996-029-7. Mit einem Foto: Snow mit Mao Zedong, 1967)

Film[Bearbeiten]

  • Zuhause ist woanders. Schweizer Dokumentation von Peter Entell aus dem Jahr 2012 über Edgar Snow aus der Sicht seiner zweiten Ehefrau, der Hollywood-Schauspielerin Lois Wheeler Snow.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jung Chang, Jon Halliday, Mao ISBN 978-3-89667-200-1
  2. Zuhause ist woanders. arte.tv, abgerufen am 3. Juli 2014.