Edi Rama

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Edi Rama bei einer Diskussion im Jahr 2008
Unterschrift von Edi Rama

Edi Rama (* 4. Juli 1964 in Tirana) ist ein albanischer Politiker und Künstler. Seit dem 10. September 2013 ist er der 12. Ministerpräsident Albaniens. Seit Oktober 2005 ist er zudem Vorsitzender der Sozialistischen Partei Albaniens (PS). Zwischen 2000 und 2011 war er Bürgermeister von Tirana.

Biographie[Bearbeiten]

Sportliche Laufbahn und frühe künstlerische sowie politische Aktivitäten[Bearbeiten]

Edi Rama wurde als Sohn von Kristaq Rama, einem Bildhauer aus Durrës, und der Medizinerin Aneta Rama (geboren Koleka) geboren. Als Jugendlicher war er Spieler beim Basketballclub Dinamo und in den späten 1980er Jahren auch beim Nationalteam. Zur Zeit des Sturzes der stalinistischen Diktatur war er als Lektor an der Akademie der Künste tätig, wo er bereits zum Maler ausgebildet worden war.[1] Zu dieser Zeit heiratete er Matilda Makoci, mit der er einen Sohn hat, Gregor Rama. 1994 ließen sich die beiden scheiden, und Edi Rama wanderte nach Frankreich aus. Dort nahm er – hauptsächlich in Paris – zusammen mit seinem Freund Anri Sala an verschiedenen Kunstausstellungen teil.[2]

Edi Rama beteiligte sich aktiv an den ersten Demokratiebewegungen in Albanien anfangs der 1990er Jahre. Er kritisierte die regierende Demokratische Partei unter Sali Berisha wegen Korruption und begann seine Karriere als international anerkannter Künstler. 1998 war Rama anlässlich der Beerdigung seines Vaters wieder in Albanien. Der neue sozialistische Ministerpräsident Fatos Nano berief ihn zum Minister für Kultur, Jugend und Sport in die Regierung.

Bürgermeister von Tirana[Bearbeiten]

Im Oktober 2000 zog er als neuer Bürgermeister ins Rathaus von Tirana ein. Als unabhängiger Kandidat hatte er mit Unterstützung der Sozialistischen Partei 57 % der Stimmen auf sich vereinigen können. Seit der Übernahme des Oberbürgermeisteramtes ließ er illegal errichtete Gebäude wie Kioske und Nachtclubs abreißen und nahm Maßnahmen zur Müllentsorgung und Begrünung vor. Für sein Projekt „Clean and Green“ wurde er von den Vereinten Nationen ausgezeichnet.[3] Im Herbst 2003 trat Rama der Sozialistischen Partei bei. Er kandidierte erfolglos gegen den Amtsinhaber Fatos Nano als Parteivorsitzenden. Erst im Oktober 2005 wurde er in dieses Amt gewählt, nachdem Nano sich aufgrund der Niederlage der Sozialisten bei den Wahlen im damaligen Sommer aus der Politik zurückgezogen hatte.

Am 28. Dezember 2003 wurde Rama mit 59 % der Stimmen zum Bürgermeister wiedergewählt. Seither lag ein Schwerpunkt seiner Tätigkeiten in der Erstellung einer Stadtplanung für Tirana, deren Bevölkerung sich seit 1990 mehr als verdoppelt hatte. Auch im Februar 2007 wurde er mit 56 % der Stimmen wiederum im Amt bestätigt. Im Herbst 2004 wählten 35.000 Teilnehmer der Internet-Community City Mayors Rama zum World Mayor 2004.

Ein Treffen zwischen Sozialisten: Edi Rama im Jahr 2011 bei einem Besuch in Athen mit dem damaligen Ministerpräsidenten Griechenlands, Giorgos Andrea Papandreou

Bei den Kommunalwahlen 2011 verlor Edi Rama knapp mit 95 Stimmen Rückstand gegen den Kandidaten der Demokraten, Lulzim Basha. Nach knapp elf Jahren endete somit seine Karriere als Oberbürgermeister der albanischen Hauptstadt.[4]

Ministerpräsident Albaniens[Bearbeiten]

Zum ersten Mal in seiner politischen Karriere trat Edi Rama bei den Parlamentswahlen 2013 als Kandidat der Sozialistischen Partei für den Qark Vlora an, um als Abgeordneter dieser Partei ins Parlament einziehen zu können.[5] Im Vorfeld der Parlamentswahlen 2013 verließ im April die sozialistische LSI die seit 2009 gebildete Regierungskoalition mit den Demokraten, um zu den Sozialisten überzuwechseln. Die Allianz für ein Europäisches Albanien, eine Koalition unter anderem mit der LSI, erreichte eine deutliche Mehrheit. Edi Rama übernahm damit das Amt des scheidenden Ministerpräsidenten Sali Berisha.[6] Am 10. September 2013 wurde Edi Rama offiziell Ministerpräsident Albaniens.[7]

In den ersten Tagen seiner Amtszeit erfolgten einige Regierungsentscheide. Der erste war ein Importverbot von Müll. Danach folgte unter anderem die Neuverteilung der Regierungsaufgaben unter die verschiedenen Ministerien. Einige Ministerien wurden zusammengeführt, andere aufgeteilt und wiederum andere neugegründet. Dem Regierungssitz in Tirana gab Rama im Inneren ein neues Aussehen, um nicht im Ambiente seines Vorgängers Sali Berisha arbeiten zu müssen.

Rama unternahm in den ersten Wochen seiner Amtszeit verschiedene Staatsbesuche in Westeuropa, in den USA und auf dem Balkan. Sein erster Staatsbesuch erfolgte nur zwei Tage nach seiner Vereidigung als Ministerpräsident im Kosovo, wo er seinen Amtskollegen Hashim Thaçi traf. Danach ging er am 16. September nach Brüssel, um Vertreter und Vorsitzende der EU zu treffen. Zuletzt folgten Besuche bei der UNO in New York am 21. September, am 26. Oktober mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Prizren, Kosovo, am 5. November 2013 besuchte er Mazedonien, wo er neben hohen Regierungsvertretern auch die Vorsitzenden der albanischen Parteien traf, und am 14. November war er in Podgorica, um den montenegrinischen Ministerpräsidenten zu besuchen.

Am 15. November erklärte Edi Rama bei einer Medienkonferenz, dass es für Albanien unmöglich sei, syrische Chemiewaffen aufzunehmen und sie zu zerstören. Dem waren zahlreiche Proteste in vielen Städten Albaniens und eine riesige Opposition in den sozialen Netzwerken vorausgegangen. Somit lehnte Rama eine entsprechende Anfrage der Vereinigten Staaten ab, obschon erwartet worden war, dass Albanien als enger Partner der USA zustimmen würde. Die Menschenmenge vor dem Regierungssitz jubelte nach Ramas Aussage, nachdem sie 48 Stunden lang gegen die Einfuhr der gefährlichen Chemiewaffen demonstriert hatte.

Wichtige Ziele seiner Amtszeit sind unter anderem die Reform der Verwaltungsgliederung und des Justizwesens, die Einführung der progressiven Steuer, die Sanierung des Eigentumsrechts und der Immobilienverwaltung, die Verbesserung der Sicherheit und die Bekämpfung des organisierten Verbrechens.

Privates[Bearbeiten]

Rama ist mit Linda Rama (geb. Basha) verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder, Greg und Rea Rama.

Er ist Agnostiker.[8]

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Kurban. Botimet Dudaj, Tirana 2011[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Beat Bieri, Velvet Creative Office GmbH: Tirana in Farbe, Luzern 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edi Rama – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Jane Kramer: Painting the Town – How Edi Rama Reinvented Albanian Politics. In: Art in America. 27. Juni 2005 (PDF).
  2. Edi Rama im Munzinger-Archiv, abgerufen am 4. Juli 2011 (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Edi räumt auf. Tagesspiegel, 28. November 2002, abgerufen am 3. Mai 2013.
  4. KQZ: Lulzim Basha kryetar i Bashkisë së Tiranës (KQZ: Lulzim Basha Präsident der Bashkia Tirana). peshku pa ujë, 23. Juni 2011, abgerufen am 3. Mai 2013 (albanisch).
  5. Listat e PS, Rama i pari në Vlorë? (Listen der PS, Rama der erste in Vlora?). Top Channel, 2. Mai 2013, abgerufen am 3. Mai 2013 (albanisch).
  6. Machtwechsel in Albanien. In: Deutsche Welle. 25. Juni 2013, abgerufen am 3. September 2013.
  7. Rama dekretohet Kryeministër (Rama wird zum Ministerpräsidenten dekretiert). In: Top Channel. 10. September 2013, abgerufen am 10. September 2013 (albanisch).
  8. Fjala e plotë e Ramës në Iftarin e shtruar për muajin e Ramazani. In: Shqiptarja. 8. Juli 2014, abgerufen am 29. Juli 2014 (albanisch): „Edi Rama: ‚Unë nuk praktikoj besim tjetër, përveç atij tek vetja dhe tek njerëzit, por nuk besoj se sidoqoftë eksiztenca ose jo e Zotit është një çështje që mund të zgjidhet ndonjëherë nga të vdekshmit.‘“
  9. Confession about “Kurban”. Top Channel, 9. November 2011, abgerufen am 11. November 2011 (englisch).