Ediacara-Fauna

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Dickinsonia costata ist ein häufiger Vertreter der Ediacara-Biota. Die systematische Stellung ist nicht eindeutig geklärt, doch wird Dickinsonia meist als ein tierisches Lebewesen betrachtet

Als Ediacara-Fauna werden die Makrofossil­gesellschaften aus der Zeit des ausgehenden Proterozoikums vor etwa 585–542 Mio. Jahren bezeichnet. Es handelt sich um Abdrücke in Schelf­sedimenten, die erstmals in den südaustralischen Ediacara-Hügeln entdeckt wurden. Die Lebewesen, die diese Abdrücke hinterließen, verfügten offenbar über keinerlei mineralische, fossil erhaltungsfähige Hartteilskelette. Es wird häufig vermutet, dass es sich bei den Vertretern der Ediacara-Fauna überwiegend um sehr „primitive“ vielzellige Tiere (Metazoa) handelt, da einige Exemplare den Fossilien wirbelloser Tiere jüngerer erdgeschichtlicher Epochen ähneln. Die systematische Zuordnung der Ediacara-Lebewesen ist aber bis heute umstritten.[1]

Die Bedeutung der Ediacara-Fauna[Bearbeiten]

Cyclomedusa, das häufigste und am weitesten verbreitete Ediacara-Fossil (mit zentraler Erhebung, die oft zerbrochen aussieht, was nahelegt, dass es die Verankerungsscheibe eines größeren Organismus war)

Noch vor wenigen Jahrzehnten nahm man an, dass es vielzellige Lebewesen erst seit dem Kambrium vor etwa 542 Millionen Jahren gab, da erst seit dieser Zeit Hartteile ausgebildet sind („Kambrische Explosion“). Diese Auffassung wurde mit der Entdeckung der deutlich älteren Ediacara-Biota relativiert. Es wurden die Abdrücke von 2 bis 80 Zentimeter langen, klar gegliederten Organismen in Sandsteinen gefunden, die sich am Grund eines flachen präkambrischen Meeres abgelagert hatten. Die Entdeckung weicher Organismen, die Quallen und Würmern ähnlich sahen, führten daher zu einer kompletten Neuinterpretation der fossilen Überlieferung von Mehrzellern sowie der Evolution des Lebens.[2] Das letzte Zeitalter des Neoproterozoikums wird wegen der großen Bedeutung der Ediacara-Fauna Ediacarium genannt.

Das Ediacarium ist ein entwicklungsgeschichtlich langer Zeitraum, in dem zwischen hoch entwickelten mehrzelligen Organismen ein ökologisches Gleichgewicht ohne Räuber-Beute-Beziehungen herrschte. Die Ediacara-Fauna besteht aus weichteiligen Organismen ohne erkennbare Offensiv- oder Defensivorgane[3] und ohne Fresswerkzeuge, auch wurden keine Fossilien mit Bissspuren gefunden.[4]

Es wurden Abdrücke tierischer Organismen wie Schwämme (Porifera), Hydrozoen (Hydrozoa), Schirmquallen (Scyphozoa), Blumentiere (Anthozoa), Protomedusen, Vendobionten („mit Schleim gefüllte abgesteppte Luftmatratzen“) und dem wie eine Seefeder aussehende Charniodiscus gefunden. Eine weitere Fossiliengruppe der Ediacara-Fauna sind Spurenfossilien. So finden sich in zahlreichen Ediacara-Lagerstätten Hinweise auf Krabbeln und flaches Durchpflügen des Sediments. Eine spiralförmige Spur, die in den Ediacara-Hügeln gefunden wurde, wird als das Abweiden einer Oberfläche durch ein Tier gedeutet.[5]

Die von skeletttragenden Tieren dominierte Lebewelt des beginnenden Phanerozoikums nach der sogenannten Kambrischen Explosion unterscheidet sich deutlich von der des Ediacariums, wenn auch einzelne Vertreter bis ins Kambrium überlebt haben. Es wird jedoch kontrovers diskutiert, ob die bekannten Vertreter dieser oft recht fremdartig wirkenden Fauna zu den Vorfahren später lebender Tiere gehören oder ob sie ohne Nachkommen ausstarben.

Paläoökologie[Bearbeiten]

Ediacarium
-650 —
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Letzte Ediacara-
Gemeinschaften
Letzte
vermutliche Ediacara-Formen
Erste Ediacara-
Megafossilien
Aspidella
-Scheiben
Charnia
Skalenachse: vor Millionen Jahren.

Es gibt in der Wissenschaft mehrere Versuche, das Ediacara-Szenario zu rekonstruieren. Diskutiert wird unter anderem ein Flachwasserhabitat mit einem überproportionalen Besatz durch Medusen und Seefedern. Die meisten Lebewesen lebten wahrscheinlich am Boden und waren entweder festgewachsen oder beweglich. Indizien weisen darauf hin, dass beispielsweise in Namibia die Gemeinschaften allochthon sind, das heißt, sie wurden an den Ablagerungsort eingeschwemmt. Die meisten der gefundenen Fossilien gelten jedoch als autochthon, das heißt es waren Lebewesengemeinschaften, die an Ort und Stelle eingebettet wurden. Die gefundenen Spurenfossilien werden zu einem Teil Organismen zugeordnet, für die Körperfossilien vorliegen.[6]

Fundorte der Ediacara-Fauna[Bearbeiten]

Der Geologe Reginald Claude Sprigg erkundete 1946 die Ediacara-Hügel nördlich von Adelaide. Dort fand er Abdrücke von weichen Organismen, die sich vor allem an der Unterseite von Quarzit- und Sandsteinplatten erhalten hatten. Es war der erste reichhaltige Fund präkambrischer Fossilien. Wenige Jahre später wurden auch in Leicestershire, Großbritannien, sowie in Namibia Fossilien von Weichkörper-Organismen entdeckt. Fossilien des Ediacara-Typs kennt man heute unter anderem auch aus der Region des Weißen Meeres in Russland, aus Neufundland, den kanadischen Northwest Territories, dem US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina, der Ukraine und China. Alle Funde stammen aus einem Zeitraum von vor 670 Millionen bis 540 Millionen Jahren.[7]

Wie sich später herausstellte, wurde das erste Fossil der Ediacara-Fauna (Aspidella) von Elkanah Billings 1872 in Kanada beschrieben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Selden und John Nudds: Fenster zur Evolution – Berühmte Fossilfundstellen der Welt (übersetzt von Jens Seeling). Elsevier Spektrum Akademischer Verlag, München 2007, ISBN 978-3-8274-1771-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kategorie:Ediacara-Fossilien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ben Waggoner: The Ediacaran Biotas in Space and Time. In: Integrative and Comparative Biology. 43: 104–113, 2003 (Zusammenfassung, engl.)
  2. Seldon et al., S. 10
  3. Sharon Mooney Vendian Period and the Origins of Life
  4. derStandard.at: Reise zu den Ursprüngen der Erde, 4. November 2008
  5. Selden et al., S. 16
  6. Selden et al., S. 17
  7. Selden et al., S. 11