Edith Breckwoldt

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Friedensgebet, Bronze, 2001, seit 2002 im Mahnmal St. Nikolai, Hamburg

Edith Breckwoldt, geb. Burmester (* 1937 in Lauenburg; † 22. August 2013 in Hamburg[1]) war eine deutsche Bildhauerin aus Norddeutschland. Bekannt ist sie für ihre groß-und kleinformatigen Skulpturen im Hamburger Raum, die um die Themen Frieden, Gemeinsamkeit und Symbiose kreisen.

Leben[Bearbeiten]

Edith Burmester war eine von drei Töchtern[2] des Lauenburger Binnentankschiffgroßreeders, genannt "Onassis der Oberelbe", Christoph Burmester († 1988,[3][4] siehe auch Hitzler Werft). 1959 zog sie nach Hamburg und heiratete Frank Breckwoldt, einen Enkel des Parfüm- und Feinseifenfabrikanten Georg Dralle, der heute Mitinhaber und Geschäftsführer der Ryf Coiffeur GmbH ist. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter, Birke, benannt nach dem Birkenwasser Birkin von Dralle.[5] Ende der achtziger Jahre vertrieb Edith Breckwoldt, die „anerkannte Visagistin mit internationaler Berufserfahrung“, über die Ryf-Coiffeur-Salons Schminkgrundkurse auf VHS-Videokassetten.[6] Gemeinsam mit ihrem Ehemann gründete sie 2012 die Breckwoldt-Stiftung, die zukünftig Projekte und Künstler der Bildhauerei und werthaltige Unternehmensführung fördern soll.

Bildhauerei[Bearbeiten]

Sehr spät, erst 1990, fand die Kunstliebhaberin ihren Weg zur Bildhauerei. Die Technik ließ sie sich von Fritz Fleer vermitteln, einem Meisterschüler von Edwin Scharff.[7] Früh distanzierte sie sich von ihrem Lehrer, um ihren eigen Stil der 'Gefühlten-Formen' zu entwickeln. Eine persönliche Stilrichtung, die sich durch die Betonung eines emotionalen Schöpfungsprozesses auszeichnet. Ihre Skulpturen schuf sie als Reaktion auf ein dominantes inneres Gefühl ohne Skizze, rein intuitiv. Auf diese Weise entstand ein vielseitiges und abwechslungsreiches Oeuvre mit abstrakten und figurativen Formen. Eine Dauerausstellung mit ihren Bronzeplastiken kann in der privaten Galerie mit Kunstgarten in der Alten Landstraße in Hamburg-Poppenbüttel auf Anfrage besichtigt werden.

Edith Breckwoldt starb wenige Tage nach ihrem 76. Geburtstag am 22. August 2013 auf Schloss Hohenlinden in Hamburg-Poppenbüttel.[8]

Werke im Mahnmal St. Nikolai, Hamburg[Bearbeiten]

Zwei der drei Bronzeplastiken - Friedensgebet und Erdenengel - von Edith Breckwoldt im Hamburger Mahnmal Ehemalige Hauptkirche St. Nikolai sind Schenkungen der Künstlerin an den Förderkreis "Rettet die Nikolaikirche" e.V., dessen 2. Vorsitzender ihr Mann Frank Breckwoldt ist.[9][10]

  • Friedensgebet ist der Titel einer Figur aus dem Jahr 2001. Sie stellt eine kniende, betende Frau dar, die von einem Kind umarmt wird. Sie befindet sich inmitten des sogenannten „Garten der Kontemplation“, einem abgegrenzten Bereich im ehemaligen nördlichen Seitenschiff, das mit Rhododendren bepflanzt und mit verschiedenfarbigen Kieselsteinen ausgelegt ist. Die Figur soll einen Bogen von der erschreckenden Vergangenheit zu einer hoffnungsvollen Zukunft schlagen.[11]
Erdenengel "Nimm meine Hand und ich führe Dich zu Dir zurück", 2003, Mahnmal St. Nikolai
  • Erdenengel ist der Titel einer zentralen, sechs Meter hohe Bronzeplastik aus dem Jahr 2003, die auf einem der abgebrochenen Pfeiler des ehemaligen Kirchenschiffs steht. Am Sockel ist in acht Sprachen der Titel und Untertitel der Plastik angebracht. Die Botschaft der Künstlerin lautet Nimm meine Hand, und ich führe Dich zu Dir zurück und soll ausdrücken, dass alle Erkenntnis im Menschen selber ruht: Wenn er zu sich selbst zurückfindet, so findet er auch Frieden; dies ist wiederum Voraussetzung für Friedlichkeit zwischen den Menschen.[12]
Prüfung, 2004, Mahnmal St. Nikolai
  • Prüfung, eine 2004 von Edith Breckwoldt geschaffen Bronzefigur, ist in der Apsis des ehemaligen südlichen Seitenschiffs aufgestellt und der Gedenkstätte des ehemaligen Stammlagers Sandbostel gewidmet, das, 60 km westlich von Hamburg gelegen, von 1939 bis 1945 eines der größten deutschen Kriegsgefangenenlager war. Mehr als 50.000 Menschen fanden dort den Tod, darunter etwa 10.000 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme. Der Sockel der Skulptur ist aus Backsteinen der Barackenfundamente aufgeschichtet, die auf dem Lagergelände von Schülern aus Sandbostel gesammelt wurden.[13] Die Künstlerin beschriftete eine bronzene Tafel mit einem Dietrich Bonhoeffer zugeschriebenen Zitat:

„Kein Mensch auf der ganzen Welt kann die Wahrheit verändern. Man kann sie nur suchen, sie finden und ihr dienen. Die Wahrheit ist an jedem Ort.[14]

Weitere Werke im öffentlichen Raum[Bearbeiten]

  • Ich bin, Bronzeplastik, 1995, in Lauenburg - ihrer Geburtsstadt - vor dem Rathaus[15][16]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Gefühlte Formen, 7. Februar bis zum 9. März 2004 unter dem Mahnmal St. Nikolai
  • Gefühlte Formen, 2007, Galerie Lonnes, Bremen

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Traueranzeige im Hamburger Abendblatt
  2. Der Onassis von Lauenburg, HA vom 30. November 1960, Seite 24
  3. Personalien, HA vom 21. November 1960, Seite 14
  4. [1] Grabräuber unterwegs, Lauenburger Rufer vom 2. September 2008, Seite 3 (abgerufen am 13. November 2011)
  5. http://www.abendblatt.de/kultur-live/article412219/Mit-Gefuehl-geformt.html Mit Gefühl geformt, HA vom 20. August 2002 (abgerufen am 13. November 2011)
  6. Erster Schminkkurs auf Video, HA vom 17. Dezember 1987, Seite 8 und Die Kunst des Schminkens, HA vom 7. Januar 1989
  7. http://www.welt.de/print-wams/article605948/Gefuehltes_Leben_wird_Kunst_aus_Aluminium.html Gefühltes Leben wird Kunst aus Aluminium, DIE WELT vom 11. August 2002 (abgerufen am 13. November 2011)
  8. Kundenmagazin von ROSSMANN „Centaur“ vom Februar/März 2014.
  9. Ein Engel für St. Nikolai, HA vom 16. Juli 2004, Seite 12
  10. [2] Förderkreis "Rettet die Nikolaikirche" e.V.
  11. Mahnmal St. Nikolai: Friedensgebet. Edith Breckwoldt, abgerufen am 7. Mai 2011
  12. Mahnmal St. Nikolai: Erdenengel. Edith Breckwoldt, abgerufen am 7. Mai 2011
  13. Mahnmal St. Nikolai: Prüfung. Edith Breckwoldt, abgerufen am 7. Mai 2011
  14. Zitiert nach mahnmal-st-nikolai.de, abgerufen am 11. Mai 2011
  15. http://www.geesthachter-anzeiger.de/Meldung-aus-Geesthacht.425+M57b36ce2080.0.html Skulptur von Edith Breckwoldt vor dem Schloss aufgestellt, Geesthachter-Anzeiger vom 23. März 2004 (abgerufen am 13. November 2011)
  16. http://www.gefuehlte-formen.de/html/werk3.html Abbildung der Bronzeplastik Ich bin von Edith Breckwoldt (abgerufen am 13. November 2011)