Edith Hahn Beer

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Edith Hahn Beer (* 24. Januar 1914 in Wien; † 17. März 2009 in London) war eine österreichische Juristin. Als Jüdin überlebte sie den Holocaust, indem sie eine andere Identität annahm und ein Parteimitglied der NSDAP heiratete.

Biographie[Bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Edith Hahn wurde als älteste von drei Töchtern Klotilde und Leopold Hahns geboren. Ihre Eltern besaßen und betrieben ein Restaurant. Obwohl eine höhere Schulbildung für Mädchen in Hahns Jugend durchaus nicht üblich war, gelang es einem Lehrer Hahns ihren Vater zu überzeugen, das Mädchen auf die Oberschule zu schicken. Sie legte die Matura ab und schrieb sich an der Wiener Universität als Studentin der Rechtswissenschaften ein. Während ihres Studiums erfolgte der sogenannte Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Als Jüdin konnte Edith Hahn somit ihr Studium nicht mehr fortsetzen.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

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1939 wurden Edith Hahn und ihre Mutter im Wiener Ghetto interniert. 1941 wurden beide Frauen voneinander getrennt, als Edith Hahn zur Arbeit in einem Spargelanbaugebiet bei Osterburg und später in einer Kartonfabrik in Aschersleben gezwungen wurde. Zwei Wochen, bevor Edith Hahn die Möglichkeit hatte, 1942 nach Wien zurückzukehren, war ihre Mutter nach Polen deportiert worden. Mit den Papieren ihrer christlichen Freundin Christl Denner versehen, fuhr Edith Hahn nach München und arbeitete dort als Näherin. Sie lebte unter dem Decknamen Grete Denner (Margarete war einer der Vornamen von Christl Denner).

In München traf sie das NSDAP-Mitglied Werner Vetter, der um ihre Hand anhielt. Während dieser Zeit leistete sie Freiwilligendienste beim Deutschen Roten Kreuz. Das Paar zog gemeinsam nach Brandenburg an der Havel und heiratete, um die gemeinsame Tochter Angelika, deren Geburt 1944 bevorstand, zu legitimieren. Werner Vetter selbst wurde nach dem Krieg in ein sibirisches Arbeitslager verschleppt.

Späteres Leben[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wies Edith Hahn ihren lange versteckt gehaltenen jüdischen Personalausweis vor, um die Rückgewinnung ihrer eigentlichen Identität zu betreiben. Der Drohung eines Brandenburger Standesbeamten, sie wegen Urkundenfälschung anzuzeigen, konnte sie wirksam begegnen. Durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD), die großen Bedarf an ausgebildeten und unbelasteten Juristen hatte, wurde Edith Hahn zur Richterin am Kreisgericht Brandenburg an der Havel berufen. Edith Hahn setzte sich bei den Sowjets für die Entlassung ihres Mannes aus sowjetischer Haft ein. Dennoch wurde die Ehe kurz nach Vetters Entlassung 1947 geschieden. Werner Vetter starb 2002.

Während ihrer Richtertätigkeit wurde Edith Hahn von den neuen Machthabern unter Druck gesetzt, als Informantin des KGB tätig zu werden. Eine offene Ablehnung dieses Ansinnens hätte sie selbst in große Gefahr gebracht. Aus diesem Grunde entschied sich Edith Hahn zur Flucht mit ihrer Tochter nach London, wo ihre Schwestern bereits lebten, nachdem diese bei Ausbruch des Krieges zunächst nach Israel geflohen waren. Hahn arbeitete als Hausmädchen und Entwerferin von Schnürmiedern. Sie heiratere 1957 Fred Beer, einen jüdischen Juwelenhändler und blieb dessen Ehefrau bis zu seinem Tode. Nach seinem Tode übersiedelte sie nach Netanya in Israel. In ihren letzten Lebensjahren kehrte sie allerdings nach London zurück und lebte in einem Londoner Seniorenheim.

Im Dezember 1997 wurde eine Sammlung der persönlichen Papiere Edith Hahn Beers im Rahmen einer Auktion für 169.250 Dollar versteigert. Das Edith-Hahn-Archiv wurde dem United States Holocaust Memorial Museum gestiftet.

Am 11. Juli 2007 nahm Edith Hahn Beer an der Einweihung der Generalstaatsanwaltschaft des Landes Brandenburg im Gebäude des früheren Kreisgerichts teil, wo sie im Eingangsbereich eine Gedenktafel für sich enthüllte. Am 14. Januar 2010 wurde im Gebäude von Generalstaatsanwalt Erardo Cristoforo Rautenberg und vom brandenburgischen Justizminister Volkmar Schöneburg eine Tafel enthüllt, die die Nachrufe auf ihren Tod dokumentiert. Seit dem 8. Juli 2013 findet sie auch auf einer Stele vor dem Gebäude Erwähnung, die sich mit dessen Geschichte befasst.[1]

Rezeption[Bearbeiten]

2003 besetzte Susan Sarandon die Sprechrolle in einer BBC-Dokumentation, die auf den Veröffentlichungen der Biographie Edith Hahn Beers beruht. An einer filmischen Umsetzung des Stoffes wird derzeit gearbeitet. Nachrufe auf das Leben Edith Hahn Beers wurden u. a. in der Times und dem The Jewish Chronicle veröffentlicht.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Edith Hahn-Beer, Susan Dworkin: The Nazi Officer's Wife: How One Jewish Woman Survived the Holocaust. Rob Weisbach Books, William Morrow, New York 1999, ISBN 0-688-16689-X,
    • deutsch: Ich ging durchs Feuer und brannte nicht - Eine außergewöhnliche Lebens- und Liebesgeschichte. Aus dem Englischen von Otto Bayer. Scherz-Verlag, Bern/ München/ Wien 2000, ISBN 3-502-18287-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einweihung des neuen Dienstgebäudes. auf der Webseite der Generalstaatsanwaltschaft des Landes Brandenburg.