Edmund Hillary

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Edmund Hillary in Warschau (17. Juni 2004)
Edmund Hillary mit Tenzing Norgay
Edmund Hillary (1957)
Am 29. Mai 1953 gelang Edmund Hillary zusammen mit Tenzing Norgay die Erstbesteigung des Mount Everest.
Route der Everest-Besteigung im April/Mai 1953
Edmund Hillary auf der Vorderseite des neuseeländischen 5-Dollar-Scheins

Sir Edmund Percival Hillary (KG, KBE; * 20. Juli 1919 in Auckland; † 11. Januar 2008 ebenda) war ein neuseeländischer Bergsteiger. Zusammen mit dem nepalesischen Bergsteiger Tenzing Norgay, einem Sherpa, gelang ihm am 29. Mai 1953 die Erstbesteigung des Mount Everest, des höchsten Bergs der Erde.

Leben[Bearbeiten]

Hillary wurde als zweites von drei Kindern geboren und ging in Auckland zur Schule, ab zwölf Jahren in die berühmte Auckland Grammar School. Als Kind lernte er das Bergsteigen in den Neuseeländischen Alpen. Er besuchte zwei Jahre lang die Universität von Auckland, bevor er, wie sein Vater, Imker wurde. Im Zweiten Weltkrieg war er Navigator bei der Royal New Zealand Air Force. 1948 bestieg er mit Harry Ayres den Mount Cook erstmals über den Südgrat.

Hillary war 1951 Mitglied einer Expedition von vier neuseeländischen Bergsteigern in den indischen Teil des Himalaya. Im Anschluss daran schloss er sich einer von Eric Shipton geleiteten britischen Expedition an, die in Nepal eine neue Route am Mount Everest erkundete. Am 29. Mai 1953 gelang ihm zusammen mit Tenzing Norgay die nachgewiesene Erstbesteigung des 8848 Meter hohen Mount Everest als Mitglied einer von John Hunt geleiteten britischen Expedition. Auf dem letzten Stück des Gipfelgrates überwand er als Seilerster eine hinderliche und gefährliche Steilstufe im Grat, die seither seinen Namen trägt, den Hillary Step: Er riskierte, sich rückwärts gegen den Felsen in der Spalte mit der ostseitigen Wechte hochzuspreizen, die sich schlimmstenfalls hätte lösen und ihn 3.000 Meter auf die tibetische Seite hinunter auf den Kangshung-Gletscher reißen können.

Tenzing und Hillary hielten auf dem Gipfel Ausschau nach Spuren einer eventuellen früheren Ersteigung durch die 29 Jahre zuvor, am 10. Juni 1924, in Gipfelnähe verschollene Seilschaft von George Mallory und Andrew Irvine, fanden jedoch keinerlei Spuren. Das bis heute andauernde Mysterium einer eventuellen früheren, tödlich geendeten Erstbesteigung kommentierte Edmund Hillary so, dass es nicht darauf ankomme, als erster oben zu sein, sondern auch lebendig wieder herunterzukommen.

Die Nachricht von der erfolgreichen Everest-Ersteigung durch die britische Expedition erreichte am Vorabend der Krönung von Elisabeth II. London; schon beim Rückmarsch erhielt Hillary aus London den ersten Brief, adressiert an „Sir Edmund Hillary, KBE“ (Knight Commander of the Order of the British Empire), der gleichzeitig seine Erhebung in den Adelsstand des britischen Königreichs bedeutete. Über die Verkündung seines Erfolges durch die britische BBC sagt Hillary schmunzelnd: „Als ich das hörte, dachte ich: Wir haben es wirklich geschafft. Wenn die BBC es meldet, muss es ja wohl stimmen.“

Auf derselben Rückreise brach bereits in der nepalesischen Öffentlichkeit ein Streit aus, wer von der Zweierseilschaft denn nun zuerst oben war; die Nepalesen forcierten das Primat ihres Landsmannes Tenzing Norgay, den man zu einer Unterschrift unter eine entsprechende Erklärung hatte bewegen können. Tenzing und Hillary aber sagten immer aus, sie seien gemeinsam auf den Gipfel gegangen, und blieben lebenslang befreundet.

Wenige Monate später wurde Hillary von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen, Norgay verlieh sie die George Medal. Hillary wurde Mitglied im renommierten Londoner Travellers Club. Bei weiteren Expeditionen in den 1950er- und 1960er-Jahren bestieg er zahlreiche weitere Himalaya-Gipfel. Als Teil der Commonwealth Trans-Antarctic Expedition erreichte er am 4. Januar 1958 den Südpol kurz vor Vivian Fuchs und führte damit nach Roald Amundsen und Robert Falcon Scott die dritte Expedition zum Pol.

Bergsteigerische Geschehnisse speziell am Mount Everest wurden von Hillary in den Medien publikumswirksam kommentiert. Er geißelte den Anfang der 1990er Jahre sich entwickelnden Besteigungs-Kommerz am Everest, der 1996 und wieder 2006 vor allem hoch am Berg in der Todeszone zu Serien von Todesfällen führte, weil ungeeignete Leute mit zu hohem Ehrgeiz als Kunden von kommerziellen Everest-Expeditionsveranstaltern an den Berg gebracht wurden. Zuletzt äußerte er sich im Mai 2006 negativ über einen behinderten Neuseeländer, der den Everest erstieg und zuvor beim Aufstieg hoch oben in der Todeszone einen fast erfrorenen Engländer liegenließ, der kurz darauf starb. Hillary bezeichnete öffentlich das Fortsetzen des Anstiegs und die unterbliebene Hilfe als Auswuchs extremen Ehrgeizes und beklagte den Verlust der bergsteigerischen Tugend der Kameradschaft im ausufernden Kommerz, Egoismus und Überehrgeiz. Hillary gilt in Neuseeland als Nationallegende und hatte in sportlichen Fragen eine hohe Reputation. Er wurde international jedoch auch für teilweise als unbedacht bewertete Äußerungen kritisiert.

Im Jahr 1975 starben seine Frau Louise und die 16-jährige Tochter Belinda bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Kathmandu. Das Paar hatte drei Kinder: Peter, Sarah und Belinda. Hillary ging 1989 eine zweite Ehe mit June Mulgrew ein, der Witwe seines ehemaligen Expeditionskameraden Peter David Mulgrew, der 1979 beim Absturz des Air-New-Zealand-Flug 901 ums Leben gekommen war, als das Flugzeug bei einem Rundflug über der Antarktis am Mount Erebus zerschellte.[1]

Von 1984 bis 1989 war Sir Edmund Hillary Botschafter Neuseelands in Indien, Bangladesh und Nepal. 1994 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (3130) Hillary. 1995 wurde er in den Hosenbandorden aufgenommen. Weitere Auszeichnungen, die er erhielt, waren unter anderem 1954 die Hubbard-Medaille der Geographischen Gesellschaft der USA, 1989 die Ehrendoktorwürde der Victoria University of Wellington und 2003 die Ehrenbürgerschaft Nepals. 1999 wurde er zusammen mit Tensing Norgay in der TIME 100-Liste der einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts aufgeführt.[2]

Hillary rief den Himalayan Trust zur Unterstützung der nepalesischen Sherpas ins Leben.[3] In der Folge konnten Krankenhäuser und Schulen in der nepalischen Khumbu-Region nahe dem Everest, der Heimat der Sherpas, gebaut werden. Hillary bezeichnete diese Hilfe selbst als den wichtigsten Teil seines Lebens.

Hillary war Ehrenpräsident der Naturschutzorganisation Mountain Wilderness.

Er verstarb am 11. Januar 2008 um 9:35 Uhr neuseeländischer Zeit in einem Krankenhaus in Auckland an einem Herzanfall. Bereits 2007 klagte er des Öfteren über gesundheitliche Probleme. Er ließ sich nach einer Nepalreise im Mai 2007 in einem Krankenhaus behandeln. Die neuseeländische Ministerpräsidentin Helen Clark bezeichnete ihn nach Bekanntgabe seines Todes als „legendären Bergsteiger, Abenteurer und Menschenfreund“ sowie „als den bekanntesten Neuseeländer, der je gelebt hat“.

Hillary erhielt ein Staatsbegräbnis, 600 Gäste nahmen an der Trauerfeier in der St. Marys-Kathedrale von Auckland teil. Der Sarg wurde in die neuseeländische Staatsflagge gehüllt und mit dem Eispickel, welchen Hillary beim Aufstieg des Mount Everest genutzt hatte, geschmückt.[4] Nach dem Staatsakt wurde Hillarys Leichnam eingeäschert, seine Asche wurde gemäß seinem Wunsch von der Familie im Hafen von Auckland verstreut.

Die neuseeländische Flagge an der University of Canterbury in Christchurch hängt am Tag von Hillarys Tod auf Halbmast

Zitate[Bearbeiten]

“You don’t have to be a fantastic hero to do certain things – to compete. You can be just an ordinary chap, sufficiently motivated to reach challenging goals.”

„Man muss kein fantastischer Held sein um bestimmte Dinge zu erreichen – um erfolgreich zu sein. Man kann ein normaler Kerl sein, der ausreichend motiviert ist, um Herausforderungen zu meistern.“

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • High Adventure. Oxford University Press, 1955.
    • Ich stand auf dem Everest. Brockhaus, Wiesbaden 1959; 5. Aufl. ebd. unter dem Titel Ich stand auf dem Everest. Meine Erstbesteigung mit Scherpa Tensing. 1974, ISBN 3-7653-0185-X.
  • No Latitude for Error. Hodder & Stoughton, 1961.
    • Der Wettlauf zum Südpol. Econ-Verlag, Düsseldorf/Wien 1961.
  • mit Desmond Doig: High in the thin cold air. Doubleday, 1962.
    • Schneemenschen und Gipfelstürmer. Die Hillary-Himalaja-Expedition 1960/1961. Brockhaus, Wiesbaden 1963.
  • Nothing venture, nothing win. Hodder & Stoughton, London 1975.
    • Wer wagt, gewinnt. Eine Autobiographie. Lübbe, Bergisch Gladbach 1976, ISBN 3-7857-0179-9.
  • From the Ocean to the Sky. Jet Boating Up the Ganges. Ulverscroft, Leicester 1980, ISBN 0-7089-0587-0.
  • Ecology 2000. Kampmann & Co, 1984.
  • View From the Summit. Doubleday, London 1999, ISBN 0-385-60020-8.
    • Die Abenteuer meines Lebens. Der Himalaja und andere Herausforderungen. Ullstein, München 2001, ISBN 3-550-07152-3; Ullstein-Taschenbuchverlag, München 2002, ISBN 3-548-36366-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edmund Hillary – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Biografie von Peter David Mulgrew auf der Website der New Zealand Antartic Veterans Association.
  2. Time: TIME 100: Edmund Hillary and Tenzing Norgay, 14. Juni 1999.
  3. Website des Himalayan Trust
  4. Westfälische Rundschau vom 23. Januar 2008 – Seite Tagesrundschau.