Eduard Pestel

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Eduard Pestel (rechts), 1973

Eduard Christian Kurt Pestel (* 29. Mai 1914 in Hildesheim; † 19. September 1988 in Hannover)[1] war ein deutscher Ökonom, Professor für Mechanik sowie Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Eduard Pestel absolvierte eine Lehre als Maurer und besuchte dann zunächst die Ingenieurschule in Hildesheim, um daran anschließend an der Technischen Hochschule (TH) in Hannover Mechanik zu studieren.[1]

Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete Pestel von 1942 bis 1945 in Japan als „Chefingenieur“ (technischer Abteilungsleiter) bei der Leybold K. K. in Ōsaka, vom 1. Januar 1946 bis zum 1. Februar 1947 dann als technischer Direktor bei der Osaka Kinzoku. Ebenfalls 1947 setzte Pestel seine Studien an der TH in Hannover fort und promovierte im selben Jahr zum Dr.-Ing., um dann am 18. Januar 1950 für das Lehrgebiet Mechanik zu habilitieren zum Thema Ein Beitrag zur Theorie der Biegeschwingungen von Trägern unter wandernden ungefederten und gefederten Lasten.[2]

1953 wurde Pestel zunächst zum außerplanmäßigen Professor an der TH berufen, hatte dann für zwei Jahrzehnte von 1957 bis 1977 die Stellung eines Ordinarius inne und leitete zeitgleich das Institut für Mechanik. Unterdessen war er in den Jahren 1969 bis 1970 auch Rektor der Universität.[1]

1966 wurde er Mitglied im NATO-Wissenschaftsausschuss, 1969 Mitglied im Kuratorium der Stiftung Volkswagenwerk (1977 bis 1979 als deren Vorsitzender) und 1971-77 Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft zuständig für die Sonderforschungsbereiche der DFG. Seit 1973 war er Gouverneur der Stiftung European Cultural Foundation in Amsterdam. Seit 1974 war er Senatsvorsitzender der Fraunhofer-Gesellschaft für angewandte Forschung. 1977 wurde er Mitglied im Kuratorium des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft.

Im Jahre 1968 war er einer der Gründer und seit 1969 Mitglied des Executive Comitee des Club of Rome. In dieser Funktion initiierte er die Arbeit an einem Computermodell zur Erforschung der Welt, welches 1972 mit der Veröffentlichung der Grenzen des Wachstums weltweit größte Aufmerksamkeit erlangte. Um die erkennbaren Schwächen des Weltmodells zu überwinden, entwickelte er zusammen mit seinem US-Kollegen Mihailo Mesarovic ein regionalisiertes Weltmodell und das Konzept des organischen Wachstums. Dies wurde 1974 als zweiter Bericht an den Club of Rome veröffentlicht (Menschheit am Wendepunkt).

1975 gründete er zusammen mit 6 weiteren Wissenschaftlern das Institut für angewandte Systemforschung und Prognose (ISP) in Hannover, welches nach seinem Tod in Pestel-Institut für Systemforschung umbenannt wurde. Anlass war ein Auftrag der Bundesregierung zur Erarbeitung eines computergestützten Modells für die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland (Das Deutschland-Modell). Er war Vorstand des Haus Rissen, Hamburg. In jene Zeit fiel auch die Gründung der Deutschen Gesellschaft Club of Rome (DGCoR) im Jahre 1978, deren ersten Vorsitz er bis zu seinem Tod ebenfalls innehatte.

Außerdem war Pestel war Mitglied der National Academy of Engineering.

Partei und öffentliche Ämter[Bearbeiten]

1977–1981 war Eduard Pestel Minister für Wissenschaft und Kunst des Landes Niedersachsen, zunächst parteilos, später trat er auf Bitte des Ministerpräsidenten Ernst Albrecht in die CDU ein.

In dieser Zeit arbeitete er an der 1982 erfolgten Neugründung der von Albert Einstein 1924 gegründeten und in der NS-Zeit verbotenen Deutschen Technion-Gesellschaft, die die Zusammenarbeit von jüdischen und deutschen Wissenschaftlern fördert. Eduard Pestel war bis zu seinem Tod Präsident dieser Gesellschaft.

Würdigungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Der von ihm gestiftete Lehrstuhl für Mechanik in der Fakultät für Maschinenbau der Technischen Universität Haifa (Technion) wurde nach ihm benannt.

Nach seinem Tod wurde das von ihm 1975 gegründete Institut für angewandte Systemforschung und Prognose (ISP) zu Ehren seiner Person in Eduard Pestel Institut für Systemforschung umbenannt.

1982 wurde Pestel die Max Born-Medaille für Verantwortung in der Wissenschaft verliehen. Pestel war Mitglied der National Academy of Engineering.[3]

1984 erhielt er den Fraunhofer-Preis der Fraunhofer-Gesellschaft.

Posthum würde er in Chicago als einer der „Thinker of the Twentieth Century“ geehrt.

Eduard Pestel war Ehrendoktor der Universitäten … und Troy (US-Staat New York).

Privates[Bearbeiten]

  • Seine Frau ist die analytische Psychotherapeutin und Autorin Anneliese Ude-Pestel.
  • Eduard Pestels Grabmal findet sich auf dem Herrenhäuser Friedhof.[4]
  • Eduard Pestel hatte mit seiner ersten Frau, Jaqueline Evans aus USA, vier Kinder: Robert Pestel (1941-2002), Susanne Rickert (1943-), und Wendy Lehmann (1946-) wurden in Kobe, Japan geboren. Michael Pestel (1950-) wurde in Hildesheim geboren.

Schriften (unvollständig)[Bearbeiten]

  • Rainer E. Kirsten (Red.): Eine Chance für die Menschheit. Perspektiven für die Welt von morgen, gesammelte Schriften und Vorträge von Eduard Pestel, Erstausgabe, in der Reihe Edition Pestel, Band 1, Hamburg: Adlibri-Verlag, 2011, ISBN 978-3-89927-027-3
  • Pestel, Eduard: Jenseits der Grenzen des Wachstums. Stuttgart 1988.
  • Peccei, Aurelio / Pestel, Eduard / Mesarovic, Mihailo: Der Weg ins 21. Jahrhundert. Genf 1983.
  • Pestel, Eduard: Unsere Chance heißt Vernunft. Braunschweig 1980.
  • Pestel, Eduard: Die Grenzen des Wachstums. Bonn 1979.
  • Pestel, Eduard: Das Deutschland-Modell. Stuttgart 1978.
  • Gabor, Dennis / Colombo, Umberto / Pestel, Eduard u. a.: Das Ende der Verschwendung. Stuttgart 1976.
  • Pestel, Eduard / Mesarović, Mihailo: Menschheit am Wendepunkt. Stuttgart 1974.
  • Pestel, Eduard: Die Menschheit hat eine Chance. Braunschweig 1973.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eduard Pestel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Klaus Mlynek: Pestel, Eduard Christian Kurt (siehe Literatur)
  2. Vergleiche diese Angaben der Deutschen Nationalbibliothek
  3. NDB-Artikel. Abgerufen am 30. Mai 2013.
  4. Gitta Kirchhefer: Ein Spaziergang über den Herrenhäuser Friedhof, Broschüre mit Fotos von Sergej Stoll und einem nummerierten Übersichtsplan, Hannover: Selbstverlag, 2012