Eduscho

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Logo von Eduscho
Älteres Logo und Schriftzug Eduscho
Eduscho-Leuchtreklame an der Fassade einer Bäckerei („Eduscho-Depot“)
Eigenständiges Ladengeschäft der Marke Eduscho in Wien

Eduscho ist heute in Deutschland ein Markenname der Tchibo GmbH für die Kaffeesorte Gala. In Österreich vertreibt die Tchibo GmbH zwei Marken: Eduscho und Tchibo.[1] Vor der Übernahme durch Tchibo 1997 war Eduscho in Bremen eine der größten deutschen Kaffeeröstereien. Sie wurde 1924 von Eduard Schopf gegründet, aus dessen Namen sich auch der Unternehmensname (Firma) herleitet (ursprünglich eduScho).

Geschichte[Bearbeiten]

Schopf produzierte Röstkaffee, der ausschließlich per Post an die Kunden verschickt wurde. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Neugründung und die Fortsetzung der Direktbelieferung. Später kamen Filialen innerhalb Deutschlands, ab 1969 auch in Österreich hinzu.

Noch in den 1980er und 1990er Jahren war Eduscho einer der führenden Kaffeeanbieter im Kooperationssektor mit kleinen, ortsansässigen Bäckereien. Diese als Depots bezeichneten Ladengeschäfte bekamen im Zuge der Kooperation ein Kaffeeregal, regelmäßig auszutauschende Schaufensterdekorationen für Aktionsware („Non-Food-Artikel“; zumeist Bekleidung, Elektroartikel und Haushaltswaren) sowie eine beleuchtete Eduscho-Außenwerbung. So konnten die Kunden der Bäckerei gleichzeitig Backwaren und Kaffee kaufen.

Ein weiterer Vertriebsweg entstand durch den Betrieb eigener Filialen mit integriertem Kaffeeausschank an Stehtischen. Dort wurden durch eigenes Personal ausschließlich Eduscho-Produkte (neben Kaffee und Non-Food-Ware auch Schokolade, Pralinen und Tee) verkauft.

In den erfolgreichsten Jahren des Unternehmens (1970er/1980er-Jahre) wurden erstmals in großem Stil und zu sehr günstigen Preisen Güter des täglichen Bedarfs, welche normalerweise im entsprechenden Fachhandel vertrieben wurden, als Non-Food-Ware über den Kaffeehandel angeboten. Diese neuartige Vermarktung von zum Beispiel Fahrrädern oder Büchern sorgte für deutliche Proteste der etablierten Fachhandelsverbände; so verkauften Fahrradhändler für kurze Zeit Kaffeepakete zum Einkaufspreis. Im April 1977 wurde in einer speziell für Eduscho gedruckten Auflage von 200.000 Stück das bereits sehr erfolgreiche Buch „Der geschenkte Gaul“ von Hildegard Knef zu einem ausgesprochen günstigen Preis (7,95 DM/gebundene Ausgabe) verkauft.[2] In der Folge wurde dieses Vertriebsmodell von weiteren Branchen kopiert.

Im Kaffeefachhandel dieser Zeit war noch keine Fair-Trade oder Bio-Ware zu bekommen; der Markt wurde unter den großen Röstereien aus Hamburg und Bremen aufgeteilt. Neben Eduscho gehörten die Kaffeesorten von Tchibo, Jacobs Kaffee und die Eigenmarken der ALDI-Handelskette zu den marktbeherrschenden Markenkaffees.

Übernahme durch Tchibo[Bearbeiten]

In den 1980er und 1990er Jahren war der Kaffeemarkt in Deutschland heftig umkämpft. Beispielhaft die Zahlen aus Oktober 1996 für den Marktanteil an Röstkaffee nach Umsatz: 1.) Jacobs mit Onko und Hag 30,1 %, 2.) Tchibo 18,1 %, 3.) Melitta 11,1 %, 4.) Eduscho 10,6 %, 5.) Aldi 10,2 %, 6.) Dallmayr 7,4 %, 7.) Darboven 2,8, 8.) Sonstige 9,7 %.[3] Mit Wirkung zum 1. Januar 1997 verkaufte Rolf Schopf, der Sohn des Firmengründers das Unternehmen nach verlustreichen Jahren an seinen Hamburger Hauptwettbewerber Tchibo. Der Immobilienbesitz der Eduscho GmbH & Co. KG ging an die Immobilienholding der Schopf-Familie, die H. Siedentopf GmbH & Co. KG.

Da das Unternehmen immer weniger Umsatz und Gewinn mit dem Verkauf von Kaffee erwirtschaftete, setzte es zunehmend auf Non-Food-Artikel. Der Preiskampf in der Branche konnte von Tchibo besser abgefangen werden, da dort zunehmend mit den Lebensmittelmärkten zusammengearbeitet wurde; ein Segment, das Eduscho nicht belieferte. Der Preisdruck konnte überwiegend durch die Eigenmarken der ALDI-Kette aufrechterhalten werden. Deren Mischkalkulation erlaubte es, mit niedrigen Kaffeepreisen Anreize zum Einkauf in ihren Filialen zu setzen.[4] Als Gründe für die Aufgabe von Eduscho als eigenständiges Unternehmen gelten schlussendlich die hohen Verluste insbesondere in den Jahren 1995 und 1996, der Umsatzeinbruch aufgrund unattraktiver Preise und Sortimente sowie die nicht mehr zu finanzierenden, aber notwendigen Ausgaben für intensives Marketing.[5] Im Zuge der Übernahme durch Tchibo wurden erhebliche Umstrukturierungen durchgeführt; Teile des Eduscho-Sortiments (Schokolade, Pralinen, Tee, Konfitüre) wurden aufgegeben. So vermeldete die Tchibo Holding AG (heute: Maxingvest AG) Ende 1997, dass der Wareneinkauf für Non-Food-Artikel von Eduscho auf Tchibo übertragen werde. Des Weiteren wurde ein gemeinsamer Versandhandel angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Eduscho noch circa 17.000 eigene Verkaufspunkte (Depots).[6] Im Laufe der 2000er Jahre wurde dann Eduscho als eigenständige Marke aufgegeben. Alle eigenen Verkaufsstellen in Deutschland wurden auf das Tchibo-Design umgestellt; doppelte Standorte geschlossen.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich hat die Marke und das Unternehmen Eduscho eine eigene Unternehmenshistorie und nahm eine gänzlich andere Entwicklung als in Deutschland. Die Eduscho (Austria) GmbH vertreibt die beiden Marken Tchibo und Eduscho. Als etablierte Marke ist Eduscho mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kaffeesorten und Kaffee-Mischgetränken auf dem Markt und pflegt ein eigenes Marken-Image. Tchibo/Eduscho bezeichnet sich als österreichischer Marktführer im Bereich des Röstkaffees. Auslandsniederlassungen in der Schweiz, Tschechien und Polen werden von dort gesteuert.

Siedentopf GmbH[Bearbeiten]

Die ehemalige Kaffeegroßrösterei und vormalige Gummisiederei H.Siedentopf ist seit 1928 im Besitz der Eduscho-Gründerfamile Schopf. Das Geschäft wandelte sich unter der Führung von Rolf Schopf zur Immobilienholding. 2002 übernahm dessen Sohn Bernd Schopf sämtliche Geschäftsanteile.[7] Der Immobilienbesitz von Eduscho am Europahafen in Bremen wird nach dem Verkauf des restlichen Unternehmens unter dem Namen Siedentopf weitergeführt. Im Zuge der Entwicklung der Hafengebiete hin zur Überseestadt wird der Besitz neu gestaltet. Die erhaltenen Unternehmensgebäude in der Lloydstraße bezeichnet das Unternehmen jetzt als Kaffee Quartier[8]. Das Hochregallager an der Oldenburger Bahnstrecke wird heute für Tchibo von der BLG Logistics Group betrieben. Auf der dazwischenliegenden Brachfläche wurde mit dem vom Architekten Helmut Jahn entworfenen Weser Tower ein Bürohochhaus errichtet.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Eduscho's illustrierte Monatsschrift, hrsg. von der Eduscho Kaffee-Großrösterei, ab Nr. 1/1933[9]
  • Illustrierte Monatsschrift, hrsg von der Eduscho Kaffee-Großrösterei, Oldenburg: Stalling[9]
  • Eduscho-Mitteilungen, hrsg. von Eduscho-Kaffee-Tee-Kakao-Import, Bremen; Zeitschrift nachgewiesen bis zur Ausgabe 25.1957[9]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eduscho – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage von Tchibo
  2. Aus der Knef-Vita
  3. Quelle: GfK-Haushaltspanel; veröffentlicht u.a. in Der Spiegel Nr. 51/1996
  4. Fusionen: Hoch die Tasse; Der Spiegel, 16. Dezember 1996
  5. Hanseatische Melange; Die Zeit, Ausgabe 52/1996
  6. Tchibo: Non-Food-Einkauf für Eduscho übernommen; textilwirtschaft.de, 20. November 1997
  7. Historie der H.Siedentopf auf siedentopf.de
  8. Homepage von Siedentopf, abgerufen am 17. Mai 2012
  9. a b c Vergleiche die Angaben unter der GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek