Edward Kelley

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Edward Kelley oder Kelly, alias Edward Talbot, (* 1. August 1555 in Worcester (England); † 1. November 1597 in Brüx) war ein englischer Alchemist,[1] Apotheker und Spiritist. Er gilt neben John Dee als Urheber der henochischen Sprache. Kelley wurden wegen Betrugs beide Ohren abgeschnitten.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Edward Kelley
Statue von Kelley im Burghof der Burg in Most (Tschechien)

In seinem englischen Geburtsort Worcester war Kelley zunächst als Helfer beim Dorfapotheker Anthony Gray und später als Gemeindeschreiber tätig. Später wurde er selbst als Apotheker tätig. Wegen einiger Urkundenfälschungen wurde er nicht nur seines Amtes enthoben, sondern ihm wurden als Bestrafung vom örtlichen Henker beide Ohren abgeschnitten. Seine „Schande“ versuchte er fortan unter langen Haaren sowie durch den Gebrauch des falschen Namens Edward Talbot, unter dem er als Notar arbeitete, zu verbergen.[2]

Begegnung mit John Dee[Bearbeiten]

Nachdem es Kelley bei einem Goldschmied gelungen war, eine geglückte Transmutation vorzutäuschen, wurde er als Gehilfe John Dees angestellt,[2] den er in seinem Anwesen in Mortlake, England, kennengelernt hatte. Er bot seine spiritistischen Dienste als Skryer an (jemand, der über eine Kristallkugel Kontakt zu Geistern und Engeln aufnimmt) und diente Dee als Medium bei dessen spiritistischen Experimenten. Später reist er gemeinsam mit Dee durch Europa.[3] Beide gelten als Urheber der henochischen Sprache.

In Prag[Bearbeiten]

1584 trat Kelley als Alchemist in den Dienst von Wilhelm von Rosenberg, der ihn für seine „Künste“ reich belohnte. Unter anderem wurden Kelley die Burg Liběřice und der Gutshof Nová Libeň (heute ein Stadtteil von Prag) geschenkt.

Am Kaiserhof[Bearbeiten]

An den Hof des Kaisers kam er auf Empfehlung des Wilhelm von Rosenberg. Da Rudolf II. mit seinen bisherigen Alchemisten schlechte Erfahrungen gemacht hatte, wollte er Kelleys Fähigkeiten als Alchemist zunächst testen: Nach Überprüfung seines Gepäcks und seiner Arbeitsutensilien, unter denen sich nur einfache chemische Substanzen, Kleidung, etwas Geld und chemische Gerätschaften befanden, wurde er in eine Kammer eingeschlossen. Als Kelley schon am nächsten Tag „von ihm selbst hergestelltes Gold“ präsentierte, wurde er sofort von Rudolf II. eingestellt. Kelley war freilich ein Schwindler wie alle seine Vorgänger, die behauptet hatten, Gold herstellen zu können. Sein Trick: Er hatte einen winzigen Goldbrocken im doppelten Boden einer kleinen Truhe versteckt.

Nach seiner Einstellung am kaiserlichen Hof ließ die Herstellung von größeren Mengen an Gold allerdings auf sich warten, teils wegen angeblich ungünstiger Sternenkonstellationen, teils wegen angeblich verunreinigter Grundsubstanzen. Zudem wurde Kelley hochnäsig und behandelte seine Untergebenen schlecht. So dauerte es nicht allzu lange, und aus den anfänglichen Gerüchten, er sei ein Betrüger, wurde bald Gewissheit.

Im Zuge einer solchen Auseinandersetzung erschlug Kelley einen seiner Kritiker und versuchte zu entkommen. Des Kaisers Garden holten ihn auf seiner Flucht ein, und Rudolf II. ließ ihn auf der Burg Pürglitz (Burg Křivoklát) einsperren. Hier verbrachte Kelley zweieinhalb Jahre. Sämtliche Fürbitten der englischen Königin Elisabeth I. und des Wilhelm von Rosenberg vermochten den „betrogenen“ Kaiser nicht umzustimmen.

Bei einem Fluchtversuch erlitt Kelley einen Beinbruch, an dessen Folgen er kurze Zeit später verstarb.[4]

Biographie[Bearbeiten]

František Marek: Alchymista. Román o životě Edwarda Kelleyho, Prag 1981

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Edward Talbot Biography. www.s9.com. Abgerufen am 25. Dezember 2009.
  2. a b Harald Lamprecht: Material und Ergänzungen zu dem Buch „Neue Rosenkreuzer“
  3. John Dee's conversations with angels: cabala, alchemy, and the end of nature, von Deborah E. Harknes. books.google.de. Abgerufen am 25. Dezember 2009.
  4. A new general biographical dictionary, Band 9, von Hugh James Rose, Henry John Rose, Thomas Wright. books.google.de. Abgerufen am 25. Dezember 2009.

Weblinks[Bearbeiten]