Edward Yeo-Thomas

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Büste von Yeo-Thomas im Rathaus des 16. Pariser Arrondissements

Forest Frederick Edward Yeo-Thomas (* 17. Juni 1902 in London; † 26. Februar 1964 in Paris) war ein britischer Spion im Zweiten Weltkrieg. Er arbeitete besonders in Vichy-Frankreich. Er soll Ian Fleming zu der Gestalt des James Bond angeregt haben.

Leben[Bearbeiten]

Yeo-Thomas wuchs als Sohn eines Londoner Kohlenhändlers und seiner Frau auf. Die Eltern zogen mit ihm nach Dieppe in der Normandie. Er besuchte das Collège de Dieppe und das Pariser Lycée Condorcet und sprach darum fließend Französisch. Er wurde wegen Disziplinproblemen zwei Mal von der Schule verwiesen.[1] Yeo-Thomas diente im Ersten Weltkrieg in der US Army, indem er sich als 18-Jähriger ausgab[2] und darauf im Polnisch-Sowjetischen Krieg auf Seiten der Polen. Er wurde gefangengenommen und sollte erschossen werden. Hier entkam er das erste Mal, indem er einen Bewacher erdrosselte. Er machte eine Mechanikerlehre bei Rolls-Royce und arbeitete später in Paris bei dem Modedesigner Edward Molyneux. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs entkam er vor der vorrückenden deutschen Wehrmacht bei der Operation Dynamo und arbeitete zunächst als Dolmetscher für die Freien Franzosen unter Charles de Gaulle. Danach diente er bei der Royal Air Force, zuletzt im Rang eines Oberstleutnants und wurde für den Special Operations Executive (SOE) als Kontaktmann zum französischen Geheimdienst Bureau Central de Renseignements et d’Action (BCRA) eingesetzt. Er hatte bei der SOE den Codenamen Seahorse und Shelley, bei der Gestapo den Namen Weißes Kaninchen. Er sprang das erste Mal am 25. Februar 1943 über dem besetzten Frankreich ab. Zusammen mit Pierre Brossolette und André Dewavrin konnte er bewirken, dass sich die Résistance stärker einte. Als er im Februar 1944 erneut mit dem Fallschirm landete, wurde er verraten und in der Pariser Métro-Station Passy festgehalten, ins Gestapo-Hauptquartier in die Avenue Foch gebracht, dort gefoltert und ins Pariser Gefängnis Fresnes gebracht. Er konnte fliehen, wurde wieder festgenommen und kam ins KZ Buchenwald bei Weimar. Dort versuchte er wieder zu fliehen, wurde gefangengenommen, gab sich als französischer Soldat aus und kam ins Stalag XX-B bei Marienburg (heute poln.: Malbork). Im April 1945 konnte er von dort entkommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Zeuge der Anklage bei den Nürnberger Prozessen und bei den Dachauer Prozessen 1947. Im US-Prozess gegen Otto Skorzeny war er Zeuge der Verteidigung und sagte aus, auch er habe zur Tarnung die Uniform des Feindes getragen.

1967 sendete der BBC eine Miniserie über sein Leben, in der seine Rolle mit Kenneth More besetzt wurde.

Ehrungen[Bearbeiten]

1972 wurde eine Straße im Pariser 13. Arrondissement nach ihm benannt. Am 31. März 2010 wurde er durch eine Plakette an dem Londoner Haus geehrt, das er mit seiner Frau Barbara bewohnt hatte.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sophie Jackson: Churchill's White Rabbit: The True Story of a Real-Life James Bond. The History Press, Stroud 2012, ISBN 978-0752467481.
  • Mark Seaman: The Bravest of the Brave. The true story of Wing Commander Tommy Yeo-Thomas, SOE secret agent, codename 'the White Rabbit.' Michael O'Mara, London 1997, ISBN 185479650X.
  • Bruce Marshall: The White Rabbit. Houghton Mifflin Co., Boston 1952.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marshall, Rabbit, S. 3
  2. Richard Norton-Taylor: Forgotten spy and escape artist extraordinaire comes in from the cold. guardian.co.uk vom 31. März 2010, abgerufen am 22. September 2010
  3. Pressemitteilung mit ausführlicher Biografie (engl.) auf english-heritage.org.uk, abgerufen am 22. September 2012