Effelder-Rauenstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Effelder-Rauenstein
Effelder-Rauenstein
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Effelder-Rauenstein hervorgehoben
50.36666666666711.066666666667395Koordinaten: 50° 22′ N, 11° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sonneberg
Höhe: 395 m ü. NN
Fläche: 41,73 km²
Einwohner: 3860 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 92 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96528
Vorwahl: 036766
Kfz-Kennzeichen: SON
Gemeindeschlüssel: 16 0 72 002
Gemeindegliederung: 8 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Schloßgasse 20
96528 Effelder
Webpräsenz:
Bürgermeister: Jost Morgenroth (SPD)
Lage der Gemeinde Effelder-Rauenstein im Landkreis Sonneberg
Karte
Evangelische Kilianskirche in Effelder

Effelder-Rauenstein ist eine Gemeinde in Thüringen im Landkreis Sonneberg.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Effelder und Seltendorf liegen im Tal der Effelder in etwa 380 Metern Höhe am Südrand des Thüringer Schiefergebirges. Effelder und Seltendorf sind Straßendörfer, die sich etwa auf 3 km an der B89 erstrecken.

Rauenstein und Grümpen liegen im Tal der Grümpen am Südrand des Thüringer Schiefergebirges etwa 2 km westlich von Effelder.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Steinheid - Mengersgereuth-Hämmern - Neustadt bei Coburg - Rödental - Schalkau - Siegmundsburg

[Bearbeiten] Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Effelder-Rauenstein zählen folgende Ortsteile:

  • Döhlau
  • Effelder (mit Blatterndorf)
  • Grümpen
  • Meschenbach
  • Rabenäußig (mit Fichtach, Hohetann und Melchersberg)
  • Rauenstein
  • Rückerswind
  • Seltendorf (mit Welchendorf)

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Rauenstein

Der Ort bei der gleichnamigen und älteren Burg Rauenstein wurde 1445 erstmals urkundlich erwähnt. Geschichtlich war die Burg der bestimmende Faktor des Ortes. Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen gründete in der Burg 1783 eine Porzellanfabrik, die zur wichtigsten Erwerbsgrundlage des Ortes wurde und 1851 bereits 180 Beschäftigte hatte. 1910 wurde der Ort durch die Hinterlandbahn erschlossen.

[Bearbeiten] Effelder

Die Ersterwähnung des Ortes wird in das Jahr 956 datiert. Eine Urkunde des Kloster Banz erwähnt "Affeldrahe", allerdings bestehen Zweifel an der Echtheit dieses Dokumentes. Unumstritten ist Effelder eine sehr alte Siedlung. Dies wird auch an der Kirche deutlich. Diese ist dem fränkischen Schutzpatron Kilian geweiht. Das Innere der Kirche ist sehr geräumig. Die Kirche zu Effelder war Mutterkirche für die meisten Gemeinden des Umlandes, das Kirchspiel reichte bis ins ca. 15 km entfernte Steinach.
Prägende Gebäude des Ortes sind das Schloss, heute Sitz der Gemeindeverwaltung, sowie die Schule, ein recht imposanter Bau von 1910. Gleichwohl müssen die Schüler aus Effelder heute in umliegende Gemeinden zum Unterricht gefahren werden, in der alten Schule haben einige Vereine eine Bleibe gefunden.
Ein wertvolles Dokument zur Geschichte der Gemeinde Effelder und umliegender Orte stellt die Topographie des Kirchspieles Effelder dar, welche vom damaligen Pfarrer Thimotheus Heim um 1800 herum verfasst wurde. Heim schildert die geographische Lage sowie Wirtschaft und Bevölkerungsstruktur äußerst präzise und lieferte damit ein sehr genaues Abbild der bäuerlich geprägten Lebensweise der Bewohner des Effeldertales. Der Dichter Friedrich Rückert war ein gern gesehener Gast der Pfarrersfamilie, seine tiefe Zuneigung zu Heims Tochter Friederike blieb aber letztlich unerfüllt. Die Grabstätte von Thimotheus Heim ist noch heute an der Kirchenmauer zugänglich.
Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebten Effelder sowie u.a. die benachbarten Ortschaften Blatterndorf, Seltendorf und Grümpen durch den Bau der "Meininger Chaussee" ab 1830. Diese völlig neu gebaute Straße verband den Herzogssitz Meiningen mit Sonneberg. Die Chaussee wurde für damalige Verhältnisse in einer stattlichen Breite angelegt und prägte damit das zukünftige Gesicht der an ihr liegenden Orte, die sich entlang des Straßenverlaufes ausbreiteten. Noch heute verläuft auf dieser Trassierung die Bundesstraße 89.
Die neue Straße bildete letztlich auch die Grundlage für die Entwicklung der Spielzeugindustrie etwa um die Jahrhundertwende. Für viele Familien bildete die Herstellung von Puppen (Docken) eine Lebensgrundlage. Nicht mehr benötigte Gipsformen dieser Figuren sind in den Zwischenwänden vieler (Fachwerk)-Häuser der gesamten Region Sonneberg-Neustadt-Coburg als "Mauersteine" anzutreffen. Noch bis zur Jahrtausendwende existierte in Effelder eine Spielzeugfabrik.

[Bearbeiten] Korberoth

Dieses Dorf existiert nur noch als Flurname. Die Bewohner wurden im Zuge der "Grenzsicherungsmaßnahmen" der DDR bis etwa 1980 zwangsweise ausgesiedelt. Die verbliebenen Gebäude wurden danach dem Erdboden gleichgemacht. Geblieben ist nur der Dorfteich. An die Geschehnisse erinnert heute eine Gedenktafel und ein alljährlicher Gedenkgottesdienst.

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Gemeinderat

Der Rat der Gemeinde Effelder-Rauenstein besteht aus 16 Ratsfrauen und Ratsherren.

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

[Bearbeiten] Wappen

Das Gemeindewappen setzt sich aus Teilen der Wappen der ehemaligen Gemeinden Effelder und Rauenstein zusammen. Es ist geviert und zeigt in der oberen Hälfte die Elemente Bischofsstab und Apfel, in der linken unteren Hälfte die Schaumberger Farben und in der rechten unteren Hälfte das wettinische Wappen.

[Bearbeiten] Wappen der Ortsteile

Wappen der ehemaligen Gemeinde Effelder
Wappen der ehemaligen Gemeinde Rauenstein

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Die Gemeinde profitiert von der Nähe zum Raum Coburg in dem zahlreiche Einwohner Arbeit finden. Außerdem gibt es mehrere kleine Gewerbegebiete.

Die Gemeinde liegt an der B89, welche von Sonneberg nach Eisfeld führt. Außerdem schlängelt sich die Hinterlandbahn, die von Sonneberg nach Meiningen führt, durch das Gemeindegebiet. Bahnhöfe gibt es in Effelder, Seltendorf und Rauenstein (Kopfbahnhof). Der ehemalige Haltepunkt Grümpen wurde im Zuge der letzten Baumaßnahmen an der Schienenstrecke zur Jahrtausendwende stillgelegt.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Museen

  • Rauensteiner Porzellankabinett im Museum "Neues Schloss Rauenstein", Kabinettausstellung mit halbjährlich wechselnden Sonderausstellungen. Sammlungsschwerpunkt bilden Exponate der 1783 gegründeten Rauensteiner Porzellanmanufaktur, die zu den ältesten Porzellanmanufakturen Deutschlands zählte. Bekannt wurde die Manufaktur durch ihr festes Porzellan mit Blaumalerei. Die Ausstellung zeigt aber auch exklusive Stücke in Purpur und Grün, wie das Vogelmotiv, das zu einem Markenzeichen der Rauensteiner Manufaktur wurde.
  • Schildkröt-Puppen Museum, es wird eine große Anzahl an Celluloid- und Tortulonpuppen gezeigt, sowie die Geschichte der Firma Schildkröt dargestellt.

[Bearbeiten] Natur- und Baudenkmäler

  • Die Zinselhöhle im Ortsteil Meschenbach ist eine Muschelkalkhöhle, die der Retschenbach aus dem Berg gewaschen hat. Unterhalb des Ortsteils Rauenstein befinden sich weitere Höhlen, darunter eine der größten Höhlen Deutschlands.
  • Für naturverbundene Interessierte Gruppen ab sechs Personen ist die Höhle im Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. September nach Terminabsprache mit einem der Höhlenführer befahrbar.
  • Die 300-jährige Tanzlinde auf dem Dorfplatz in Effelder.
  • Der größte Beherbergungsbetrieb im Landkreise Sonneberg ist das Ferienzentrum Rauenstein. In 15 Finnhütten stehen 150 Betten für Gruppen, Vereine und Schulklassen zur Verfügung.
  • Die Burgruine Rauenstein prägt mit ihren bizarren Resten des Bergfrieds das Ortsbild Rauensteins. 1349 wird die Burg als "Ruhestein" erstmals urkundlich genannt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg zerstört und seitdem dem Verfall preisgegeben. Erst in Ende der 1990er Jahre wurden Sanierungsversuche unternommen, diese jedoch nicht abgeschlossen. Seitdem setzte ein dramatischer Verfall der Bausubstanz an Bergfried, Ringmauerresten, Torbau und Schalentürmen ein. 2004 wurde mit dem Ziel der Rettung der Burgruine Rauenstein der Thüringisch-Fränkische Geschichtsverein e.V. gegründet. Durch die Initiativen des Vereins in Verbindung mit anderen örtlichen Vereinen, der Gemeinde Effelder-Rauenstein und den Denkmalschutzbehörden Thüringens, wurde am 24. August 2006 wurde der Kaufvertrag zwischen der bisherigen Eigentümergesellschaft (LEG-Thüringen)und der Gemeinde Effelder-Rauenstein unterzeichnet und die Sanierung des Bergfriedes Ende 2006 vorgenommen. Seither bemühen sich ehrenamtliche Helfer bei Arbeitseinsätzen um den Erhalt der Ruine und die Begehbarkeit des Burgareals.

[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen

  • Die Kirmes in Rauenstein findet alljährlich zu Pfingsten statt.
  • Die Kirmes in Rückerswind findet alljährlich am 1. Wochenende im Juli statt.
  • Die Kirmes in Effelder findet alljährlich am 2. Wochenende im Juli statt.
  • Die Kirmes in Seltendorf findet alljährlich am 3. Wochenende im Juli statt.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

  • Albin Tenner (1885–1967), kommunistischer Politiker, Oktober 1923 kurzzeitig Mitglied der Landesregierung

[Bearbeiten] Sonstiges

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 170 Frauen und Männer aus Frankreich, der Ukraine und Russland Zwangsarbeit in der Firma Richard Schneider von Rauenstein sowie in der Landwirtschaft verrichten.[2]

[Bearbeiten] Quellen

  1. Thüringer Landesamt für Statistik: Bevölkerung nach Gemeinden
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 283, ISBN 3-88864-343-0

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Effelder-Rauenstein – Bilder, Videos und Audiodateien
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen