Effemination

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Effemination (lateinisch effeminatus ‚verweiblicht‘, ‚weibisch‘) bezeichnet Weiblichkeit bzw. Feminität von Verhalten, Erscheinung oder Haltung von meist männlichen Personen, aber auch von Gesellschaften oder Gegenständen. Das altgriechische Wort für einen femininen Mann ist μαλακός malakos ‚weich‘.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff „Effemination“ kommt im etymologischen Sinne vom lateinischen Begriff effeminatus ‚verweichlicht‘, ‚weibisch‘. Effeminatus ist ein Partizip, das sich in der lateinischen Sprache in seiner sprachgeschichtlichen Entwicklung als Adjektiv verselbstständigt hat.

Effeminatus als Partizip betrachtet, ist ein Partizip Perfekt Passiv im Nominativ Singular maskulinum, vom Verb effeminare (Stammformen effemino, effeminavi, effeminatum) ‚verweichlichen‘. Das Verb effeminare wiederum ist ein Kompositum aus dem Präfix ex ‚aus‘, ‚heraus‘ [Assimilation (Phonologie) als artikulatorische Vereinfachung, ex wurde zu ef, angeglichen an das darauf folgende -f] und dem Substantiv femina ‚Frau‘ (vgl. feminin); also ‚zu einem Weibe machen‘, ‚verweichlichen‘, ‚verzärteln‘.

In anderen indogermanischen Sprachen zeigen sich ebenfalls noch die Parallelen zu dem lateinischen Verb effeminare, z. B. to effeminate (englisch), effeminare (italienisch), afeminar (spanisch) oder efféminer (französisch).

Effemination im Verhalten[Bearbeiten]

Effemination beim Mann widerspricht der klassischen männlichen Geschlechterrolle und wird in der Gesellschaft nur selten akzeptiert.[1] Besonders heterosexistische und heteronormative Haltungen und Vorurteile sind hier ein starker Einfluss, aber auch die Tatsache, dass Jungen meist ihren Rang untereinander anhand der Erfüllung männlicher Verhaltensmuster festlegen. Möglich ist auch die Feminisierung durch Zwang, meist als Strafe, etwa durch die Rettichstrafe im antiken Griechenland.

Nach Robert Jesse Stoller sollte man zwischen der natürlichen Weiblichkeit von Männern und einem übertrieben effeminierten Verhalten unterscheiden. In letzterem glaubt er nicht eine Identifikation mit der Frauenrolle, sondern im Gegenteil eine unbewusst feindliche Haltung gegenüber Frauen zu erkennen. Stoller sieht darin eine Pervertierung der Libido als Folge eines Kindheitstraumas.[2] Damit plädiert Stoller für eine scharfe Abgrenzung dieser Effemination von einer Geschlechtidentitätsirritation bzw. -störung (Transsexualismus). Transsexualität ist nach Stoller keine Perversion, sondern eine natürliche sexuelle Variante.

Effemination wird manchmal auch mit männlicher Homosexualität in Verbindung gebracht.[3] R. R. Greenson schreibt zu diesem Phänomen: "Ich habe klinisch den Eindruck gewonnen, dass die Angst des Neurotikers vor Homosexualität, die im Grunde Furcht vor dem Verlust der eigenen Geschlechtsidentität ist, bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen."

Das Gegenstück zu Effeminität ist Virilität (siehe auch Tomboy).

Körperliche Effemination[Bearbeiten]

Durch Krankheiten wie zum Beispiel Leberzirrhose und Hypogonadismus oder anderen Formen wie Testosteronmangel oder einer Hormonersatztherapie mittels Östrogenen kann es zu körperlichen Veränderungen kommen, die einen Mann androgyn bzw. verweiblicht wirken lassen können. Meist werden als Ausgleich Testosteron- und andere Hormonpräparate verabreicht wie z. B. beim genetisch verursachten Klinefelter-Syndrom.

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Begusch: Cross-Dressing? Trans-Sex? Core-Gender? Die Konstruktion der Effemination als Darstellung des Geschlechts. Dissertation. Universität Wien, 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oliver Haag: Als der homo sexuell homosexuell wurde, Diskurs über Richard von Krafft-Ebings: Psychopathia Sexualis. In: Webportal für die Geschichte der Männlichkeiten des Instituts für Geschichte der Universität Wien.
  2. Robert J. Stoller: Perversion. Die erotische Form von Hass. Rowohlt 1979, S. 196.
  3. Tim Bergling: Sissyphobia: Gay Men and Effeminate Behavior. Harrington Park Press, New York 2001, ISBN 1-56023-990-5.