Ring (Schmuck)

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Ring Papst Pauls II. Goldbronze und Bergkristall Mittelitalien, 1464–1471.

Der Ring zählt zu den bekanntesten Schmuckformen. In allen Kulturen findet man ihn als Schmuck für die Hand und den Fuß. Ohrringe und Nasenringe gehören dagegen zu den Nadeln.

Geschichte[Bearbeiten]

Fundort Thermengasse im römischen vicus Turicum (Zürich): Fingerringe und ein halbmondförmiger Anhänger aus Bronze.

Die ältesten bekannten Ringe sind mehr als 21.000 Jahre alt; so zum Beispiel die Fingerringe aus Mammutelfenbein, die in Pavlov in Tschechien gefunden wurden.

Ringe waren nicht nur als Schmuck gebräuchlich, sondern stellten auch Wertobjekte dar, die als Tausch- und Zahlungsmittel dienen konnten. Dieses Ringgeld zählt zu den vormünzlichen Zahlungsmitteln und gehört in den Bereich des Schmuckgeldes.

Ursprünglich wurden Ringe aus Knochen, vermutlich auch aus Holz sowie Stein (beispielsweise Bernstein) hergestellt; später auch aus Bronze, Eisen, Edelmetallen und Glas. Bei Ringen bildeten sich im Laufe der Kulturgeschichte die unterschiedlichsten Bedeutungen heraus.

Ringe gehörten sowohl im europäischen Mittelalter als auch in der Antike zu den beliebtesten Schmuckstücken der Oberschicht. Siegelringe waren Macht- und Würdezeichen. Daneben fungierten Ringe bereits im Hochmittelalter, wahrscheinlich aber schon in der Antike auch als Zeichen der Liebe und Treue bei der Eheschließung, in der frühen Neuzeit verstärkt auch als persönlicher Gedächtnis- oder Trauerring. Im Mittelalter gab es Schutz- und Heilringe, die zum Beispiel einen Krötenstein enthielten. Der Brauch hielt sich auch über die Renaissance hinaus.[1]

Ringe wurden zu Herrschaftssymbolen, ordneten den Träger in Glaubensgemeinschaften ein, dienten rituellen Zwecken, wie zum Beispiel der Trauer, oder dokumentierten das gegebene Eheversprechen. Darüber hinaus dienten Ringe auch immer der Selbstdarstellung.

Die Wahl des Materials, der Wert, die künstlerische Gestaltung und die Ikonografie sind ausschlaggebend für die Bedeutung eines Rings als Schmuck. Seltenes und damit kostbares Material sowie eine schöne Gestaltung des Rings stellen die Grundlage dar, auf der auch die Symbolik des Rings beruht.

Erzählgut[Bearbeiten]

Auch im Erzählgut drücken Ringe Bindungen und Beziehungen aus. Es gibt Erzählungen, in denen Vögel durch Ringdiebstahl Liebende trennen (Magelone) oder Unschuldige in Diebstahlverdacht geraten lassen (Grimms Kinder- und Hausmärchen: Die weiße Schlange; Deutsche Sagen: Idda von Toggenburg). Siehe auch Der Ring des Polykrates. Oft dient der Ring oder die Ringhälfte als Wiedererkennungszeichen (AaTh 974 Heimkehr des Gatten; KHM 25, 65, 67, 93, 101). Außerordentlich häufig sind Zauberringe: Fastrada, Friedrich von Schwaben, Grimms Deutsche Sagen Nr. 529 Der edle Moringer. Ein modernes Beispiel ist J. R. R. Tolkiens Der Herr der Ringe.[1]

In Grimms Märchen Nr. 17, 25, 40, 55, 63, 65, 67, 69, 92, 93, 97, 121, 123, 166, 192, 193, 197 spielt ein Ring eine Rolle.

Eine besondere Rolle kommt dem Ring auch in der sogenannten Ringparabel aus Lessings Werk Nathan der Weise zu.

Verlobungsring[Bearbeiten]

Verlobungsring mit Brillant

Ein Verlobungsring ist ein Ring, der das Versprechen symbolisiert, mit einem anderen die Ehe eingehen zu wollen.

Hauptartikel: Verlobungsring

Ehering[Bearbeiten]

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Anlegen des Eherings bei der Heirat an den linken Ringfinger, die weltweit häufigste Variante

Bereits in der Antike war der Trauring bekannt. Sowohl die alten Ägypter als auch Römer trugen den Trauring am Ringfinger der linken Hand. Der Grund hierfür war die Vorstellung, dass eine Ader, die sog. Vena amoris (lat. für ‚Liebesader‘), direkt vom Herzen zu diesem Finger führe. Im antiken Rom trugen nur Frauen einen Ehe- oder Verlobungsring. Letzterer war meist aus Eisen und galt als Zeichen der Bindung, vor allem aber auch als „Empfangsbestätigung” für die Mitgift.[2] Die Übergabe eines Ringes nur an die Frau hielt sich je nach Kulturkreis und Gesellschaftsschicht bis weit ins vergangene Jahrhundert. Er folgte dem Bibelspruch „Die Frau sei dem Manne untertan“ und entsprach dem 6. und 9. der zehn Gebote.[3]

Der Brauch, den Trauring am nach ihm benannten Ringfinger zu tragen, hat sich bis heute erhalten. Während in vielen westlichen Ländern der Trauring am linken Ringfinger getragen wird, ist es in Deutschland, Österreich sowie unter anderem in Norwegen, Litauen, Polen, Bulgarien, Russland und der Ukraine üblich, den Ring am rechten Ringfinger zu tragen.

Eheringe sind oft mit Inschriften oder Symbolen in der inneren Ringschiene versehen. In antiken römischen Ringen findet man beispielsweise „Pignus amoris habes“ – „Du hast meiner Liebe Pfand“. In heutigen Eheringen sind häufig der Name des Partners und das Datum des Versprechens zu lesen.

Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. gab es unter anderem auch goldene Ringe in Form zweier ineinander verschränkter Hände.[4] Nach Livius wurden goldene Ringe in großer Zahl auf den Schlachtfeldern Süditaliens gefunden, was man damit erklärt, dass es sich um Eheringe gehandelt haben muss. Seine sakrale Bedeutung in der christlichen Kirche hat der Ehering spätestens seit Papst Nikolaus I. (um 850). Seit dem 13. Jahrhundert gehört der Ring fest zum kirchlichen Trauritus.

Der Ehering gilt als Sinnbild der Treue der tragenden Person und ihrer ehelichen Bindung entsprechend den Ritusworten „Trage diesen Ring als Zeichen Deiner Treue“. Mit den heute oft gesprochenen Worten „Trage diesen Ring als Zeichen meiner Treue“ oder „Trage diesen Ring als Zeichen unsrer Liebe und Treue“[5] und dem wechselseitigen Anstecken und Tragen zweier gleichförmiger Ringe hat der Ehering eine völlig neue Bedeutung erlangt und steht für eine geänderte Eheauffassung.

Auch das Judentum kennt einen Hochzeitsring; dieser wird jedoch nur rituell genutzt; während der Trauung wird der Braut ein solcher Ring an den Zeigefinger der rechten Hand gesteckt.

Ein Paar von Ringen ist ein weit verbreitetes Symbol der Ehe, wobei oft ein Ring durch den anderen geführt ist. Die Ringe selbst werden auch mit symbolischer Bedeutung versehen. So hat ihre Kreisform kein Ende, verschlungene Ringe können nicht getrennt werden, ohne sie zu beschädigen, sie ähneln dem neuzeitlichen Symbol für Unendlichkeit (), und meist werden möglichst dauerhafte Materialien verwendet – sämtlich Symbole für die im Kontext der Ehe positiv konnotierten Konzepte Ewigkeit und Verbundenheit. Spezielle Ringformen tragen auch religiöse Bedeutung wie die Verwendung dreiteiliger Ringe zur Symbolisierung der christlichen Dreifaltigkeit.

Giftring[Bearbeiten]

Seit der Antike ist der Giftring bekannt – ein Ring, der mit einem zu öffnenden Behältnis versehen ist, das eine ausreichende Menge Gift (oder Medizin) aufnehmen kann. Das Gift kann so unauffällig ins Getränk oder die Speise des Opfers geleert werden. Der Giftring ist ein skurriles Schmuckstück, das von jeher die Fantasie der Menschen anregte. Besonders während der Renaissance soll der Giftring ein Requisit der Machterhaltung gewesen sein.

Siegelring[Bearbeiten]

Hauptartikel: Siegelring

Siegelringe sind ebenfalls seit der Antike bekannt. Es handelt sich dabei um einen ringförmigen Stempel. Aus dem antiken Ägypten sind Ringe mit Rollsiegeln bekannt. Bei Siegelringen finden häufig geschnittene Lagenachate als Siegelplatte Verwendung.

Siegelring mit Steinbockmotiv, vermutlich griechisch, 4.-2. Jh. v. Chr.
antiker Schlüsselring, vermutlich römisch

Schlüsselring[Bearbeiten]

In der Antike gab es auch Ringe, die nicht als Schmuck, sondern als Befestigung für Schlüssel dienten. Es handelte sich nicht um einen Ring, der mehrere Schlüssel zusammenfasst, wie wir den Begriff heute verstehen, sondern um einzelne, nicht notwendigerweise miteinander verbundene Ringe.

Rosenkranzring[Bearbeiten]

Rosenkranzring
Durchmesser 21mm

Eine verkleinerte Version des Rosenkranzes ist der Fingerrosenkranz, Rosenkranzring oder Soldatenrosenkranz, der als Zählhilfe bei Gebetsabfolgen Verwendung findet. Er hat im Allgemeinen zehn Erhebungen, zuweilen auch fünf, und ein kleines Kreuz. Mit ihm kann ein sogenanntes Gesätz gebetet werden, das aus jeweils zehn Ave Maria und einem Vaterunser besteht, wie auch der ganze Rosenkranz, der aus fünf Gesätzen besteht.

Ringe als Zeichen des religiösen Standes[Bearbeiten]

Bischofsring des Erzbischofs Albero von Montreuil 1131-1152

Seit dem 7. Jahrhundert gehört zu den Insignien der geweihten Jungfrauen der Ring. Ausgehend von diesem alten Brauch tragen auch in manchen Orden Nonnen und Ordensschwestern nach ihrer feierlichen Profess einen Ring. In beiden Fällen ist der Ring ein bräutliches Symbol für die Bindung an Christus.

Abt-, Bischof- und Kardinalsring sowie der Fischerring des Papstes sind ebenfalls Insignien. Oft sind diese Ringe mit einem Amethyst (Stein der Anmut und Weisheit) verarbeitet.

Ringe als Zeichen des Berufsstandes[Bearbeiten]

Daumenring von Bogenschützen[Bearbeiten]

Der dem Schutz des linken Daumens dienende und auf dessen zweiten Glied zu tragende Ring war bei den berittenen oder zu Fuß kämpfenden Bogenschützen mancher Heere üblich.

Jahrgangsringe von Offizierschulen[Bearbeiten]

Jahrgangsring Nr. 70301657, 70. OAJ

1835 wurden erstmals Klassenringe an die Absolventen von West Point ausgegeben. Sie symbolisieren Zusammengehörigkeit des jeweiligen Offizieranwärterjahrganges, Verbundenheit der Absolventen mit ihrer Alma Mater und den erfolgreichen Abschluss des Offizierlehrganges. Mittlerweile sind solche Ringe an allen amerikanischen Militärakademien üblich.

Deutschland[Bearbeiten]

Der Jahrgangsring der Offizierschule des Heeres wurde vom 68. Offizieranwärterlehrgang während seines Offizierlehrgangs an der OSH in Dresden angeregt und im September 2000[6] gestiftet. Trageberechtigt sind alle Absolventen der OSH. Im Gegensatz zu anderen Armeen muss der Ring durch die Offizieranwärter käuflich erworben werden und wird in der Truppe in der Regel nur zu besonderen Ereignissen getragen. Die Anzahl der Träger belief sich am 1. Februar 2010 auf 8.465.

Der Ring ist aus 925er Sterlingsilber oder aus Weißgold. Als „Siegel” ist auf schwarzem Onyx das Wappen der Schule, mit der Nummer des Offizieranwärterjahrganges bzw. -lehrganges und dem Wahlspruch der OSH IN FREIHEIT DIENEN gelasert, dies ist durch einen silbernen Reif mit dem Schriftzug EINIGKEIT–RECHT–FREIHEIT umgeben. Die Seiten des Rings zieren die überkreuzten Schwerter des Heeres und einen stilisierten Bundesadler.

Im Jahr 2005 endete mit dem 85. Reserveoffizierlehrgang die Ausbildung der Reserveoffiziere an der OSH Dresden und somit auch die Trageberechtigung für die Reserveoffiziere „neuerer Art”. In enger Anlehnung an den Jahrgangsring der OSH soll der Ring der Reserveoffiziere des Heeres etabliert werden.

Der Jahrgangsring der Offizierschule der Luftwaffe wurde von den Absolventen des 72. Offizierlehrgang Truppendienst gestiftet. Der Ring aus Sterlingsilber trägt das Wappen der Offizierschule im Siegel. Die Seiten des Rings zieren die „Schwingen” der Luftwaffe mit der jeweiligen Jahrgangsnummer des Offizierlehrgangs mit Ausnahme der Ringe der Stifter. Die Trageberechtigung wird mit Bestehen der Offizierprüfung verliehen.

Ringe als Kennzeichen von Subkulturen[Bearbeiten]

Manche Fingerringe kennzeichnen auch Angehörige bestimmter Subkulturen, wie z. B. der „Ring der O“, der von BDSM-Anhängern getragen wird.

Ringgrößen[Bearbeiten]

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Es existieren weltweit verschiedene Maße:

  • Wiener Vereinigungsmaß (Umfang in mm)
  • Französisches Maß (Umfang minus 40 mm)
  • Durchmessermaß (Wiener Vereinigungsmaß/Pi)
  • Englisches Maß
  • Amerikanisches Maß (USA/Kanada)
Übersicht weltweiter Maße
Wiener Vereinigungsmaß Französisches Maß Durchmessermaß Englisches Maß Amerikanisches Maß
40 0 12,5 1
40,5 0,5 12,9 1 -
41,5 1,5 13,4 D 2
43 3 13,8 E 2 -
44,5 4,5 14,2 F 3
45,5 5,5 14,6 G 3 -
47 7 15 H 4
48 8 15,4 I 4 -
49,5 9,5 15,8 J 5
50,5 10,5 16,2 K 5 -
52 12 16,5 L 6
53,5 13,5 17 M 6 -
54,5 14,5 17,5 N 7
56 16 17,8 O 7 -
56,5 16,5 18 P 8
58,5 18,5 18,5 Q 8 -
59,5 19,5 19 R 9
61 21 19,5 S 9 -
62,5 22,5 19,9 T 10
63,5 23,5 20,3 U 10 -
65 25 20,5 V 11
66 26 21 W 11 -
67,5 27,5 21,5 X 12
69 29 22 Y 12 -
70 30 22,5 Z 13

Juweliere und Goldschmiede messen die Ringgröße ihrer Kunden mit einem genormten Ringmaß. Dies hat meist die Gestalt von Eisenringen in entsprechenden Größen, welche beweglich um einen zentralen, sie bündelnden Ring gruppiert sind, so dass durch Aufstecken der einzelnen Ringe die passende Größe ermittelt werden kann. Manchmal wird hierzu auch eine einfache Schablone mit Lochungen in den verschiedenen Größen benutzt.

Die persönliche Ringgröße kann auch festgestellt werden, indem bei einem gut sitzenden, vorhandenen Ring der innere Durchmesser in Millimeter (mm) mit Hilfe eines Messschiebers ermittelt wird. Anschließend wird dieser mit der Kreiszahl (gerundet 3,142) multipliziert. Das Ergebnis ist der Ringumfang bzw. Fingerumfang.

Eine Methode zur ungefähren Ermittlung der Ringgröße ist die Bestimmung des Fingerumfangs mit Hilfe eines Papierstücks. Hierzu wird ein wenige Millimeter breiter Papierstreifen ausgeschnitten und um den Finger gewickelt. Die Schnittstelle des Papiers wird auf beiden, einander überlappenden Lagen markiert und anschließend der Abstand zwischen den Markierungen mit einem Lineal ausgemessen. Jedoch berücksichtigt diese Methode nicht, dass Ringe je nach ihrer Gestalt, der Form des Fingers und der Ausprägung der Fingerknöchel unterschiedlich weit gearbeitet werden müssen, um angenehm tragbar zu sein.

Hinzu kommt, dass die Finger im Verlaufe des Tages anschwellen und zudem im Sommer aufgrund der höheren Temperaturen etwas dicker sind als im Winter.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Klaus Graf: Ring. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 11. Berlin/New York 2004. S. 688–696.
  2. Brockhaus! Was so nicht im Lexikon steht, S. 154, ISBN 3-7653-1551-6
  3. Anselm Grün Die zehn Gebote, S. 95 u. 129, 2009 ISBN 978-3-423-34555-2
  4. Brockhaus! Was so nicht im Lexikon steht. ISBN 3-7653-1551-6
  5. Kirchliche Ritusworte http://www.kaeppele-wuerzburg.de/images/beitraege/ritus.pdf
  6. [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ringe (Schmuck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Ring – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen