Ehrenfriedhof (Lübeck)

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Der Ehrenfriedhof ist eine zentrale Gedenkstätte in Lübeck für die zivilen und militärischen Opfer beider Weltkriege. Er ist etwa fünf Hektar (50.000 m2) groß, umfasst 1882 Grabstätten und ca. 500 Gedenksteine. Er liegt an der Travemünder Allee in Höhe der Kreuzung Sandberg/Heiliger-Geist-Kamp.

Geschichte[Bearbeiten]

um 1915
Gräberfeld der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs[1]
das Bundesministerium für Verteidigung gedenkt ihrer noch heute

Anfang November des Jahres 1914 wurde von der Friedhofsbehörde beim 'hohen Senat' beantragt, ihr einen Platz zur Herrichtung einer Kriegsgräberanlage nach Maßgabe des Garteninspektors Harry Maasz zur Verfügung zu stellen. Im Inneren der Anlage sollte gemäß der ursprünglichen Planung ein Gedenkstein stehen.

Der Senat befürwortete das Vorhaben im Januar 1915 und wies der Anlage einen Platz nördlich des Burgtorfriedhofs an der Israelsdorfer Allee (heute: Travemünder Allee) zu. Da die ersten Bestattungen jedoch bereits im Oktober 1914 stattgefunden hatten, war der Beginn des Ehrenfriedhofs auf 1914 festzulegen.

Nach der Umsetzung von Maasz’ Plänen lud der Landeskriegerverband den Senat am 6. Juni 1915 zu einer ersten Gedächtnisfeier auf den Ehrenfriedhof, bei der der Kücknitzer Pastor Kurt Ziesenitz die Gedenkrede hielt.[2]

Die Anlage bestand aus einem ovalen und einem ins halbrund auslaufende rechteckigen Gräberfeld, umgeben von einem Ehrenhain mit Gedenksteinen. 1917 wurden die Felder um eine Gasse und ein weiteres kreisförmiges Grabfeld erweitert. Bedingt durch die Länge des Krieges wurde eine Erweiterung des Friedhofs um zwei weitere Felder jenseits der Allee geplant, aber nicht mehr verwirklicht.

Im Zweiten Weltkrieg beschloss man, anstelle eines räumlich von diesem getrennten Ehrenfriedhofs den vorhandenen zu erweitern. Der Baudirektor Hans Pieper schlug vor, dies mittels einer Achse neuer Grabfelder, welche die ursprüngliche im sogenannten Vorhof schneide, zu realisieren. Den räumlichen Gegebenheiten entsprechend entstanden ein kreisförmiges Grabfeld zur Travemünder Allee und ein ovalförmiges zur anderen Seite. An jenes schloss sich nach dem Luftangriff auf Lübeck am 29. März 1942 ein drittes kreisförmiges, Opfer Palmarum 1942, für deren zivile Opfer an. Der Oberbürgermeister, Dr. Drechsler – als Soldat einst mit dem Lübecker Regiment im Ersten Weltkrieg -, genehmigte dies persönlich.

Gärtnerische Anlage[Bearbeiten]

Der Friedhof ist als ein von waldigen Hügeln umgebener Hain mit vielen Skulpturen konzipiert. Bepflanzt ist der Friedhof mit Buchen, Eichen, Eiben und Rhododendron.[3]

Ehrenmale[Bearbeiten]

Auf den Grabfeldern befinden sich drei Ehrenmale:

Helm ab zum Gebet[Bearbeiten]

Hauptartikel: Helm ab zum Gebet (Lübeck)

Durch den Künstler Richard Kuöhl[4] wurde 1924 die ca. 4 m hohe Statue Helm ab zum Gebet als zentrales Denkmal für das Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 im sogenannten Vorhof der Anlage zum Gedenken an die Opfer dieser Einheit geschaffen.[5]

Am 29. Juli 1919 genehmigte der Senat der Freien und Hansestadt Lübeck der Abwicklungsstelle des Infanterie-Regiments Lübeck unter Verwendung der Mittel aus der Regimentseigenen Loigny-Stiftung die Errichtung des sich danach zur zentralen Gedenkstätte des Friedhofs entwickelnden Ehrenmals.

Die Inschrift am Fuß der Statue lautet:

1914-1918 / den gefallenen Helden / des Inf. Regts. Lübeck / 3. Hanseatisches Nr. 162 / 85 Offiziere / 1755 Unteroffiziere und Mannschaften.

eingerahmt im Anfangssatz aus Ludwig Uhlands Der gute Kamerad

Ich hatt' einen Kameraden einen bessern findst du nicht

Sterbender Krieger[Bearbeiten]

Am Eingang des zweiten Feldes befindet sich die von Fritz Behn[6] für seinen gefallenen Schwager, Hauptmann und Rechtsanwalt Dr. Küstermann, geschaffene Skulptur.

Inschrift:

Der mir der Liebste war ihm sei es ein Grüssen der Liebe
allen die fielen wie er schmerzlichen Dankes ein Mal

Die Mutter[Bearbeiten]

Auf dem Feld Opfer Palmarum 1942 steht das um 1960 von dem Rheiner Künstler Joseph Krautwald aus Muschelkalk erschaffene Skulptur.

Gräber[Bearbeiten]

Harry Maasz[Bearbeiten]

Harry Maasz

Am Ausgang des Ersten Feldes befindet sich das einzige, als solches noch heute erkennbares, Grab des Ehrenfriedhofs. Wer dort liegt, wissen, aufgrund der mangelnden Nennung des Namens, nur Eingeweihte. In ihm ruht der 1946 in Lübeck Verstorbene Schaffer des Friedhofs.

Grabdenkmäler[Bearbeiten]

Die Grabstätten und Gedenksteine sind per Computer erfasst.[7] Neben Denkmälern für Einzelpersonen sind auch eine Reihe von ihnen für Personengruppen, Vereine und Verbände vorhanden.

Berufsfeuerwehr Lübeck[Bearbeiten]

Steinplatte mit folgender Inschrift:

Die Berufsfeuerwehr Lübeck / ehrt das Andenken ihrer für das / Vaterland gefallenen Angehörigen

Walter Boy-Ed[Bearbeiten]

Georg Roemer schuf eine Säule mit dreieckigem Schaft deren Kapitell ein Garde-Helm ziert.

Inschrift auf der Vorderseite: Walter Boy-Ed / Hauptmann Batteriechef / I. Garde Fuss-Artillerie-Regt. / Spandau / PS 31 V-16y[8] / Meine Zeit stehet / in deinen Händen / errette mich von der / Hand meiner Feinde / und von denen die / mich verfolgen.
Gehen wir entgegen dem Uhrzeigersinn um die Säule finden wir auf der zweiten Fläche: GEBOREN / 17. MAI 1874 / LVBECK / VERWUNDET / . SEPTEMBER 1914 / NAUROY / GESTORBEN / 23. SEPTEMBER 1914 / REIMS
Die Dritte gibt Auskunft darüber, welche Orden er im Laufe seines Lebens erhalten hat[9]

Es war der erste aufgestellte Gedenkstein im Ehrenhain.[10]

Garde-Korps Lübeck[Bearbeiten]

Gedenkstein Julius Leber
Gedenktafel der Lübecker Gärtnerschaft

Inschrift:

Den Unseren, die im / Kampfe 1914–1918 für die / Heimat den Tod fanden / Verein ehem. Kameraden / des Garde-Korps Lübeck

Julius Leber[Bearbeiten]

Naturstein mit Bronzeplatte – Inschrift:

Julius Leber / geboren 16. November 1891 / hingerichtet 5. Januar 1945 / Aufrecht geht mir beizeiten / o Brüder

Die beiden letzten Zeilen sind ein Zitat aus dem Werk von Friedrich Nietzsche Also sprach Zarathustra.

Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft[Bearbeiten]

Säule mit Inschrift zur Erinnerung an die gefallenen Mitarbeiter der LBE:

Dem Andenken / der im Kampfe / für das Vaterland / gefallenen / Beamten und / Arbeiter der / Lübeck-Büchener / Eisenbahn
(und später ergänzt um)
und / Bundesbahn / in den beiden / Weltkriegen

Lübecker Sanitätskolonne[Bearbeiten]

Gedenkstein mit Inschrift zur Erinnerung an die gefallenen Mitglieder der Lübecker Sanitätskolonne:

S. K. v. R. K. (Sanitätskolonne vom Roten Kreuz) / DEM GEDÄCHTNIS / UNSERER TOTEN / 1914 1918
(nach dem Zweiten Weltkrieg ergänzt um)
DRK
1939-1945

Gärtnerschaft[Bearbeiten]

Steinplatte in Natursteinmauer – Inschrift:

Die Gärtnerschaft Lübecks ehrt / das Andenken ihrer für das Vaterland / gefallenen Angehörigen

Männerchor[Bearbeiten]

Steinplatte in Ziegelsteinsäule – Inschrift:

1914–1918 / Der Lübecker Männerchor seinen Gefallenen

Reserve-Infanterie-Regiment 215[Bearbeiten]

Reserve-Infanterie-Regiment 215

Das Lübecker Kinderregiment[11][12] gehörte zur 46. Reserve-Division. Im September 1918 stieß es in der Nähe Ligny-en-Cambrésis zum Infanterie-Regiment „Lübeck“ und ging als Ersatz in diesem auf.

Das Denkmal besteht aus einer Steinplatte mit folgender Inschrift:

Unseren Toten / Res. Inf. Rgt. 215 / 1914–1918

Städtisches Bauamt[Bearbeiten]

Säule in der Mitte des ersten Gräberfeldes. Inschrift am Fuß:

1914–1918 / den Gefallenen des Bauamtes

Grabdenkmäler die ursprünglich woanders standen[Bearbeiten]

Katharineum[Bearbeiten]

Gedenkstein Katharineum

Das Denkmal befand sich ursprünglich auf der Katharineumswiese in Israelsdorf. Da diese mit zunehmender Zeit in den Augen der Katharineer jedoch keinen würdigen Rahmen hierfür bot, verhandelte man mit der Friedhofsverwaltung und setzte es mit deren Genehmigung um.

Dieser Gedenkstein des Katharineums wurde etwas versteckt auf dem Ehrenfriedhof aufgestellt. Eine Herkunftsbezeichnung fehlt; das Symbol der Schule (Schwert und Rad) ist jedoch eindeutig zu identifizieren. Die Inschrift lautet:

Unseren Toten / zum Gedenken / der Jugend / zur Besinnung und Mahnung / A.D. 1950

Gedenkstein für die in Deutsch-Südwest-Afrika gefallenen 162er[Bearbeiten]

Tafel des zum zehnjährigen Bestehen des Regiments vom Kameradschaftsbund der 76er und 162er zu Lübeck dem Regiment gestifteten Gedenkstein für die in Deutsch-Südwest-Afrika gefallenen ehemaligen Angehörigen des Regiments.

Er stand ursprünglich auf dem Kasernehof der Kaserne (im Dritten Reich in Meesen-Kaserne umbenannt) des ehemaligen I. Bataillons.

Der Verbleib des Steines ist unbekannt.

M.G.K. des 162ten[Bearbeiten]

Gedenkstein für die Gefallenen der Maschinen-Gewehr-Kompanie des Infanterie-Regiments „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162

Unbekannter Flieger[Bearbeiten]

In den letzten Kriegstagen bei Niendorf abgestürzter Pilot.

Der dort aufgestellte Gedenkstein wurde 1999 auf den Ehrenfriedhof verlegt.

Grabdenkmäler die ursprünglich hier standen[Bearbeiten]

Groszheim’sche Realschule[Bearbeiten]

Den Gefallenen der Groszheim’schen Realschule

Am 17. Dezember 1922 enthüllte die Vereinigung ehemaliger von Groszheim’scher Realschüler e. V. den Gedenkstein für die im Felde gebliebenen Schulkameraden.

Ein in die Knie gesunkener Krieger, hat das Schwert, sei es zur Stütze oder zum Zeichen der Wehrlosigkeit, in den Boden gestoßen. Den Siegeskranz hält er aber fest in der Rechten, vertrauend auf eine bessere Zukunft seines Vaterlandes.

An dem Standort des Denkmals wurde später ein Grabfeld für Kriegstote aus dem Zweiten Weltkrieg errichtet. Jenes Feld schnitt einen Weg zu diversen Denkmälern ab. Um jene heute zu erreichen ist der Besucher des Friedhofs genötigt sich durch das das Feld umgebende Buschwerk zu schlagen.

Das Denkmal stammt von dem Bildhauer Max Preibisch zu Hamburg und Boizenburg, einem Schüler des Wiener Professors Freiherr Edmund von Hellmer. Das gewählte Material, Muschelkalk, gibt dem ganzen einen warmen, witterungsbedingt im Laufe der Zeit sich verstärkenden, Ausdruck.

Das Ehrenmal wich in seiner Art von den meist üblichen ab und bildete in der Zeit des sich stetig reicher gestaltenden Ehrenhains eine Zierde desselben.

Dies Schicksal blieb dem o. g. Denkmal allerdings erspart. Es wurde an das Ende der Soldatenallee auf dem Vorwerker Friedhof umgesetzt.

Der Schule setzte Ludwig Ewers in seiner 1926 erschienenen Großvaterstadt als von Hohenstein’sche Schule ein Literarisches Denkmal.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Fick: Lübecker Friedhöfe. Ehrenfriedhof. Hansestadt Lübeck – Fachbereich Planen und Bauen, Lübeck 2010 (Lübeck plant und baut 103, ISSN 0933-193X).
  • Carl Rissom: Ein Runenstein auf dem Lübecker Ehrenfriedhof. In: Die Heimat. Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein, Hamburg, Lübeck und dem Fürstentum Lübeck. 32 (1922), Heft 3
  • Harry Maaß: Lübecks Ehrenfriedhof und Ehrenhain. In: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 61, 42. Jahrgang, Ausgabe vom 29. Juli 1922. Dokumentenserver der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ehrenfriedhof Lübeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Es erstreckt sich um das Grabdenkmal der im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Bauamtes und ist zu durchqueren, um zu dem Feld der zivilen Opfer des Luftangriffs vom 29. März 1942 zu gelangen
  2. Kurt Ziesenitz: Gedächtnisrede zu Ehren der Gefallenen gehalten am 6. Juni 1915 zur Eröffnung des Verbandstages des Landeskriegerverbandes auf dem Ehrenfriedhof zu Lübeck. Lübeck: Lübecker Verlagsanstalt Otto Waelde Komm.-Ges. 1915
  3. Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Hrsg.): Gartenrouten zwischen den Meeren. Route 5: Lübeck. 2. überarbeitete Auflage, Kiel, Mai 2010
  4. Richard Kuöhl, nach handwerklicher Ausbildung in seiner Heimatstadt Meißen folgt ein Studium in Dresden. K. ist ab 1912 in Hamburg ansässig und wird bekannt durch seine unglaubliche Schaffenskraft. So erschafft er in den 1920er und 1930er Jahren etwa 50 Kriegerdenkmäler und eine große Anzahl von Gestaltungselementen an hamburgischen Gebäuden (u. a. eine Terrakotta-Plastik an der Vorderseite der berühmte Davidswache in Hamburg-S.Pauli)
  5. Otto Dziobek: Geschichte des Infanterie-Regiments Lübeck (3. Hanseatisches) Nr. 162. 1. Auflage 1922.
  6. Fritz Behn, nach Schulbesuch in Lübeck Katharineum und künstlerischer Ausbildung wird Behn Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg. Danach Verfechter von nationalistischem Gedankengut. Behn wird bekannt durch eine Reihe von Tierplastiken (Antilope vor dem Lübecker Holstentor; Panther im Lübecker Schulgarten)
  7. In Gedenken an die Gefallenen. Neue Broschüre zum Ehrenfriedhof in der Reihe „Lübecks Friedhöfe“ erschienen. In: Lübecker Stadtzeitung vom 4. Mai 2010, S. 3
  8. Ein Vergleich mit den texten ergibt, dass der Verweis sich auf die Luther Bibel (1545) bezieht.
  9. Vaterstädtische Blätter; Lübeck, den 21. November 1915, Artikel: Denksteine im Ehrenhain
  10. Lübecker General-Anzeiger, Ausgabe vom 22. Oktober 1915, Nr. 248a.
  11. Der Schriftsteller Werner Beumelburg sollte später den Begriff der Kinderregimenter prägen. In seinen Büchern bezeichnete er die aus unerfahrenen Kriegsfreiwilligen bestehenden in Flandern eingesetzten neuen Regimenter, zu deren Mannschaften er seinerzeit auch gehört hatte, aufgrund des Alters ihrer Soldaten als Kinderregimenter.
  12. Siehe in diesem Zusammenhang auch den Gedenkstein des Kriegsfreiwilligen „Paul Burmeister“.

53.8862110.709535Koordinaten: 53° 53′ 10,4″ N, 10° 42′ 34,3″ O