Eibenstock

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Eibenstock
Eibenstock
Deutschlandkarte, Position der Stadt Eibenstock hervorgehoben
50.49555555555612.5975650Koordinaten: 50° 30′ N, 12° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Erzgebirgskreis
Höhe: 650 m ü. NHN
Fläche: 112,35 km²
Einwohner: 7736 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 69 Einwohner je km²
Postleitzahl: 08309
Vorwahl: 037752
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 170
Stadtgliederung: 13 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
08309 Eibenstock
Webpräsenz: www.eibenstock.de
Bürgermeister: Uwe Staab (CDU)
Lage der Stadt Eibenstock im Erzgebirgskreis
Sachsen Amtsberg Annaberg-Buchholz Aue Auerbach (Erzgebirge) Bad Schlema Bärenstein (Erzgebirge) Lauter-Bernsbach Bockau Börnichen/Erzgeb. Borstendorf Breitenbrunn/Erzgeb. Burkhardtsdorf Crottendorf Deutschneudorf Drebach Ehrenfriedersdorf Eibenstock Elterlein Lugau/Erzgeb. Gelenau/Erzgeb. Geyer Gornau/Erzgeb. Gornsdorf Großolbersdorf Großrückerswalde Grünhain-Beierfeld Grünhainichen Heidersdorf Hohndorf Zwönitz Jahnsdorf/Erzgeb. Johanngeorgenstadt Jöhstadt Königswalde Lauter-Bernsbach Pockau-Lengefeld Lößnitz (Erzgebirge) Lugau/Erzgeb. Marienberg Mildenau Neukirchen/Erzgeb. Niederdorf (Sachsen) Niederwürschnitz Oberwiesenthal Oelsnitz/Erzgeb. Olbernhau Pfaffroda Pockau-Lengefeld Raschau-Markersbach Scheibenberg Schlettau Schneeberg (Erzgebirge) Schönheide Schwarzenberg/Erzgeb. Sehmatal Seiffen/Erzgeb. Stollberg/Erzgeb. Stützengrün Tannenberg Thalheim/Erzgeb. Thermalbad Wiesenbad Thum Wolkenstein (Erzgebirge) Marienberg Zschopau Zschorlau ZwönitzKarte
Über dieses Bild
Eibenstock

Eibenstock ist eine Stadt im sächsischen Erzgebirgskreis. Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt im Westerzgebirge.

Geographie[Bearbeiten]

Eibenstock umfasst folgende Ortsteile: Eibenstock, Blauenthal, Wolfsgrün, Neidhardtsthal, Wildenthal, Oberwildenthal, Carlsfeld, Blechhammer, Neues Wiesenhaus, Sosa, Stabhammer, Wilzschmühle und Weitersglashütte.

Geschichte[Bearbeiten]

Eibenstock um 1629 in einem Stich von Wilhelm Dilich

Gründung und Entwicklung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Aufgrund der Höhenlage von mehr als 600 m wird Eibenstock nicht zu den allerersten Bauerndörfern im Erzgebirge gehört haben, sondern als dauerhafte Ansiedlung in Form eines Radialwaldhufendorfes frühestens im Laufe des 13. Jahrhunderts im Bereich der späteren Herrschaft Schwarzenberg entstanden sein. In etwa 1,5 Kilometern Entfernung vom Stadtrand wurde unweit der Mündung des Steinbächels in die Große Bockau bei Blauenthal ein Ringwall gefunden.

Die ersten beiden urkundlichen Erwähnungen als Ybenstok bzw. Ibenstok datieren auf das Jahr 1378. Damals wurde es eine Alte Seife genannt, was darauf hindeutet, dass die Entwicklung des Dorfes auch vom Bergbau bestimmt worden ist. Noch bis in das 19. Jahrhundert wurde in der Umgebung von Eibenstock Seifenbergbau betrieben, gleichzeitig aber auch der Abbau von Eisenstein und Zinn aus festem Gestein. 1560 wurde Eibenstock offizieller Sitz eines eigenen Bergamtes und nannte sich fortan freie Bergstadt.

1453 belehnte Kurfürst Friedrich von Sachsen die Brüder Leonhart und Nickel von Tannenberg auf Plohn u.a. mit den Dörfern Eibenstock, Sosa und Burkhardtsgrün. Diese konnten sich jedoch nur kurz an dem neuen Besitz erfreuen, denn Wilhelm von Tannenberg musste Eibenstock im Jahre 1456 an den Erbmarschall von Sachsen, Hans Löser, abgeben. 1464 fiel Eibenstock dann wieder an die Herrschaft Schwarzenberg zurück und zählte somit 1533 zum sächsischen Amt Schwarzenberg.

1532 wurde der Ort als „Marktflecken“ und 1555 als „Städtlein“ bezeichnet. Marktrecht erhielt die nunmehrige Stadt erst 1639. 1734 gab es das erste Mal einen Fischmarkt, bei dem frischer Fisch aus Hamburg verkauft wurde.

Mit Clara Angermann kam das Tambourieren 1775 (Kunststickerei mit Häkelnadel) in die Stadt; sie brachte diese Kunst bis 1780 den Frauen der Stadt bei. Die Stickerei begann aufzublühen. 1850 gab es schon sechs erfolgreiche Stickereibetriebe und 1858 kam die erste Stickmaschine zum Einsatz. Die Stickereien wurden in der ganzen Welt berühmt, so dass von 1891 bis 1908 die USA ein Konsulat in der Stadt für die Pflege ihrer Geschäftsbeziehungen unterhielten.[2]

Durch drei große Brände (1856, 1862 und 1892), denen ganze Stadtteile zum Opfer fielen und fast ein Drittel der Häuser zerstört wurden,[3] wurde beim Wiederaufbau die Neugestaltung der Gebäude nach zeitgemäßen Gesichtspunkten vorgenommen. In der Zeit von 1864 bis 1868 wurde die neoromanische Kirche und 1906/07 ein neues Rathaus im Jugendstil erbaut.

Im Jahre 1875 öffnete im tief eingeschnittenen Tal der Zwickauer Mulde die Bahnstrecke Chemnitz–Aue–Adorf. Aufgrund des Höhenunterschieds von rd. 130 m und der Entfernung von ca. 3,5 km war der im Tal gelegene Bahnhof für die Eibenstocker aber nur mit großen Mühen zu erreichen. Deshalb wurde beschlossen, die Steilstrecke Eibenstock zu bauen, die im Jahr 1905 eröffnet werden konnte und als steilste Bahnstrecke Sachsens überregional bekannt wurde. Die Station im Tal wurde Eibenstock unterer Bahnhof, die Station an der Stadt Eibenstock oberer Bahnhof benannt. Mit dem Bau der Talsperre wurde der Eisenbahnbetrieb sowohl auf der Steilstrecke als auch im Muldetal im Jahr 1975 eingestellt.

Entwicklung ab 1914 bis heute[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg brach das Stickereiwesen zusammen und erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte sich die Stickereiindustrie wieder etablieren. Allerdings hat sie nie wieder den hohen Berühmtheitsgrad erreichen können, den sie vor 1914 innehatte. Kleine Stickereibetriebe schlossen sich zunächst zu Genossenschaften zusammen, wie die Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) Sticktex oder die Eibenstocker Buntstickerei. 1972 wurden die PGH in volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt.

Talsperre Eibenstock

In den Jahren 1974 bis 1979 wurde mit der Talsperre Eibenstock das zweitgrößte Talsperrenprojekt der DDR umgesetzt. Der Ortsteil Muldenhammer wurde rückgebaut. Es entstand ein Becken mit 77 Millionen Kubikmetern Stauraum und ca.350 ha Fläche. Es werden damit etwa eine Million Menschen mit Trinkwasser versorgt.

Nach der Wende stellten sich große Teile der Wirtschaft in Eibenstock als nicht konkurrenzfähig heraus.

Im Rahmen öffentlich-rechtlicher Vereinbarungen wurden die Gemeinden Blauenthal und Wildenthal auf der Grundlage der Sächsischen Gemeindeordnung in der freiwilligen Phase der ersten sächsischen Kommunalreform zum 1. Januar 1994 in die Stadt Eibenstock eingegliedert.[4] Am 1. April 1997 folgte die Gemeinde Carlsfeld[5], am 1. Januar 2011 die Gemeinde Sosa.

Eibenstock feierte 2005 sein 850-jähriges Bestehen, nachdem bereits im Juli 1955 das 800-jährige Bestehen gefeiert wurde.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgende Zusammenstellung zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahl ab dem Jahr 1802. Nach einer fast Verdreifachung infolge der Industrialisierung im Verlauf des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist seit der deutschen Wiedervereinigung ein durch Abwanderung und rückläufige Geburtenzahlen verursachter steter Rückgang der Einwohnerzahl feststellbar. (ab 1960 Stichtag: 31. Dezember):

Bevölkerungsentwicklung
1802 1834 1847 1875 1905 1913 1959 1960 1971 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2012 2013
3142 4576 5229 6553 8698 9899 9500 7050 8477 7410 7285 7187 7081 6924 6815 6708 6576 6440 6339 6263 6195 8168 7838 7736

Die Eingemeindung des Nachbarortes Sosa zum 1. Januar 2011 ergab – nach Gebietsstand vom 31. Dezember 2010 – eine Einwohnerzahl von 8168 Personen.[6]

Quellen: 1847 und 1905: [1] (PDF; 2,4 MB) Faltblatt Rathaus Eibenstock, Hrsg. Marketing Pool „Am Auersberg“ (Stand April 2011)
1959: Meyers Neues Lexikon, VEB Bibliograph. Inst. Leipzig, 1963, Bd. 2, S. 808
ab 1998: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Stadtrat[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[7]
Wahlbeteiligung: 46,7 % (2009: 45,5 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,3 %
21,2 %
n. k.
9,8 %
9,5 %
n. k.
n. k.
5,2 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
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  -6
  -8
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-14
-16
+9,8 %p
+4,8 %p
-15,6 %p
-0,8 %p
+1,5 %p
-2,5 %p
-2,4 %p
+5,2 %p

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 11 Sitze
  • SPD: 4 Sitze
  • LINKE: 1 Sitz
  • Gewerbeverein: 1 Sitz
  • FWG: 1 Sitz

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Gemeinschaftsgrabanlage mit zwei Obelisken auf dem Städtischen Friedhof für eine unbekannte Anzahl sowjetischer Kriegsgefangener sowie von Frauen und Männern, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit wurden. Dort ruhen auch 40 unbekannte KZ-Häftlinge eines Todesmarsches des KZ Flossenbürg, die im April 1945 von SS-Männern ermordet wurden
  • Gedenksteine an der Straße Eibenstock-Wildenthal beim früheren Gasthaus Waldschänke sowie an der Straße nach Schönheide für die Häftlinge des Todesmarsches

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Evangelisch-Lutherische Stadtkirche im neoromanischen Stil
  • Rathaus im Stil des Historismus mit zahlreichen Jugendstilelementen insbesondere im Innenbereich. Besonders markant ist der zentrale, über 50 Meter hohe Rathausturm. Der Bau wurde nach den Plänen des Stadtbaumeisters Arthur Lützner gestaltet. Die Einweihung erfolgte am 31. Oktober 1907 mit der Übergabe des Goldenen Schlüssels an den damaligen Bürgermeister Adolf Hesse.
  • Nachbildung der Kursächsischen Distanzsäule von 1727 auf dem Postplatz (Originalreststück im Museum)
  • restaurierter Königlich-sächsischer Stationsstein am früheren Zollamt (Karlsbader Straße)
  • Eibenstock war durch das große FDGB-Ferienheim an der Talsperre Eibenstock bekannt. Heute ist der Komplex saniert und wird als Hotel betrieben, daneben wurde ein Erlebnisbad errichtet. Wegen des auffälligen blauen Anstriches trägt das Hotel seit der Sanierung den Namen Das Blaue Wunder. Ursprünglich diente das Gebäude zur Unterbringung der Erbauer der Talsperre Eibenstock.
  • Südlich der Stadt befindet sich der 778 m hoch gelegene Adlerfels, von dessen Nähe man bei klarer Sicht einen schönen Panoramablick auf Eibenstock genießt. Am Berghang befinden sich eine Allwetterbobbahn und ein Skilift.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert wurde in der Region Zinn- und Eisenerzbergbau betrieben. Nach einer großen Hungersnot von 1771/1773 wurde dieser Wirtschaftszweig hauptsächlich durch die Stickerei abgelöst.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 283 von Adorf/Vogtl. nach Aue führt durch Eibenstock.

Von 1875 bis 1975 war die Stadt durch den heute überfluteten Eibenstock unt Bf an die Bahnstrecke Chemnitz–Adorf angeschlossen, ab 1905 wurde der stadtverkehrstechnisch günstiger liegende obere Bahnhof angebunden. Heute existiert auf dem Stadtgebiet kein Schienenverkehr mehr; der Bahnhof Aue wird über einen Linienbus angebunden.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Eibenstock pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu:

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit Eibenstock in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ipoenander: Alte und Neue Merckwürdigkeiten Von der Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächßl. Berg-Stadt Eybenstock, Schneeberg 1747 (Digitalisat)
  • Johann Paul Oettel: Alte und Neue Historie Der Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächßl. freyen Berg-Stadt Eybenstock, in Meißnischen Ober-Erz-Gebürge, Schneeberg 1748 (erweiterter Nachdruck 1997)
  • Johann Paul Oettel: Alter und Neuer Geschichte der löblichen freyen Bergstadt Eybenstock, in Meißnischen Ober-Erzgebürg gelegen, Andere Haupt Abtheilung Schneeberg 1749 (erweiterter Nachdruck 1997)
  • Stadt Eibenstock (Hrsg.): 850 Jahre Bergstadt Eibenstock – Festschrift. Eibenstock 2005
  • Richard Steche: Eibenstock. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 8. Heft: Amtshauptmannschaft Schwarzenberg. C. C. Meinhold, Dresden 1887, S. 12.
  • Eybenstock, Eibenstock. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 2. Band, Zwickau 1815, S. 583–589.
  • Eibenstock. In: Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (= Werte der deutschen Heimat. Band 11). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1967. S. 130–140.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Manfred Blechschmidt: Bei uns zu Hause. Chemnitz 2010, Seite 230
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  5. Bevölkerung des Freistaates Sachsen am 31. Dezember 2010 nach Gemeinden – Gebietsstand 31. Dezember 2010 (PDF; 59 kB)
  6. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eibenstock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Eibenstock – Reiseführer