Eich (Rheinhessen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Eich
Eich (Rheinhessen)
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Eich hervorgehoben
49.758.398888888888987Koordinaten: 49° 45′ N, 8° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Alzey-Worms
Verbandsgemeinde: Eich
Höhe: 87 m ü. NHN
Fläche: 21,02 km²
Einwohner: 3379 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 161 Einwohner je km²
Postleitzahl: 67575
Vorwahl: 06246
Kfz-Kennzeichen: AZ
Gemeindeschlüssel: 07 3 31 018
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstraße 26
67575 Eich
Webpräsenz: www.ortsgemeinde-eich.de
Ortsbürgermeister: Klaus Willius (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Eich im Landkreis Alzey-Worms
Gimbsheim Hamm am Rhein Eich (Rheinhessen) Alsheim Mettenheim Osthofen Bechtheim Dittelsheim-Heßloch Frettenheim Westhofen Monzernheim Gundheim Bermersheim Gundersheim Hangen-Weisheim Hochborn Offstein Hohen-Sülzen Monsheim Wachenheim (Pfrimm) Mölsheim Flörsheim-Dalsheim Mörstadt Wendelsheim Stein-Bockenheim Wonsheim Wonsheim Siefersheim Wöllstein Gau-Bickelheim Gumbsheim Eckelsheim Gau-Weinheim Vendersheim Wallertheim Partenheim Saulheim Udenheim Schornsheim Gabsheim Wörrstadt Sulzheim (Rheinhessen) Spiesheim Ensheim Armsheim Flonheim Erbes-Büdesheim Nack Nieder-Wiesen Bechenheim Offenheim Bornheim (Rheinhessen) Lonsheim Bermersheim vor der Höhe Albig Biebelnheim Bechtolsheim Gau-Odernheim Framersheim Gau-Heppenheim Alzey Ober-Flörsheim Flomborn Eppelsheim Dintesheim Esselborn Mauchenheim Freimersheim (Rheinhessen) Wahlheim Kettenheim Hessen Mainz Landkreis Mainz-Bingen Worms Rhein-Pfalz-Kreis Landkreis Bad Dürkheim Landkreis Bad Kreuznach DonnersbergkreisKarte
Über dieses Bild

Eich ist eine rheinhessische Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz und Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der sie auch angehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im 14. Regierungsjahr Karls des Großen in der Zeit zwischen Oktober 781 und Oktober 782 anlässlich einer Schenkung des Wanbert in Heichinen (Eich). Dem Kloster Lorsch wurden damals zwei Hofreiten mit zwei Huben, sieben Wiesen und drei Leibeigene geschenkt.[2]

Die ersten sechs Schriftdokumente von Eich werden im Lorscher Codex aufgezeichnet, der im Staatsarchiv Würzburg, unter Altbestände, Stifte und Klöster, Mainzer Bücher versch. Inhalts, aufbewahrt wird:[3]

  • Urkunde 1881 von 781/782, Schenkung des Wanbert
  • Urkunde 1860 vom 14.10.782, Schenkung des Eberhold
  • Urkunde 180 vom 4.11.782, Schenkung der Icha
  • Urkunde 1880 vom 1.7.784, Schenkung des Gerold und der Imma
  • Urkunde 1965 vom 22.4.791, Schenkung des Erlulf
  • Urkunde 1450 vom 4.6.793, Schenkung des Bruno

Die ehemaligen Orte oberes (superior) und unteres (inferior) Lochheim sind durch die Überschwemmungen und Laufveränderungen des Rheines heute nicht mehr vorhanden, jedoch erinnern noch folgende Urkunden im Lorscher Codex daran: [4]

  • Urkunde 187 vom 9.10.770/771, Spende des Bernhar über eine Wiese in Lochheim
  • Urkunde 188 vom 4.2.785, Schenkung des Starchrad über drei Joch Ackerland in Lochheim
  • Urkunde 186 vom 1.12.788, Schenkung von Fricco und Eberwin über ein Gut in Lochheim
  • Urkunde 189 vom 1.5.790, Schenkung des Uodalgoz über Wiesen und Weiden in Lochheim
  • Urkunde 190 vom 10.11.790, Schenkung des Wigbert und der Godehild über eine Hofreite mit drei Morgen Land in Lochheim
  • Urkunde 191 vom 8.5.792, Schenkung von Brunicho, Emicho und Heribert über eine Hofreite mit zehn Joch Ackerland in Oberlochheim
  • Urkunde 192 vom 17.4.796, Schenkung der Burad über eine Hofreite in Oberlochheim und zwei hörige Männer
  • Urkunde 193 vom 6.6.799, Schenkung des Bernher über zwei Anteile an einer Hofreite in Lochheim

Die Ortsteile Lochheim inferior und superior sind auf der Karte Descripto pagi Wormatiensis von Andreas Lamey und Ferdinand Denis eingezeichnet.[5]

Am 22. März 1515 nahm Franz von Sickingen ein beladenes Rheinschiff mit Wormser Bürgern auf dem Rhein weg, weil sie vorher einer Zahlungsauffoderung nicht nachkamen. Mehrere Ratsherrn und den Altbürgermeister brachte man auf die Ebernburg und ließ sie nur gegen schweres Lösegeld frei.[6]

Von einer Fischersiedlung hat es sich zu einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde entwickelt, die inzwischen auch als Wohnsitz für die Beschäftigten der nahen Städte dient.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Eicher Gemeindeverwaltung

Der Gemeinderat in Eich besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl SPD CDU FDP FWG GLA Gesamt
2009 11 4 3 1 1 20 Sitze
2004 11 5 1 2 1 20 Sitze
1999 11 5 1 2 1 20 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1946–1966 Rudolf Becker (SPD)
  • 1966–1979 Hans Ludwig Menger (FWG), Träger des Ehrenringes der Gemeinde Eich
  • 1979–1994 Günter Reich (SPD)
  • 1994–heute Klaus Willius (SPD)

Klaus Willius wurde am 7. Juni 2009 mit 75,05 % der gültigen Stimmen gegen die CDU-Kandidatin Christine Müller wiedergewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Unter rotem Schildhaupt, darin eine goldene Eichel mit zwei Blättern, in Silber ein blauer schrägrechter Balken belegt mit einem silbernen Fisch.“

Begründung: Der Fisch zeigt die Geschichte des Ortes als Fischerdorf, der blaue Balken steht für den Rhein. Die Eichel weist auf den Namen der Gemeinde hin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

Eich Evangelische Pfarrkirche

Die evangelische Pfarrkirche entstand ab dem Jahr 1839 nach dem Bauplan des großherzoglich-hessischen Provinzialbaumeisters Ignaz Opfermann (1799–1866) aus Mainz.

Eicher See[Bearbeiten]

Hauptartikel: Eicher See

Der Eicher See ist ein zu Eich und Hamm gehörender Baggersee mit Zugang zum Rhein. Er wird auch „Rheinhessisches Meer“ genannt, weil er der größte See in Rheinhessen ist. Der See ist mit einigen hundert Wochenendhäusern umgeben und verfügt über eine Marina, in der auch große Yachten anlegen können.

Musik[Bearbeiten]

Neben dem evangelischen Kirchenchor gibt es noch den Männergesangsverein Sängerbund, den evangelischen Posaunenchor und den katholischen St.-Michaels-Chor. Der ökumenische Kirchenchor singt in der katholischen und in der evangelischen Kirche[8], der evangelische Posaunenchor Eich spielt regelmäßig in der Kirche, tritt aber auch bei außerkirchlichen Ereignissen auf.[9] Als weitere musikalische Botschafter für Eich fungieren der Mandolinenclub Goldklang, der Musikzug[10] der Freiwilligen Feuerwehr Eich sowie die Punk-Rock-Band „We Against All“[11].

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Eich

Im Dorfkern befindet sich ein steingewölbter Kuhstall, dieses historische Kreuzgewölbe wird heute als Weinprobierstube eines Weingutes genutzt.

Klassizistische Säule
Gegenüber der Osthofener Straße 60 befindet sich diese klassizistische Säule aus den Jahren 1828/29. Diese verweist auf das damalige gültige „Großherzogliche Hessische Längenmaß“: Wovon vier Fuß einen Meter, 10 eine Großherzogliche Hessische Klafter und 1500 Klafter eine Stunde betragen.
Altes Schulhaus

Das Schulhaus wurde ab 1904 genutzt. Es hat zweieinhalb Stockwerke mit Wohnung. Es wurde mit einer evangelischen und einer katholischen Klasse belegt. 1927 wurde im Keller eine Mädchenfortbildungsschule eingerichtet. Ab Ostern 1934 gab es keine Konfessionsschule mehr und die Klassen wurden zusammengelegt. Nach Aufgabe der Schulräume 1966 wurde der untere Teil des Schulhauses 1967 als Gewerberaum genutzt. Seit 1978 werden die Räume für einen Jugendtreff im Erdgeschoss genutzt und im ersten Stock wurde im gleichen Jahr ein Heimatmuseum eingerichtet.

Sport[Bearbeiten]

Mit der Altrheinhalle verfügt Eich seit 1974 über eine Sportstätte mit 6.000 Zuschauerplätzen, die aber auch für Konzerte und Fernsehsendungen genutzt wird. Im Umfeld der Halle bestehen auch Wettkampfstätten für Leichtathletik und eine Tennisanlage (seit 1977). Am Eicher See gibt es einen Segelclub und zwei Boulebahnen. Am Altrheinsee ist ein Badestrand eingerichtet. Außerdem gibt es noch den Turnverein von 1888 Eich, den FC Germania 07 Eich, den Tennisclub Blau-Weiß und zwei Angelsportvereine. Es sind der AC Rheinlust 1954 Eich und der ASV Eich.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Von 1992 bis 2013 fand am zweiten Samstag nach Ostern die so genannte Motorradsegnung statt. Hierzu kamen über 12.000 Motorradfahrer aus ganz Deutschland in den Ort und ließen ihr Motorrad und sich segnen um anschließend an einer Ausfahrt durch die ganze Region teilzunehmen. Durch eine Verschärfung der Versammlungsbestimmungen und Kostenerstattung für die Rettungsdienste ab 2014 wurde die Veranstaltungsreihe aufgegeben.[12] Im Jahr 2006 wurde die Segnung von Karl Kardinal Lehmann vorgenommen.
  • Des Weiteren veranstaltet die Freiwillige Feuerwehr Eich alljährlich am letzten Wochenende im Juni das 3-tägige Altrheinfest.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Schwerpunkt ist immer noch die bäuerliche Landwirtschaft. Aber auch die Sand- und die Erdölförderung haben sich zu wichtigen Wirtschaftszweigen entwickelt.

Bildung[Bearbeiten]

Eich verfügt über eine Grundschule und seit dem Schuljahr 1998/99 über eine regionale Schule, heute Realschule plus, auf der der Realschulabschluss erworben werden kann.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jakob Grimm: Weisthümer, 1. Teil, Göttingen 1840, Weisthum zu Eichen von 1340, S. 808.
  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, Gießen 1905, S. 118–120.
  • Karl Josef Minst: Lorscher Codex, Deutsch, Band III, Lorsch 1970, Eicher Urkunden Nr.: 1450, 1860, 1880-81, 1965.
  • Henning Kaufmann: Rheinhessische Ortsnamen, München 1976, S. 47–49.
  • Klaus Rädle: Der Nibelungenschatz - Eine Spurensuche. Berlin Pro Business 2011, ISBN 978-3-86805-904-5.
  • Günter Reich: Dokumentation über die Eicher Ortsstraßen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eich (Rheinhessen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Lorscher Codex: Urkunde Nr. 1881
  3. Karl Josef Minst: Lorscher Codex, Deutsch, Band III, Schenkungsurkunden Wormsgau, Lorsch 1970
  4. Karl Josef Minst: Lorscher Codex, Deutsch, Band II, Lorsch 1968, S. 20 - 24
  5. Frühmittelalterliche Gaue mit altem und neuem Rheinlauf: Pagi Rhenensis ex medio aevo Tabula & Chartisantiquis desumta, Pag. 294, Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften, Mannheim 1766
  6. Friedrich Wolfgang Karl von Thudichum: Papsttum und Reformation im Mittelalter 1143-1517, 1903, S. 484
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Ökomenischer Kirchenchor
  9. [1]
  10. Musikzug der Feuerwehr
  11. We Aga!nst All
  12. Keine Motorradsegnung mehr in Eich - Aus für die Traditionsveranstaltung von Manfred Janß; allgemeine-zeitung.de vom 19. Februar 2014