Eichert (Aue)

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Eichert (Aue)

BWf1

Höhe 564 m ü. NN
Lage Aue, Sachsen, Deutschland
Gebirge Westerzgebirge
Koordinaten 50° 35′ 50″ N, 12° 42′ 20″ O50.59722222222212.705555555556564Koordinaten: 50° 35′ 50″ N, 12° 42′ 20″ O
Eichert (Aue) (Sachsen)
Eichert (Aue)
Eichert
Koordinaten: 50° 34′ N, 12° 42′ O50.57476112.69449
Eingemeindung: 1920
Postleitzahl: 08280
Vorwahl: 03771
Blick von der Kleingartenanlage auf dem Eichert auf das Hohe Holz (Berg im Hintergrund) und die Plattenbauten am Hang des Eicherts; Jahr 2004

Blick von der Kleingartenanlage auf dem Eichert auf das Hohe Holz (Berg im Hintergrund) und die Plattenbauten am Hang des Eicherts; Jahr 2004

Der Eichert bildet zusammen mit dem Heidelsberg ein flaches Bergmassiv südlich des Stadtzentrums von Aue. Der Eichert erreicht eine Höhe von 564 Metern und ist damit die höchste Erhebung der Stadt. Er besteht aus dem harten Material Andalusitglimmerfels. Gleichzeitig sind Teile dieses Bergrückens seit 1920 bebaut und zählen als Ortsteil Eichert zu Aue.

Der Berg Eichert[Bearbeiten]

Bemerkenswert auf dieser Fläche ist der Rote Kamm, eine Quarz-Eisenstein-Verwerfung, die sich weit im Erzgebirge erstreckt und begrünt ist.[1] Der nördliche Bereich des Berges ist bebaut, der südwestliche bewaldet.

Über den Eichert verlief jahrhundertelang die Straße nach Bockau, die Alter Erzengelweg hieß. Erst 1910 wurde die heutige Bockauer Straße angelegt und führt den Verkehr um den Berg herum.

Der Ortsteil Eichert[Bearbeiten]

Wohnbebauung ab 1920[Bearbeiten]

Im Jahr 1920 kaufte die Stadt Aue den Eichert aus dem Besitz des Lauterer Staatsforstes an. Damit standen neue Flächen zur Verfügung, um die Wohnungsnot zu lindern (es gab zu dieser Zeit rund 1.500 Wohnungssuchende in der Stadt). Ab 1920 errichteten auf dem Eichert die städtische Baugesellschaft, ein gemeinnütziger Bauverein, eine Handwerker-Baugenossenschaft und die Siedlungsgenossenschaft ,Eigene Scholle’ eine Reihenhaussiedlung, die den Namen Waldsiedlung Am Eichert erhielt; auch neue Straßen wie der Forstweg entstanden. 1928 wohnten in dieser Siedlung (Oberer Eichert) bereits 1.800 Personen. Bis 1930 waren 1.101 Wohnungen fertiggestellt.[2] Auf dem Eichert wurde 1929 ein Obdachlosenheim errichtet, das 21 Wohnungen für bedürftige Familien bot. Dieses Gebäude (Am Eichert 30) wurde in der NS-Zeit zu einem Feierabendheim, in der DDR-Zeit zu einem Alters- bzw. Seniorenheim umgebaut.

Stadtgebiet Eichert ab 1990[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 ließ die Stadtverwaltung das Altersheim umfassend sanieren und baulich erweitern.[3] Zur Wahrung des Bebauungscharakters beschloss die Ratsversammlung um 2002 eine Erhaltungssatzung mit einem genauen Lageplan der Bauten.[4] Bis zum Jahr 2011 gab es im Wohngebiet die Gaststätte Eichertschänke in der Straße Am Eichert 20, die wegen Insolvenz des Eigentümers und Betreibers schließen musste. Für die Kiezgaststätte wurde per Zwangsversteigerung ein Käufer gesucht und bis zum Jahr 2012 nicht gefunden.[5] Unter dem gleichen Namen Eichertschänke ist im Erdgeschossbereich des Hauses jedoch ein weiterhin privat betriebenes Bistro erhalten. Diese Einrichtung wird vor allem von Menschen jüngeren und mittleren Alters als Szenekneipe genutzt.

Der Erhaltungssatzung folgten im Jahr 2013 Beschlüsse der Stadtverwaltung, die folgendes vorsehen: „Abriss verschlissener und dauerhaft leerstehender Bausubstanz und die Anpassung des Wohnbestandes. Dies sollte selbstverständlich unter Beachtung städtebaulicher Belange erfolgen. Inhalt des Konzeptes sind auch die Verbesserung, Neugestaltung, Nachnutzung und Aufwertung von Freiflächen. Besondere Bedeutung im städtebaulichen Konzept kommt vor allem der Versorgungsfunktion des Wohngebietes zu.“ Für die Eichertschänke heißt es: „Im Rahmen eines künftigen Nutzungskonzeptes für das bestehende Gebäude könnte beispielsweise im Bereich des Erdgeschosses ein Stadtteilzentrum / Begegnungszentrum mit verschiedenen der Versorgung des Gebietes dienenden Nahversorgungseinrichtungen entstehen (z.B. Konsum, Post, Fleischer- / Bäckerfiliale usw.). Die oberen Geschosse des Gebäudes könnten als Wohnungen oder auch als Pension genutzt werden. Da sich das Gebäude im Bereich des ILE (=Integrierte ländliche Entwicklung)-Fördergebietes befindet, könnte ein Teil der Finanzierung möglicherweise über entsprechende Zuwendungen realisiert werden. Die ehemalige Kaufhalle, die sich daneben befindet, würde sich für die Schaffung zusätzlicher Pkw-Stellplätze eignen, welche auch die allgemeine Parksituation verbessern würde, denn die Chancen, einen Investor [...] zu finden, dürften derzeit allerdings als gering einzuschätzen sein.“ Weitere Planungen betreffen die Verbesserung der Nahversorgung in bestehenden Gebäuden oder die Eröffnung eines Nachbarschaftsladens. Schließlich gehen die Ideen dahin, einen „kleinen Marktplatz unter Beteiligung leistungsfähiger Großhändler von Aue“ einzurichten.[6]

Auf der Langwiese auf dem Eichert wurde am 24. März 2014 ein neu gestalteter Mehrgenerationenspielplatz offiziell eingeweiht. Er ist mit Bänken, herkömmlichen Spielgeräten für Kinder und Jugendliche sowie mit Geräten für Erwachsene zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination ausgestattet (Schultertrainer, Walker und Massagegeräte für Rücken sowie Hände, Arme und Beine). Die Stadtverwaltung hat für den ersten derartigen Platz in Aue zirka 30.000 Euro investiert. Rund 85 Prozent des Betrages kamen aus dem ILE-Programm der EU und des Freistaats Sachsen.[7]

Wohnviertel Unterer Eichert und Kleingärten[Bearbeiten]

Im Jahr 1964 begann die Bebauung an den unteren Ausläufern des Berges (am Unteren Eichert) mit einfachen Wohngebäuden: viergeschossige Plattenbauten mit 370 Wohnungen, bis 1981 folgten weitere typische elfgeschossige Betonplattenbauten. Diese fügen sich zwar nicht besonders vorteilhaft in das Stadtbild, bieten den Bewohnern jedoch die damals übliche Wohnqualität mit Zentralheizung, warmem Wasser - und besitzen eine gute Aussicht.

An den steilen Flanken des Eichert, die nach Auerhammer hin abfallen, wurde auf Initiative eines Naturheilvereins in den 1920er Jahren die Schrebergartenanlage Am Eichert mit je etwa 300 m² großen Parzellen angelegt, die noch im 21. Jahrhundert als Gartenanlage genutzt wird und dem Kleingartenverein Aue Eichert 1 e.V. gehört.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhart Heppner/Jörg Brückner/Helmut Schmidt: Sächsisch-böhmische Aussichtsberge des westlichen Erzgebirges in Wort und Bild mit touristischen Angaben, Horb am Neckar, 2001, S. 44-45

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siegfried Sieber: Um Aue, Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt, Seiten 15, 23; Akademie-Verlag Berlin, 1974; Seite 34.
  2. Aue im Spiegel historischer Bilder der 1920er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts; Geiger Verlag Horb am Neckar, 1993, ISBN 3-89264-829-8; Seiten 100 ff.
  3. Homepage des Städtischen Pflegeheims Eichert
  4. Erhaltungssatzung „Oberer Eichert“ von 2003 mit Lageplan (PDF; 110 kB)
  5. Versteigerung: Eichert-Schänke findet keinen Käufer In: Freie Presse vom 3. August 2012
  6. Beschlüsse des Stadtrats zu Entwicklungsmöglichkeiten im Stadtgebiet Eichert; abgerufen am 3. März 2014
  7. Presseinformation der Stadtverwaltung vom 17. März 2014: Aue/Mehrgenerationenspielplatz
  8. Website des KV-Aue mit einigen geschichtlichen Darstellungen zum Eichert