Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo der EMPA
Eidgenössische Hochschulen und Forschungsanstalten

Ordentl. Budget 2013 (CHF Mio.)


ETH-Bereich

2'271


Hochschulen


1'118
557


Forschungsanstalten


286
51
92
54

Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (kurz Empa; französisch Laboratoire fédéral d’essai des matériaux et de recherche) ist eine schweizerische Forschungsinstitution für anwendungsorientierte Materialwissenschaften und Technologie. Als Teil des ETH-Bereichs ist sie dem Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) zugeordnet. Für mehr als 100 Jahre seit ihrer Gründung 1880 war die Empa eine traditionelle Materialprüfanstalt. Seit Ende der 1980er-Jahre hat sie sich immer mehr zu einer interdisziplinären Forschungseinrichtung gewandelt. Im öffentlichen Auftritt nennt sich die Empa selbst Empa, Swiss Federal Laboratories for Materials Science & Technology.

Forschung[Bearbeiten]

Unter der Vision «Materialien und Technologien für eine nachhaltige Zukunft» hat es sich die Empa zum Ziel gesetzt, Lösungen für vorrangige Probleme von Industrie und Gesellschaft zu erarbeiten, etwa in den Bereichen Energie, Umwelt, Mobilität, Gesundheit und Sicherheit. Ihre Forschungsschwerpunkte («Research Focus Areas») setzt sie in den fünf Themenbereichen Nanostrukturierte Materialien, Nachhaltige Bau- und Gebäudetechnologien, Natürliche Ressourcen und Schadstoffe, Energietechnologien sowie Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Das Jahresbudget betrug 2013 rund 97 Mio. Franken an Bundesmitteln und mehr als 61 Mio. Franken an Drittmitteln, davon 44 Mio. Franken über Forschungsanträge und knapp 15 Mio. Franken Dienstleistungserlöse.

Der Wechsel von der Materialprüfungs- zur Forschungseinrichtung spiegelt sich auch im Namen: Seit 1988 heisst die Empa offiziell Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt. Seit 2001 wird der Strategiewechsel immer deutlicher sichtbar: Die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen stieg von 67 im Jahr 2001 auf knapp 530 im Jahr 2013. Die Zahl der vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Projekte erhöhte sich im selben Zeitraum von 5 auf 110. Auch die eingeworbenen Drittmittel stiegen an, von 33,8 Mio. Franken im Jahr 2000 auf mehr als 61. Mio. Franken (2013). Die Empa ist zurzeit an mehr als 60 laufenden Projekten der EU-Rahmenprogramme beteiligt.

Im Zentrum der Empa-Tätigkeiten steht die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung, oft in enger Partnerschaft mit Industrieunternehmen. Dabei verfolgt die Empa einen multidisziplinären Ansatz – an den meisten Projekten arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure aus zahlreichen Disziplinen gemeinsam. Ausserdem unterstützt sie die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) in Zürich und Lausanne sowie Universitäten und Fachhochschulen in der Lehre und engagiert sich über die Empa-Akademie in der Organisation von wissenschaftlichen Tagungen und Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen. Konferenzen, Vortragsreihen, Seminare und Lehrveranstaltungen richten sich an Wissenschaftler, Fachleute aus Industrie und Wirtschaft, aber auch an die breite Öffentlichkeit, etwa in der Reihe der «Wissenschafts-Apéros».

EMPA-Gelände in Dübendorf
EMPA-Gebäude in St. Gallen

Direktoren[Bearbeiten]

Amtszeit Direktor
1880–1901 Ludwig von Tetmajer
1901–1924 François Schüle
1924–1949 Mirko Roš
1949–1969 Eduard Amstutz
1969–1988 Theodor H. Erismann
1989–2001 Fritz Eggimann
2001–2009 Louis Schlapbach
seit 2009 Gian-Luca Bona

Geschichte[Bearbeiten]

1880 nimmt die Anstalt für die Prüfung von Baumaterialien ihre Tätigkeit auf. Ludwig von Tetmajer, Professor für Baumaterialienkunde, ist ihr erster Direktor. Sie ist im Polytechnikum in Zürich (der heutigen ETH) untergebracht.

1891 erhält Tetmajer den Auftrag, die Ursache für den Einsturz der von Gustave Eiffel erbauten Eisenbahnbrücke bei Münchenstein abzuklären. Es gelingt ihm in kurzer Zeit aufzuzeigen, dass die bisher verwendete Eulersche Hyperbel nur im elastischen Bereich des zur Diskussion stehenden Stahles verwendet werden darf.

1895 wird die Bezeichnung Eidgenössische Materialprüfungsanstalt zum ersten Mal verwendet.

1937 kommt die 1911 zur Schweizerischen Versuchsanstalt St. Gallen erweiterte Textilkontrollstelle hinzu. Die Empa erhält einen neuen Namen: Eidgenössische Materialprüfungs- und Versuchsanstalt für Industrie, Bauwesen und Gewerbe.

1962 zieht die Empa von Zürich in den Vorort Dübendorf. Schwerpunkte sind dort Hoch- und Tiefbau, Sicherheitstechnik, Oberflächentechnik, metallische Werkstoffe, Stoffverbunde, zerstörungsfreie Prüfungen, chemische Analysen, Abgas- und Aussenluftuntersuchungen, Haustechnik, Bauphysik, Akustik und Lärmbekämpfung.

1988 markiert einen Wechsel Richtung Forschung. Die Empa heisst von nun an Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt.

1996 bezieht die Empa am Standort St. Gallen den Neubau «im Moos». Im Zentrum der Tätigkeit stehen Bekleidungsphysiologie, persönliche Schutzsysteme, funktionale Fasern und Textilien, biokompatible Werkstoffe, Material- und Bildmodellierungen sowie Technologie-Risikoabschätzungen.

2001 richtet sich die Empa noch stärker auf Forschung und innovative Entwicklungen aus; Wissensvermittlung und Dienstleistungen bleiben jedoch ein wichtiger Teil des Portfolios. Eine internationale Forschungskommission wird eingesetzt, die die Forschungsaktivitäten der Empa in regelmässigen Abständen evaluiert.

2003 kommt die Nanotechnologie an die Empa. Die neue Abteilung «nanotech@surfaces» arbeitet an Nanostrukturen, Nanotubes als Elektronenquellen und quasikristallinen Schichten. In Dübendorf wird die Abteilung «Funktionspolymere» geschaffen.

2004 entsteht in Dübendorf eine weitere neue Abteilung: «Nanoscale Materials Science». Sie konzentriert sich auf die Entwicklung und Analyse von nanostrukturierten Oberflächen und Beschichtungen.

2005 gründet sie gemeinsam mit der Warsaw University of Technology und der AGH University of Science and Technology in Krakau die «International PhD School Switzerland – Poland», der inzwischen auch die ETH Zürich, die Jagiellonen-Universität Krakau und die Universität Warschau beigetreten sind. Diese Zusammenarbeit mit den neuen Mitgliedsstaaten der EU hat sich in der Zwischenzeit im Rahmen der so genannten «Kohäsionsmilliarde», dem Schweizer Beitrag zur EU-Osterweiterung, erheblich verstärkt, etwa über zahlreiche «Joint Research Projects» sowie gemeinsame Veranstaltungen wie die «Swiss-Polish Science & Technology Days», die 2010 erstmals in Warschau stattfanden.

Weitere Forschungsabteilungen werden ins Leben gerufen: «Werkstoff- und Nanomechanik», «Mechanical Systems Engineering», «Mechanics for Modelling and Simulation», «Biomaterials», «Materials-Biology Interactions», «Hydrogen & Energy» sowie «Festkörperchemie und -katalyse». 2006 entsteht das «Center for Synergetic Structures» als Public-Private Partnership der Empa und der Festo AG. Ziel ist es, neuartige, ultraleichte Tragstrukturen zu entwickeln.

2008 gründet die Empa den Business Inkubator «glaTec» in Dübendorf, der die Ansiedlung innovativer Jungunternehmen im Umfeld der Empa fördern und unterstützen soll. Er ist das Pendant zu «tebo», das seit 1996 an der Empa in St. Gallen besteht. Auch baut die Empa ihre Aktivitäten in der Photovoltaik deutlich aus. Ausserdem wird eine Zusammenarbeit mit dem japanischen National Institute for Materials Science (NIMS) vereinbart, das 2010 ein Verbindungsbüro im glaTec eröffnet.

2010 vereinbart die Empa mit Industriepartnern neue Partnerschaften in den Bereichen Brennstoffzellen, Medtech-Anwendungen und Mobilitätskonzepte. Ausserdem werden die Aktivitäten innerhalb der fünf «Research Focus Areas» auf die Kernaufgabe ausgerichtet, Forschung und Technologie in marktfähige Innovationen umzusetzen.

Weblinks[Bearbeiten]