Eidgenössische Volksinitiative «Für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern»

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Initiativskomitee bei der Einreichung der Initiative
Vorstand des Komitees

Die Eidgenössische Volksinitiative «Für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern» ist eine Volksinitiative gemäss Artikel 139 der Schweizer Bundesverfassung. Sie gelangte am 30. November 2008[1] zur Abstimmung und wurde von Volk und Ständen angenommen[2]. Sie wurde vom Initiativkomitee und Verein Marche Blanche im März 2006 mit 119'375 gültigen Unterschriften von Schweizer Stimmberechtigten eingereicht.[3] Sie verlangt, dass Verfolgung sexueller und pornografischer Straftaten an Kindern vor der Pubertät und die Strafe für solche Taten unverjährbar sind.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Initiativtext

Die Initiative fordert die Einführung des Artikels 123b in die Schweizer Bundesverfassung mit folgendem Inhalt:

Art. 123b (neu) Unverjährbarkeit der Strafverfolgung und der Strafe bei sexuellen und bei pornografischen Straftaten an Kindern vor der Pubertät.
Die Verfolgung sexueller oder pornografischer Straftaten an Kindern vor der Pubertät und die Strafe für solche Taten sind unverjährbar.

[Bearbeiten] Umsetzung

Der neue Artikel 123b der Bundesverfassung trat am 30. November 2008 mit der Annahme der Initiative in Kraft. Er muss jedoch noch durch eine Revision des Strafgesetzbuchs umgesetzt werden. Insbesondere müssen die unbestimmten Rechtsbegriffe «Kinder vor der Pubertät» und «sexuelle und pornografische Straftaten» konkretisiert werden. Daher hat die Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am 22. Dezember 2008 das Bundesamt für Justiz beauftragt, bis Anfang 2009 erste Vorschläge für die Umsetzung der Unverjährbarkeitsinitiative auszuarbeiten[4]. Im Februar 2009 fand eine Aussprache zwischen der Bundesrätin und dem Initiativkomitee statt[5].

[Bearbeiten] Abstimmungsergebnis

Resultate nach Ständen (Kantone)
    Ja (18 Stände) –     Nein (5 Stände)

Die Volksinitiative kam am 30. November 2008 zur Abstimmung.

Vorläufiges amtliches Endergebnis:[6]

Kanton Ja (%) Nein (%) Beteiligung
Kanton AargauKanton Aargau Aargau 94'662 (54.4 %) 79'285 (45.6 %) 45.7 %
Kanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell Ausserrhoden Appenzell Ausserrhoden 9'344 (51.9 %) 8'658 (48.1 %) 48.8 %
Kanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell Innerrhoden Appenzell Innerrhoden 1'976 (46.8 %) 2'245 (53.2 %) 39.4 %
Kanton Basel-LandschaftKanton Basel-Landschaft Basel-Landschaft 46'793 (54.0 %) 39'803 (46.0 %) 47.5 %
Kanton Basel-StadtKanton Basel-Stadt Basel-Stadt 31'251 (54.5 %) 26'095 (45.5 %) 51.1 %
Kanton BernKanton Bern Bern 145'299 (48.7 %) 152'981 (51.3 %) 42.7 %
Kanton FreiburgKanton Freiburg Freiburg 45'773 (55.0 %) 37'428 (45.0 %) 48.1 %
Kanton GenfKanton Genf Genf 42'009 (42.9 %) 55'857 (57.1 %) 43.3 %
Kanton GlarusKanton Glarus Glarus 5'539 (54.4 %) 4'642 (45.6 %) 40.4 %
Kanton GraubündenKanton Graubünden Graubünden 31'335 (53.6 %) 27'175 (46.4 %) 44.7 %
Kanton JuraKanton Jura Jura 12'704 (52.4 %) 11'531 (47.6 %) 48.8 %
Kanton LuzernKanton Luzern Luzern 59'956 (35.8 %) 57'759 (49.1 %) 48.1 %
Kanton NeuenburgKanton Neuenburg Neuenburg 21'642 (44.8 %) 26'655 (55.2 %) 46.0 %
Kanton NidwaldenKanton Nidwalden Nidwalden 6'423 (47.7 %) 7'046 (52.3 %) 46.4 %
Kanton ObwaldenKanton Obwalden Obwalden 5'549 (50.0 %) 5'546 (50.0 %) 47.5 %
Kanton SchaffhausenKanton Schaffhausen Schaffhausen 16'107 (57.8 %) 16'349 (42.2 %) 60.8 %
</Kanton Schwyz>Kanton Schwyz Schwyz 25'339 (57.8 %) 18'463 (42.2 %) 46.3 %
Kanton SolothurnKanton Solothurn Solothurn 41'091 (54.0 %) 34'940 (46.0 %) 45.2 %
Kanton St. GallenKanton St. Gallen St. Gallen 81'052 (57.5 %) 59'944 (42.5 %) 47.3 %
Kanton TessinKanton Tessin Tessin 46'234 (57.2 %) 34'576 (42.8 %) 40.1 %
Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau 37'525 (54.3 %) 31'592 (45.7 %) 45.9 %
Kanton UriKanton Uri Uri 5'310 (55.1 %) 4'328 (44.9 %) 38.9 %
Kanton WaadtKanton Waadt Waadt 79'587 (39.9 %) 119'880 (60.1 %) 51.0 %
Kanton WallisKanton Wallis Wallis 62'289 (56.5 %) 48'003 (43.5 %) 57.4 %
Kanton ZugKanton Zug Zug 17'737 (50.7 %) 17'243 (49.3 %) 50.0 %
Kanton ZürichKanton Zürich Zürich 233'696 (54.4 %) 195'734 (45.6 %) 52.0 %
Eidgenössisches Wappen Schweizerische Eidgenossenschaft 1'206'222 (51.9 %) 1'119'152 (48.1 %) 46.5 %

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. admin.ch: Neue Verjährungsregeln statt Unverjährbarkeit: die bessere Lösung; Abstimmung vom 30. November 2008 über die Unverjährbarkeitsinitiative
  2. admin.ch: Resultate [1]
  3. admin.ch: Eidgenössische Volksinitiative «für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern» zustande gekommen
  4. admin.ch: Umsetzung der Unverjährbarkeitsinitiative gestartet
  5. admin.ch: Aussprache über die Umsetzung der Unverjährbarkeitsinitiative
  6. Vorlage Nr. 535, vorläufige amtliche Endergebnisse - Schweizerische Bundeskanzlei, 30. November 2008
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen