Eierhäuschen

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Ansicht 2012
Ansicht 1960
Ansicht um 1896

Das Eierhäuschen war ein beliebtes Berliner Ausflugslokal gegen Ende des 19. Jahrhunderts und ist der Schauplatz eines Kapitels des Romans „Der Stechlin“ von Theodor Fontane. Es befindet sich am Rande des Plänterwalds direkt am Ufer der Spree.

Überreste einer slawischen Siedlung in unmittelbarer Nähe des Eierhäuschens belegen, dass diese Region an der Spree schon früh besiedelt war, doch die Geschichte des eigentlichen Ausflugslokals beginnt mit der Errichtung einer Ablage um 1820, zu der sich 1837 eine Schifferkneipe gesellte. Über die Entstehung des Namens des Lokals gibt es zwei Theorien: Entweder weil der Wächter der Ablage nebenbei Eier an die Spreeschiffer verkaufte, oder weil der Preis bei einem örtlichen Ruderwettbewerb aus einem Schock Eier bestand, wurde die Spreeschönheit so sonderbar benamst, wie es bei Fontane heißt.

1869 brannte das Restaurant erstmals ab. Der Pächter ließ es als Fachwerkbau neu errichten. Der Bau ging 1876 in den Besitz der Stadt Berlin über und brannte 1890 erneut ab. Nach Entwürfen von Karl Frobenius wurde die heute noch, wenn auch in marodem Zustand, existierende dritte Version 1890 bis 1892 gebaut. Typisch für den Landhausstil sind die Fachwerkelemente sowie der Turm mit einem Helm. Um die Jahrhundertwende bis nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war Wilhelm Andree der Inhaber des stets stark besuchten Lokals, das auch zur DDR-Zeit bis Anfang der 70er Jahre zu den beliebtesten Ausflugsgaststätten im Norden des Stadtbezirks Treptow zählte. Teile des Hauses waren zeitweilig Requisitenkammer des Fernsehfunks, das 1973 noch einmal teilrestauriert wurde und 1991 aufgrund der Abwicklung des VEB Kulturparks Plänterwald geschlossen wurde. Der Schausteller Norbert Witte aus Hamburg, nächster Käufer und Betreiber des Spreeparks, machte sich nach Insolvenz seines Unternehmens und anschließender Flucht nach Peru des Drogenschmuggels schuldig und konnte daraufhin auch nichts mehr für die Restaurierung des Eierhäuschens tun.

Als hinderlich für eine Reaktivierung des Eierhäuschens erweist sich die noch aus Zeiten des VEB Kulturparks fortbestehende Zuordnung der Gaststätte zur Liegenschaft Spreepark, obwohl sie außerhalb dessen Einzäunung liegt. Eine vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossene Herauslösung der Immobilie aus dem seit Ende 2001 insolventen Spreepark wurde seitens des Berliner Senats nicht umgesetzt, da man sich größere Vermarktungschancen für die Spreepark-Fläche erhofft.

Für das stark sanierungsbedürftige denkmalgeschützte Gebäude soll 2014 durch das Land Berlin und den Bezirk ein gemeinsames Nutzungskonzept mit dem landeseigenen Spreepark gefunden werden.[1] Mittlerweile wurden nach Übernahme des Spreeparks durch das Land Berlin erste Sicherungsmaßnahmen durchgeführt. Eine Sicherung des Daches soll noch 2014 erfolgen, weitere denkmalgerechte Sanierungsmaßnahmen ab 2015.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Volkmar Draeger: Wie geht's altes Haus?, Neues Deutschland Verlag und Druckerei, Berlin, 2006; „Wo sich Fontane sein Rührei munden ließ“ – Seiten 30–34, ISBN 3-9807073-7-7
  • Dana Schultze, Karin Manke: Streifzüge durch Treptow, Stapp Verlag Berlin, 1996, 3-87776-932-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eierhäuschen (Berlin) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alter Pächter räumt fristgemäß Spreepark im Plänterwald In: Berliner Morgenpost, 1. Mai 2014.
  2. Neues Leben fürs Eierhäuschen Auf: Rbb-online.de, 23. Juni 2014

52.48138888888913.494166666667Koordinaten: 52° 28′ 53″ N, 13° 29′ 39″ O