Eigenbeschuss

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Friendly Fire ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Friendly Fire (Begriffsklärung) aufgeführt.
Einer US-amerikanischen Boeing B-17 wird bei der Bombardierung Berlins durch einen Bombenteppich eines darüber fliegenden Flugzeuges die Höhenflosse zertrümmert

Eigenbeschuss (oft auch engl. friendly fire oder blue on blue) ist der irrtümliche Beschuss eigener oder verbündeter Streitkräfte in einer kriegerischen Auseinandersetzung.

Absichtlicher Beschuss von Vorgesetzten durch Untergebene wird als Fragging bezeichnet.

Ursachen[Bearbeiten]

Ursachen für Eigenbeschuss sind oft eine unzureichende Identifizierung des Ziels aufgrund schlechter Sichtbedingungen (wie Dunkelheit oder Witterungseinflüsse), Kommunikationsprobleme (wie falsche Parole), technisches oder menschliches Versagen. Auch die ballistische Streuung spielte früher eine Rolle: wenn die Kanoniere z.B. etwas weniger Pulver einfüllten, flog das abgeschossene Geschoss weniger weit. Auch im Ersten Weltkrieg hatten Soldaten Angst vor sogenannten „Kurzgängern“.[1]

Die Wirkung dieses fehlgeleiteten Beschusses wird auch als Begleitschaden oder Kollateralschaden bezeichnet.

Im Gefecht der verbundenen Waffen kam und kommt es vor, dass bei der Fernunterstützung von eigenen, in unmittelbarer Feindberührung stehenden Einheiten mittels Artillerie oder Kampfflugzeugen auch eigene Kräfte in Mitleidenschaft gezogen werden. Man kann versuchen abzuwägen, ob die Verluste der eigenen Verbände ohne diese Luft- oder Artillerieunterstützung nicht noch größer wären.

Historische Beispiele[Bearbeiten]

  • Während der Rosenkriege kam es in der Schlacht von Barnet (1471) zu einem dramatischen Eigenbeschuss unter den Truppen der Lancaster. Ein Emblem der Standarte des Earl of Oxford, ein silberner Stern, wurde mit der „Sonne von York“, einem Symbol der Feindarmee des Hauses York verwechselt, woraufhin das Kontingent von eigenen Langbogenschützen unter Beschuss genommen wurde.
  • Beim Unternehmen Wikinger 1940 verlor die deutsche Kriegsmarine zwei Zerstörer und 578 Besatzungsmitglieder aufgrund Bombardierung durch die eigene Luftwaffe. Ursache war eine ungenügende Kommunikation zwischen Luftwaffe und Kriegsmarine über die jeweils durchgeführten Operationen.
  • 1944 war die 30. US-Infanteriedivision an der der Operation Overlord beteiligt. Bei der Operation Cobra erlitt sie innerhalb von zwei Tagen 700 Opfer durch Friendly Fire (Näheres hier)
  • Bei der Schlacht im Hürtgenwald (1944/45) war die angreifende US-Artillerie in dem unübersichtlichen Gelände oft desorientiert; viele Soldaten der US Army starben durch friendly fire.[2]
  • Im Vietnamkrieg starben 18 % der 58.220 in Vietnam getöteten US-Soldaten durch friendly fire.[3] Auch viele der 153.303 verwundeten US-Soldaten erlitten ihre Verwundungen dadurch.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matti Münch: Verdun: Mythos und Alltag einer Schlacht, 2006, Meidenbauer Verlag, ISBN 978-3899755787, S. 265. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. G. Heinen: Das Wunder vom Hürtgenwald. In: welt.de vom 23. Juni 2001
  3. Spencer C. Tucker (Hrsg.): Encyclopedia of the Vietnam War, 2011, S. 393.
  4. Hannah Fischer, Kim Klarman, Mari-Jana Oboroceanu (Hrsg.): American War and Military Operations Casualties: Lists and Statistics. Bibliogov, 2012, ISBN 978-1-288-41404-8, S. 11.