Eigengrau

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Eigengrau, auch Eigenlicht oder Eigenrauschen (die deutsche Bezeichnung ist auch im englischen Sprachraum üblich), ist die Farbe, die man in völliger Dunkelheit sieht. Der Begriff wurde um 1860 von Gustav Theodor Fechner eingeführt.[1] Damals war aufgefallen, dass bei sehr großen wie bei sehr kleinen Helligkeiten die Empfindlichkeit des Auges von der Vorhersage des Fechnerschen Gesetzes abweicht.[2]

Eigengrau wird heller wahrgenommen als schwarze Objekte bei normalen Lichtbedingungen. Das liegt daran, dass bei der Wahrnehmung der Kontrast wichtiger als die eigentliche Helligkeit ist.[3] Zum Beispiel erscheint der Nachthimmel wegen des durch die Sterne hervorgerufenen Kontrastes dunkler als eigengrau. Eine reine Schwarzempfindung des Auges ist nur bei gleichzeitigem Kontrast zu einer Weißempfindung möglich, wie Ewald Hering 1874 beschrieb.[4]

Als Ursache des Eigengrau werden Aktionspotentiale des Sehnervs angesehen, möglicherweise verursacht durch eine Art Grundrauschen der Netzhaut, diese zufälligen Anregungen können nicht von denen unterschieden werden, die von Lichtteilchen herrühren.[5][6] Ursache könnten thermisch bedingte Isomerisierungen des Sehpigments Rhodopsin sein.[1][7] Es gibt aber auch andere Hypothesen.[1]

Die geringere Empfindlichkeit des Auges bei geringer Lichtintensität wurde von Hermann von Helmholtz auf die Fleckigkeit des Eigengraus zurückgeführt.[2]

Der Begriff Eigenrauschen wird auch in anderen Zusammenhängen, unter anderem in der Akustik, verwendet. Eine Analogie zum Eigenrauschen findet sich auch bei Photozellen, speziell beim Dunkelrauschen der Sensoren von Digitalkameras.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Jan Dirk Blom: A Dictionary of Hallucinations. Springer, 8. Dezember 2009, ISBN 978-1-4419-1223-7, S. 170–.
  2. a b Hermann vonHelmholtz: Die Störung der Wahrnehmung kleinster Helligkeitsunterschiede durch das Eigenlicht der Netzhaut. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, 1 (1890) (Online)
  3. Hans Wallach: Brightness Constancy and the Nature of Achromatic Colors. In: Journal of Experimental Psychology. 38, Nr. 3, 1948, S. 310–324. doi:10.1037/h0053804. PMID 18865234.
  4. Werner Backhaus, Reinhold Kliegl, John Simon Werner: Color Vision: Perspectives from Different Disciplines. Walter de Gruyter, 1. Januar 1998, ISBN 978-3-11-015431-3, S. 188–.
  5. Horace Barlow: Dark and Light Adaptation: Psychophysics.. In: Visual Psychophysics. Springer-Verlag, New York 1972, ISBN 0-387-05146-5.
  6. Horace Barlow: Retinal and Central Factors in Human Vision Limited by Noise. In: Vertebrate Photoreception. Academic Press, New York 1977, ISBN 0-12-078950-7.
  7. D. A. Baylor, G Matthews, K.-W. Yau: Two components of electrical dark noise in toad retinal rod outer segments. In: The Journal of Physiology. 309, 1980, S. 591–621. PMID 6788941. PMC: 1274605 (freier Volltext).