Ein himmlischer Sünder

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Filmdaten
Deutscher Titel Ein himmlischer Sünder
Originaltitel Heaven can wait
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1943
Länge 108 Minuten
Stab
Regie Ernst Lubitsch
Drehbuch Samson Raphaelson und Ernst Lubitsch
Produktion Ernst Lubitsch
Musik Alfred Newman
Kamera Edward Cronjager
Schnitt Dorothy Spencer
Besetzung

Ein himmlischer Sünder ist ein Spielfilm aus dem Jahre 1943. Die von Regisseur Ernst Lubitsch nach dem Theaterstück Geburtstag. Ein Lebensbild in 6 Kapiteln von László Bús-Fekete inszenierte Mischung aus Komödie, Drama und Liebesfilm mit Gene Tierney und Don Ameche in den Hauptrollen beschreibt das Leben des Lebemannes Henry van Cleve.

Handlung[Bearbeiten]

Henry van Cleve kommt in die Hölle und erwartet den Lohn seiner bedroom benevolences. Der Teufel rollt die Rückblende seines Lebens auf – einen amourösen Marathon, angefangen bei der französischen Gouvernante, die den Dreizehnjährigen verführt bis zu seiner großen Liebe Martha. Am Ende schätzt der Teufel Henrys lockeren Lebenswandel als belanglos ein und entlässt ihn in den Himmel.

Hintergrund[Bearbeiten]

Heaven can wait war der erste Farbfilm von Ernst Lubitsch und außerdem einer der letzten, denn bis zu seinem Tod drehte er nur noch Cluny Brown und Teile von That Lady in Ermine.

François Truffaut bemerkte in einem Essay über Lubitsch über dessen letzte Filme: „Wie alle Stilisierungskünstler fand Lubitsch zur Darstellungsweise der großen Märchenerzähler zurück“. Lubitsch selbst sah Heaven can wait als eine seiner Hauptproduktionen an, als einen Film, „der keine Botschaft hatte und keine Aussage welcher Art auch immer. Der Held war ein Mann, den es allein interessierte, gut zu leben, der nicht darauf aus war, etwas zu vollbringen oder etwas Edles zu tun“. Er habe gehofft, die Zuschauer würden einige Figuren liebenswert finden, und er hatte recht gehabt. Der Film wurde ein großer Erfolg und in den Kategorien für die beste Kamera (Farbe), die beste Regie und den besten Film für den Oscar nominiert. Wieder versteht es Lubitsch wunderbar, sein Publikum zu verführen und ihm den Spiegel des Voyeurs vorzuhalten. „Übrigens zeigte ich die Ehe in einem wahrheitsgetreueren Licht, als es sonst in Filmen geschieht, wo eine glückliche Ehe nur allzu oft als eine sehr langweilige und freudlose Heimchen-am-Herd-Affäre dargestellt wird“.

Die verharmlosende Darstellung des frivolen Lebenswandels eines sympathischen Sünders, der am Ende doch Einlass in den Himmel findet, war nach Meinung der Kirchenvertreter ein schlechtes Beispiel für die Moral des Publikums. „Heaven can wait“ spielte nebenher auch bewusst auf die Moralvorstellungen der 1940er Jahre in den USA an, obgleich versteckt in der Persiflage des Lebens und der Moral zur Jahrhundertwende.

Interpretation[Bearbeiten]

Henry van Cleve ist ein Leben lang strebend, aber auch ziemlich infantil um amouröse Abenteuer und seine Frau Martha bemüht. Er wird alt, aber nicht erwachsen, die Menschen um ihn herum sterben, indem sie zwischen zwei Einstellungen verschwinden. Zuletzt stirbt er selber wie ein Säugling und träumt sich mit der zur Nachtschicht eintreffenden Krankenschwester zu den Klängen eines Walzers in den Tod. Das aus der Perspektive des Grabes gezeigte Lieben und Werben aber eröffnet im Rückblick seines Lebens eine nahezu kosmische Einsamkeit. James Harvey nannte den Film sentimental – aber dies beschreibt nur die Figuren, nicht die Perspektive des Autors. Der Teufel lobt Henrys unermüdliches Rackern. Don Ameche, der intelligente Hauptdarsteller des Films, fand das alles erschreckend: „Er sagt doch, dass ein Mensch, der ein so zügelloses und egoistisches Leben geführt hat wie dieser Henry van Cleve schließlich doch in den Himmel kommt“.

Lubitsch beschreibt hier die eleganteste Variante seiner frechen Helden aus den Berliner Filmpossen, er bewundert den großen Egoisten, der weiß, wie man glücklich ist und glücklich macht. Henry nämlich lebt im schlimmsten neuenglischen Puritanermilieu, sein schleimiger Vetter, seine hasserstarrten Schwiegereltern sind die Maßstäbe, an denen er gemessen werden muss und vom Teufel gemessen wird. Peter Bogdanovich schreibt in Bezug auf Heaven can wait über Lubitsch in seinem Buch Hollywood: „Lubitsch hatte die einzigartige Begabung, dem leichtesten Stoff Gewicht und Nachhall zu geben weit über den Inhalt hinaus. Aus einer lächerlich einfachen und anspruchslosen Geschichte vom Leben und Sterben eines ziemlich unbedeutenden Mannes macht Lubitsch ein bewegendes Zeugnis unserer täglichen Oberflächlichkeiten und Eitelkeit, unserer Krisen und Unbesonnenheiten und unserer tiefen Verletzlichkeit der eigenen Schönheit. Das ist Lubitschs ‚Göttliche Komödie‘, und niemand sonst ist je so behutsam und bedacht mit den menschlichen Schwächen umgegangen. Als der Held des Films hinter einer natürlich geschlossenen Tür stirbt, zieht sich Lubitschs Kamera langsam zurück, um einen Ballsaal zu erfassen, und einen alten Walzer, den der Mann liebte, erklingt. – Ein Mensch ist gestorben, es lebe der Mensch!“

Kritik[Bearbeiten]

Lexikon des Internationalen Films: „Ein geistreiches, fantastisches Kinomärchen von zurückhaltender Eleganz und außergewöhnlichem Charme, das zugleich Gesellschaftsleben und Gesellschaftsmoral um die Jahrhundertwende persifliert. Vor allem auch dank der pointierten Dialoge und der hervorragenden Farbdramaturgie ein Genuß von zeitloser Wirkung.“[1]

Medien[Bearbeiten]

DVD[Bearbeiten]

  • Ein himmlischer Sünder. Twentieth Century Fox Home Entertainment 2005

Literatur[Bearbeiten]

  • László Bús-Fekete: Geburtstag. Ein Lebensbild in 6 Kapiteln. [Unverkäufliches Bühnenmanuskript.] Georg Marton, Wien, Berlin und London 1935, 105 S.
  • Herta-Elisabeth Renk: Ernst Lubitsch. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1992, ISBN 3-499-50502-9

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ein himmlischer Sünder im Lexikon des Internationalen Films