Einbauküche

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Einbauküche, wie sie seit den späten 1960er Jahren konzeptionell nahezu unverändert ist

Als Einbauküche wird die Möblierung des Raumes einer Küche in Privathaushalten mit in Größe und Funktion standardisierten Küchenmöbeln bezeichnet. Die Küchenzeilen der Einbauküchen lösten im 20. Jahrhundert in westlichen Ländern die vorher dominierende Möblierung mit Einzelmöbel (Herd – der ggf. auch die Heizung bildete, Schrank, Ausguss) ab. Als Vorteil der Einbauküche gelten eine rationellere Gestaltung der Arbeitsabläufe und vor allem eine bessere Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Raumes. In jüngerer Zeit gibt es jedoch auch eine gegenläufige Rückkehr zu Einzelmöbeln, der so genannten Modulküche.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste „Frankfurter Küche“ wurde ab 1926 gefertigt
Küchenzeile der 1950er Jahre
Die Küche im Bonner Kanzlerbungalow, rechts die von der Großküche inspirierte Kochinsel

Unter rationellen Gesichtspunkten gestaltete Küchen gab es bis ins 20. Jahrhundert vor allem in der Reisegastronomie, beispielsweise in Zeppelinen und Speisewagen. In Privathaushalten hatte die Küche keinen großen Stellenwert, anders als beispielsweise das Herrenzimmer oder der Salon. Die Ausstattung der Küche war meist marginal und zusammengewürfelt.

In Christine Fredericks Buch Rationelle Haushaltsführung von 1921 werden erstmals anhand eines Fadenmodells die Wegstrecken (damals „der Frau“) in der Küche dargestellt. Nach Ausmessen der Wegstrecken ergab sich die optimale Anordnung der Küchenelemente.[1]

Als Prototyp der heutigen Einbauküchen gilt die 1926 von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfene Frankfurter Küche. Sie war für einen Raum von nur 6,5 m² konzipiert und durch eine Schiebetür vom Wohnraum getrennt. Der Abstand zwischen dem Herd – der bereits einen Abzug besaß – und dem Esstisch betrug nur drei Meter, und die zu putzenden Flächen wurden auf ein Minimum reduziert. Als Oberfläche wurde unempfindlich gestrichenes Buchenholz verwendet, die Arbeitsfläche war aus Linoleum. Die Frankfurter Küche wurde innerhalb von vier Jahren in rund 10.000 Wohnungen und einer unbekannten Anzahl von Einzelhäusern eingebaut. Insbesondere im Ausland vielbeachtet und zum Vorbild erklärt, wurde die Küche aus Frankfurt im Inland weitestgehend ignoriert. Etablierte Küchenanbieter setzten weiterhin auf repräsentative Küchenbüffets. Erst nach 1945 setzte sich die Einbauküche in Deutschland durch.

Die Frankfurter Küche fand größere Verbreitung in Deutschland als „Re-Import“, denn Vorbilder der Einbauküche waren das Schweizer Mass-System sowie die Schwedenküche. Beide hatten auf die Frankfurter Küche als Ursprung. Die Entwicklung der schwedischen Einbauküche begann in den 1930er Jahren, der erste Küchenstandard wurde 1950 beschlossen und baute auf das Grundmodul 60 × 60 cm. In den folgenden Jahren entwickelten Architekten wie F.W. Dassbach verschiedene Standardaufbauten wie z.B. die Sozialwerkküche, die u.a. im sozialen Wohnungsbau Verwendung fanden. Die knappe und monofunktionale Grundrissgestaltung von Küchenräumen in Wohnungsneubauten – die Abkehr von der Wohnküche – machte andere als Einbauküchen nahezu unmöglich. Anders als die Frankfurter Küche wird seitdem meist auf günstige Werkstoffe wie Spanplatte und MDF gesetzt, die Fronten und Arbeitsflächen sind mit laminierten Materialien versehen, wie z.B. Resopal. Diese garantieren ein leichteres Reinigen. Als Bautiefe setzte sich das aus Schweden bekannte Maß durch. In der DDR dagegen galt eine geringere Tiefe als Standard. Auch die Breite der Elemente beträgt in der Regel 60 Zentimeter; für beengte Platzverhältnisse gibt es auch Sondergrößen.

Ab den 1970er Jahren findet der handwerkliche Begriff „Werkbank“ im Bereich der Küche Anwendung, und wird in einer Quelle als Synonym eines Vorbereitungstischs verwendet.[2], die MD-Interior bezeichnete ein italienisches Modell als „Werkbänke und Werkzeugschränke für die Küche“.[3]

Ab den späten 1980er Jahren setzt einerseits ein Trend zur offenen Küche amerikanischen Typs ein, sowie in den 1990er Jahren zur „Modulküche“. Bei dieser spielt das Vermeiden von Freiräumen und Lücken, sowie das Verstecken von Funktionen und Geräten (wie z.B. Hauben) keine große Rolle mehr.

Aufbau[Bearbeiten]

Bei Einbauküchen handelt es sich in der Regel um vorproduzierte Standardteile, die auf das Bedarfsmaß hin ausgewählt werden, dies gewährleistet eine effiziente Kostenstruktur.

Typisch sind Hoch- und Unterschränke, oft mit einem sogenanntem Fliesenspiegel dazwischen, und eine Elementtiefe von 60 Zentimetern.

Abweichend sind Möbel und sogar Elektrogeräte wie Herde und Spülmaschinen auch in geringerer Breite (meist 45 cm) erhältlich. Einige Küchenplanungen realisieren auch Arbeitstiefen von 65 bis 70 cm, damit Vorwandinstallationen leichter in die Küchenzeile zu integrieren sind.

In der Schweiz sind Elementbreiten von 55 Zentimeter nach wie vor weit verbreitet und gebräuchlich („CH -Norm“).

Als „grifflose Küche“ bezeichnet man eine Küche, deren Ausschübe und Türen keine Griffe haben, sondern eine durchgehende Griffleiste.

Materialien[Bearbeiten]

Eine „grifflose“ Einbauküche aus Edelstahl, hier eingesetzt als Gartenküche

Noch die Frankfurter Küche war aus diversen Hölzern, der Hängeschrank hatte große Scheiben und die Schütten waren aus dem damals teueren Material Aluminium. Auf günstige Ersatzstoffe wurde verzichtet. Von den 1930er Jahren bis in die 1950er Jahre wurden Stahlküchen beworben, sie konnten sich nicht gegen die günstigeren Spanplattenküchen durchsetzen.

Seit der Nachkriegszeit sind Einbauküchen hingegen meist aus dem günstigen Material Spanplatten. Fronten sind furniert, foliert, laminiert oder lackiert oder in jüngerer Zeit mit Metallblech und -folien beklebt. Türen sind manchmal auch aus Massivholz oder aus Aluprofilen mit Glaseinsatz. Die Rückwände und Rückseiten sind meist unbehandelt, so dass hier ebenso wie an Kanten Feuchtigkeit und Dämpfe ihre Spuren hinterlassen können.

In einer Untersuchung von Öko-Test im Jahr 2004 über die Belastung eingesetzter Holzwerkstoffe und deren Klebstoffe in Küchen, wurde der Hersteller Bulthaup mit „befriedigend“ bewertet, gleichauf mit Poggenpohl und besser als SieMatic, die „ungenügend“ bekamen.[4] Grenzwerte können an einer Platte eingehalten sein, ist nun eine große Menge der Platten verbaut, atment man trotzdem eine große Menge der Schadstoffe ein.[5]. Im Vertrieb (z.B. Küchenhaus oder Katalog) findet sich in der Regel keine Angabe der Inhaltstoffe.

Ein Anbieter verzichtet vollkommen auf Holzwerkstoffe und verwendet zum Bau der Einbauküchen zwei Edelstahlsorten.[6].

Als Trend wird immer wieder auch auf exotische Materialien zurückgegriffen, wie etwa GFK, Keramik, Beton oder sogar Textilien.

Haushaltsküchenmarkt in Deutschland[Bearbeiten]

Anders als etwa der Möbelmarkt im allgemeinen, wo auch viele kleinere Anbieter tätig sind, wird der Markt der Einbauküchen von wenigen Großanbietern bestimmt, die bis zum Transport einen Großteil der Wertschöpfungskette abgreifen. Fast jede dieser Anbieter hat im Wettbewerb zahlreiche kleinere Konkurrenten geschluckt, die manchmal als Marke weitergeführt werden. Die Marken erfüllen dann den Zweck ein nahezu identisches Produkt in verschiedenen Marktsegmenten anzubieten (z.B. in einem Möbelmitnahmemarkt und in einem „Küchenstudio“). IKEA bietet seine Küchen als komplettzerlegte Bausätze an.

Auf allen Vertriebswegen sind zwei Eigenschaften anzutreffen: Einerseits die hohe Rabatte oder Staffelrabatte auf zuvor hoch angesetzten Listenpreisen, andererseits die kostenlose Konfiguration, welche als „individuelle Planung“ bezeichnet wird. Als „Planer“ fungieren in der Regel Einzelhandels-Vertriebsmitarbeiter.

Die größten Haushaltsküchenanbieter in Deutschland 2012, nach Umsatz
Unternehmen Sitz Konzernumsatz Mitarbeiter
nobilia Verl 897,9 Mio. Euro 2.446
Alno
mit Gustav Wellmann, Enger und
Pino-Küchen, Coswig-Klieken
Pfullendorf 715,3 Mio. Euro 1.926 (nur Alno)
Häcker Küchen Rödinghausen 383 Mio. Euro >1.000
Nolte Küchen Löhne 285 Mio. Euro 1.100
Schüller Herrieden 230 Mio. Euro 1.170
Bauformat Küchen
mit Burger Küchenmöbel, Burg (bei Magdeburg)
Löhne 172 Mio. Euro 759
Poggenpohl Herford 128 Mio. Euro 500

Anmerkung: Es ist anzunehmen, dass IKEA und Bulthaup-Küchen, welche in dieser Liste nicht aufgeführt sind, ebenfalls sehr große Umsatzzahlen mit Einbauküchen erzielen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mensch nach Maß? – Von DIN-Normen & Körpergrößen, Script zur WDR-Sendereihe Quarks&Co, PDF
  2. Einigkeit: Zentralorgan der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Nr. 29/1978 S. 23
  3. Bezogen auf eine Küche von "Alberti Cucine di Alberti A & F, s.n.o, Bovisio Masciago", MD. Moebel interior design, Nr. 28/1982
  4. http://www.greenpeace-magazin.de/magazin/archiv/3-08/kolumne/
  5. http://www.badische-zeitung.de/haus-garten-2/wenn-die-neue-einbaukueche-zum-himmel-stinkt--43781882.html "Wenn die neue Einbauküche zum Himmel stinkt" in: Badische Zeitung
  6. Info auf http://www.8linden.de/edelstahl.html auf der Website von 8Linden Edelstahlküchen, Zugriff am 28. November 2012