Einfamilienhaus

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Ein Einfamilienhaus mit einer freistehenden (überbauten) Garage
Individuelles Einfamilienhaus in zeitgenössischer Architektur
Typisches US-amerikanisches Einfamilienhaus

Ein Einfamilienhaus, auch Einfamilienwohnhaus oder Familienhaus, ist ein Gebäude, das als Wohnhaus für eine Familie (allgemeiner für eine überschaubare Gruppe von Menschen, die einen gemeinsamen Haushalt führen) dient und eine Wohneinheit enthält. Es gehört damit zu den Gebäuden mit nur einer Nutzungseinheit.

Einfamilienhäuser stehen in der Regel im Eigentum des Nutzers und werden dann auch Eigenheim genannt. Ein Eigenheim stellt eine Variante des Wohneigentums dar. Seltener werden Einfamilienhäuser vom Eigentümer an einen anderen Nutzer vermietet.

Heute wird der Begriff Einfamilienhaus der sozialen Realität nicht mehr wirklich gerecht, auch in Einfamilienhäusern findet Wohnen jenseits der Familie statt, beispielsweise für Wohn- oder Lebensgemeinschaften. Der Gegensatz ist das Mehrfamilienwohnhaus , in städtischer Bebauung das Mehrparteienmiethaus.

Typen[Bearbeiten]

Der verbreitetste Typ ist das Reihenhaus, gefolgt von der Doppelhaushälfte und dem freistehenden Einfamilienwohnhaus. Eine weitere Form sind Hof- oder Atriumhäuser, beispielsweise die Hofhäuser moderner Teppichsiedlung und das altrömische Atriumhaus.

Ein Einfamilienwohnhaus kann eingeschossig als Bungalow oder mehrgeschossig ausgeführt sein.

Von einem Einfamilienhaus spricht man auch, wenn ein Gebäudekomplex vorliegt und sich darin zwei Wohneinheiten befinden, wovon eine Einliegerwohnung ist. Unerheblich ist es, ob das Gebäude über zwei getrennte Eingänge verfügt oder Haupt- und Einliegerwohnung im Gebäudeinneren voneinander getrennt sind. Entscheidend ist, ob die zweite Wohnung (Einliegerwohnung) gegenüber der Hauptwohnung von untergeordneter Bedeutung ist. Dies ist dann der Fall, wenn die Einliegerwohnung weniger als 80 % der Wohnfläche der Hauptwohnung umfasst.

Freistehende Einfamilienhäuser gibt es in unterschiedlicher Größe und unterschiedlichem Ausstattungs-Standard, beispielsweise als einfaches Siedlungshaus innerhalb von Kleinsiedlungsgebieten, als aufwändig ausgestattete Villa oder als Landhaus.

Einen Sonderfall stellen Ferien- und Wochenendhäuser dar. Sie werden oft nicht zu den Einfamilienhäusern gerechnet, zumindest wenn sie nicht ständig bewohnt werden bzw. nicht üblichen Wohnansprüchen genügen. Die Einliegerwohnung wird in geeigneten Gebieten auch für Urlaubervermietung bereitsgestellt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des Einfamilienhauses ist vergleichsweise neu. Vor der Industriellen Revolution war das Bauern- oder Bürgerhaus der übliche Wohnort für den größten Teil der Bevölkerung. Hier fand Wohnen und Arbeiten unter einem Dach statt. In der Hausgemeinschaft wohnten in der Regel nicht nur die Kleinfamilie, sondern oft auch Mitarbeiter des Betriebs oder weitere Verwandte ("Ganzes Haus" statt Kleinfamilie).

Vorläufer des heutigen Einfamilienhauses sind die Villenbauten der Antike und der Renaissance. In Anlehnung daran entstanden zunächst im 19. Jahrhundert mit der Herausbildung der bürgerlichen Kleinfamilie großbürgerliche Villen. Der Ursprung des Einfamilienhauses leitet sich nun zum einen von diesen Villen des Großbürgertums des 19. Jahrhunderts mit historisierenden oder klassizistischen Stilelementen und zum anderen vom Einfluss der Gartenstadtbewegung des Briten Ebenezer Howard zur Jahrhundertwende ab.

Die Verbreitung hat mit der Etablierung bürgerlicher Lebensformen auch in nicht-bürgerlichen Milieus zu tun. Es kam zur Trennung von Arbeiten und Wohnen, Wohnen wurde als intimer Rückzugsraum gesehen und es entstand das Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie in eigener abgeschlossener Wohnung mit selbstbestimmter Freizeitgestaltung. EIne erste Welle entstand durch Kriegesiedlungen nach dem Ersten Weltkrieg. Der große Boom des Einfamilienhausbaus fand mit dem Bedarf und den Möglichkeiten in den 1960er Jahren nach Abschluss der Nachkriegsjahre statt. In dieser Zeit konnten sich auch ein großer Anteil an Menschen aus den Arbeiter- und Angestelltenmilieus den Traum vom Einfamilienhaus verwirklichen, häufig mit hohem Eigenleistungsanteil.

Architektur[Bearbeiten]

Typische Einfamilienhäuser für Großbritannien und Irland

Einfamilienhäuser entstammen häufig individuellen Vorstellungen der Bauherrn und Nutzer ohne individuellen und ausgearbeiteten Entwurf eines Architekten oder als in ganzen Serien hergestellte Häuser, die nur einmal als Prototyp oder Musterhaus entworfen wurden. Das Einfamilienhaus ist auch immer wieder eine Herausforderung für Architekten, insbesondere wo es aus verschiedenen Gründen von Stadtplanern und Stadtsoziologen immer wieder kritisiert wird. Das Thema Einfamilienhaus, einschließlich seiner Vorläufer, hat zudem eine lange Tradition in der Baugeschichte.

Schon in der Antike waren in Form der römischen Villa und des römischen städtischen Atriumhauses dem Einfamilienhaus nahekommende Bauaufgaben ein wichtiges Thema für Architekten. In der Renaissance taucht das Thema Villa für Architekten wieder auf - seit dem 19. Jahrhundert und in der Moderne verstärkt, und immer öfter im Sinne der heutigen Bedeutung des Worts Familie.

Die Häuser - als relativ überschaubare Bauaufgabe - wurden oft zu Anschauungsobjekten der jeweiligen Architekturauffassung. Einige Häuser wie das Rietveld-Schröder-Haus (1924, Gerrit Rietveld), die Villa Savoye (1928, Le Corbusier), die Villa Tugendhat (1930, Mies van der Rohe), Fallingwater (1937, Frank Lloyd Wright) wurden zu Architekturikonen der Moderne. Oft war es das eigene Einfamilienhaus des Architekten, das ihnen ermöglichte, eigene Ideen umzusetzen. So etwa beim Wohnhaus Eames (1949, Charles Eames), Vanna Venturi Haus (1964, Robert Venturi), Haus Gehry (1978, Frank O. Gehry) oder Haus R 128 (2000, Werner Sobek). Das Material Holz wird häufiger: In Bayern sind 17 Prozent der Häuser aus Holz.[1] Dies sind Ausnahmebauten der Architektur-Avantgarde. Ihr Einfluss auf die breite Masse der gebauten Einfamilienhäuser ist nicht quantifizierbar. Einfamilienhäuser in Mitteleuropa werden heute vor allem in Vorstädten errichtet. Das Erscheinungsbild ist je nach Umständen und Region unterschiedlich.

In Deutschland gibt oft ein Bebauungsplan oder eine Gestaltungssatzung begrenzende Gestaltungsvorgaben, in deren Rahmen sehr unterschiedliche Einzelgebäude von einzelnen Bauherren nach individuellen Architekturvorstellungen errichtet werden. So kann ein heterogenes Ortsbild entstehen. Die Spanne der Individualität reicht vom individuellen Architektenhaus, das genau auf die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse des Bauherren abgestimmt ist bis zum Fertighaus aus dem Katalog.

Die Alternative sind ganzheitlich geplante Siedlungen, bei denen alle Häuser eine gemeinsame Architektursprache haben. In Deutschland war dies als Gartenstadt und Arbeitersiedlung bis in die 1960er Jahre eine verbreitete Praxis. Das architektonische Extrem ist zum Beispiel in Großbritannien und Irland entstanden. Von Investoren werden ganze Straßenzüge und Siedlungen mit identischen Einfamilienhäusern bebaut und dann verkauft. Für Individualität ist dadurch kaum Raum und das Erscheinungsbild reicht von homogen bis trist.

Vorteile[Bearbeiten]

Ein wichtiger Vorteil im Vergleich zur Eigentums- oder Mietwohnung ist die größere Selbstbestimmtheit in Fragen der Gebäudegestaltung und Lebensführung, da durch die räumliche Distanz zum Nachbarn Störungen unwahrscheinlicher werden.

Am deutlichsten tritt dieser Vorteil beim freistehenden Einfamilienhaus zu Tage. Verglichen mit Doppelhaushälften und Reihenhäusern hat der Eigentümer hier die größte Gestaltungsfreiheit über Gebäude und Garten. Lediglich die Vorschriften der Landesbauordnungen und eventuell der Bebauungspläne geben gewisse Rahmenbedingungen vor. Einfamilienhaussiedlungen verbrauchen mehr Land als andere Siedlungsformen, jedoch wird ein Teil davon naturnaher genutzt als in verdichteten Bebauungen. Die Gärten dienen den Bewohnern zur Naherholung und bieten Tieren und Pflanzen Lebensraum.

Nachteile[Bearbeiten]

Durch die lockere Bebauung in ein- oder zweigeschossiger Bauweise steigt der Landverbrauch im Vergleich zur Zeilenbau- und Blockrandbebauung einerseits und zur mehr- oder vielgeschossigen Bauweisen andererseits deutlich an. Das gilt vor allem für freistehende Häuser. Mit Reihenhausbebauung kann die gleiche Dichte erzielt werden wie mit Geschosswohnungsbau gleicher Geschosszahl. Allerdings sind Reihenhäuser mit mehr als drei Stockwerken schwieriger nutzbar und daher eher selten, während im Geschosswohnungsbau die Stockwerkszahl des Gesamtgebäudes auf die Nutzbarkeit der einzelnen Wohnung kaum Einfluss hat. Daher sind Gebäude des Geschosswohnungsbaus mit sogar fünf und mehr Geschossen zumindest in Großstädten weit verbreitet.

Ein Bungalow hat den größten Flächenverbrauch für das Gebäude selbst. Dazu kommt der Bedarf für Garten und der Flächenbedarf für öffentliches versiegeltes Straßenland pro Wohneinheit, der erheblich höher als bei hochverdichteter Bauweise ist. Zudem ist der Aufwand an Erschließung für technische Infrastruktur höher.

Wohntraum Anteil
Einfamilienhaus 32 %
Energiesparhaus 13 %
Landhaus 8 %
Bungalow 7 %
Bauernhaus 7 %
Moderne Stadtwohnung 6 %
Penthouse 5 %
Villa 5 %
Doppelhaushälfte 3 %
Hof/ Mühle 3 %
Altbauwohnung 2 %
sonstiges 9 %

Öffentliches Interesse[Bearbeiten]

Durch politischen Willen wird der Bau von Einfamilienhäusern gegenüber innerstädtischen Großsiedlungen gesteuert, Steuerungsmittel sind beispielsweise Eigenheimzulage, Eigenheimrente und Eigenheimrate. Dabei treten die Interessen der Bevölkerung in unterschiedlichen Staaten mit den politischen Vorgaben und den Traditionen im Wohnhausbau mitunter in Gegensatz. Nach den Umfragen der interhyp[2] ergeben sich für Deutschland folgende Aussagen: Zwar ist für 99 % der Befragten Gesundheit wichtig, jedoch ist für 97 % eine attraktive Wohnung wichtig, was für 80 % in eigenen „vier Wänden“ möglich und für 91 % in Wohneigentum möglich ist. Auch wenn nur 23 % glauben, das sich das Wohneigentum realisieren läßt existieren Vorgaben für die gewünschte Architekturform.

Für die Einrichtung und Ausstattung des Eigentumhauses ergab diese Umfrage in den 2010er Jahren unter Deutschen: Einbauküche (81 %), Garten an der Immobilie (77 %), Gäste-WC (77 %), energiesparende Isolierung (74 %), Garage (73 %) und Kamin (58 %). Für das Wohnumfeld zeigten sich 82 % der Hausbesitzer mit der Immobilie im Grünen zufrieden, je 80 % bezeichneten die Nähe von Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten am Standort zufrieden, dagegen vermissen 43 % eine ergänzende soziale Umgebung, wie Vereine oder Schwimmbäder.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gert Kähler, Bettina Hintze: Die besten Einfamilienhäuser unter 1.500 Euro/m². Kostengünstig und effizient. Deutschland – Österreich – Schweiz. Häuser-Award 2006. Callwey, München 2005. ISBN 9783766716620.
  • Jürgen Schmitt, Jörg Dombrowski, Jörg Seifert, Thomas Geyer: Einfamilienhaus oder City? Wohnorientierungen im Vergleich. (Reihe Stadtforschung aktuell, Band 106.) VS-Verlag, Wiesbaden 2006. ISBN 9783531148540.
  • Manfred Sack, Bettina Hintze: Die besten Einfamilienhäuser. Deutschland – Österreich – Schweiz. Häuser-Award 2005. Callwey, München 2005, ISBN 3766716298.
  • Hannes Weeber, Simone Bosch: Nachhaltig gute Wohnqualität. Beispielhafte Einfamilienhäuser in verdichteter Bebauung. Fraunhofer-IRB-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3816764452.
  • Tilman Harlander (Hrsg.): Villa und Eigenheim – suburbaner Städtebau in Deutschland. DVA, Stuttgart/München 2001, ISBN 3421032998.
  • Christian Schittich: Im Detail: Einfamilienhäuser. Konzepte, Planung, Konstruktion. Birkhäuser, Basel/Berlin/Boston 2000. 3764363274.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Einfamilienhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Einfamilienhaus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Eigenheim – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Acht Stockwerke aus Holz begeistern Experten. welt.de, 19. September 2011, abgerufen am 12. November 2012
  2. VDI nachrichten, 13. Februar 2015, Nr. 7, Seite 28: Wie die Deutschen wohnen wollen.