Einjähriges Bingelkraut

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Einjähriges Bingelkraut
Einjähriges Bingelkraut, männliche Pflanze

Einjähriges Bingelkraut, männliche Pflanze

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Gattung: Bingelkräuter (Mercurialis)
Art: Einjähriges Bingelkraut
Wissenschaftlicher Name
Mercurialis annua
L.
Einjähriges Bingelkraut, weibliche Pflanze.
Mercurialis annua L ag1.jpg

Das Einjährige Bingelkraut (Mercurialis annua) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), die allerdings keinen Milchsaft enthält. Sie ist an nährstoffreichen Ruderalstellen nicht selten.

Beschreibung[Bearbeiten]

Es handelt sich um einjährige, krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 20 cm bis 50 cm, meist etwa 30 cm erreichen. Die vollkommen kahlen Pflanzen sind meist auf der ganzen Länge beblättert und verzweigt, wobei die Zweige meist steif nach schräg oben stehen. Der Stängel ist mehr oder weniger vierkantig. Die gesamte Pflanze ist hellgrün bis grasgrün, während das ähnliche Wald-Bingelkraut eher dunkelgrün ist. Die Laubblätter sind schmal eiförmig bis lanzettlich und am Rande stumpf gesägt.

Es sind meist, aber nicht immer zweihäusig getrenntgeschlechtige (diözisch) Pflanzen. Die Blüten der männlichen Pflanzen sitzen, zumeist in kleinen Knäueln angeordnet, in blattachselständigen Ähren, die allerdings die Laubblätter weit überragen. Die Blütenstände sind etwas länger und vielblütiger als beim Wald-Bingelkraut. Bei den weiblichen Pflanzen sitzen die Blüten in kleinen Knäueln in den Blattachseln. Die Einzelblüten sind unauffällig grünlich-gelblich und haben drei Blütenhüllblätter. Die Blütezeit beginnt in Mitteleuropa im Juni und geht bis in den Herbst.

Ökologie[Bearbeiten]

Das Einjährige Bingelkraut ist ei Therophyt, der bei uns nicht selten 2 Generationen pro Jahr bildet. Die Pflanze ist frostempfindlich. Die Art zeigt Geschlechtsdimorphismus d.h. die Geschlechter sind deutlich unterschiedlich; weibliche Pflanzen haben nämlich schmalere Blätter als die männlichen. Im Gegensatz zu Euphorbia-Arten hat die Pflanze keinen Milchsaft.

Die Blüten unterliegen der Windbestäubung, aber auch Insektenbestäubung kommt vor. Die Kelchblätter haben innen ein Schwellgewebe, bei ihrer plötzlichen, explosionsartigen Öffnung reißen die Staubbeutel ab und werden fortgeschleudert. Pro Pflanze wurden die beachtliche Zahl von 1,3 Milliarden Pollenkörner errechnet. Pollenkitt ist vorhanden, die Pollenkörner werden je nach Wind einzeln oder in Klumpen verbreitet. Die Blütezeit beginnt in Mitteleuropa im Juni und geht bis in den Herbst.

Der Botaniker und Mediziner R.J.CAMERARIUS (1665-1721) in Tübingen stellte im Jahre 1694 am Beispiel des Bingelkrauts über getrennte Kultur männlicher und weiblicher Pflanzen fest, dass es ohne das andere Geschlecht nicht zum Samenansatz kommt. Vor ihm hatte aber bereits der altgriechische THEOPHRAST für die Dattelpalme dasselbe vermutet.

Die Pflanze ist ein Austrocknungsstreuer, ihre Fruchtkapseln öffnen sich durch einen „Stoßmechanismus“, dabei werden die Samen bis 4 m weit fortgeschleudert. Weitere Ausbreitung der Samen erfolgt durch Ameisen. Die Samen sind langlebige Wärmekeimer. Auch Apomixis, also Samenbildung ohne Befruchtung wurde beobachtet. Fruchtreife beginnt ab Juli.

Verbreitung und Standortansprüche[Bearbeiten]

Das Einjährige Bingelkraut stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet, ist seit dem 16. Jahrhundert aber in Mitteleuropa und nach Norden bis Skandinavien eingebürgert. Auch in einige Gebiete Nordamerikas wurde es eingeschleppt.

Es wächst vor allem an stickstoffreichen, lehmigen und nicht allzu trockenen Ruderalstellen, beispielsweise als Unkraut in Gärten oder auf Äckern, oder auf Schuttplätzen. In Mitteleuropa ist es, außer in den Alpen, weit verbreitet.

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten]

Heilpflanze[Bearbeiten]

In der Antike und im Mittelalter wurden getrocknete Pflanzen der Art als Heilpflanze vor allem gegen Frauenleiden und gegen Verdauungsprobleme verwendet.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Dagegen ist das frische Bingelkraut schwach giftig und kann u.U. bei Weidevieh zu Vergiftungen führen.[1]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Werner Rothmaler (Begr.), Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen. 14. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2.
  • Otto Schmeil, Jost Fitschen (Begr.), Werner Rauh: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.
  • R. Düll/ H. Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder, 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Vorkommen, Wirkung, Therapie, allergische und phototoxische Reaktionen; neu: mit Sonderteil über Gifttiere. 5. erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86820-009-6, S. 495–496.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Einjähriges Bingelkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien