Einkommensverteilung

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Einkommensverteilung ist ein Maßstab, um den Wohlstand eines Landes zu beurteilen oder zwischen Ländern zu vergleichen. Einkommensverteilung bezeichnet

  • die Verteilung der Einkommen in einer Volkswirtschaft,
  • die Verteilung des Volkseinkommens auf Einkommensbezieher/Privathaushalte (personelle Einkommensverteilung),
  • die Verteilung der Erträge auf die Faktoren Arbeit und Kapital (funktionelle Einkommensverteilung)

Wirtschaftspolitik und Verteilungsgerechtigkeit berühren zudem die Frage, wie die Einkommen aus ökonomischen oder ethischen Gründen verteilt sein sollten. Ein Mittel hierfür ist die Umverteilung. Steuerungsinstrumente dieser Aufgaben der Wirtschaftspolitik, Steuerpolitik und der Sozialpolitik sind zu diesen Zwecken Transferleistungen, Subventionen, Steuerprogression und Sozialsysteme.

Personelle Einkommensverteilung[Bearbeiten]

Die personelle Einkommensverteilung zeigt, wie das Einkommen einer Volkswirtschaft auf einzelne Personen oder Gruppen (z. B. Privathaushalte) verteilt ist. Es können zwei Arten unterschieden werden:

Das verfügbare Einkommen entspricht dem Markteinkommen zuzüglich der Renten und anderer Transferzahlungen sowie geldwerter Vorteile[1] abzüglich der geleisteten Einkommensteuern und Vermögensteuern, Sozialbeiträge, monetären Sozialleistungen und anderer sonstigen laufenden Transfers (z. B. Solidaritätszuschlag). Wenn man die Haushalte oder Personen nach der Höhe ihres Einkommens aufsteigend ordnet, lässt sich an der Lorenz-Kurve ablesen, wie viel Prozent der Haushalte wie viel Prozent der Einkommen beziehen.

Abb1: Lorenzkurve

Die personelle Einkommensverteilung kann mittels verschiedener Ungleichverteilungsmaße zusammengefasst und anschließend analysiert werden. Die am häufigsten verwendeten Indikatoren sind der Gini-Koeffizient und Quantilverhältnisse. Zunehmend wird der Theil-Index angewendet.

Darstellung mittels Gini-Koeffizient[Bearbeiten]

Das häufigste Instrument zur Darstellung der Einkommensverteilung ist der Gini-Koeffizient. Der Wert 0 bezeichnet absolute Gleichverteilung (alle Personen besitzen gleich viel), der Wert 1 absolute Ungleichverteilung (eine Person besitzt alles, alle anderen nichts).

Je nach Statistik kann ein Land die unterschiedlichsten Gini-Koeffizienten der Einkommensverteilung haben; dies liegt an der Art der Berechnung. Angaben können nur dann gut für Vergleiche eingesetzt werden, wenn für alle Angaben die gleichen Berechnungsmethoden (die gleiche Quantilisierung, die gleiche Einkommensart usw.) angewandt wurden. Korrekterweise müsste zusammen mit dem Gini-Koeffizienten immer angegeben werden, welche Messauflösung ihm zugrunde liegt, denn die Ungleichheit innerhalb der Quantile wird nicht erfasst.

Darstellung nach Quantilen[Bearbeiten]

Aus der Datenbasis erhält man die Lohnhöhen, welche man sortiert und gleich großen Quantilen zuordnet. Anschließend werden die Summen der einzelnen Quantile gebildet. Oft verwendete und aussagekräftige Quantile sind dabei das zehnte, fünfzigste und neunzigste Quantil. Dabei stellt das fünfzigste Quantil den Medianwert dar, also genau die Lohnhöhe, die sich in den sortierten Löhnen in der Mitte befindet. Das zehnte Quantil gibt die Lohnhöhe an, die von 10 % der Beschäftigten nicht überschritten wird. Um die Ungleichverteilung zu beschreiben, werden die Summen der Quantile in Relation zueinander gesetzt. In der Literatur wird davon ausgegangen, dass die Lohnhöhen bis zum zehnten Quantil für die Gering- oder Unqualifizierten und die Löhne ab dem neunzigsten Quantil für die Hochqualifizierten stehen.

Vergrößert sich der Abstand zwischen den einzelnen Quantilen, spricht man von zunehmender Lohnspreizung, verkleinert sich deren Abstand, spricht man von Lohnkompression.

Einkommensverteilung in wichtigen Industrieländern[Bearbeiten]

Anwendung des Gini-Koeffizienten zur Bestimmung von Einkommensungleichheit (2009)

Entwicklung der Einkommensungleichheit seit Beginn des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Nach einer Studie der Ökonomen Anthony Atkinson, Thomas Piketty und Emmanuel Saez stellt sich die Einkommensentwicklung in wichtigen Industrienationen folgendermaßen dar:[2] Weltweit nahm die Einkommensungleichheit von 1910 zu 1992 zu.[3]Dabei nahm der Anteil der Super-Reichen am weltweiten Gesamteinkommen von 1910 bis 1970 ab, von 1970 bis 1992 zu.[4]

1910 bis 1970er Jahre[Bearbeiten]

In Großbritannien und den Vereinigten Staaten verdiente das Prozent an der Spitze der Einkommenspyramide 1910 rund ein Fünftel aller Löhne und Gewinne; die zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise halbierten den Anteil der Reichsten bis 1950. In Deutschland und Frankreich dagegen erhielt 1910 das reichste Prozent aller Einkommensbezieher rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung. Während der Nazi-Zeit in Deutschland wurden die Reichen wieder reicher. Sie gewannen während des Aufschwungs vor dem Krieg – viele auch durch die Enteignung jüdischen Vermögens – fünf Prozentpunkte hinzu. 1950 waren es in Westdeutschland noch elf, in Frankreich noch neun Prozent.

  • In den USA stieg zwischen 1947 und 1979 die Produktivität um 119 %, das Einkommen des unteren Fünftels um 122 %.

1970er Jahre bis heute[Bearbeiten]

Ab den 1970er Jahren nimmt die Einkommensungleichheit zu: Margaret Thatcher (Vereinigtes Königreich) und Ronald Reagan (Vereinigte Staaten) senkten die Einkommensteuern stark, beschnitten die Gewerkschaftsmacht und liberalisierten Arbeitsmärkte. Der Anteil sehr hoher Einkommen stieg stark. Dieser Prozess hielt in den 1990er Jahren unter Bill Clinton (USA) und Tony Blair (Großbritannien) an. Heute bekommt das oberste Prozent anteilig wieder so viel wie vor 100 Jahren. In den USA stieg zwischen 1979 und 2009 die Produktivität um 80 %, das Einkommen des unteren Fünftels ging um 4 % zurück, während in etwa demselben Zeitraum das Einkommen der oberen 1 % um 270 %. stieg.[5]

In Deutschland (Zahlen bis 1998) und in Frankreich hat auch dort der Anteil des obersten Prozents aller Einkommensbezieher zugenommen, verglichen mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg liegt sein Teil an der gesamten Wertschöpfung aber auf ähnlichen Niveau - weiterhin um 10 Prozent. [6]

Die OECD stellt 2014 fest, dass der Anteil des einkommensstärksten Prozent zwischen Anfang der 1980er Jahre und 2012 in fast allen OECD-Ländern stark zugenommen hat. Dass bis zu 47 % (wie in den USA) des Wachstum des Gesamteinkommens zwischen 1975 und 2007 an das einkommensstärkste Prozent gegangen ist, erkläre, dass die Bevölkerung eine Diskrepanz wahrnehme, die zwischen dem Wachstum insgesamt auf der einen und dem eigenen Einkommen auf der anderen Seite liegt. Dazu habe die Senkung der Spitzensteuersätze geführt, die 1981 im OECD-Mittel bei 66 % (Maximum bei 93 %, Minimum bei 48 %) gelegen habe, auf ein OECD-Mittel von 43 % im Jahr 2013 (Maximum bei 60 % und Minimum bei 15 %). [7] Hinzu kämen die Senkung weiterer Steuern, die insbesondere einkommensstarke Personen betreffen, geführt. Als Maßnahmen empfiehlt die OECD das Erhöhen der seit den 1970er Jahren stark gesenkten Spitzensteuersätzen und die Reduzierung von Steuervermeidung. [8] Die Daten basieren in großen Teilen auf der Top Income Database von Thomas Piketty, Anthony Atkinson und Emmanuel Saez.[9]

Nettoeinkommen[Bearbeiten]

Einen Vergleich der Ungleichverteilungen der Nettoeinkommen in 26 OECD-Ländern veröffentlichte für die Jahre 1985, 1995 und 2000 der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in einem Bericht zur Einkommensverteilung in Deutschland.[10] Von diesen Ländern hatte Dänemark im Jahr 2000 die geringste Ungleichverteilung (Gini-Koeffizient 0,22). Schweden folgte mit 0,24. Deutschland lag etwas unterhalb der Mitte mit 0,27. Die USA lagen oberhalb der Mitte mit 0,35. Die Spitzenplätze hatten die Türkei mit 0,44 und Mexiko mit 0,48.

verfügbare Einkommen[Bearbeiten]

Für die verfügbaren Einkommen der Haushalte liegt der Gini-Koeffizient in Deutschland bei 0,274 (2003), in Frankreich bei 0,327 (1995), in Großbritannien bei 0,360 (1999), in Japan bei 0,249 (1993) und in den USA bei 0,408 (2000). Die Daten basieren auf einer groben Aufteilung in vier Quartile.[11]

Auch nach den Daten eines Berichtes der ILO stieg die Einkommensungleichheit in den Industrieländern seit den 90er Jahren, auch in Ländern die traditionell durch staatliche Maßnahmen dem entgegenwirken, wie Frankreich.[12] Dies zeigt sich an der abnehmenden Lohnquote . Der Anteil der Einkommen der Unternehmen und großer Vermögen gegenüber der Lohnquote nahm zu. Ursachen hierfür waren schwache Gewerkschaften, sinkende Steuerquoten auf Kapital, steigende Steuerquoten auf Arbeit, die Globalisierung und der wachsende Einfluss der Finanzmärkte. Diese Ursachen führten zu dieser Umverteilung des Volkseinkommen. Zwischen 1999 und 2011 nahm die Arbeitsproduktivität mehr als doppelt so stark zu wie der Durchschnittslohn. Beispielsweise stieg in Deutschland die Produktivität in den letzten 20 Jahren um 25 %, die Reallöhne blieben hingegen gleich und sanken sogar zwischen 1999 und 2007.[13]

Dabei geht die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinander, die ärmeren Haushalte werden dabei immer ärmer. Nur 60 Prozent der Menschen in Deutschland gehören noch zur Mittelschicht.[14]

Einkommensverteilung in Deutschland[Bearbeiten]

Schwedisches Modell[Bearbeiten]

Einige skandinavische Länder haben im Vergleich zu Deutschland eine höhere Staatsquote; das gilt insbesondere für Schweden (siehe Folkhemmet, Schwedischer Wohlfahrtsstaat).

Die Einkommensumverteilung wurde etwas reduziert, da der Spitzensteuersatz nach der schwedischen Bankenkrise von 1990 bis 1992 gesenkt wurde. Das schwedische Steuerrecht hatte es bis dahin ermöglicht, die individuelle Steuerlast zu senken, indem bis zu 50 Prozent der Kreditzinsen vom zu versteuernden Einkommen abgezogen wurden. Daher gab es einen starken Anreiz Immobilien zu erwerben und diese hoch zu beleihen. Die konservative Regierung senkte neben anderen Änderungen daraufhin den Spitzensteuersatz auf 56,6 %.[15]

Folgen ungleicher Verteilung[Bearbeiten]

Ungleiche Verteilung der Einkommen wirkt sich ökonomisch, politisch, sozial, gesundheitlich und kulturell aus.

Ökonomische Folgen[Bearbeiten]

Nach Analysen des UNCTAD im Trade and Development Report 2012 wirkt sich eine Konzentration des Volkseinkommens in den oberen Einkommensschichten nachteilig auf das Entwicklungspotential einer Volkswirtschaft aus, da es das Wachstum der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schwächt. Außerdem schränkt es die Bildungschancen und die soziale Mobilität breiter Bevölkerungsschichten ein. Dem sollte durch Steuerreformen und eine gezielte Erhöhung von Sozialausgaben, sowie durch eine verbesserte Arbeitsmarktpolitik begegnet werden.[16]

Der IWF kommt in einer Studie zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Staaten, die nach Steuern eine geringe Ungleichheit aufweisen (d. h. in der Regel nach Umverteilung), weisen schnelleres und ausdauerndes Wirtschaftswachstum auf als Staaten, in denen eine hohe Ungleichheit herrscht. Generell hat Umverteilung (wie progressive Besteuerung, staatliche Investitionen im Gesundheitsbereich und der Bildung) positive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum (nur in extremen Fällen gibt es einige Hinweise, dass es negative Auswirkungen haben könnte).[17]

„Es wäre ein Fehler sich auf Wachstum zu konzentrieren und die Ungleichheit sich selbst zu überlassen, nicht nur weil Ungleichheit moralisch nicht wünschenswert ist, sondern auch weil ansonsten das resultierende Wachstum gering und nicht nachhaltig wäre.“

[18]

Politische und soziale Folgen[Bearbeiten]

Die Einkommensverteilung ist für die Wahrung des sozialen Friedens gesellschaftlicher Systeme von Bedeutung. Eine stark ungleiche Verteilung kann als ungerecht empfunden werden und zu sozialen Unruhen führen.

Ein Beispiel für den Versuch, kritische Ungleichverteilungsschwellen bei Markteinkommen zu ermitteln, gab He Qinglian[19] anhand des Gini-Koeffizienten: Ein Koeffizient von 0,3 oder weniger zeige eine deutliche Gleichverteilung an, 0,3 bis 0,4 sei der Bereich akzeptabler Normalität, 0,4 oder mehr werde für zu hoch gehalten. Über 0,6 gäbe es soziale Unruhen (Aufruhr, Revolte, Meuterei, Aufstand o. Ä.).

Die Akzeptanz von Ungleichverteilung wird auch von kulturellen Faktoren und von der Wahrnehmung bestimmt. Ungleichverteilungsmaße, die die Wahrnehmung von Ungleichverteilung mit einbeziehen, lassen sich in der Regel von Informationsmaßen ableiten. Auch gibt es Untersuchungen, die die Wertung von Ressourcen-Ungleichverteilungen durch Einzelpersonen erforschen.[20]

Gesundheitliche Folgen[Bearbeiten]

Ungleiche Verteilung von Einkommen kann eine Ursache für die Verschlechterung der Gesundheit und die Zufriedenheit in einer Gesellschaft sein, nicht nur bei den ärmsten einer Gesellschaft, sondern quer durch alle Einkommensschichten.[21]

Ursachen ungleicher Verteilung[Bearbeiten]

Einige Ökonomen führen relativ geringere Einkommen auf geringere Produktivität zurück, die auf geringere Qualifikation zurückgeführt wird. Demnach folge die Entlohnung nach dem Grenzwertprodukt. Als weitere Ursachen, die teilweise nicht in den Arbeitnehmern und ihren Fähigkeiten, sondern in den existierenden Institutionen liegen, werden diskutiert:

  • Erfahrung und Verantwortung der Arbeitnehmer beeinflusst die Lohnhöhe dahingehend, dass letztendlich die Unternehmung in der Lohnhöhe ein Instrument zur effizienten Gestaltung ihrer Produktionsprozesse sieht.
  • Ausbildungskosten und die daraus resultierende Bildungsprämie schlagen sich in der Regel in einem höheren Arbeitsentgelt nieder, da Investitionskosten der qualifizierten Arbeitnehmer sich auch nach gewisser Zeit auszahlen müssen.
  • Relative Knappheit oder Überangebot an benötigten Arbeitskräften führt zur Lohnanpassung der Unternehmen je nach Verfügungsgrad der Arbeitnehmer.
  • Unzureichende Qualitätsanpassung der Beschäftigten an das Arbeitsangebot vermindert wegen erhöhtem Einarbeitungsbedarf die Bereitschaft der Arbeitgeber, einen höheren Lohn zu zahlen.
  • Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Frauen beeinflusst die Lohnspreizung im unteren Einkommensbereich, da Frauen in der Regel mit gleichem Qualifikationsniveau geringer entlohnt werden als Männer.
  • Arbeitssparender technischer Fortschritt reduziert die Produktion arbeitsintensiver Güter und damit die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, an denen die Geringqualifizierten arbeiten könnten.
  • Bedeutungsverlust des Industriesektors durch Zunahme des internationalen Handels mit Niedriglohnländern führt zu einer Verringerung der niedrigqualifizierten Tätigkeiten, weil vor allem im Bereich des Industriesektors Arbeitsplätze für Nicht- und Geringqualifizierte zur Verfügung stehen.
  • Institutionelle Eingriffe in das Marktgeschehen durch Mindest- und Tariflöhne bewirken in der Regel eine Angleichung der Arbeitseinkommen der Qualifizierten und Geringqualifizierten, die Lohnspreizung stagniert bzw. komprimiert sich im Bereich der betroffenen Arbeitnehmer. Eine Reduzierung der Gewerkschaftsdichte und eine reale Senkung der Mindestlöhne bewirkt genau das Gegenteil. Die Lohnspreizung nimmt zu, da die Geringqualifizierten wieder nach ihrer Produktivität entlohnt werden.

Der jeweilige Anteil der Faktoren an ungleichen Löhnen ist umstritten.

Die Europäische Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung des Arbeitseinkommens das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen technologischem Fortschritt, Organisation des Arbeitsmarktes und in geringerem Maße anderen Triebkräften, etwa der Öffnung des Handels ist.[22]

Wesentlich für die Interpretation der Lohnspreizung ist die Tatsache, dass diese (ähnlich wie die Lohnquote) im Konjunkturverlauf spürbar schwankt. Ein Hauptgrund ist, dass die Einkommen der Beschäftigten in den oberen Quantilen weitaus höhere variable Gehaltsbestandteile beziehen, die mit der Gewinnsituation der Unternehmen schwankt. Weiterhin folgt die Anpassung der Tarifgehälter typischerweise dem Konjunkturverlauf mit einer zeitlichen Verzögerung. Hierdurch steigt die Lohnspreizung am Anfang eines Aufschwungs an, um am Ende des Aufschwungs wieder zu sinken.

Verringerung der Ungleichheit[Bearbeiten]

Eine verbesserte Bildung im Bereich der Niedrigqualifizierten gilt als geeignetes Mittel, um die Lohnspreizung zu reduzieren. Hierdurch reduziert sich die Spreizung der Qualifikation und Erwerbstätige mit geringer Qualifikation erwerben die Möglichkeit, in höhere Gehaltsstufen aufzusteigen. Zum einen sollen schwache Schüler soweit gefördert werden, dass sie einen Schulabschluss erreichen, zum anderen sollen möglichst viele Jugendliche eine Berufsausbildung erhalten. Da diese Maßnahmen ebenfalls geeignet sind, die Arbeitslosigkeit der betreffenden Gruppe zu verringern, sind Nutzen und Notwendigkeit dieser Maßnahmen unumstritten.

Auch in der Arbeitsmarktpolitik werden verschiedene Maßnahmen zur Verminderung der Lohnspreizung diskutiert. Beispiele sind die Subventionierung der Beschäftigung von Geringqualifizierten mittels eines Kombilohnes und die Einführung von Mindestlöhnen.[23]. Diese Maßnahmen werden in hohem Maße kontrovers diskutiert, da die Auswirkungen auf Beschäftigung und Wachstum unterschiedlich bewertet werden.

Funktionelle Einkommensverteilung[Bearbeiten]

funktionale Einkommensverteilung

Die funktionelle (oder funktionale) Einkommensverteilung zeigt, wie sich das Einkommen auf die Produktionsfaktoren (Arbeit, Human- und diverse Arten Sachkapital) verteilt. Kenngrößen wie die Lohnquote und die Gewinnquote zeigen die sektorale Verteilung des Volkseinkommens.

Siehe Hauptartikel Bruttonationaleinkommen

Wird aus dem Bruttonationaleinkommen der arithmetische Durchschnitt (= Arithmetisches Mittel) des pro-Kopf-Einkommen berechnet, ergibt sich aufgrund des Einflusses von Spitzeneinkommen häufig ein Betrag, den ein „Durchschnittsbürger“ als überraschend hoch empfinden mag. Darum wird zur Darstellung des durchschnittlichen Einkommens häufig der Median herangezogen. Alternativ dazu entwickelte Amartya Sen (später zusammen mit James E. Foster erweitert) die Wohlfahrtsfunktion.

In der Entwicklungshilfe ist die direkte Einkommensverteilung ein wichtiger Faktor, damit die Verluste auf dem Weg vom Zahler zum Empfänger gering bleiben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Texte[Bearbeiten]

Datenbanken[Bearbeiten]

Videos[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beispiele: der Staat zahlt für bestimmte Menschen Beiträge in die Rentenversicherung, weil diese die Beiträge nicht tragen können; bestimmte Menschen brauchen keine GEZ-Gebühr zu zahlen und haben dadurch einen geldwerten Vorteil
  2. http://elsa.berkeley.edu/~saez/atkinson-piketty-saezJEL10.pdf Atkinson, Piketty und Saez untersuchten den Anteil des reichsten Prozents aller Einkommensbezieher in den vergangenen 100 Jahren in 22 Ländern. Sie nutzten dafür Steuertabellen aus diesen Ländern. Aufsatz in der amerikanischen Fachzeitschrift "Journal of Economic Literature". Die Zahlen für Deutschland reichen leider nur bis 1998. vgl. The World Top Income Database
  3. http://elsa.berkeley.edu/~saez/atkinson-piketty-saezJEL10.pdf Atkinson, Piketty, Saez S. 11.
  4. http://elsa.berkeley.edu/~saez/atkinson-piketty-saezJEL10.pdf Atkinson, Piketty, Saez S. 11.
  5. http://www.freitag.de/politik/1145-das-grosse-wuerfelspiel
  6. Atkinson, Piketty, Saez
  7. http://www.oecd.org/els/soc/OECD2014-FocusOnTopIncomes.pdf S. 5
  8. http://www.oecd.org/els/soc/OECD2014-FocusOnTopIncomes.pdf S. 1
  9. http://www.oecd.org/els/soc/OECD2014-FocusOnTopIncomes.pdf S. 3; http://topincomes.parisschoolofeconomics.eu/
  10. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Entwicklung der personellen Einkommensverteilung in Deutschland (PDF; 7,8 MB), Internationaler Vergleich: S.444ff, 2006/2007
  11. United Nations Human Development Report 2004
  12. Claire Guélaud: Depuis 2004, les inégalités se creusent au profit des plus hauts revenus. Le Monde, 2. April 2010.
  13. ILO Globalwagereport 2012, Zusammenfassung S. 2 http://www.ilo.org/public/german/region/eurpro/bonn/download/gwr_2012zusam.pdf
  14. diw.de (2010): [1]
  15. Friedrich-Ebert-Stiftung: Fact Sheet Schweden (PDF; 115 kB) 11/2007
  16. http://unctad.org/en/PressReleaseLibrary/PR12031_ge_TDR.pdf
  17. Redistribution, Inequality, and Growth , April 2014, S. 4
  18. Redistribution, Inequality, and Growth, April 2014, S. 25 ("It would still be a mistake to focus on growth and let inequality take care of itself, not only because inequality may be ethically undesirable but also because the resulting growth may be low and unsustainable.")
  19. He Qinglian, Zhongguo Xiandaihua de XianJing (Die Fallen der Modernisierung in China, besprochen von Liu Binyan und Perry Link in New York Review of Books, 8. Oktober 1998); Der mit „akzeptabler Normalität“ klassifizierte Wertebereich korreliert mit dem für europäische Industriestaaten beobachtbaren Wertebereich der Ungleichverteilung von Markteinkommen.
  20. Yoram Amiel (Author), Frank A. Cowell: Thinking about Inequality: Personal Judgment and Income Distributions, 1999, Cambridge
  21. Jean-Michel Etienne, Ali Skalli, Ioannis Theodossiou: Do Economic Inequalities Harm Health? Evidence from Europe, in: Journal of Income Distribution, Volume 20, 3-4 (2011).
  22. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 2007, S.10
  23. Bofinger, Dietz et al., 2007, S. 85-112