Einojuhani Rautavaara

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Der junge Komponist in den 1950er-Jahren

Einojuhani Rautavaara Zum Anhören bitte klicken! [ˈɛi̯nɔjuhɑni ˈrɑu̯tɑvɑːrɑ]a a (* 9. Oktober 1928 in Helsinki) ist ein finnischer Komponist, der vor allem durch sinfonische Werke bekannt geworden ist. Er gilt als einer der bedeutendsten lebenden finnischen Komponisten.

Leben[Bearbeiten]

Rautavaara war der Sohn eines Opernsängers und kam so schon von Geburt an mit Musik in Berührung. Beide Eltern starben früh, der Junge wurde von einer Tante großgezogen. Er studierte in Turku Klavier und nach dem Abitur in Helsinki an der Jean-Sibelius-Akademie Musikwissenschaft und Komposition bei Aarre Merikanto. Jean Sibelius ließ Rautavaara 1955 ein Stipendium zukommen, das die Koussevitsky-Stiftung dem Neunzigjährigen zuerkannt hatte. Rautavaara konnte so an der Juilliard School of Music in New York bei Vincent Persichetti und am Tanglewood Music Center bei Roger Sessions und Aaron Copland studieren. Er graduierte 1957, danach folgte ein Privatstudium der Zwölftontechnik bei Wladimir Vogel in Ascona.

Nach diversen Tätigkeiten als Lehrer an der Jean-Sibelius-Akademie, als Bibliothekar und Archivar beim Philharmonischen Orchester in Helsinki und als Rektor am Käpylä Music Institute in Helsinki wurde er 1976 als Professor für Komposition an die Jean-Sibelius-Akademie berufen und wirkte dort bis 1990. Für sein kompositorisches Schaffen erhielt er zahlreiche in- und ausländische Auszeichnungen und Preise, u. a. den Wihuri-Sibelius-Preis und die „Pro Finlandia“-Medaille.

Werk[Bearbeiten]

Rautavaara im Jahr 2003

Das Harenberg Komponistenlexikon nennt Rautavaara „eine komplexe und widersprüchliche Erscheinung“.[1] Rautavaara begann in den 1950er Jahren neoklassisch in der Nachfolge Anton Bruckners, komponierte dann in den 1960er Jahren seriell, schlug 1969 im ersten Klavierkonzert neoromantische Töne an. Eine Reihe von Stücken der 1970er Jahre, so vor allem Cantus Arcticus, das berühmte Konzert für Orchester und Bandaufnahmen von Vogelstimmen, muten mystisch an. Seit den 1980ern Jahren verbindet Rautavaara postmodern alle Stilarten der Musik, die er beherrscht. Das Reihenverfahren der Zwölftontechnik verbindet er mit Dreiklang-Elementen.

Die romantisch-mystische Seite seines Schaffens führt Rautavaara auf zwei Kindheitserlebnisse zurück: Einen häufigen Traum, in dem er wie der biblische Urvater Jakob mit einem Engel kämpfte, und eine griechisch-orthodoxe Bischofsweihe, der er mit seinen Eltern beiwohnte. Das in seinen Werken immer wieder behandelte Thema des Engels hat seinen Ursprung außerdem in seiner Beschäftigung mit den Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke, deren „Erste Elegie“ er auch für achtstimmigen gemischten Chor vertont hat. Rautavaara geht davon aus, dass seine Kompositionen bereits in „einer anderen Realität existieren“ und es seine Aufgabe sei, sie von der einen in die andere Welt zu bringen: „Ich glaube fest daran, dass Kompositionen einen eigenen Willen besitzen.“[2]

Rautavaara ist zwar vor allem für seine sinfonischen Werke und seine Konzerte bekannt geworden, ist aber neben Aulis Sallinen auch der produktivste finnische Opernkomponist der Gegenwart. Meist schreibt er seine Libretti selber und verarbeitet in ihren wie in seinen Instrumentalwerken mystisch-romantische Themen: in Thomas sein Klostererlebnis, in Vincent das Künstlerdrama Vincent van Goghs, in Das Sonnenhaus Vergangenheitskult und Todesnähe, in Aleksis Kivi erneut ein Künstlerdrama, das Aleksis Kivis, des ersten in Finnisch dichtenden modernen Schriftstellers. Seine bisher letzte Oper behandelt die charismatische Figur Rasputins.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1952 Pelimannit (Spielleute/Fiedler) op. 1 (6-sätzige Suite für Klavier)
  • 1952 Streichquartett Nr. 1
  • 1956: Icons op. 6 (6-sätzige Suite für Klavier)
  • 1955/1998/2003: Sinfonie Nr. 1
  • 1957: Sinfonie Nr. 2
  • 1958: Streichquartett Nr. 2
  • 1960: Ludus verbalis (für Männersprechchor)
  • 1960: Lapsimessu (Kindermesse) für gemischten Kinderchor und Kammerorchester
  • 1961: Sinfonie Nr. 3
  • 1962: Sinfonie Nr. 4 Arabescata
  • 1968: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1
  • 1969: Klaviersonate Nr. 1 Christus und die Fischer (Titel im Original Deutsch)
  • 1969: Klavierkonzert Nr. 1
  • 1969: Etydit (Études) op. 42 für Klavier
  • 1970: Klaviersonate Nr. 2 The Fire Sermon
  • 1970/2006: April Lines for Violin and Piano
  • 1971/72: Vigilia All-Night Vigil in Memory of St. John the Baptist for mixed choir and five soloists
  • 1971: True and False Unicorn
  • 1971: Garden of Spaces (Tilatarha) for orchestra
  • 1972: Cantus Arcticus, Concerto for Birds and Orchestra
  • 1972/2008: Summer Thoughts for Violin and Orchestra
  • 1973: Flötenkonzert Dances with the Winds
  • 1973: Suite de Lorca
  • 1975: Streichquartett Nr. 4
  • 1977: Violinkonzert
  • 1977: Konzert für Orgel, Blechbläserquintett und Symphonisches Blasorchester Annunciatons
  • 1978: Angels and Visitations
  • 1980: Kontrabasskonzert Angel of Dusk
  • 1981: Playgrounds for Angels
  • 1982: The Myth of Sampo (Sammon ryöstö) for Male Chorus, Soloists and Tape based on the Epic Kalevala: Cantos 42, 43. (Libretto: Einojuhani Rautavaara)
  • 1985: Sinfonie Nr. 5 Monologues of Angels
  • 1985: Thomas (Oper)
  • 1987: Vincent (Oper)
  • 1989: Klavierkonzert Nr. 2
  • 1990: Auringon talo (Das Sonnenhaus) (Oper)
  • 1992: Sinfonie Nr. 6 Vincentiana
  • 1993: Die Erste Elegie (Rilke) für gemischten Chor
  • 1994: Sinfonie Nr. 7 Angel of Light
  • 1995: Isle of Bliss, Orchestral fantasia
  • 1997: Aleksis Kivi (Oper)
  • 1997: Streichquintett Les cieux inconnues
  • 1997: Adagio Celeste for String Orchestra
  • 1998: Klavierkonzert Nr. 3 Gift of Dreams
  • 1999: Autumn Gardens (für Orchester)
  • 2000: Konzert für Harfe und Orchester
  • 2000: Sinfonie Nr. 8 The Journey
  • 2001: Konzert für Klarinette und Orchester
  • 2003: Rasputin (Oper)
  • 2003/2005: Book of Visions (1. Satz: A Tale of Night, 2. Satz: A Tale of Fire, 3. Satz: A Tale of Love, 4. Satz: A Tale of Fate) (für Orchester)
  • 2005: Before the Icons
  • 2005: Lost Landscapes, für Violine und Klavier (1. Satz: Tanglewood, 2. Satz Ascona, 3. Satz: Rainergasse 11, Vienna, 4. Satz: West 23rd Street, NY)
  • 2007: A Tapestry of Life
  • 2008: Konzert für Schlagzeug und Orchester Incantations
  • 2008/09: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 Towards the Horizon
  • 2011: Missa a cappella
  • 2011: Into the Heart of Light (für Streichorchester)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harenberg Komponistenlexikon. Mannheim 2004. S. 749
  2. http://virtual.finland.fi/netcomm/news/showarticle.asp?intNWSAID=26170

Weblinks[Bearbeiten]