Einsatzleitung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Einsatzleitwagen des Katastrophenschutzes Basel-Landschaft, anlässlich Einsatzbesprechung (rechts Schadenplatzkommandant, links davon Führungsgehilfen)

Die Einsatzleitung ist eine Einrichtung der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben bei Schadensereignissen, um eine zielgerichtete Koordination aller Kräfte zu ermöglichen. Sie besteht aus einem verantwortlichen Einsatzleiter und seiner Führungsunterstützung.

Bildung, Aufbau/Struktur, Benennung, rechtliche Befugnisse und hierarchische Einordnung der Einsatzleitung unterscheiden sich je nach Organisation, Land und Verwaltungsebene.

Struktur[Bearbeiten]

Die Größe und Besetzung der Einsatzleitung ist neben gesetzlichen Vorgaben vor allem vom Umfang und den Aufgaben im Einsatz abhängig.

Im kleinsten Fall kann der Einsatzleiter auch alleine tätig werden. Bei typischem Einsatz in Zugstärke ist für die Unterstützung oft ein Zugtrupp vorgesehen (mit Einsatzleiter-Stellvertreter, einem Funker oder Melder). Bei flächendeckenden Großereignissen kann die Einsatzleitung eine Vielzahl an Personen mit (Teil-)Führungsaufgaben und Unterstützungskräften umfassen, zum Teil direkt vor Ort oder abgesetzt in rückwärtigen Führungsstäben.

Um fachlich fundierte Entscheidungen treffen zu können, können Sachverständige für das jeweils notwendige Fachgebiet hinzugezogen werden („Fachberater“). Üblich ist auch die Einbeziehung von Verbindungskräften zu anderen Behörden und Organisationen.

Zu den Fachberatern gehören Führungskräfte der eingesetzten Fachdienste bzw. Organisationen, Angehörige von weiteren öffentlichen Stellen und Ämtern (z. B. Bauamt, Gesundheitsamt, Stadtwerke), sowie technische Spezialisten (Chemiker, Statiker, Ingenieure etc.) und Vertreter eines Betriebes, der vom Schadensfall betroffen ist (z. B. Beauftragte eines Energieversorgungsunternehmens).

Aufgaben[Bearbeiten]

Pressesprecher einer Einsatzleitung

Zu den Aufgaben der Einsatzleitung gehören neben der taktischen Führung aller unterstellten Einsatzkräfte die Errichtung und die Kennzeichnung der eigenen Einsatzführungsstelle, die Absperrung des Einsatzgebietes, der Aufbau der Nachrichtenverbindungen, die Einrichtung eines Anlaufpunktes für alle Einsatzkräfte (Meldekopf), die Lagedarstellung, die Führung der Einsatzdokumentation (z. B. Einsatztagebuch), die Anforderung und Versorgung von Einsatzkräften.

Eine wesentliche Maßnahme ist die Unterteilung des Einsatzgebietes nach taktischen Gesichtspunkten („Ordnung des Raumes“) und die Schaffung von untergeordneten Führungsstrukturen, z. B. durch Einsatzabschnitte. Hierzu gehören auch spezielle Einrichtungen zur Einsatzbewältigung wie Bereitstellungsraum, Atemschutz- und Körperschutzsammelplatz, Dekontaminationsplatz und Behandlungsplatz.

Die Einsatzleitung veranlasst auch das Abschalten des elektrischen Stroms oder der Gaszufuhr bei den dafür zuständigen Firmen. Außerdem setzt sie Meldungen an die Leitstelle bzw. vorgesetzte Führungsstellen ab und sorgt für die Warnung der Bevölkerung (bei Austritt von Gefahrstoffen oder Verkehrsbehinderungen).

Auch die Öffentlichkeitsarbeit hat für einen Einsatz Bedeutung, wobei nicht nur die reine Information der Bevölkerung im Vordergrund steht, sondern damit verbunden auch die Bitte um Hilfen, Übermittlung von Warnungen und Hinweisen sowie die Darstellung der eigenen Leistungsfähigkeit. Die Einsatzleitung sorgt in diesem Sinne für eine abgestimmte Medienbetreuung durch eigene Pressesprecher.

Einrichtungen[Bearbeiten]

Besprechungsraum eines Einsatzleitwagens
vorbereiteter Stabsraum eines Landratsamtes

Bei kleinen Einsatzleitungen wird vorrangig ein Einsatzleitwagen verwendet, bei größeren sind oft mehrere Räume in mobilen Unterkünften (Zelte, Container) oder in festen Gebäuden (bis hin zu vorbereiteten Stabsräumen) notwendig.

Die Raumverteilung bei größeren Einsatzleitungen gliedert sich typischerweise in einen Stabsraum als gemeinsamen Arbeitsplatz für die Sachgebietsleiter und Unterstützungskräfte, einen Arbeitsraum für die Fachberater, einen Fernmelderaum sowie Sozialräume und Besprechungszimmer.

Vorauserkundung[Bearbeiten]

Das Emergency Response Team (auch: Incident response team) einer Organisation oder einer Behörde kann noch vor Eintreffen der eigentlichen Hilfskräfte eingesetzt werden, um den Umfang und die Einsatzorte der Hilfskräfte zu erkunden und in Zusammenarbeit mit bereits aktiven Helfern vorzubereiten. Dies trifft regelmäßig vor international zu koordinierenden Hilfseinsätzen zu. Diese Teams setzen sich neben Fachkräften entsprechend der Notlage vor allem aus Logistikern zusammen, die abschätzen können, wie weit die vorhandene Infrastruktur, z. B. eines Flughafens, noch genutzt werden kann.

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Wer konkret die Einsatzleitung am Schadensort innehat und welche Rechte damit verbunden sind, ist in Deutschland örtlich unterschiedlich geregelt (meist abhängig vom Bundesland).

Für die oberste behördliche Leitungsebene bei Großschadensereignissen oder Katastrophen ist die Bezeichnung „Stab des Hauptverwaltungsbeamten (Stab HVB)“, in Bayern die „Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK)“ gebräuchlich.

Die Ständige Konferenz für Katastrophenvorsorge und Bevölkerungsschutz [1] hat eine Rahmenempfehlung für eine Dienstvorschrift „Führung und Leitung im Einsatz (DV 100)“ herausgegeben. Diese Empfehlung ist in vielen Einsatzorganisationen durch eine bindende Vorschrift umgesetzt (z. B. als Feuerwehr-Dienstvorschrift 100[2]). Sie enthält allgemein anerkannte Regelung des Aufbaus und der Abläufe in einer Einsatzleitung.

Eine Unterteilung eines großen Stabes in Sachgebiete unterstützt eine koordinierte Vorgehensweise durch definierte Aufgabenzuteilung. Folgende Sachgebiete sind in solchen Stäben heute typisch:

Der Begriff „Technische Einsatzleitung (TEL)“ bezeichnet in manchen Bundesländern diese Stabsfunktionen und zugeordnete Fachberater, er ist jedoch nicht einheitlich geregelt. In Bayern übernehmen unterhalb der politisch-administrativen Ebene (Kreisverwaltung) die Unterstützungsgruppen Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) diese Aufgaben.

Der Vorläufer der heutigen Dienstvorschrift-Rahmenempfehlung und die Bildung von Führungsstäben mit der beschriebenen Sachgebietseinteilung geht auf den Katastropheneinsatz beim Brand in der Lüneburger Heide 1975 zurück. Damals traten erhebliche Mängel in der Koordination auf, die analysiert wurden, um zukünftig wirksamen Führungsstrukturen zu schaffen.

Situation in Österreich[Bearbeiten]

Im Allgemeinen wird in Österreich bei einem Feuerwehr-Einsatz stehts ein Einsatzleiter zusammen mit den übrigen Einsatzkräften zum Einsatzort entsendet. Dieser übernimmt die Einsatzleitung vor Ort, das heißt, er koordiniert die Kräfte an der Einsatzstelle und hält die Verbindung zu den Einsatzleitern anderer Einsatzorganisationen. Bei Einsätzen des Rettungsdienstes wird ein Einsatzleiter österreichweit nur bei Bedarf entsendet, so dass entweder der Leitstellendisponent bereits bei der Meldung des Einsatzes entscheidet, dass die Einsatzart und der -umfang einen Einsatzleiter vor Ort erforderlich machen, oder aber wenn die Einsatzkräfte vor Ort die Notwendigkeit einer örtlichen Einsatzleitung für nötig halten.

Strukturen, Aufbau und Befugnisse der Einsatzleiter der verschiedenen Organisationen variieren von Bundesland zu Bundesland und sind nicht einheitlich geregelt. Sowohl für Feuerwehr als auch Rettungsdienst gibt es aber Rahmenvorschriften seitens des Bundesfeuerwehrverbandes und des Roten Kreuz, die als Richtlinien dienen und über Organisationsgrenzen hinweg weithin Anwendung finden.

Besonderheiten im Rettungsdienst[Bearbeiten]

Anders als bei Feuerwehreinsätzen handelt es sich bei Einsätzen des Rettungsdienstes im Regelbetrieb um Ereignisse bei denen nur eine oder wenige Personen betroffen sind, ein Einsatzleiter wird deshalb nur zum Einsatzort entsendet, wenn von einer Vielzahl von Betroffen ausgegangen wird oder werden kann, wie zum Beispiel bei einem großen Verkehrsunfall, dem Brand eines Hauses, oder Ähnliches.

Die Funktion des Einsatzleiters im Rettungsdienst ist in Österreich unterschiedlich geregelt: Als größte Rettungsdienstorganisation setzt das Rote Kreuz in ganz Österreich in allen Rettungsbezirken rund um die Uhr sogenannte „Offiziere vom Dienst“ (OvD), auch „Dienstführende“ genannt, ein. Dies sind erfahrene Mitarbeiter die die Dienstaufsicht in einem Rettungsdienstbereich innehaben und gleichzeitig wenn erforderlich die Rolle des Einsatzleiters vor Ort übernehmen. Wenn in einem Bezirk mehrere Organisationen im Rettungsdienst tätig sind, so verfügt im Bedarfsfall meist jede Organisation über ihre eigene organisationsspezifische Einsatzleitung, teilweise werden Fahrzeuge und Mannschaften aber auch dem Einsatzleiter der größten Retungsorganisation im Bereich unterstellt (in Wien der Wiener Berufsrettung, in den Bundesländern dem Roten Kreuz).

Der Einsatzleiter des Rettungsdienstes ist vor allem für die logistischen Belange des Einsatzgeschens zuständig, er koordiniert Fahrzeuge, Personal, Material, sowie Nachforderungen und Abtransporte von Patienten. Für medizinische Belange wird bei besonders großen Schadenslagen bei denen mehrere (Not-)Ärzte zum Einsatz kommen auch ein leitender Notarzt eingesetzt, dieser bildet gemeinsam mit dem Rot-Kreuz-Einsatzleiter die Einsatzleitung Sanitätsdienst und ist dem Einsatzpersonal gegenüber in medizinischen Belangen weisungsbefugt. Ähnliche Systeme werden teilweise auch von anderen Einsatzorganisationen die Rettungsdienst in Österreich betreiben, wie zum Beispiel der Wiener Berufsrettung oder dem Arbeiter-Samariterbund, verwendet.

Gesamteinsatzleitung und (behördlicher) Führungsstab[Bearbeiten]

Am Einsatzort bilden die Einsatzleiter aller Organisationen vor Ort die sogenannte Gesamteinsatzleitung. Sollte es sich um ein großes und/oder bezirksübergreifendes Ereignis handeln, so kann die Leitung dieser Gesamteinsatzleitung am Schadensort von einem Vertreter der zuständigen Behörde übernommen werden. Über den Einsatzleitungen der Feuerwehr oder des Rettungsdienstes, sowie einer möglichen Gesamteinsatzleitung am Ort des Geschehens wird je nach Größe des Schadensfalles ein Landesführungsstab, Bezirksführungsstab oder Gemeindeführungsstab errichtet, in dem dann die einzelnen Organisationen ebenfalls mit Verbindungsoffizieren vertreten sind. Dieser eingerichtete Führungsstab wird im Einsatzfall vom zuständigen Landeshauptmann, Bezirkshauptmann oder Bürgermeister geleitet.

Die Stabsfunktionen sind ähnlich wie die für Deutschland oben angeführten eingerichtet. In den letzten Jahren wird auch teilweise ein S7 für Ganzheitliche Betreuung eingesetzt, vor allem beim Roten Kreuz. Dieser hat beispielsweise auch die Krisenintervention vom eingesetzten Personal wie den Peers für Einsatzkräfte, aber auch für die Opfer zu bewerkstelligen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.katastrophenvorsorge.de/pub/publications/DV100-SKK.pdf
  2. http://www.idf.nrw.de/download/normen/fwdv100.pdf
  3. Landesführungsstab des NÖ Roten Kreuzes abgerufen am 15. Juni 2011

Weblinks[Bearbeiten]