Einsicht

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Dieser Artikel beschreibt den Begriff Einsicht. Zur Zeitschrift mit diesem Namen siehe Einsicht (Zeitschrift).

Einsicht bedeutet in der Alltagssprache, dass Eigenschaften, Zusammenhänge und Beziehungen eines Objektbereiches subjektiv hinreichend genau erkannt, geistig erfasst und sachlich richtig begriffen werden. Als bewusstes Resultat der Kombination von Wahrnehmungen und Überlegungen ist Einsicht dabei das Ergebnis eines analytisch-synthetischen Erkenntnisprozesses. Auf anderem Wege zustande kommende, dann oft „blitzartig“ erlebte Einsichten werden in der Alltagspsychologie einem besonderen geistigen Vermögen, nämlich der „Intuition“ zugeschrieben.

Geistesgeschichte[Bearbeiten]

Historisch sind andere Erklärungen des Zustandekommens von Einsichten bekannt. Bei Naturvölkern beispielsweise gelten Einsichten als innerliche, gelegentlich wohl auch visionär erlebte Ratschläge oder Hinweise von Ahnen, als „Eingebung“ guter oder geheiligter Geister, als Rat hilfreicher Götter und als göttliche „Erleuchtung“ oder „Offenbarung“, banal aber auch als schlichter „Einfall“.

Philosophie[Bearbeiten]

Die Einsicht a priori kann unterschieden werden von der Erkenntnis a posteriori.[1] Versteht man Einsicht kognitiv als ein Worte-Haben, so erscheint das Zitat von Friedrich Nietzsche (1844–1900) von Interesse: »Wofür wir Worte haben, darüber sind wir auch schon hinaus.« Damit wird die affektive Beteiligung als Beweggrund bei kognitiven Prozessen angedeutet.[2][3]

Gestaltpsychologie und Behaviorismus[Bearbeiten]

Als psychologischer Fachbegriff bezeichnet Einsicht das plötzliche Erkennen der Lösung eines Problems oder des Lösungsweges für eine praktische Aufgabe, gelegentlich auch das schlagartige Erkennen von „Gestalten“ und sonstigen zusammenhängenden Elementen der (meist visuellen) Wahrnehmung. Umgangssprachlich ist dabei oft von einem „Aha-Erlebnis“ die Rede, ein Begriff, der von dem deutschen Sprachpsychologen und Sprachtheoretiker Karl Bühler (1879–1963) geprägt wurde.

Als ein gestaltpsychologischer Begriff wurde „Einsicht“ zuerst von Wolfgang Köhler (1887–1967) in die Denkpsychologie eingeführt, siehe dazu auch den gestalttheoretischen Begriff der → Isomorphie.[3] Daher wird in der englischsprachigen Fachliteratur häufig das deutsche Wort verwendet anstelle üblicher Begriffe wie insight, eureka moment oder lightbulb moment. Dabei denkt man an das Comic-Bild einer plötzlich aufleuchtenden Glühlampe. Dieses Bild deutet einen Organisationsvorgang im ZNS zum Zeitpunkt des Erzielens von Einsicht an.[4]

Probleme, die durch Einsicht lösbar sind, bestehen aus einem einzigen Lösungsschritt, der aber schwer zu sehen ist. Insbesondere Karl Duncker (1903–1940) hat dazu zahlreiche Verhaltensexperimente durchgeführt. Beim Problemlösen gibt es eine Zeit, in der man augenscheinlich (beobachtbar) nichts tut. Dies ist die Zeit nach dem Erkennen des Problemes (oder Scheitern der ersten Fehl-Lösungsversuche) bis zu dem Moment, an dem man eine Lösung gefunden zu haben glaubt, also ein „Aha-Erlebnis“ hatte. In dieser Phase laufen kognitive Umstrukturierungsprozesse, es wird möglicherweise nachgedacht, sich etwas vorgestellt oder es werden Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalte kombiniert, so dass möglicherweise eine Idee oder Neuordnung von Wissen entsteht. Früher wurde diese Zeit gelegentlich auch als „Inkubation“ bezeichnet.

Wenn von der herkömmlichen gestalttheoretischen Interpretation abgesehen wird, so lässt sich ganz allgemein ein Problemlösungsverhalten immer dann als einsichtig bezeichnen, wenn dem eigentlichen Lösungsvollzug eine Phase der systeminternen und meist vorerfahrungsfreien Verhaltensorganisation auf Grund sensorischer Reizverarbeitung vorausgeht, als deren Resultat eine der Problemlösungssituation angepasste Lösung auftritt.

Als charakteristische beobachtbare Eigenschaften, als Kriterien einsichtigen Verhaltens gelten:

  • das plötzliche Auftreten der Lösung
  • die Geschlossenheit der Handlungssequenz während des Lösungsvollzugs
  • die Substituierbarkeit der Mittel in struktur-analogen Situationen
  • die Originalität der Lösung
  • die unverzügliche Wiederholbarkeit der Lösung auch bei größter zeitlicher Distanz

Dies sind zugleich die Merkmale, die diesen Verhaltenstyp vom Versuch und Irrtum-Verhalten abgrenzen bzw. unterscheiden.

Im Rahmen der Primärtheorie sind Einsichten ein quasi automatischer Prozess, der eintritt, wenn frühe psychische Blockaden durch ein Urerlebnis (also das Fühlen von „Urschmerzen“) aufgelöst werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einsicht. In: Georgi Schischkoff (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 14. Auflage. Alfred Kröner, Stuttgart 1982, ISBN 3-520-01321-5, S. 144.
  2. Friedrich Nietzsche: Götzen-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer philosophiert. 1889 KSA 6.
  3. a b Peter R. Hofstätter (Hrsg.): Psychologie. Das Fischer Lexikon. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-436-01159-2; (a) zu „Friedrich Nietzsche“, S. 275; (b) zu „Einsicht gemäß Gestalttheorie“, S. 164, 210 f.
  4. Wilhelm Karl Arnold u. a. (Hrsg.): Lexikon der Psychologie. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-508-8; Einsicht als Ergebnis eines nervösen Organisationsvorgangs siehe Lex.-Lemma „Einsicht“: Sp. 434.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wikiquote: Einsicht – Zitate
 Wiktionary: Einsicht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Weblinks[Bearbeiten]