Eisenbahn in Western Australia

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Die Lokomotive „Ballarat“, die erste in Western Australia eingesetzte Lokomotive, auf einem Foto von 1921, das sie abgestellt und halb vom Sand verweht zeigt. Sie steht heute im St Marys Park in Busselton.
Historischer Schlaf- und Kanzelwagen für Fernverkehrszüge
Der Indian Pacific bei Bellevue auf der „Ostbahn“ Perth–Kalgoorlie; deutlich erkennbar ist das Dreischienengleis
Der Indian Pacific verlässt Perth. Links ein kapspuriger Nahverkehrszug. Beide Züge fahren auf Dreischienengleisen.
Australind: Bunbury–Perth
Nahverkehrszug in Perth, McIver Bahnhof.
Eisenerzbahnen im Norden Western Australias
Einfahrt eines Eisenerzzuges in Port Hedland

Die Eisenbahn in Western Australia entstand ab 1871, als die erste Strecke in Betrieb ging. Die weitere Entwicklung zeichnete sich durch ein gemischtes System aus Staatsbahn und privat gebauten und betriebenen Bahnen ab. Letztere dienten vor allem der Abfuhr von Rohstoffen, zunächst von Holz, später von Bergbauprodukten.

Geschichte[Bearbeiten]

Bedingt durch die extrem geringe Besiedlungsdichte der Kolonie Western Australia, die sich zudem auf die Region um die Hauptstadt Perth und den Hafen Fremantle konzentrierte, entstand die Eisenbahn in Westaustralien im Vergleich zu den Eisenbahnen der weiter östlich gelegenen australischen Kolonien relativ spät. Wirtschaftlich rentable Verbindungen zeichneten sich erst am Ende der 1860er Jahre ab. Als Standard-Spurweite wurde die gegenüber der Normalspur preiswertere Kapspur gewählt. Seit 1877 unterlag die Kontrolle der Eisenbahnen einem eigenen Eisenbahnministerium des Staates Western Australia.[1]

Die erste Eisenbahnstrecke Western Australias war eine privat gebaute Strecke zwischen Lockville an der Küste und Yoganup im Hinterland, südlich von Perth. Sie diente der Abfuhr von Holz, insbesondere des Holzes des Jarrah-Baums, eines begehrten Rohstoffs für Bahnschwellen. Zahlreiche derartige Bahnen wurden in den folgenden Jahren in Western Australia errichtet. 1879 folgte als erste durch den Staat errichtete Eisenbahn die Strecke zwischen Geralton und Northampton.[2] Perth und sein Hafen Fremantle wurden 1881 per Eisenbahn verbunden. So entstanden die ersten Strecken sowohl als Staatsbahnen (Western Australian Railways, ab 1890: Western Australian Government Railways, 1975–2000: Westrail) als auch als privat gebaute und teilweise durch staatliche Land grants finanzierte Eisenbahnen. Wichtigste Privatbahnen waren die Midland Railway of Western Australia und die Great Southern Railway (Western Australia). Letztere wurde 1896 von der Staatsbahn übernommen, Erstere 1964. Wichtigster Grund für den Bau der Strecken war die Abfuhr von Agrar- und Bergbauprodukten, also die Verbindung zwischen Hinterland und Häfen. Wichtigste Verbindungen waren die von Perth ausgehenden Strecken nach Fremantle (1881), Albany (1889) – errichtet durch die Great Southern Railway (Western Australia) –, Bunbury (1893), Geraldton (1894) und Kalgoorlie (1896) sowie die Verbindung von Kalgoorlie nach Esperance. Darüber hinaus errichtete die Staatsbahn einige schmalspurige Linien in entlegeneren Landesteilen, etwa von Port Hedland aus landeinwärts nach Marble Bar, genannt Spinifex Flier“. Mit der von Kalgoorlie ausgehenden, nach Osten führenden, von den Bundeseisenbahnen gebauten und betriebenen, 1917 eröffneten Transaustralischen Eisenbahn erreichte erstmals eine normalspurige Strecke Western Australia. 1968 wurde sie in westliche Richtung bis Northam verlängert, bis wohin sie die Kapspur-Strecke ersetzte. Westlich von Northam wurde ein Dreischienengleis eingebaut, wodurch die Normalspur bis Fremantle und in einige Industrie- und Gewerbegebiete im Umfeld von Perth verlängert wurde. Alle Kapspur-Strecken östlich von Kalgoorlie, einschließlich der Strecke nach Esperance, wurden komplett auf Normalspur umgespurt. Die bergwerkseigenen Bahnen im Norden von Western Australia wurden ebenfalls in Normalspur errichtet, sind aber ein Inselbetrieb ohne Anschluss an das übrige Netz.

Betrieb[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Personenverkehr wird heute von der staatliche Public Transport Authority (Western Australia) angeboten, die die beiden Eisenbahnverkehrsunternehmen Transperth (für den Vorortverkehr im Großraum Perth) und Transwa (für den innerstaatlichen Fernverkehr) betreibt. In diesem innerstaatlichen Fernverkehr werden aber nur noch Verbindungen auf den Strecken zwischen Perth, Kalgoorlie und Bunbury angeboten. Die Verbindung Perth–Kalgoorlie wird mit dem Zug Prospector betrieben, der auf der Normalspur bis zu 160 km/h fährt. Dies ist neben den Neigezügen der Eisenbahn in Queensland die höchste im fahrplanmäßigen Verkehr gefahrene Geschwindigkeit in Australien. Hinzu tritt die Great Southern Railway, Betreiberin des Indian Pacific, in der Verbindung Perth–Sydney.

Im Jahr 2000 verkaufte die Staatsbahn ihre Güterverkehrssparte an die Australian Western Railroad, die der Australian Railroad Group (ARG) gehörte und 2006 an Queensland Rail weiterverkauft wurde. Ein erheblicher Teil des Netzes wurde an WestNet Rail, die ebenfalls zur Australian Railroad Group gehörte, verpachtet, die den innerstaatlichen Güterverkehr betreibt. Diesen Pachtvertrag übernahm 2006 Babcock & Brown Limited. Der zwischenstaatliche Güterverkehr wird von Pacific National und QRNational gefahren.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Das Kapspur-Netz der ehemaligen westaustralischen Staatsbahn, einschließlich des Dreischienengleises zwischen Perth und Northam und der auf Normalspur umgespurten Strecken von Northam nach Kalgoorlie und von dort nach Esperance, befindet sich weiter in der Bewirtschaftung von Babcock & Brown Limited. Die Strecken für den Vorortverkehr im Bereich von Perth wurden ab 1986[3] mit 25 kV 50 Hz Wechselstrom elektrifiziert. Dieses Vorortnetz wird weiter ausgebaut und gilt in Australien als vorbildlich. Die Normalspurstrecke östlich von Kalgoorlie gehört in Nachfolge der australischen Bundeseisenbahnen der Australian Rail Track Corporation.

Bahnen der Bergbaubetriebe[Bearbeiten]

Einige Bergbaubetriebe unterhalten im Norden von Western Australia eigene Eisenbahnnetze, die die Abbaubetriebe mit Häfen an der Küste verbinden. Es handelt sich um drei Streckennetze. Alle sind in Normalspur ausgeführt und werden ausschließlich vom werkseigenen Güterverkehr genutzt. Es laufen Klagen anderer Bergbaubetriebe auf Netzzugang.

Mit diesen Bahnen wird Eisenerz vom Abbau zu den Verladehäfen transportiert. Sie sind für eine maximale Transportleistung ausgelegt und gelten als technische Systeme, die das Maximum an Leistung herausholen, die das Rad-Schiene-System zu leisten in der Lage ist. Die hier fahrenden Züge zählen zu den längsten und schwersten der Welt.

Darüber hinaus sind weitere derartige Strecken geplant oder im Bau:

  • Vorgeschlagen wurde eine Strecke vom Hafen Oakajee (nördlich von Geralton) ins Hinterland. Diese Bahn soll – im Gegensatz zu den bestehenden – für jeden Bergbaubetrieb offenstehen, der den Anschluss daran wünscht.
  • Ebenfalls mit dem Ziel des Hafens von Oakajee hat WestNet Rail einen Bahnanschluss mit Dreischienengleis vorgeschlagen, der auch an die Kapspur des bestehenden Netzes südlich von Geralton anschließen könnte.
  • 2010 kündigte die Rio Tinto Group an, weitere Eisenerzminen mit einer Bahnstrecke an den Hafen von Dampier anzubinden.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fred N. Affleck: On track : the making of Westrail, 1950 to 1976. Westrail, Perth 1978. ISBN 0-7244-7560-5
  • Jim Powe: Trains and Railways of Australia. 2. Aufl. Sydney 2009. ISBN 9781741109023
  • John R. Newland u. Howard Quinlan: Australian Railway Routes 1854-2000. 2000. ISBN 0-909650-49-7

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Railways in Western Australia (englisch)
  2. Stillgelegt 1957.
  3. Nach anderen Angaben: 1993.
  4. Rio Tinto to boost Pilbara capacity - International Railway Journal (englisch)