Eisschrank

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Norwegischer Eisschrank

Der Eisschrank, österreichisch gebräuchlich als Eiskasten, ist der Vorläufer des Kühlschranks als Haushaltsgerät zum Kühlen und Frischhalten von Lebensmitteln. Oft wird der Begriff umgangssprachlich heute noch für den modernen Kühlschrank verwendet.

Aufbau[Bearbeiten]

Als Kältequelle diente Eis, das in ein besonderes – zum Schutz vor Korrosion meist mit Zinn oder Zinkblech ausgeschlagenes – Fach mit einem Ablauf für das Schmelzwasser hineingelegt wurde. Das Eis wurde über dem Kühlfach angeordnet (in nordamerikanischen Modellen auch daneben), um die aufsteigende wärmere Luft durch Abkühlung wieder zum Sinken zu bewegen.

Um eine gute Luftkonvektion im Kühlraum zu ermöglichen, lag das Kühlgut auf Holz- oder Drahtgitterrosten. Der Kühlraum war in luxuriösen Ausführungen zur Erleichterung der Reinigung bisweilen mit Porzellan ausgekleidet. Die Isolierung bestand aus einer mehr oder weniger aufwändigen Schichtung von Holz, Kork, Sägespänen, Torf, Stroh oder auch Seetang. Die wasserdichte Trennung des Eises vom Kühlgut durch das Blech verhinderte, dass sich zu viel Kondenswasser im Kühlraum ansammeln konnte.

Aufstellort[Bearbeiten]

Bei der Aufstellung eines Eisschranks galten die gleichen Grundsätze wie für die Planung von Vorrats- und Speisekammern. Der Ort des Eisschranks sollte an einer möglichst kühlen, von außen mit Bäumen beschatteten Nordwand, möglichst weit weg von Kaminen, Herden – also auch der warmen Küche – und Sonnenstrahlen sein, um seine unnötige Aufheizung und vorzeitiges Auftauen des Eises zu vermeiden. Vorratskeller, die nicht wärmer als 15 °C werden, waren oft die bestmöglichen Aufstellungsorte. Alternativ hatten viele Küchen einen sogenannten Eisbalkon.

Betrieb[Bearbeiten]

Eisschrank, Stuttgart um 1900

Anfänglich nutzte man im Winter gewonnenes Natureis, das in geeigneten Lagerkellern, den sogenannten Eiskellern, gesammelt werden musste, damit es auch in der wärmeren Jahreszeit zur Verfügung stand.

Die Belieferung der Haushalte und kleinerer Lebensmittelgeschäfte, z. B. der Milchhandlungen, mit Stangeneis oder Blöcken erfolgte mehrmals wöchentlich durch besondere Lieferbetriebe, die analog zu anderen Versorgungsdiensten wie Milchmann und Zeitungsmann häufig Eismann genannt wurden. Besonders komfortable Eisschränke, die in Nordamerika verbreitet waren, konnten von der Rückwand aus mit Eis befüllt werden, ohne dem Lieferanten Zutritt zur Wohnung gewähren zu müssen.

Täglich musste das Eiswasser, meist durch einen kleinen Wasserhahn, entleert werden. Bei einfacheren Ausführungen tropfte das Wasser in eine Schüssel unter dem Schrank, die von Hand entleert werden musste.

Die zu kühlenden Speisen sollten mit dem Eis nicht direkt in Berührung kommen, da das Eis nicht unbedingt aus Trinkwasser bestand oder durch die monatelange Lagerung zumindest Qualitätseinbußen erlitt. Zum anderen sollten die Lebensmittel aus hygienischen Gründen nicht auf den Kühlrosten direkt liegen, damit sie nicht das Innere des Schrankes verunreinigen konnten.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Eisschrank im Osnabrücker Museum für Industriekultur

Eisschränke haben sich in wohlhabenden Haushalten zu Ende des 19. Jahrhunderts im deutsch-österreichischen Raum etabliert und sind als Produkt gereift. Wien wird als Wiege des transportablen Eisreservoirs angenommen. Die Entwicklung des mechanischen und bequemeren Kühlschranks verdrängte den Eisschrank, in Nordamerika bereits in den 1930er, in Europa ab etwa den 1950er Jahren.

Hersteller um 1896[Bearbeiten]

Ernst Nöthling ordnet 1896 folgende als bekanntere Hersteller ein:

  • Herman Delin, Berlin N., Chorinerstraße 9
  • C. Fiedler, Berlin C., Neue Grünstraße 10
  • F. Krieg (Inhaber O. Wendt), Berlin SO., Skalitzerstraße 136
  • Heinrich Sackhoff, Berlin SW., Zimmerstraße 79
  • Theodor Weigele, Berlin S., Alte Jakobstraße 50
  • Zeppernick & Harz, Berlin SW., Gitschiner Straße 108
  • Ludwig Düring in Breslau, Kaiser Wilhelmstraße 9
  • Schmidt & Keerl in Kassel
  • R. v. Bandel, Dresden, Blasewitzer Straße 37d
  • Vereinigte Eschebach'sche Werke, Aktiengesellschaft, Dresden und Radeberg
  • Gebrüder Gieße, Dresden Neustadt
  • Fr. Reindel, Dresden-Neustadt, Turnerweg 1
  • Werner & Bardach, Düsseldorf, Bilker Allee 49
  • A. M. J. Rieper & Komp., Hamburg und Ottensen
  • August Schilder, Liegnitz
  • A. Cäsar Schmidt, Stettin, Roßmarktstraße 17
  • C. F. Kirchhof’s Söhne, Wien IV, Schaumburgergasse 8
  • Emil Stuck in Leipzig
  • Wiesner & Fiedler, Wien

Siehe auch[Bearbeiten]

Die von oben bei geöffnetem Deckel zu befüllende kleinere Eiskiste wurde teils von den gleichen Herstellern der Eisschränke produziert.

Literatur[Bearbeiten]

  • E. Nowák, C.A. Menzel, Der Bau der Eiskeller sowohl in wie über der Erde und das Aufbewahren des Eises in denselben nebst einem Anhange: Die Fabrikation des Kunsteises, 5. Auflage. G. Knapp, Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1883
  • Ernst Nöthling: Die Eiskeller. Eishäuser und Eisschränke ihre Konstruktion und Benutzung. Für Bautechniker, Brauereibesitzer, Landwirte, Schlächter, Konditoren, Gastwirte u.s.w.. 5. Auflage. Bernhard Friedrich Voigt Verlag, Weimar 1896
  • Theodor Koller: Die Kälte-Industrie. Handbuch der praktischen Verwerthung der Kälte in der Technik und Industrie. (= Hartlebens Chemisch-technische Bibliothek, Band 226). 1. (einzige) Auflage. A. Hartleben’s Verlag, Wien 1897