Eiswürfel

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Ein Stapel von Eiswürfeln
Schmelzende Eiswürfel

Ein Eiswürfel ist eine technisch hergestellte kleine Portion gefrorenen Wassers (Eis). Häufig entspricht die Form jedoch nicht der eines Würfels, sondern einem ungleichmäßigen Quader mit einer Kantenlänge von 2 bis 5 cm, einem Zylinder, komplexeren Formen wie Sternen, Herzen, Früchten, Tieren oder undefinierten Gebilden.

Verwendung[Bearbeiten]

Am häufigsten werden Eiswürfel zum Kühlen von Nahrungsmitteln verwendet. Fisch, Fleisch und andere leichtverderbliche Waren werden mit Eiswürfeln auf ihrem meist langen Transportweg frisch gehalten. Eiswürfel dienen außerdem dazu, Getränke zu kühlen und werden dazu direkt ins Glas oder in die Karaffe gegeben.

Beim Mixen von Cocktails werden die Zutaten oft im Cocktail-Shaker oder im Rührglas während des Vermischens mit Eiswürfeln abgekühlt. Eiswürfel werden für Cocktails und andere Drinks auch oft zerstoßen, um die Oberfläche zu vergrößern und dadurch die Kühlgeschwindigkeit zu erhöhen oder einen optischen Effekt zu erzielen. Man spricht dann auch von crushed ice (engl. für „zerstoßenes/zerkleinertes Eis“). Köche und Barkeeper setzen hierzu mit Eiscrushern spezielle Geräte ein.

In der Medizin werden Eiswürfel genutzt, um Transplantationsorgane auf ihren langen Wegen vom Spender zum Empfänger zu kühlen. Die Kühlung hält den Verwesungsprozess auf.

In chemischen Laboren können Eiswürfel bestimmte Prozesse, etwa Pyrolysen, gezielt kühlen. Aus zerstoßenem Eis werden dazu sogenannte Kältemischungen angesetzt, da zerstoßenes Eis sowohl punktuell als auch großflächig viel bessere Kühleigenschaften hat als eigentliche Eiswürfel und sich aufgrund des größeren Zerteilungsgrades schneller mit Kochsalz und anderen hydrophilen Stoffen verbindet.

Herstellung[Bearbeiten]

Eiswürfel werden hergestellt, indem man Wasser in eine Form füllt und diese unter den Gefrierpunkt abkühlt. Die Form der Aussparungen in der Eiswürfelform bestimmt die Form der fertigen Eiswürfel.

Keime werden dabei nicht abgetötet. Bei Reisen in tropischen Ländern wird oft empfohlen, auf Eiswürfel zu verzichten, da das verwendete Wasser unter Umständen nicht den gewohnten hygienischen Standard aufweist.[1] Im Mai 2005 erkrankten in den thailändischen Provinzen Lampang und Chiang Rai über 1000 Menschen an Hepatitis A, weil in einer lokalen Eisfabrik verunreinigtes Wasser zur Herstellung von Eiswürfeln verwendet wurde.[2]

Auch schlecht gereinigte Eisfächer können zur Vergiftung der Würfel führen, so dass Hersteller von Folienverpackungen heute Foliensäckchen anbieten, in denen Wasser ohne weiteren Luftkontakt zum Gefrieren gebracht werden kann.

Zur automatisierten Herstellung von Eiswürfeln gibt es Eiswürfelmaschinen. Trübe, rissige Eiswürfel entstehen, wenn die Würfel von außen nach innen gefrieren. Das im Inneren eingeschlossene flüssige Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus und sprengt so die äußeren Schichten. Eiswürfelmaschinen zur Herstellung durchsichtiger, homogener Eiswürfel vermeiden dies, indem die Würfel um gekühlte Stifte herum Schicht für Schicht von innen nach außen erstarren. Zum Schluss werden die Näpfe oder Stifte kurz erhitzt, damit die Eiswürfel abfallen. Meist kann man eine Einbuchtung in der Mitte dieser Eiswürfel erkennen.

Geschichtliches und Kulturelles[Bearbeiten]

Große Verbreitung fanden Eiswürfel erst, seitdem nahezu jeder Haushalt zumindest über einen Kühlschrank mit Gefrierfach verfügt. Bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts wurde Eis meist in Form großer Quader ins Haus geliefert (Stangeneis oder auch Blockeis). Diese wurden dann im Eisschrank gelagert oder vor Ort in die benötigten Portionen zerteilt.

Physikalischer Hintergrund[Bearbeiten]

Eiswürfel kühlen ihre Umgebung, indem sie Wärme aus der Umgebung absorbieren. Die verbreitete Vorstellung, sie würden Kälte abgeben, ist falsch. Zwischen den polaren Wassermolekülen herrschen Wasserstoffbrücken. Im festen Zustand sind diese Wasserstoffbrücken stabil. Beim Schmelzen müssen die stabilen Brückenbindungen gelöst werden. Dazu muss in diesem Fall Energie in Form von Wärme aufgewendet werden, die aus der Umgebung absorbiert wird.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Eigenschaften des Wassers

Unter höherem Druck gefriert Wasser schon bei höheren Temperaturen. Fließendes Wasser gefriert langsamer als ruhendes Wasser, da die Wassermoleküle sozusagen über die Oberfläche „rollen“ und dabei Wärme erzeugen.

Irreführend ist die pauschale Behauptung, heißes Wasser gefriere schneller als kaltes Wasser. Dieses geschieht nur unter bestimmten Bedingungen in Bezug und relativen Vergleich zwischen vorher gleich großen Wassermengen, von denen eine dann erhitzt wird; siehe Mpemba-Effekt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eiswürfel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Eiswürfel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reise- und Infektionskrankheiten Govi-Verlag Eschborn, 2004, Seiten 192 und 213. ISBN 3-7741-0987-7
  2. Thailand. Eiswürfel lösen Hepatitis aus, Stern (Zeitschrift), 26. Mai 2005