Ekrem Akurgal

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Ekrem Akurgal (* 30. März 1911 in Tulkarm; † 1. November 2002 in İzmir) war einer der bedeutendsten türkischen Archäologen der Klassik.

Leben[Bearbeiten]

Ekrem Akurgal wurde auf der Plantage seiner Großeltern im palästinensischen Tulkarm[1] geboren, wuchs aber bei seinem Vater in der Nähe von Akyazı auf. Mit sieben Jahren siedelte er mit der Familie nach Istanbul und besuchte eine französischsprachige Schule. Mit 19 Jahren hatte der Schüler eine Begegnung mit dem türkischen Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk, was sein vorhandenes Interesse an Archäologie weiter stärkte. Aufgrund seines Talents bekam er vom Präsidenten persönlich das einzige direkte Stipendium des türkischen Präsidenten und erhielt so die Möglichkeit einer Ausbildung in Deutschland.[2] Andere türkische Stipendiaten, die ebenfalls mit ihm nach Berlin reisten, waren die späteren Archäologen Sedat Alp und Afif Erzen.

Er studierte seit 1932 an der Universität Berlin, wo er 1940 bei Gerhart Rodenwaldt über lykische Reliefs promovierte. Seit 1941 war er an der Universität Ankara tätig. 1944 heiratete er Lemis Baykan, mit der er zwei Söhne hatte. Seinen Namen Akurgal hatte die Familie sich 1935 per Familiennamensgesetz ausgesucht. Akurgal ist der Name eines sumerischen Königs (Akurgal (Lagaš)), an dessen Ausgrabungen Ekrem maßgeblich beteiligt war.[3]

Er war von 1957 bis zu seiner Emeritierung 1981 Professor für Klassische Archäologie. Sein Forschungsfeld waren alle in Anatolien siedelnden antiken Kulturen, also unter anderem Hethiter, Urartäer, Phryger, Lydier, Karer und Lykier. Besonderes Augenmerk galt der Kunstgeschichte der griechischen Siedler (ionische und aiolische). Diesbezüglich grub er unter anderem in Phokaia (Foça), Pitane (Çandarlı) und Erythrai. Seine wichtigste Ausgrabung war die von Alt-Smyrna (Bayraklı).

Er ist neben Arif Müfid Mansel der Gründungsvater der Klassischen Archäologie in der modernen Türkei. Als solcher erhielt er zahlreiche Ehrungen, so war er etwa Ehrenmitglied des Deutschen Archäologischen Instituts und Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres sowie der Akademien in Düsseldorf (1984), Kopenhagen, London, Rom, Stockholm und Wien. Er hält zu dem Ehrendoktorwürden der Universitäten Bordeaux, Athen, Lecce und Eskisehir.

Er gilt als Anhänger Atatürks und wirkte bei dem Bau des Mausoleums seines Mäzens mit. Seine Fremdsprachenkenntnisse und sein Fachgebiet erlaubten ihm, fremde Staatsgäste zu empfangen und sie auf den historischen Schauplätzen herumzuführen. Er setzte sich für eine türkisch-griechische Freundschaft ein und gründete mit Aziz Nesin den griechisch-türkischen Freundschaftsverein.[4]

In den 60er und 70er Jahren versuchte er, seine in Europa populären Werke den türkischen Lesern bekannt zu machen, fand aber aufgrund Desinteresses der Verleger nicht die Möglichkeit dazu. Dies sollte sich erst ab den 80er Jahren ändern. 1999, drei Jahre vor seinem Tod, verfasste er seine Autobiographie Erinnerung eines Archäologen - Einige bedeutende Kapitel aus der Kulturgeschichte der Republik Türkei. Er wurde in Izmir, wo er zuletzt lebte und das er aufgrund seiner Offenheit schätzte, am Friedhof Kokluca Mezarlığı begraben. Der Wunsch seiner Witwe, ihn neben seiner bekanntesten Ausgrabung in Alt-Smyrna zu begraben, wurde vom Kultusministerium abgelehnt.

2013 wurde die Ekrem-Akurgal-Bibliothek in der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts eröffnet, die der Abteilung von Akurgals Witwe Meral aus dessen Nachlass gestiftet wurde.[5]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Bir arkeoloğun anıları. Türkiye Cumhuriyeti kültür tarihinden birkaç yapraklar. Ankara, Türkiye Bilimler Akademisi 1999. ISBN 975-405-166-6 (Autobiographie mit Schriftenverzeichnis)
    • Deutsch: Erinnerungen eines Archäologen. Einige bedeutende Kapitel aus der Kulturgeschichte der Republik Türkei. Verlag Franz Philipp Rutzen Ruhpolding / Harrassowitz, Wiesbaden 2013. ISBN 978-3-447-06875-8
  • Griechische und römische Kunst in der Türkei (1987)
  • Alt-Smyrna, 1: Wohnschichten und Athenatempel (1983)
  • Ancient civilizations and ruins of Turkey (1969)
  • Urartäische und altiranische Kunstzentren (1968)
  • Orient und Okzident (1966)
  • mit Richard Ettinghausen (Hrsg.): Die Türkei und ihre Kunstschätze. Das Anatolien der frühen Königreiche, Byzanz, die islamische Zeit (1966)
  • Die Kunst der Hethiter (1961)
  •  Die Kunst Anatoliens von Homer bis Alexander. W. de Gruyter, Berlin 1961, ISBN 9783110013511, LCCN 62046925 - (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungen in Sinope (1956)
  • Zwei Grabstelen vorklassischer Zeit aus Sinope (1955)
  • Phrygische Kunst (1955)
  • Späthethitische Bildkunst (1949)
  • Remarques stylistiques sur les Reliefs de Malatya (1946)
  • Griechische Reliefs des VI. Jahrhunderts aus Lykien (1941) (= Dissertation)

Würdigungen[Bearbeiten]

Nachrufe

Festschriften

  • Cevdet Bayburtluoğlu (Hrsg.): Akurgal'a Armağan (= Anadolu 21, 1978/80, ISSN 0570-0116). Dil Ve Tarih, Ankara 1987.
  • Cevdet Bayburtluoğlu (Hrsg.): Akurgal'a Armağan (= Anadolu 22, 1981/83). Dil Ve Tarih, Ankara 1989.
  • Cevdet Bayburtluoğlu (Hrsg.): Akurgal'a Armağan (= Anadolu 23, 1984/97). Dil Ve Tarih, Ankara 1997.
  • Istanbuler Mitteilungen 53, 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Kuhlmann/Schneider (Hrsg): Geschichte der Altertumswissenschaften, JB Metzler, 2012, S. 8
  2. Vorwort der Herausgeber seiner Autobiographie/Erika Simon&Brigitte-Freyer Schaunenburg: Errinerung eines Archäologen - Einige bedeutende Kapitel aus der Kulturgeschichte der Republik Türkei [1]
  3. Siehe: [2]
  4. Mustafa Adak: Rezension: Ekrem Akurgal, Bir Arkeoloğun Anıları, Gephyra Vol 1 (2004), [3]
  5. Eröffnung der Ekrem Akurgal-Bibliothek in der Abteilung Istanbul