Electronic Chart Display and Information System

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ECDIS-Anlage

Electronic Chart Display and Information System (ECDIS; deutsch Elektronisches Kartendarstellungs- und Informationssystem) ist ein elektronisches Navigationsinformationssystem. Es kombiniert:

Damit lassen sich die aktuelle Position des Schiffes und viele navigatorisch relevante Informationen zusammen in einer Anzeige darstellen.

Anwendung[Bearbeiten]

Zu den in der Karte dargestellten Objekten können weitergehende Informationen abgerufen und angezeigt werden, beispielsweise Teile der Seehandbücher und des Leuchtfeuerverzeichnisses. Auch statische (Tiefgang) und dynamische (Position, Fahrt) Schiffsinformationen werden eingebunden. Durch die Verknüpfung der verschiedenen Informationen kann das System Warnmeldungen ausgeben. Das System kennt beispielsweise den Tiefgang des Schiffes und kann errechnen und darstellen, an welchen Stellen die Wassertiefe nicht mehr ausreichend groß ist. Weitere Warnmeldungen können z.B. die Annäherung an ein Verkehrstrennungsgebiet oder an Sperrgebiete aller Art sein. Die Daten werden in Echtzeit ermittelt.

Karten und Format[Bearbeiten]

Das international von der Internationalen Hydrographischen Organisation (IHO) standardisierte Format für elektronische Karten ist S-57. Dieses Format beschreibt objektorientiert aufgebaute Vektordaten; die einzelnen Kartendateien sind im ASCII-Code und als sog. „Zellen“ organisiert.

Viele ECDIS-Systeme können neben den Verktordaten auch Rasterdaten verarbeiten, da noch nicht für alle Seegebiete weltweit Vektordaten verfügbar sind. Rasterkarten sind hingegen kommerziell weit verbreitet, z.B. der globale Seekartensatz des britischen Admirality Raster Chart Services (sog. ARCS-Karten). Wegen der funktionalen Nachteile von Rasterdaten bestehen hier aber Einschränkungen, siehe unten unter „Ersatz für Papierseekarte“.

Aus Gründen der Verarbeitungsgeschwindigkeit (performance) benutzen ECDIS-Systeme intern ein proprietäres Binärformat, die sog. System-ENC (SENC); der Import von Daten im Format S-57 (als genormtes Austauschformat) muss aber immer möglich sein.

Nicht dem ECDIS-Standard entsprechen von einzelnen Herstellern vertriebene proprietäre Kartenformate.

Kartenaktualisierung[Bearbeiten]

Neue Karteninformationen, beispielsweise über neue Leuchtfeuer oder vertriebene Tonnen, werden über ein Software-Update direkt übernommen und müssen also nicht mehr wie bisher von Hand eingezeichnet werden. Dieses Verfahren ist viel schneller durchführbar als bisher und vermeidet zudem Fehler beim Übertragen. Neben manuell vornehmbaren Änderungen werden offizielle Aktualisierungen wöchentlich herausgegeben und als CD-ROM per Post versandt. Darüber hinaus ist das Herunterladen der Daten auch per Satellit oder Mobiltelefon möglich. Die Daten müssen dann trotzdem erst auf eine CD-ROM gebrannt werden, um einen Nachweis über erfolgte Updates zu besitzen und im Notfall (Löschung der Daten im System) eine Hardware-Kopie zur Hand zu haben.

Ersatz für Papierkarte[Bearbeiten]

Seit dem 11. September 2002 müssen Schiffe, die mit zwei zugelassenen, voneinander unabhängigen ECDIS-Geräten (Redundanz) und amtlichen ECDIS-Daten ausgerüstet sind, keine analogen (Papier-)Seekarten mehr mit sich führen[1]. Das gilt auch für die Sportschifffahrt.

Obwohl ECDIS grundsätzlich auch gescannte Rasterkarten (RNC) nutzen könnte, ist hier die Verwendung von Vektorkarten (ENC) vorgeschrieben. Grund hierfür ist der Informationsverlust der Darstellung, d.h. das unübersichtliche Zusammenrücken der Symbole bei zu starken Verkleinerungen oder die zu grobe und pixelige Ansicht bei zu starken Vergrößerungen.

Die Installation eines ECDIS an Bord darf trotzdem nicht überbewertet werden. Neben den Risiken durch Fehlbedienung ergeben sich Probleme wie bei jedem elektrischen/elektronischen System durch Strom- oder Systemausfälle, durch schlechten Satellitenempfang oder Kartenfehler (Vermessungsungenauigkeiten bzw. inzwischen erfolgte Änderungen in der Natur). Allgemein kann aber die Verwendung und Verbreitung von ECDIS zu einer Erhöhung der Sicherheit im Schiffsverkehr führen.

Daher ist das Mitführen von herkömmlichen Seekarten, nebst Navigationsbesteck, als wichtige navigatorische Hilfsmittel trotzdem weiterhin empfehlenswert.

Software[Bearbeiten]

Für die Darstellung der elektronischen Karten gibt es kostenlose Software bei der IHO. Die in der Berufsschifffahrt eingesetzten ECDIS-Anlagen stellen die IHO-S-57-Daten mit einer Software nach dem IHO-S-52-Standard dar.

Referenzen[Bearbeiten]

  1. http://www.bsh.de/de/Das%20BSH/Presse/Pressearchiv/Pressemitteilungen2002/38-2002.jsp

Literatur[Bearbeiten]

  • Adam Weintrit: The Electronic Chart Display and Information System (ECDIS). An Operational Handbook. A Balkema Book. CRC Press, Taylor & Francis Group, Boca Raton – London - New York - Leiden 2009, ISBN 9780415482462
  • Mathias Jonas: Höhere Schiffssicherheit durch High-Tech-Navigation. In: Schiff & Hafen Heft 8/2011, S. 14–16, Seehafen-Verlag, Hamburg 2011, ISSN 0938-1643
  • Horst Hecht, Bernhard Berking, Gert B. Büttgenbach, Mathias Jonas: Die elektronische Seekarte. Grundlagen, Möglichkeiten und Grenzen eines neuen Navigationssystems. Wichmann-Verlag, 1. Aufl. (14. Juli 1999), ISBN 978-3879073030
  • Gert B. Büttgenbach: ECDIS Ausrüstungspflicht – Status quo und Ausblick. In: Schiff & Hafen Heft 8/2008, S. 30/31, Seehafen-Verlag, Hamburg 2008, ISSN 0938-1643

Weblinks[Bearbeiten]