Elektrische Energie

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Als elektrische Energie bezeichnet man Energie, die mittels der Elektrizität übertragen oder in elektrischen Feldern gespeichert wird. Bei der Übertragung von Energie mit Hilfe der Elektrizität spricht man auch von elektrischer Arbeit. In der Energiewirtschaft wird die übertragene elektrische Energie auch Strommenge genannt.

In der Physik wird für die elektrische Energie das Formelzeichen E und die Einheit Wattsekunde (Einheitenzeichen: Ws) oder Joule (J) verwendet. Dabei ist 1 Ws = 1 J. Bei der Messung des Energieumsatzes im Bereich der elektrischen Energietechnik ist die Maßeinheit kWh (Kilowattstunde) üblich. 1 kWh = 3.600.000 Ws, 1 Ws ≈ 2,778·10−7 kWh.

Elektrische Energie ist der am vielseitigsten verwendbare Energieträger, sie lässt sich mit besonders geringen Verlusten in andere Energieformen umwandeln und gut transportieren. Ihre Erzeugung und die Versorgung von Wirtschaft und Verbrauchern ist in modernen Gesellschaften von großer Bedeutung.

Begriff[Bearbeiten]

Die elektrische Energie E, die auch als elektrische Arbeit W bezeichnet wird, ergibt sich aus dem Integral des Produkts der elektrischen Spannung u(t) und Stromstärke i(t) über die Zeit t:

E = \int_{t_0}^{t_1} u(t) \cdot i (t) \, \mathrm{d}t

Für den Fall einer konstanten elektrischen Spannung U und einer konstanten Stromstärke I ergibt sich daher die elektrische Energie aus dem Produkt der beiden Größen mit der Zeitdifferenz \Delta t (\Delta t = t_1 - t_0):

E = U \cdot I \cdot \Delta t

Elektrische Energie kann wie jede andere Energie nicht vernichtet oder erzeugt werden, sondern wird grundsätzlich in eine andere Erscheinungsform gewandelt. Mit Hilfe des Energieerhaltungssatzes kann die elektrische Energie bestimmt werden, indem man die zu ihrer Erzeugung notwendige mechanische Energie berechnet.

Elektrische Energie[Bearbeiten]

In Kraftwerken, Batterien und Akkumulatoren wird elektrische Energie z. B. aus Wärmeenergie bzw. chemischer Energie gewandelt, über Stromleitungen zu den Verbrauchern transportiert und bei den Verbrauchern in andere Energieformen (Kraft, Licht, Wärme) gewandelt.

Elektrische Energie kann aber auch im elektrostatischen Feld von Kondensatoren gespeichert werden. Bei größeren Mengen verwendet man Doppelschicht-Kondensatoren. Die Energie, die in einem Kondensator steckt, ist

E = \frac{1}{2} \cdot C \cdot U^2

wobei C die Kapazität des Kondensators und U die an ihm anliegende elektrische Spannung ist.

Magnetische Energie[Bearbeiten]

Magnetische Energie äußert sich in einem magnetischen Feld und übt eine Kraft auf bewegte Ladungen aus, die so genannte Lorentzkraft. Man unterscheidet elektromagnetische und elektrodynamische Kräfte. Aufgrund ihrer Stärke werden sie gerne in Elektromotoren und Generatoren verwendet. Gespeichert werden kann magnetische Energie im Alltag nicht sehr dauerhaft in einer Spule oder Drossel. Mit supraleitenden magnetischen Energiespeichern hingegen kann eine hohe Energie kurzzeitig gespeichert werden.

In einem elektrischen Schwingkreis wechselt elektrische Energie im Takt der Frequenz mit magnetischer Energie. Die Energie, die in einer Spule steckt ist

E = \frac{1}{2} \cdot L \cdot I^2

wobei L die Induktivität der Spule und I der sie durchfließende elektrische Strom ist.

Elektrische Energie in einem elektrischen Feld[Bearbeiten]

Wird eine (Probe-)Ladung in einem elektrischen Feld bewegt, wird elektrische Arbeit verrichtet, wobei es zwei dem Vorzeichen nach zu unterscheidende Bewegungsrichtungen gibt:

  • Ist die Bewegungsrichtung entgegen der Kraftrichtung des elektrischen Feldes, wird (von außen) Arbeit verrichtet und die potentielle Energie der Ladung steigt. Dieser Vorgang entspricht immer einer Ladungstrennung.
  • Ist die Bewegungsrichtung dagegen in Richtung der Kraftrichtung des Feldes, verrichtet das elektrische Feld Arbeit an der Ladung. Frei bewegliche Ladungsträger werden entlang des elektrischen Feldes im Leiter bis zur mittleren Driftgeschwindigkeit beschleunigt und es findet eine Umwandlung von potenzieller Energie in kinetische Energie statt (siehe auch Beweglichkeit). Insgesamt also verrichtet die Spannungsquelle in dem elektrischen Verbraucher (Widerstand, elektrischer Motor) mechanische Arbeit und produziert dabei auch stets Wärme (dissipierte Arbeit).

Die Arbeit wird, wie andere physikalische Arbeit auch, in Wattsekunden (Ws) oder Joule (J) angegeben. Die Angabe in Newtonmetern (N m) wäre theoretisch möglich, ist aber in der Praxis nicht anzutreffen.

Zur Verschiebung einer Probeladung q in einem elektrischen Feld  \vec E von Punkt  a nach  b erhält (verrichtet) man elektrische Arbeit.

Motiviert von der Definition der mechanischen Arbeit

W = Arbeit in J oder Ws
\vec F = Kraft in N
 \mathrm{d}\vec s = Strecke in m
Q = Ladung in C
\vec E = Feld in V/m
U = Spannung in V
W=\int_a^b \vec F (s) \cdot \mathrm{d}\vec s

erhält man mit der resultierenden Kraft \ \vec F auf eine Ladung Q im elektrischen Feld :\ \vec E

\vec F = Q \cdot \vec E

die elektrische Arbeit

W = \int_a^b Q \cdot \vec E (s) \cdot \mathrm{d}\vec s,

wobei \mathrm{d}\vec s die aufintegrierten Wegstückchen sind. In einem räumlich konstanten Feld wird aus dem Integral einfach

W = Q \cdot \vec E \cdot \vec s.

In einem konservativen elektrischen Feld wird das Wegintegral wegunabhängig und es lässt sich die Spannung U (elektrisches Potential) gemäß

U\Big|_a^b = - \int_a^b \vec E (s) \cdot \mathrm{d}\vec s

einführen. Damit erhält man die vereinfachte Formel

W = - Q \cdot U

Hausgebrauch[Bearbeiten]

Für den Hausgebrauch benötigt man das Verständnis der elektrischen Arbeit, wenn man elektrische Verbraucher wie beispielsweise einen Kühlschrank oder elektrische Lampen kauft. Hier ist es wichtig zu wissen, dass die Zeit, die das Gerät in Betrieb ist, multipliziert mit der elektrischen Leistung die wesentliche Größe zur Bestimmung der vom elektrischen Gerät benötigten Energie ist.

Der Bedarf an elektrischer Stromstärke in Ampere ist konstruktionsbedingt vom Hersteller festgelegt und entscheidet sich deshalb beim Kauf. Die Netzspannung beträgt in Europa in der Regel 230 Volt bzw. bei Drehstrom 400 Volt Wechselspannung, es sei denn, man greift auf Batterien, Akkumulatoren oder ein Netzteil mit geringerer Spannung zurück.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Karl Küpfmüller, Gerhard Kohn: Theoretische Elektrotechnik und Elektronik. 14. Auflage. Springer, 1993, ISBN 3-540-56500-0.