Elektrisches Klavier

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Hupfeld-Phonola von 1915, pneumatisch angetrieben

Wie im englischen Sprachgebrauch der Begriff Pianola für alle möglichen selbstspielenden Klaviere steht, so ist dies im Deutschen der Begriff Elektrisches Klavier.

Seinen Namen dürfte es der Tatsache verdanken, dass man zur Benutzung der Spielautomatik wenigstens teilweise elektrischen Strom benötigte, der um die Zeit von 1885 bis 1900, als diese Instrumente auf den Markt kamen, eher selten und vor allem etwas Neues war. Die gelegentlich in Wild-West-Filmen vorkommenden Exemplare des "Pianola" sind selten zeitgemäß und meist Harmonien, die regelmäßig mit Pianolas / Player Pianos oder Vorsetzern und Orchestrien in einen Topf geworfen werden.

Der noch bekannte Spruch „Alles elektrisch“ stammt aus der Zeit, als die Werkzeuge und auch die Unterhaltung „elektrisch“ wurden, als umgangssprachliche Umschreibung für „elektrisch angetrieben“. Das einfache elektrische Klavier gibt ein Stück nicht musikalisch wieder, es spielt bzw. „klimpert“ nach den in die Notenrolle gestanzten Löcher.

Diese bescheidenen musikalischen Qualitäten spiegeln sich in dem Schlager von 1930 wider:

In einer kleinen Konditorei,
da saßen wir zwei,
bei Kuchen und Tee.
Wir sprachen beide kein einzig Wort,
doch wussten sofort,
dass wir uns versteh'n.
und das elektrische Klavier
das klimpert leise,
eine Weise von „dir und mir im Glück“.
in einer kleinen Konditorei...

Hochwertige Elektrische Klaviere haben in seltenen Fällen Regelungsmöglichkeiten für die Wiedergabe der Musik. Wenige Modelle besitzen eine Regelung der Anschlagdynamik. Schon häufiger wurde eine Geschwindigkeitsregelung eingebaut.

Die Klavierrollen wurden fabrikmäßig in großen Mengen hergestellt, wobei die Toninformationen nach den Noten auf die Notenrolle übertragen und Löcher gestanzt wurden. Moderne hochwertige Selbstspielklaviere verarbeiten immer Informationen zu Geschwindigkeit (Tempo) und Stärke des Tastenanschlags (Volume).

Elektrische Klaviere lassen sich normalerweise auch manuell spielen. So war die Spielautomatik meist nur ein Ersatz, wenn kein Klavierspieler anwesend war.

Die Spielautomatik wurde früher meistens pneumatisch, also mit Luftdruck betrieben, genauer: mittels Unterdruck. Die Musik wird durch gelochte Papierstreifen, die sogenannte Notenrolle oder auch "Klavierrolle" als Informationsmedium übertragen. Diese Notenrollen sind auswechselbar und waren im Musikalienhandel zu kaufen. Diese Notenrollen folgen in ihrem Layout zwei Grundformaten, dem Format von Welte-Mignon, und dem Format von Ampico. Beide Formate wurden mit der Zeit abgewandelt und (v.a. im Fall Ampico) auch von Konkurrenten mitverwendet.

Der für den Betrieb nötige Unterdruck wird durch einen meist im Unterbau des Instrumentes untergebrachten, elektrischen Dekompressor (Unterdruckpumpe) erzeugt. Dem elektrischen Klavier nahe verwandt sind Klaviere, bei denen der Unterdruck durch Treten von mit Schöpfbälgen verbundenen Fußschemeln erzeugt wird. Seltene, meist frühe Exemplare dieses einfachsten Typs eines automatischen Klaviers werden auch mit Druckluft statt Saugluft betrieben.

Einige wenige Hersteller produzierten und produzieren auch heute noch komplett elektrisch gesteuerte Typen. Hierzu gehören beispielsweise die Modelle PianoDisc und Yamaha Disklavier.

Bei ganz frühen Exemplaren erfolgte die Steuerung der Musik-Wiedergabe mit Stiftwalzen aus Holz, wie auch beim frühen Orchestrion. Man spricht daher vom Walzenklavier. Solche Klaviere wurden bereits ab ca. 1860 hergestellt. Die Bezeichnung Walzenklavier wird häufig irrtümlich für alle klavierähnlichen selbstspielenden Instrumente benutzt. Ab ca. 1895 wurden fast ausschließlich selbstspielende Klaviere produziert die mit Notenrollen spielten, also Rollenklaviere. Echte Walzenklaviere sind sehr selten.

Einfache elektrische Klaviere hatten ihren Platz in Lokalen und Unterhaltungsstätten mit geringen musikalischen Ansprüchen oder waren vor allen in den USA in der Wohnstube anzutreffen, höherwertige Modelle auch in den Wohnzimmern der Oberschicht in Europa.

Sind elektrische Klaviere mit weiteren Instrumenten wie Schlagzeug und Orgelpfeifen gekoppelt, so spricht man von einem Orchestrion.

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